Am 17.02.2019 veröffentlicht
1) zu wahrhaft und wahrhaftig 1, aufrichtigkeit, bestreben die wahrheit zu reden, namentlich als ein dem menschen anhaftender charakterzug: veracitas, worhaftikeit, waarhaftigkeit. gl. 611c; veracitas, warhafftigkeyt. 258d; warhafftigkeit, veracitas. 484b; warheit, warhafftigkeit, verità, veracità. 1209; wahrhafftigkeit, véracité. 1026; die wahrhafftigkeit eines menschen, a man’s veracity, his being far from speaking untruth. 2368; wahrhaftigkeit, veritas, veracitas. 2, 940; wahrhaftigkeit im reden, veracitas 2571; wahrhaftigkeit im mund und wahrheit in den sitten.
1, 16; die wahrhaftigkeit, deren wir uns im laufe dieser geschichte immer befleiszigen werden. 11, 84 (don Sylvio 1, 12); der gute mann erzählt die unglaublichsten und albernsten wunderdinge mit einem so naiven ton von wahrhaftigkeit und überzeugung, dass er entweder ein sehr guter poet oder … eine gar einfältige seele gewesen seyn musz. suppl. 6, 211; die übertretung dieser pflicht der wahrhaftigkeit heiszt die lüge. 3, 407; die wahrhaftigkeit in erklärungen wird auch ehrlichkeit und, wenn diese zugleich versprochen sind, redlichkeit, überhaupt aber aufrichtigkeit genannt. 5, 261; wem es nicht blos um die wahrhaftigkeit des lehrers, sondern auch … um die wahrheit der lehre zu thun ist. 10, 202; wahrhaftigkeit im inneren des geständnisses vor sich selbst und zugleich im betragen gegen jeden anderen sich zur obersten maxime gemacht, ist der einzige beweis des bewusztseins eines menschen, dasz er einen charakter hat. 10, 329 (anthrop. § 87); ein zweiter hauptzug [Bd. 27, Sp. 837]weiterlesen: http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=DWB&mode=Vernetzung&lemid=GW02692#XGW02692
I. formelles.
1) das wort tritt in den ältesten deutschen quellen noch nicht auf. der begriff ‚wahrheit‚ wird ursprünglich meist durch das substantivierte neutr. wâr gegeben (oben sp. 738), bei Otfrid auch durch die fem. wâra und wârî; ferner erscheint für ‚veritas‚ bei Isidor und im Matthäuservangelium das fem. wârnissa, im Weiszenburger katechismus das fem. wârnissî, bei Otfrid das n. wârnissi. unser wort tritt zuerst in den rheinfränkischen psalmenfragmenten als wârheit, dann in den altniederfränkischen psalmen als wârhêd, wârheit, wârheide auf und wird von Notker als wârheit häufig gebraucht. neben mhd. wârheit steht auch mnd. wârheid 5, 604 und fries. wêrhêd 1140. jetzt ndl. waarheid. weiterlesen: http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=DWB&mode=Vernetzung&lemid=GW02692#XGW02692–wahr, adj. der wirklichkeit gemäsz, verwirklicht, wirklich, echt und recht, naturgetreu, wahrhaft u. s. w.
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wahr, adj., nebenform zu gewahr, wie dieses nur in prädicativem gebrauch. es findet sich jetzt in nd. mundarten: wâr worden 3, 512; wôr warden 108; wâr warden 538, gewahr werden, erfahren, empfinden; hier wol aus gewahr entstanden, doch kommt schon mnd. zuweilen war neben gewar vor. 5, 599, auch im Heliand begegnet neben häufigerem giwar einmal der plur. wara im Mon. 1882 (im Cott. giwara). das hd. kennt dagegen ursprünglich nur die zusammengesetzte form. auszerhalb des deutschen begegnet ags. wær gewahr, aufmerksam, vorsichtig, sorgfältig, mengl. war 668, nengl. ware, anord. varr aufmerksam, vorsichtig, schwed. norw. var, dän. vær und var, got. war (nur einmal belegt) vorsichtig, nüchtern.
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eigendünkel, m. arrogantia, vana de se opinio: du möchst lieber in alle sünde fallen, denn in dein eigendünkel. 3, 432b;
drinnen blinder willen herscht und ein tauber eigendünkel.
1, 180, 61;
bloszer eigendünkel!
361b;
die unbescheidenheit in der forderung von andern geachtet zu werden ist der eigendünkel. 5, 300. s. DWB dünkel, DWB selbstdünkel.
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vernunft, f. überlegung, im ahd. und mhd. nd. nachweisbar. zwei formen stehen sich in alter zeit gegenüber: fernumft und fernunst, beide fortbildungen aus dem schon abgeleiteten ferniman, aber bei gleicher bedeutung mit verschiedner endung. fernumft steht danach zu den bildungen: zunft, kunft, während fernunst zu dienst zu stellen ist. in alter zeit ist vernunst im oberd. das gewöhnlichere, vielleicht weist vernunft mehr auf md. hin und ist von daher eingedrungen. im ahd. ist nach den zusammenstellungen Graffs vernumft zwar nicht unerhört, doch verschwindend hinter vernunst. im mhd. beginnt erst im 14. jahrh. vernunft sich auszubreiten, mnd. vornumst, vornumpst neben vornuft ( 5, 415b). in den Diefenbachischen glossarien findet sich vornust (intellectus) in einem nd. glossar gloss. nov. 314a, sonst nur die formen vornufft, vornonft, vernofft, vernunfft anagoge, intellectio, intelligentia ( 302c, gloss. nov. 22b. 210b), aber allerdings in md. glossarien. in der nhd. zeit hat sich keine andre form als vernunft ergeben.
die bedeutung ist ursprünglich: das richtige auffassen, das aufnehmen, aber schon im ältesten deutsch ist es das vermögen womit wir die aufgenommnen gegenstände in uns verarbeiten, die
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vernünftigkeit, f.: ein rechtschaffen weib weisz durch jhren fleisz und vernünfftigkeit alles zu mittlen. christl. vermächtnis 197; dis war die bedingung der ichheit, der vernünftigkeit überhaupt. naturrecht 34; nichts besteht in die länge als das übel, das hartnäckige und die einsamkeit der seele, die wir alsdann mit unserer frommen vernünftigkeit betrachten und beobachten. Seldwyla 405.
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Zur Vorsilbe >>VER<< noch einen Gedanken hinzu: VER hatte offenbar bevor es VER, also eine Schwächung geworden war, die Bedeutung FÜR.. also könnte statt vernunft FÜRNUNFT gesagt worden sein, oder immer noch gesagt werden – oder auch PRONUNFT.
Vom ursprünglichen ahd. augehend aber müsste es FARNUNFT heissen.
-eine …NUN..FT hat es anscheinend aber nicht gegeben – hier müsste noch geforscht werden wo sich das herleitet… jedenfalls steck das JETZT oder auch NU (schnell) da drinnen.
Die VERNUNFT ist also gar nicht so leicht zu durchschauen – 😉
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ver , vorsilbe, vor nomina und verba gesetzt, niemals selbständig; neben ge die weitest verbreitete partikel.
I. form.
1) die germanischen sprachen zeigen vier verschiedene partikeln, die in form und bedeutung nahe verwandt sind: far, fir, fur, fra. den germanischen stämmen entsprechen die indogermanischen par (sanskr. parâ, griech. παρά, lat. per, litt. par, per), pur (sanskr. puras), pra (sanskr. pra, griech. πρό, lat. prôd, prae, slav. pra, pro), vgl. indogerm. wb. 1, 140. diese formen scheinen auf einen stamm zurückzugehen ( gramm. 2, 851), welcher die bedeutung ‚vorbei, hinweg‚ hat und den (a. a. o.) und (ind. studien 2, 406) mit dem verbalstamme par (hinweggehen) zusammenstellen. wegen der ableitungen vom germanischen stamme fur ist für, vor zu vergleichen; der germanische stamm fra, goth. fra, ags. frä, altn. frâ (auch selbständig), dän. fra, schwed. fr kommt hier nicht in betracht. ins hochdeutsche scheint er keinen eingang gefunden zu haben; denn die wenigen belege, welche gramm. 2, 731 aus dem althochdeutschen aufführt: frapald, kühn, frasëʒ, rost, frasûmîc, versäumend, können auf einer erst im althochdeutschen sich vollziehenden verschiebung beruhen, die ja oft eintritt, wo liquide laute ins spiel kommen. das bei 1, 530 aufgeführte ahd. frâʒ, präter. zu friʒʒu, könnte zwar aus fraaʒ, gleich goth. frêt, entstanden sein, doch ist es nur einmal als länge nachgewiesen, sonst kürze: fraʒ, vraʒ, wo ver einfach sein e ausgestoszen hat (wie bei vreischen).
2) dem gothischen fra und fair steht ahd. far …
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