Blick in ein ägyptisches Foltergefängnis

Andreas von Rétyi

In Ägypten scheint aus dem Arabischen Frühling ein Arabischer Winter zu werden. Statt Demokratie gibt es auch unter dem neuen Präsidenten Mohammed Mursi ein Foltergefängnis, in dem politisch nicht korrekte Menschen gequält und verhört werden.

Es geht alles sehr schnell. Mit geübten Griffen wird der Delinquent überwältigt und findet sich bald in der kargen Gefängniszelle wieder, unter menschenunwürdigen Bedingungen. Widerstand nützt nichts mehr, Folterknechte stehen schon bereit, um ihr grausames Werk zu beginnen. Sie prügeln auf den Häftling ein, treten ihn und schlagen ihn mit Stöcken am ganzen Körper, auch mitten ins Gesicht. Der Wehrlose windet sich vor Schmerzen, während die Männer ihm die Kleider vom Leib reißen.

Sein Verbrechen: Er war anderer Meinung. Er hat das offen geäußert. Er hat den Machthaber kritisiert. Diese Szene scheint dem finsteren Mittelalter zu entstammen. Leider nein. Denn all das geschieht auch heute noch. Die Welt hat sich nicht so weit vom Mittelalter entfernt, wie uns vielfach suggeriert wird. Das alles passiert gegenwärtig in Ägypten. Mit dem von der CIA gesteuerten Arabischen Frühling nahm die Ära Mubarak ihr Ende – doch was brachte der Wandel?

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/andreas-von-r-tyi/die-reportage-blick-in-ein-aegyptisches-foltergefaengnis.html