Rakowski-Protokolle: Innerer Widerspruch + Zeit = Kommunismus >> Sozialismus >> NWO

Kristjan (Christian) Jurjewitsch Rakowskij (Rakowski) – Sowjetdiplomat, Trotzkist und Hochgradfreimaurer will Stalins Genickschuß entgehen und packt deshalb aus über JENE, die sich anmaßen, im Hintergrund das Geschick der Menschheit zu lenken.

1) Protokoll über die Vernehmung durch den GPU-Offizier Kuzmin (1938)

2) Anmerkungen von Gerold Bernert (2002)

3) Anmerkungen von Johannes Rothkranz (1993)

4) Anmerkungen von Johannes Rothkranz (1996)

5) Wolfgang Bittner (FM) versucht sich an Hans Werner Woltersdorf (1996)

6) Red Symphony

Rakowskij‑Protokoll (Text) über die Vernehmung des Sowjet­botschafters Kristjan Jurjewitsch Rakowskij durch den Beamten der GPU Gabriel G. Kuzmin am 26. Januar 1938 in Moskau

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Rakowski-Protokolle (1)

Kuzmin, i.F.: Kuz.): Wie wir in der Ljubjanka übereinkamen, habe ich mich darum bemüht, für Sie eine letzte Chance zu erwirken; Ihre Anwesenheit hier beweist, daß ich dies erreicht habe. Wollen sehen, ob Sie uns täuschen werden.

Rakowskij, i.F.: Rak.): Ich wünsche und hoffe, daß nicht.

Kuz.: Aber vorher einen Rat von Mann zu Mann: Hier handelt es sich jetzt um die reine Wahrheit. Nicht um die „Prozeß‑Wahrheit“, wie sie im Prozeß im Licht der Geständnisse der anderen Angeklagten erscheinen muß und sich, wie Sie wissen, völlig der politischen Notwendigkeit, der „Staatsraison“, wie man im Westen sagt, unterzuordnen hat. Die Notwendigkeiten der internationalen Politik lassen uns die ganze Wahrheit, die „wahre Wahrheit“, geheimhalten. Ganz gleich, wie der Prozeß verläuft, die Völker und Menschen werden das erfahren, was sie erfahren sollen ‑ einer aber muß alles wissen: Stalin. Ihre Worte hier, seien sie wie sie wollen, können Ihre Lage nicht verschlimmern. Diese läßt ohnehin, wie Sie wissen, keine Verschlimmerung zu. Sie können sich nur zu Ihren Gunsten auswirken. Sie können Ihr in diesem Augenblick schon verlorenes Leben zurückgewinnen. So ‑ nun wollen wir sehen: ihr alle werdet also bekennen, daß ihr Spione Hitlers im Solde der Gestapo und des 0.K.W. seid, nicht wahr?

Rak.: Ja!

Kuz.: Und ihr seid Spione Hitlers?

Rak.: Ja!

Kuz.: Nein, Rakowskij, nein! Sagen Sie die Wahrheit, nicht die Prozeßwahrheit !

Rak.: Wir sind keine Spione Hitlers, wir hassen Hitler so, wie Sie ihn hassen, so wie Stalin ihn hassen kann, vielleicht noch mehr. Aber die Sache ist sehr kompliziert.

Kuz.: Ich werde Ihnen helfen. Vielleicht weiß ich auch etwas. Ihr Trotzkisten habt Kontakt mit dem Deutschen Generalstab aufgenommen, nicht war?

Rak.: Ja!

Kuz.: Seit wann?

Rak.: Das genaue Datum weiß ich nicht, aber bald nach dem Sturz Trotzkijs, lange bevor Hitler an die Macht kam.

Kuz.: Dann sind Sie also nicht Spione von Hitler persönlich oder von seinem Regime?

Rak.: Richtig. Wir waren es schon vorher.

Kuz.: Und mit welcher Absicht? Etwa um ihm einen Sieg und einige russische Gebiete für Deutschland zu schenken?

Rak.: Nein, keinesfalls.

Kuz.: Dann also als gemeine Spione, für Geld?

Rak.: Für Geld? Wir haben keine Mark von Deutschland bekommen. Hitler hat nicht entfernt genug Geld, um beispielsweise einen Volkskommissar für innere Angelegenheiten der Sowjetunion zu kaufen, hat doch dieser zu seiner freien Verfügung ein Budget, das größer ist als die Vermögen der Ford, Morgan und Vanderbilt zusammen, ohne auch nur darüber Rechenschaft geben zu müssen.

Kuz.: Also ‑ aus welchem Grunde dann?

Rak.: Darf ich ganz frei sprechen?

Kuz.: Ich bitte Sie darum, dazu habe ich Sie ja aufgefordert.

Rak.: Hatte nicht auch Lenin einen höheren Grund, die Hilfe Deutschlands anzunehmen, damit er nach Rußland gelangen konnte? Muß man die Verleumdungen gelten lassen, die dann gegen ihn geschleudert wurden? Nannte man nicht auch ihn einen Spion des Kaisers? Seine Verbindung zum Kaiser und das deutsche Eingreifen, damit die Bolschewisten als Anstifter der Niederlage nach Rußland gelangten sind doch offensichtlich.

Kuz.: Ob das richtig oder falsch ist, gehört nicht zur Sache.

Rak.: Nein, erlauben Sie mir, dies abzuschließen. Steht nicht fest, daß Lenins Handlungsweise dem deutschen Staate zu gute kam? Gestatten Sie: Hier ist der Friede von Brest‑Litowsk, in dem gewaltige Gebiete der Sowjet­-Union an Deutschland abgetreten wurden. Wer hat das Herbeiführen der Niederlage als bolschewistische Waffe schon 1913 proklamiert? Lenin, ‑ ich weiß die Worte seinen Briefes an Gorkij auswendig: „Der Krieg zwischen Österreich und Rußland würde für die Revolution sehr nützlich sein, aber es ist nicht sehr wahrscheinlich, daß Franz Josef und Nikita uns diese Gelegenheit bieten.“ Sie sehen: Wir, die sogenannten Trotzkisten, die die Herbeiführung der Niederlage im Jahre 1905 erfanden, zu welcher Methode sich dann Lenin 1913 bekennt, wir verfolgen jetzt noch diese Taktik, die Taktik Lenins …

Kuz.: Mit dem kleinen Unterschied, Rakowskij, daß heute in der Sowjetunion der Sozialismus und nicht ein Zar herrscht.

Rak.: Glauben Sie an das Bestehen des Sozialismus in der Sowjetunion?

Kuz.: Ist denn die Sowjetunion nicht sozialistisch?

Rak.: Für mich nur dem Namen nach. Hier liegt der wahre Grund der Opposition. Gestehen Sie mir zu ‑ und der reinen Logik nach müssen Sie es mir zugestehen ‑, daß wir theoretisch, der Vernunft nach, das gleiche Recht haben, „Nein“ zu sagen, wie Stalin es hat „Ja“ zu sagen? Und wenn der Sieg des Kommunismus es rechtfertigt, daß man die Niederlage herbeiführe, so hat, wer den Kommunismus durch Stalins Bonapartismus für verraten und verkauft hält, ebensoviel Recht, die Niederlage herbeizuführen, wie Lenin es hatte.

Kuz.: Ich glaube, Rakowskij, daß Ihr großer Stil als Dialektiker Sie zum Theoretisieren verleitet. In der Öffentlichkeit würde ich Ihnen widersprechen, das ist klar; gut, ich erkenne Ihr Argument an, das einzig mögliche in Ihrer Lage, obwohl ich glaube, ich könnte Ihnen beweisen, daß es nur ein Sophisma ist. Doch das zu anderer Zeit, wir werden noch eine Gelegenheit haben, und ich hoffe, daß Sie mir die Revanche gestatten werden. Im Augenblick nur soviel: wenn Ihr Herbeiführen der Niederlage und die Niederlage der Sowjetunion selbst nur den Zweck hat, den Sozialismus, den wirklichen Sozialismus, also nach Ihnen den Trotzkismus, durchzusetzen, so ist in dem Augenblick eine solche Niederlage ziel‑ und zwecklos, wo doch alle Ihre Führer und Kadres so konsequent liquidieren würden, wie wir es getan haben. Die Niederlage würde nur die Thronerhebung eines „Führers“ oder eines faschistischen Zaren zur Folge haben, nicht war?

Rak.: In der Tat, Ihr Schluß ist richtig.

Kuz.: Nun, wie ich glaube, beweist das deutlich, daß wir schon viel erreicht haben. Ich, der Stalinist, und Sie, der Trotzkist, haben das Unmögliche möglich gemacht und sind zu einem Punkt gelangt, in dem wir übereinstimmen. Wir stimmen darin überein, daß heute die Sowjetunion nicht besiegt werden darf.

Rak.: Ich bekenne, daß ich nicht geglaubt hatte, mich so einem intelligenten Manne gegenüber zu sehen. In der Tat, für jetzt und noch für viele Jahre dürfen wir die Niederlage der Sowjetunion weder wünschen noch herbeiführen, denn heute ‑ soviel ist sicher ‑ wären wir gar nicht in der Lage, sie für eine Machtergreifung auszunutzen. Wir Kommunisten hätten keinen Vorteil davon. So ist die Lage wirklich, ich stimme darin mit Ihnen überein. Die Zerstörung des stalinistischen Staates kann uns heute nicht bewegen. Ich sage das, indem ich noch einmal betone, daß dieser Staat am allermeisten antikommunistisch ist. Sie sehen, ich bin offen.

Kuz.: Ich erkenne es, und das ist auch der einzige Weg, damit wir uns verstehen. Ich bitte Sie jedoch noch um eine Erklärung für etwas, was ich als einen Widerspruch in sich empfinde: Wenn für Sie der sowjetische Staat der am meisten antikommunistische ist ‑ warum wünschen Sie heute nicht seine Zerstörung? Ein anderer wäre doch weniger antikommunistisch, also ein geringeres Hindernis, damit Sie Ihren reinen Kommunismus einführen könnten …

Rak.: Nein, das ist eine allzu vereinfachte Deduktion. Auch wenn Stalins Bonapartismus dem Kommunismus so entgegengesetzt ist wie Napoleon der Revolution, ist es augenfällig, daß die Sowjetunion doch weiter eine kommunistische Lehre und Form hat; sie hat einen formalen, keinen realen Kommunismus. Und wie das Verschwinden Trotzkijs es Stalin erlaubte, automatisch den realen in den formalen Kommunismus zu verwandeln, so wird das Verschwinden Stalins uns erlauben, seinen formalen in einen realen Kommunismus zu verwandeln. Eine Stunde würde uns genügen. Haben Sie mich verstanden?

Kuz.: Ja, natürlich. Sie haben uns eine klassische Wahrheit gesagt, nämlich daß niemand zerstört, was er zu erben wünscht. Nun gut, das alles ist ein sophistisches Gespinst. Es gründet sich auf eine Annahme, die von den Tatsachen widerlegt wird, nämlich auf Stalins Antikommunismus. Gibt es Privateigentum in der Sowjetunion? Gibt es persönlichen Mehrwert? Gibt es Klassen? Ich will nicht mehr Tatsachen anführen ‑ wozu auch?

Rak.: Ich habe Ihnen das Bestehen eines Formalkommunismus ja zugestanden. Alles, was Sie anführen, sind hohle Formen.

Kuz.: So? Und zu welchem Zweck? Etwa aus bloßer Laune?

Rak.: Nein, es ist eine Notwendigkeit! Es ist nicht möglich, die materialistische Entwicklung der Geschichte aufzuhalten, um so weniger, je mehr man sie zu bremsen wünscht. Und mit welchen Kosten! Auf Kosten dessen, daß man sie in der Theorie annehmen muß, um sie in der Praxis zu hintertreiben. So unbesiegbar ist die Kraft, die die Menschheit zum Kommunismus drängt, daß nur sie es vermag, gegen sich selbst gekehrt, die Schnelligkeit der Entwicklung, genauer gesagt das Fortschreiten der permanenten Revolution, aufzuhalten.

Kuz.: Ein Fall?

Rak.: Hitler. Das ist der offensichtlichste Fall. Er benötigte den Sozialismus, um den Sozialismus zu besiegen. Daher sein antisozialistischer Sozialismus ‑ das nämlich ist der Nationalsozialismus. Stalin braucht einen Kommunismus, um den Kommunismus zu besiegen. Daher sein antikommunistischer Kommunismus, denn das ist sein Nationalkommunismus. Die Parallele fällt in die Augen. Aber trotz des Antisozialismus‘ Hitlers und des Antikommunismus‘ Stalins, schaffen beide, gegen ihren Willen, doch Sozialismus und Kommunismus und viel mehr. Ob sie wollen oder nicht, ob sie es wissen oder nicht, bauen sie einen formalen Sozialismus und einen formalen Kommunismus, den wir, die Erben von Marx, schicksalhaft erben müssen.

Kuz.: Beerben? Aber wer erbt denn? Die Liquidation des Trotzkismus ist restlos.

Rak.: Auch wenn Sie das sagen, glaube ich es nicht, wie riesenhaft auch die „Säuberungen“ sind ‑ wir Kommunisten überleben sie doch. Nicht alle Kommunisten kann Stalin erfassen, wie lang auch die Arme seiner Ochrana sind.

Kuz.: Rakowskij, ich bitte Sie, und notfalls befehle ich es Ihnen, sich verletzender Anspielungen zu enthalten. Mißbrauchen Sie nicht Ihre diplomatische Immunität!

Rak.: Nanu, bin ich noch bevollmächtigter Minister? Botschafter? Von wem?

Kuz.: Genau gesagt, von diesem unerreichbaren Trotzkismus, wenn wir ihn so nennen wollen.

Rak.: Vom Trotzkismus, auf den Sie anspielen, kann ich nicht bevollmächtigt sein; er hat mir seine Vertretung nicht übertragen, und ich habe sie mir nicht genommen. Sie haben sie mir gegeben.

Kuz.: Ich fange an zu vertrauen. Ich notiere zu Ihren Gunsten, daß, als ich auf den Trotzkismus anspielte, Sie seine Existenz nicht bestritten haben. Das ist ein guter Anfang.

Rak.: Wie sollte ich es bestreiten? Ich war es ja, der ihn erwähnt hat.

Kuz.: Nachdem wir das Bestehen eines sehr besonderen Trotzkismus durch gegenseitiges Übereinkommen anerkannt haben, wünsche ich, daß Sie mir einige Hinweise geben, um die angeführten Übereinstimmungen auszuwerten.

Rak.: In der Tat, ich kann hinweisen auf das, was mir zur Sache zu gehören scheint, ohne versichern zu können, daß das immer genau der Gedankengang von „Jenen“ ist.

Kuz.: So habe ich es also zu erwägen.

Rak.: Wir sind darin einig geworden, daß für jetzt die Opposition an Niederlagen oder dem Sturz von Stalin nicht interessiert sein kann, denn wir haben nicht die physische Möglichkeit, ihn zu ersetzen. Darin stimmen wir beide überein. Nun aber eine unbestrittene Tatsache: Der potentielle Angreifer besteht. Da ist dieser große Nihilist Hitler, der die gefährliche Pistole der Wehrmacht gegen den ganzen Horizont richtet. Mit oder ohne unser Zutun ‑ wird er gegen die Sowjetunion das Feuer eröffnen? Lassen Sie uns übereinkommen, daß das für uns die entscheidende Unbekannte ist. Halten Sie das Problem für richtig gestellt?

Kuz.: Es ist richtig gestellt. Jedoch für mich gibt es dabei keine entscheidende Unbekannte. Ich halte den Angriff Hitlers auf die Sowjetunion für unbedingt sicher.

Rak.: Warum?

Kuz.: Einfach deswegen, weil der, der ihm Befehle gibt, es so anordnet. Hitler ist nur ein Kondottiere des internationalen Kapitalismus.

Rak.: Ich gestehe die Existenz der Gefahr zu, aber von da bis zur Verkündung, daß ein Angriff Hitlers auf die Sowjetunion unbedingt sicher sei, klafft ein Abgrund.

Kuz.: Den Angriff auf die Sowjetunion bestimmt schon das innerste Wesen des Faschismus selbst; außerdem drängen ihn dazu alle kapitalistischen Staaten, die ihn zu seiner Wiederaufrüstung ermächtigt haben sowie zur Besitzergreifung aller wirtschaftlichen und strategischen Basen dafür. Das ist zu augenfällig.

Rak.: Sie vergessen etwas sehr Wichtiges: Die Wiederaufrüstung Hitlers und die Möglichkeiten und Straflosigkeiten, die ihm die Versailler Nationen bis jetzt gegeben haben, merken Sie wohl, haben sie ihm in einer besonderen Zeit gegeben … nämlich als die Opposition noch da war, als wir noch einen besiegten Stalin hätten beerben können. Halten Sie dies für ein zufälliges zeitliches Zusammenfallen?

Kuz.: Ich sehe keine Verbindung zwischen der Tatsache, daß die Nationen von Versailles die deutsche Wiederaufrüstung gestattet haben, und dem Bestehen der Opposition. Die Tragweite des Hitlerismus ist in sich völlig klar und logisch. Der Angriff auf die Sowjetunion findet sich seit ältester Zeit in seinem Programm. Die Zerstörung des Kommunismus und die Ausdehnung nach Osten sind ein Dogma in „Mein Kampf“, diesem Talmud des Nationalsozialismus. Und daß Ihre Politik der Niederlage diese bekannte Drohung hat benutzen wollen, ist angesichts Ihrer Gesinnung natürlich.

Rak.: Ja, auf den ersten Blick erscheint das alles logisch und natürlich, aber allzu logisch und natürlich, als daß es stimmen könnte.

Kuz.: Damit es nicht so wäre, damit uns Hitler nicht angreift, müßten wir auf das Bündnis mit Frankreich vertrauen . . . und das wäre gewiß geistvoll. Das wäre so dumm, als wollte man darauf vertrauen, daß der Kapitalismus sich opfern sollte zur Rettung des Kommunismus.

Rak.: Wenn man ohne größere politische Kenntnisse als diejenigen einer Massenversammlung diskutiert, haben Sie ganz recht. Aber wenn das Ihr Ernst ist ‑ entschuldigen Sie, dann bin ich enttäuscht. Ich hielt die politische Bildung der berühmten Polizei Stalins für höher stehend.

Kuz.: Der Angriff des Hitlerismus auf die Sowjetunion ist außerdem eine dialektische Notwendigkeit; es heißt soviel, wie den schicksalhaften Klassenkampf auf die internationale Ebene zu erheben. Bei Hitler wird notwendigerweise die ganze kapitalistische Welt stehen.

Rak.: So, angesichts Ihrer scholastischen Dialektik, bilde ich mir eine noch armseligere Vorstellung von der politischen Bildung des Stalinismus. Ich höre Sie sprechen, wie etwa Einstein einen Gymnasiasten über die vierdimensionale Physik sprechen hören würde. Ich sehe, daß Sie vom Marxismus nur seine Elementarien kennen, das Demagogische und Populäre.

Kuz.: Falls es nicht zu lang und zu dunkel sein sollte, bitte ich Sie, mir etwas von dieser „Relativität“ und „Quantentheorie“ des Marxismus zu enthüllen.

Rak.: Keine Ironie! Ich spreche getragen von einem besseren Wunsche. In diesem gleichen Elementar‑Marxismus, den man Ihnen noch auf Stalins Universitäten beibringt, können Sie einen Grund finden, die Ihrer These über die Gewißheit des Angriffes Hitlers auf die Sowjetunion widerspricht. Man lehrt ja immer noch als Eckstein des Marxismus, daß der innere Widerspruch die unheilbare und tödliche Krankheit des Kapitalismus ist ‑ oder nicht?

Kuz.: Das stimmt.

Rak.: Und wenn das so ist, wenn der Kapitalismus am dauernden inneren Widerspruch auf wirtschaftlichem Gebiet leidet? Das wirtschaftliche und das politische Gebiet sind keine Einheiten in sich, es sind Zustände oder Dimensionen der sozialen Einheit, und die inneren Widersprüche entstehen auf dem sozialen Gebiet und wirken sich aus auf wirtschaftlichem oder politischem Gebiet oder, je nach dem, auch auf beiden. Es wäre absurd, Fehlbarkeit auf wirtschaftlichem Gebiet, aber Unfehlbarkeit auf politischem Gebiet annehmen zu wollen, etwa als Voraussetzung dafür, daß sich Ihre These vom Angriff auf die Sowjetunion bestätigt.

Kuz.: So bauen Sie in allem auf den inneren Widerspruch, die Schicksalhaftigkeit, den unvermeidlichen Irrtum, denen die Bourgeoisie unterliegen muß, sollte der Angriff Hitlers auf die Sowjetunion vermieden werden. Ich bin Marxist, Rakowskij, aber hier unter uns, und ohne irgend einen Kämpfer beleidigen zu wollen, sage ich Ihnen, daß ich bei all meinem Glauben an Marx doch die Existenz der Sowjetunion nicht einem Irrtum ihrer Feinde zuschreiben möchte ‑ und Stalin wohl auch nicht.

Rak.: Ich aber doch … Nein, sehen Sie mich nicht so an, ich mache weder Scherze, noch bin ich verrückt.

Kuz.: Gestatten Sie mir wenigstens meine Zweifel zu hegen, solange Sie mir nicht Ihre Behauptung beweisen können.

Rak.: Sehen Sie, wie recht ich hatte, Ihre marxistische Bildung für mittelmäßig zu halten? Ihre Gründe und Reaktionen sind doch diejenigen eines Kämpfers aus Reih und Glied.

Kuz.: Und sind sie nicht wahr?

Rak.: Ja, wahr für den kleinen Zellenobmann, den Bürokraten und die Masse. Angebracht für die Leute, die in Reih und Glied kämpfen … Die müssen das glauben und buchstäblich wiederholen … Hören Sie mich vertraulich ‑ es geht mit dem Marxismus wie mit den antiken esoterischen Religionen; ihre Gläubigen mußten auch nur das Elementare, ja das Grobe kennen, wenn man den Glauben erwecken wollte, der etwas absolut Notwendiges ist, in der Religion wie in der Revolution.

Kuz.: Werden Sie mir nicht jetzt einen mysteriösen Marxismus enthüllen wollen, etwas wie eine neue Freimaurerei?

Rak.: Nein, nichts von Esoterik. Im Gegenteil ‑ ich werde es Ihnen mit der Klarheit des hellen Mittags zeigen. Der Marxismus, noch ehe er ein philosophisches System, ein System der Wirtschaft oder Politik ist, ist eine Verschwörung für die Revolution. Und da die Revolution für uns die einzige absolute Wirklichkeit ist, so sind Philosophie, Wirtschaft und Politik nur insoweit Wahrheit, als sie zur Revolution führen. Die innere, sagen wir die subjektive Wahrheit in der Philosophie, Wirtschaft, Politik und auch in der Moral besteht überhaupt nicht, sie kann nur Wahrheit oder Irrtum im Sinne wissenschaftlicher Abstraktion sein. Diese aber ist für uns der Dialektik der Revolution untergeordnet ‑ der einzigen Wirklichkeit und darum der einzigen Wahrheit, und darum muß sie es auch für jeden echten Revolutionär, also auch für Marx, sein und sich also auch so auswirken. Erinnern Sie sich jenes Satzes von Lenin, als jemand ihm entgegenhielt, daß seine Absicht der Wirklichkeit entgegenstände?

„Ich spüre es durch die Wirklichkeit“ sagte er. Glauben Sie, daß Lenin eine Albernheit gesagt hat? Nein, für ihn war jede Wirklichkeit relativ gegenüber der einen und absoluten: der Revolution.

Marx war genial. Wenn sein Werk nur eine gründliche Kritik des Kapitals wäre, so stellte es schon eine wissenschaftliche Leistung ohnegleichen dar; aber wo es die Kategorie der Meisterwerke erreicht, da wird es zur ironischen Schöpfung: „Der Kommunismus muß triumphieren, weil sein Feind, das Kapital, ihm den Triumph verschafft.“ Das ist die Leitthese von Marx. Gibt es eine größere Ironie? Damit man ihm glaubte, genügte es, den Kapitalismus und den Kommunismus zu entpersönlichen, das menschliche Wesen in ein rationales Wesen zu verwandeln wie ein wunderbarer Taschenspieler. Das war sein geniales Hilfsmittel, um den Kapitalisten, die die Wirklichkeit des Kapitals darstellen, zu sagen, daß der Kommunismus durch ihre angeborene Idiotie triumphieren würde. Denn ohne die dauernde Idiotie des ‚homo oeconomicus‘ kann es in ihm nicht den von Marx proklamierten dauernden inneren Widerspruch geben. Zu erreichen, daß der ‚homo sapiens‘ sich in den ‚homo stultus‘ verwandelt, heißt eine magische Macht zu besitzen, heißt fähig zu sein zu bewirken, daß der Mensch auf der zoologischen Leiter wieder bis zur untersten Stufe herabsteigt, nämlich zur Bestie. Nur weil die Existenz des ‚homo stultus‘ in dieser Epoche der Höhe des Kapitalismus gegeben ist, kann Marx seine axiomatische Gleichung formulieren: Innerer Widerspruch + Zeit = Kommunismus. Glauben Sie mir, wenn wir Eingeweihten ein Bild von Marx sehen, selbst wenn es sich hier über dem Haupteingang der Lubjanka brüstet, können wir einen inneren Lachanfall nicht unterdrücken ‑ wir sehen ihn hinter seinem Bartfußsack über die ganze Menschheit lachen.

Kuz.: Sind Sie tatsächlich im Stande, sich über den wunderbarsten Gelehrten der Epoche lustig zu machen?

Rak.: Ich mich lustig machen? Nein ‑ das ist Bewunderung! Damit es Marx glücken konnte, so viele Männer der Wissenschaft zu täuschen, mußte er ihnen allen überlegen sein. Jetzt aber, um Marx in seiner ganzen Größe beurteilen zu können, müssen wir uns den wirklichen Marx anschauen, den Revolutionär, den Marx des kommunistischen Manifestes. Das heißt Marx den Konspirator, denn während seines ganzen Lebens lebte die Revolution ja schon im Zustand der Konspiration. Nicht umsonst dankt ja die Revolution ihre Erfolge und endlichen Siege diesen Männern der konspirativen Arbeit.

Kuz.: Leugnen Sie also den dialektischen Prozeß der inneren Widersprüche des Kapitalismus im Endtriumph des Kommunismus?

Rak.: Seien Sie versichert, daß, wenn Marx geglaubt hätte, daß der Sieg des Kommunismus lediglich durch den inneren Widerspruch im Kapitalismus kommen würde, so hätte er den inneren Widerspruch gewiß nicht ein einziges Mal auf den Tausenden von Seiten seines wissenschaftlich‑revolutionären Werkes erwähnt. Das wäre ein kategorischer Imperativ der wirklichen, nämlich revolutionären, nicht der wissenschaftlichen Natur von Marx gewesen. Ein Revolutionär, ein Konspirateur enthüllt doch niemals dem Gegner das Geheimnis seines Sieges. Er gibt ihm doch niemals Information ‑ er gibt ihm „Desinformation“, wie Sie es in der Gegenspionage zu tun pflegen. Nicht war?

Kuz.: Damit kommen wir also nach Ihrer Darstellung zu dem Schluß, daß es keine Widersprüche im Kapitalismus gibt, und daß, wenn Marx auf solche hinweist, dies nur ein strategisch‑revolutionäres Hilfsmittel ist. So ist es doch? Aber die kolossalen, dauernd zunehmenden Widersprüche im Kapitalismus sind doch vorhanden. Daraus also ergibt sich, daß Marx lügend die Wahrheit sagte.

Rak.: Sie werden als Dialektiker gefährlich, wenn Sie den Zügel der scholastischen Dogmatik zerreißen und Ihrem eigenen Ingenium freie Bahn lassen. Es stimmt ‑ Marx sagte lügend die Wahrheit. Er log, als er den Irrtum, den inneren Widerspruch als „Konstante“ der Wirtschaftsgeschichte des Kapitals proklamierte und sie für „natürlich und schicksalhaft“ erklärte; jetzt aber: er sagte die Wahrheit, denn er wußte bereits, daß die Widersprüche sich in steigendem Maße produzieren und vermehren würden bis zu ihrem Höhepunkt.

Kuz.: Dann ‑ jetzt werden Sie antithetisch.

Rak.: Hier besteht keine Antithese. Marx täuscht aus taktischen Gründen über den Ursprung der Widersprüche im Kapitalismus, nicht über ihr augenfälliges Bestehen hinweg. Marx wußte, wie sie sich erzeugen, verschärfen und endlich die totale Anarchie der kapitalistischen Produktion als Einleitung zum Triumph der kommunistischen Revolution bewirken würden. Er wußte, daß sie sich ereignen würden, weil er diejenigen kannte, die sie produzierten.

Kuz.: Es ist eine eigenartige Neuheit, jetzt zu entdecken, daß es nicht das Wesen und ihm eingeborene Gesetz des Kapitalismus ist, das ihn dazu bringt, sich „selbst zu töten“, wie es mit einer glücklichen Formulierung, Marx bestätigend, ein bürgerlicher Wirtschaftswissenschaftler, Schmalenbach, ausgesprochen hat. Aber mich interessiert sehr, ob wir so zum Persönlichen kommen werden.

Rak.: Haben Sie es noch nicht gespürt? Haben Sie nicht bemerkt, wie sich bei Marx Wort und Werk widersprechen? Er proklamiert die Notwendigkeit, ja Schicksalhaftigkeit des inneren Widerspruches im Kapitalismus und weist auf den Mehrwert und die Akkumulation des Kapitals hin. Er weist so auf eine echte Wirklichkeit hin. Der größeren Konzentration der Produktionsmittel ‑ sagt er scharfsinnig ‑ entspricht die größere proletarische Masse, die größere Kraft, um den Kommunismus durchzusetzen, nicht war? ‑ Nur aber, zur gleichen Zeit, da er dies proklamiert, gründet er die Internationale. Und die Internationale ist im Klassenkampf des Tages „reformistisch“, das heißt, eine Organisation, um den Mehrwert zu begrenzen, und, wenn möglich, zu beseitigen. Daher ist objektiv die Internationale nach der Theorie von Marx eine kontrarevolutionäre, antikommunistische Organisation.

Kuz.: Und das bedeutet, daß Marx ein Kontrarevolutionär, ein Antikommunist wäre?

Rak.: Da sehen Sie, wie man eine bloße marxistische Elementarbildung ausbeuten kann. Die Internationale als kontrarevolutionär und antikommunistisch mit logischer und doktrinärer Klarheit zu bezeichnen, das bedeutet in den Tatsachen nur ihre sichtbare und sofortige Wirkung, in den Texten nur den Buchstaben zu sehen. Zu so absurden Ergebnissen kommt man, gerade weil sie einleuchtend zu sein scheinen, wenn man vergißt, daß Worte und Taten im Marxismus den strengen Regeln der höheren Wissenschaft untergeordnet sind: den Regeln der Konspiration und der Revolution.

Kuz.: Werden wir endlich zu einem endgültigen Schluß kommen?

Rak.: Gleich. Wenn der Klassenkampf auf wirtschaftlichem Gebiet in seiner nächsten Wirkung reformistisch und daher den ersten theoretischen Voraussetzungen für den Durchbruch des Kommunismus entgegengesetzt ist, so ist er in seiner echten und wirklichen Bedeutung rein revolutionär. Aber, wie ich noch einmal wiederhole, untergeordnet den Regeln der Konspiration, das heißt der Verschweigung und Verbergung seines wahren Zieles. Die Beschränkung des Mehrwertes und damit der Akkumulation auf Grund des Klassenkampfes ist nur der Schein, eine Art Spiegelfechterei, um die erste revolutionäre Bewegung der Masse auszulösen. Der Streik ist schon ein Versuch zur revolutionären Mobilmachung. Unabhängig davon, ob er gelingt oder scheitert, ist seine wirtschaftliche Wirkung anarchisch. Endlich ist dieses Mittel zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage einer Klasse in sich schon eine Verarmung der allgemeinen Wirtschaft; ganz gleich wie Umfang und Ergebnis eines Streikes sind, ist er immer ein Aderlaß an der Produktion. Allgemeines Ergebnis: mehr Elend, aus dem sich die Arbeiterklasse nicht befreit. Das ist schon etwas. Aber das ist nicht die einzige Wirkung, nicht einmal die Hauptwirkung. Wie wir wissen, ist das einzige Ziel des Klassenkampfes auf wirtschaftlichem Gebiet, mehr zu verdienen und weniger zu arbeiten. Ins Wirtschaftliche übersetzt: mehr zu verbrauchen und weniger zu erzeugen. Ein so absurdes Wirtschaftsverfahren ‑ nach unserem Lexikon ein solcher „innerer Widerspruch“ ‑, unbemerkt von den Massen, die im Augenblick durch eine Lohnerhöhung verblendet sind, wird automatisch durch eine Preiserhöhung ausgeglichen, selbst dann, wenn diese mit staatlichem Zwang eingeschränkt wird; der Widerspruch, mehr verbrauchen als erzeugen zu wollen, wird durch einen anderen ausgeglichen: die Geldinflation. Und so ruft man diesen circulus vitiosus von Streik, Hunger, Inflation, Hunger immer wieder hervor.

Kuz.: Außer, wenn der Streik auf Kosten des Mehrwertes vom Kapitalismus stattfindet.

Rak.: Theorie, reine Theorie! Unter uns gesagt, nehmen Sie irgendein Wirtschaftsjahrbuch irgendeines Landes und teilen Sie den Ertrag unter die Lohnempfänger und Sie werden sehen, was für ein „außerordentlicher“ Quotient dabei herauskommt. Dieser Quotient ist das Konterrevolutionärste der Welt, und wir müssen ihn als größtes Geheimnis hüten. Denn wenn wir von der theoretischen Dividende die Löhne und die Direktionskosten, die ja durch die Beseitigung des Eigentümers erforderlich werden, abziehen, so bleibt fast immer eine passive Dividende für die Proletarier. Mehr noch, wenn wir die Verminderung des Produktionsvolumens und das Absinken der Qualität einsetzen. Wie Sie sehen, ist die Behauptung, daß der Streik ein Kampf für das unmittelbare Wohlsein des Proletariats sei, nur ein Vorwand, ein notwendiger Vorwand, um es zur Sabotage an der kapitalistischen Produktion zu treiben. Dadurch vereint man die Widersprüche des bürgerlichen und des proletarischen Systems und schafft eine doppelte Waffe der Revolution. Es liegt auf der Hand, daß dies nicht von selbst eintreten kann, denn es besteht eine Organisation, Führer, Disziplin und vor allem keine Dummheit. Könnten Sie nicht den Verdacht hegen, daß die berühmten inneren Widersprüche des Kapitalismus, besonders der Finanz, auch von jemandem organisiert sein könnten? Als Grundlage der Einführung erinnere ich Sie daran, daß die proletarische Internationale bei der Auslösung von Inflation mit der Finanz‑Internationale übereinstimmt. Und wo es Übereinstimmung gibt, kann es sich auch um ein Abkommen handeln. Das sind Ihre eigenen Worte.

Kuz.: Ich sehe einen so enormen Widersinn oder den Versuch, ein neues Paradoxon zu entwickeln, daß ich es mir nicht einmal vorstellen könnte. Es scheint, als wollten Sie das Bestehen einer Art kapitalistischen Internationale, einer anderen, nur entgegengesetzten Komintern behaupten.

Rak.: Ganz richtig. Als ich Finanz‑Internationale sagte, personifizierte ich sie genau so, wie wenn man Komintern sagt, aber mit der Anerkennung einer „Kapintern“ sage ich nicht, daß sie die Feindin …

Kuz.: Wenn Sie wollen, daß wir die Zeit mit Spitzfindigkeiten und Phantasien vertun, so haben Sie dafür einen schlechten Augenblick gewählt.

Rak.: Glauben Sie vielleicht, ich sei die Lieblingssklavin aus „Tausend und einer Nacht“, die Abend für Abend ihre Einbildungskraft verschwendet, um ihr Leben zu retten? Nein, wenn Sie glauben, daß ich abschweife, irren Sie. Um aber dahinzukommen, wohin zu gelangen wir uns vorgenommen haben, muß ich Ihnen vorher Klarheit über wichtige Dinge verschaffen angesichts Ihrer völligen Unkenntnis auf dem Gebiet des „höheren Marxismus“. Ich kann von einer solchen Klarstellung nicht absehen, denn ich weiß wohl, daß im Kreml die gleiche Unbildung herrscht. Sagen Sie mir, ob ich fortfahren soll.

Kuz.: Sie können fortfahren, aber ich sage Ihnen offen: wenn alles nur auf eine phantasievolle Unterhaltung hinausläuft, wird Ihr Vergnügen einen sehr bösen Epilog haben. Sie sind gewarnt.

Rak.: Ich fahre fort, als hätte ich nichts gehört.

Da Sie ein Scholastiker des „Kapitals“ sind und ich Ihre induktiven Begabungen erwecken möchte, werde ich Sie an etwas Besonderes erinnern. Beachten Sie, mit welcher Geistesschärfe Marx gegenüber dem rudimentären Industrialismus Englands in seiner Zeit den ganzen zukünftigen riesenhaften Industrialismus ausmalt, wie er ihn analysiert und geißelt, wie abstoßend er den Industriellen malt. Die Phantasie von Ihnen wie von den Massen, wenn sie sich die menschliche Verkörperung des ungeheuerlichen „Kapitals“ vor Augen hält, sieht sie so, wie sie Marx gemalt hat: ein dickbäuchiger Industrieller, Brasilzigarre im Maul, zufrieden rülpsend und die Frau oder Tochter des Arbeiters verführend. Ist es nicht so? Andererseits erinnern Sie sich an die Mäßigung von Marx und seine bürgerliche Bravheit, wenn er die Währungsfrage darstellt. Im Gelde erscheinen seine berühmten inneren Widersprüche nicht. Die Finanz, als Einheit in sich, besteht für ihn nicht, und der Handel und Geldumlauf sind für ihn Folge des bösen kapitalistischen Produktionssystems, dem sie völlig untergeordnet und von dem sie bestimmt sind. In der Geldfrage erscheint Marx als Reaktionär, und das war er, zur größten Überraschung, obwohl er jenen fünfzackigen Stern ‑ gleich dem Sowjetstern ‑ vor Augen hatte der ganz Europa mit seinem Glanz erfüllte: die fünf Brüder Rothschild mit ihren Banken, die Herren über die größte Akkumulation des Kapitals, die die Welt bisher gesehen hatte. An dieser ungeheueren Tatsache, die die Einbildungskraft jener Zeit blendete, geht Marx unbemerkt vorüber. Das ist doch sonderbar nicht? Vielleicht ergibt sich aus dieser besonderen Blindheit von Marx ein gemeinsames Phänomen in den Revolutionen der letzten Zeit. Wir alle können beweisen, daß, wenn die Massen sich einer Stadt oder Nation bemächtigen, sie immer eine fast abergläubische Furcht vor Banken und Bankiers zeigen. Sie haben Könige, Generale, Bischöfe, Polizisten, Priester und andere Vertreter der gehaßten Vorrechte umgebracht, haben Kirchen, Paläste und sogar Stätten der Wissenschaft geplündert und in Brand gesetzt, aber als wirtschaftlich‑soziale Revolutionäre haben sie das Leben der Bankiers respektiert und die prächtigen Bankgebäude unverletzt gelassen. Nach meinen Aufzeichnungen bis zu meiner Verhaftung wiederholt sich heute das Gleiche …

Kuz.: Wo?

Rak.: In Spanien. Wissen Sie das nicht? Und jetzt sagen Sie mir: kommt Ihnen das alles nicht ganz außergewöhnlich vor? Ich weiß nicht, ob Sie die sonderbare Ähnlichkeit von Internationaler Finanz und Internationalem Proletariat bemerkt haben. Man könnte sagen, daß das eine ein Spiegelbild des anderen ist, und wenn es ein Spiegelbild ist, dann ist es das Proletariat, denn es ist moderner als die Finanz.

Kuz.: Wo sehen Sie eine Ähnlichkeit bei so entgegengesetzten Dingen?

Rak.: Objektiv gesehen sind sie identisch. Ja, wie ich gezeigt habe, ist es die Komintern, unterstützt von den Reformisten und dem ganzen Gewerkschaftswesen, die die Anarchie der Produktion, die Inflation, das Elend und die Verzweiflung der Massen hervorruft, und die Internationale Finanz, bewußt oder unbewußt von der Privatfinanz unterstützt, schafft die gleichen Bedingungen, nur vervielfacht. Wir können uns schon die Gründe vorstellen, warum Marx die inneren Widersprüche der Finanz vertuschte, die seiner scharfsinnigen Beobachtung gar nicht verborgen bleiben konnten, wenn er in der Finanz einen Verbündeten gefunden hatte, dessen Handeln objektiv betrachtet revolutionär ist und damals schon von außerordentlicher Bedeutung war.

Kuz.: Unbewußtes Zusammentreffen ‑ kein Bündnis, das eine Verständigung, Willensübereinstimmung, Vertrag voraussetzen würde.

Rak.: Wenn es Ihnen recht ist, vertagen wir diesen Aspekt. Jetzt ist es besser, zur subjektiven Analyse der Finanz überzugehen, oder besser, schauen wir uns die Persönlichkeit ihrer Vertreter an. Es ist genügsam bekannt, daß das Geld seinem Wesen nach international ist. Aus dieser Wirklichkeit ergibt sich, daß die Einheit, die es besitzt und „sublimiert“ kosmopolitisch ist. Die Finanz auf ihrem Gipfelpunkt, als Selbstzweck, die Internationale Finanz verneint die Nationalität und erkennt sie nicht an. Sie erkennt auch den Staat nicht an ‑ daher ist sie, objektiv gesehen, anarchisch, und würde es restlos sein, wenn sie, die jeden nationalen Staat verneint, nicht notwendigerweise selbst ihrem Wesen nach ein Staat wäre. Der reine Staat ist nur noch Macht. Und das Geld ist reine Macht, das Geld ist Staat. Der kommunistische Überstaat, an dem wir seit einem Jahrhundert bauen und dessen Schema die Internationale von Marx ist, analysiert ihn und läßt sein Wesen erkennen. Der Entwurf, das Schema, die Internationale und ihr Prototyp, die Sowjetunion, sind auch reine Macht. Die wesenhafte Identität beider Schöpfungen ist vollkommen. Das ist etwas Schicksalhaftes; denn die Persönlichkeit ihrer Urheber war auch identisch: Finanzmann und Kommunist sind beide Internationalisten. Beide, mit verschiedenen Begründungen und verschiedenen Mitteln, bekämpfen den bürgerlichen Nationalstaat. Der Marxist, um ihn in den kommunistischen Überstaat einzugliedern, deshalb nämlich ist er Internationalist; der Finanzmann verneint den bürgerlichen Nationalstaat, und seine Verneinung scheint ihm Selbstzweck zu sein; eigentlich aber ist er kein Internationalist, sondern ein anarchischer Kosmopolit. Das ist sein Anschein heute ‑ aber wir werden bald sehen, was er ist und will. Im Negativen, wie Sie sehen, gibt es eine individuelle Identität der internationalen Kommunisten und der kosmopolitischen Finanzmänner; als natürliche Folge besteht sie auch zwischen der kommunistischen Internationale und der Finanz‑Internationale.

Kuz.: Zufällige subjektive Ähnlichkeit und objektiv in ihren Gegnern, die aber im Wurzelhaften und Wesenhaften zerbricht.

Rak.: Erlauben Sie mir, jetzt nicht zu antworten, um die logische Ordnung nicht zu zerstören. Ich will nur das Grundaxiom unterstreichen; Geld ist Macht. Geld ist heute der Mittelpunkt der Gravitation in der Welt. Ich glaube, Sie stimmen damit überein?

Kuz.: Fahren Sie fort, Rakowskij, ich bitte Sie.

Rak.: Zu wissen, wie die Internationale der Finanz dazu kam, Herr des Geldes zu werden, dieses magischen Talismans, der bis in unsere Zeit für die Menschen in steigender Entwicklung das geworden ist, was einst Gott und Nation waren, das ist etwas, das an wissenschaftlichem Interesse sogar die Kunst der revolutionären Strategie übertrifft ‑ denn es ist auch Kunst und auch Revolution. Ich werden es Ihnen auseinandersetzen. Als die Augen der Geschichtsschreiber und der Masse durch das Geschrei und den Erfolg der Französischen Revolution geblendet waren, das Volk trunken war vom Sieg, den König samt den Privilegierten und aller ihrer Macht gestürzt zu haben, da hatten sie nicht bemerkt, daß eine Handvoll Menschen, schweigsam, vorsichtig, unauffällig sich der wirklichen Macht des Königtums bemächtigt hatten, einer magischen, fast göttlichen Macht, die es besessen hatte, ohne es zu wissen. Die Massen bemerkten nicht, daß Fremde für sich diese Macht ergriffen hatten, die sie alsbald zu einer viel härteren Sklaverei als unter dem König zwingen würde, denn dieser war durch seine religiösen und moralischen Bindungen und seine Torheit gar nicht fähig gewesen, solche Macht zu gebrauchen. Daher kam es, daß sich der größten Macht des Königs solche Männer bemächtigten, deren moralische, intellektuelle und kosmopolitische Beschaffenheit es ihnen ermöglichte, sie zu handhaben. Natürlich waren es jene, die von Geburt keine Christen, wohl aber Kosmopoliten waren.

Kuz.: Was kann diese mythische Macht sein, deren sie sich bemächtigen?

Rak.: Sie nahmen das königliche Privileg, Münzen zu prägen, an sich … Lächeln Sie nicht, daß ich nicht glauben muß, Sie wüßten nicht, was die Münze wirklich ist. Ich bitte Sie, sich einmal in meine Lage zu versetzen. Meine Stellung Ihnen gegenüber gleicht der eines Arztes, der einem anderen, vor Pasteur aus dem Tode erweckten Arzt die Bakteriologie erklären sollte. Aber ich begreife Ihre Unkenntnis und entschuldige sie. Eine Sprache, die mit Worten jongliert, welche falsche Vorstellungen über Dinge und Taten erwecken, kann keine wirklichen, exakten Begriffe vermitteln. Ich habe die Münze genannt, ‑ natürlich erschien vor Ihrem inneren Auge sofort die Gestalt der physischen Münze aus Metall oder Papier. Nicht doch! Das ist das Geld nicht! Die im Umlauf befindliche physische Münze ist ein richtiger Anachronismus. Wenn sie noch besteht und umläuft, so geschieht es durch einen Atavismus, nur weil es praktisch ist, eine Illusion, heute eine reine Fiktion der Phantasie, aufrechtzuhalten.

Kuz.: Ein so brillantes Paradoxon ist kühn, beinahe poetisch!

Rak.: Wenn Sie wollen, brillant, aber es ist kein Paradoxon, was ich da sage. Auch ich weiß ‑ und das ließ Sie wohl lächeln ‑ daß heute noch die Staaten auf Metallstücke oder Papier die Bilder ihrer Könige oder ihre Landeswappen prägen ‑ doch was bedeutet das schon? Die große Menge des umlaufenden Geldes, das Geld der großen Transaktionen, die Vertretung des nationalen Reichtums, Münze, jawohl Münze haben jene Männer, auf die ich anspielte, auszugeben verhindert. Titel, Anweisungen, Schecks, Wechsel, Indossements, Diskont, Kurse, Zahlen und immer wieder Zahlen, das hat, wie ein entfesselter Wasserfall, die Völker überschwemmt. Was war demgegenüber das Metallgeld und das Papiergeld? „Jene“ aber als sehr feine Psychologen kamen bei der Straflosigkeit der allgemeinen Unwissenheit zu viel mehr. Noch über die riesige Reihe des Finanzgeldes hinaus, um ihm einen Umfang bis zum Unendlichen zu geben und es mit der Schnelligkeit des Gedankens auszustatten, schufen sie das Kreditgeld … eine Abstraktion, ein gedachtes Wesen, eine Ziffer . . . Kredit, Glauben … Verstehen Sie es schon? Betrug, falsches Geld mit gesetzlichem Kurs … Mit anderen Worten, um mich besser verständlich zu machen, Banken und Börsen und das ganze Finanzsystem sind eine gigantische Maschine, um eine Ungeheuerlichkeit gegen die Natur zu begehen, wie Aristoteles es bezeichnet hat, nämlich das Geld wieder Geld erzeugen lassen, etwas, das einmal ein Verbrechen gegen die Wirtschaft, im Fall der Finanzleute auch ein Verbrechen gegen das Strafgesetzbuch ist, denn es ist Wucher. Ich weiß schon, was nun der Gegeneinwand sein wird, nämlich, daß sie einen gesetzlichen Zins beziehen. Auch wenn man dies zugesteht ‑ und das heißt viel zugestehen ‑ so bleibt der Wucher der gleiche; denn wenn der Zins, den sie nehmen, gesetzlich ist, so täuschen Sie fälschend ein gar nicht existierendes Kapital vor. Die Banken haben immer, geliehen oder in produktiver Bewegung, eine Menge Kreditgeld, Geld in Zahlen, die fünf­- bis hundertmal größer ist als die Summe des ausgegebenen physischen Geldes. Ich will nicht von den Fällen sprechen, in denen das Kreditgeld ‑ das fabrizierte Falschgeld! ‑ das als Kapital eingezahlte Geld übertrifft. Wenn man aber berücksichtigt, daß nicht das wirkliche Kapital, sondern das nicht existente Kapital Zinsen bringt, dann muß der Zins um so viel mal unberechtigter sein als das wirkliche Kapital durch diese Fälschung vervielfacht ist … Und berücksichtigen Sie bitte, daß das System, das ich darlege, noch das unschuldigste ist, um Falschgeld herzustellen. Stellen Sie sich, wenn Sie können, einige wenige Menschen vor mit einer unumschränkten Macht zum Besitz realer Güter, und es werden unumschränkte Diktatoren des Wertes im Umsatz sein, also Diktatoren der Erzeugung und Verteilung, und daher der Arbeit und des Verbrauches. Wenn Ihre Vorstellungskraft das gestattet, stellen Sie sich das im Weltmaßstab vor und Sie werden die auf sozialem und moralischem Gebiet anarchische, also revolutionäre Wirkung erkennen. Verstehen Sie nun?

Kuz.: Nein, noch nicht.

Rak.: Natürlich ‑ es ist sehr schwer, Wunder zu verstehen.

Kuz.: Wunder?

Rak.: Ja, Wunder! Ist es kein Wunder, wenn sich eine Holzbank in eine Kathedrale verwandelt? Solch ein Wunder aber haben die Menschen im letzten Jahrhundert tausendmal erlebt, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Denn es ist ein staunenerregendes Wunder, daß die Bänke, an denen schmierige Wucherer saßen und mit ihrem Gelde handelten, zu Tempeln wurden, die ihre heidnischen Säulenfassaden an jeder Ecke der modernen Städte emporrecken und zu welchen die Menge eilt, besessen von einem Glauben, den nicht einmal die Himmlischen einzuflößen vermögen, um begeistert alle Reichtümer der Gottheit „Geld“ darzubringen, von der sie meinen, sie throne im Stahlschrank des Bankiers, ihrer göttlichen Aufgabe hingegeben, sich bis ins Unendliche zu vermehren.

Kuz.: Das ist die neue Religion der faulenden Bourgeoisie.

Rak.: Gewiß, Religion. Die Religion der Macht!

Kuz.: Also sind Sie ein Dichter der Wirtschaft.

Rak.: Man braucht schon Poesie, um sich eine Idee von der Finanz, dem genialsten und revolutionärsten Kunstwerk aller Zeiten, zu machen.

Kuz.: Das ist eine irrige Anschauung. Die Finanz, wie Marx und vor allem Engels sie definiert haben, wird bestimmt vom kapitalistischen Produktionssystem.

Rak.: Stimmt, aber umgekehrt: das System der kapitalistischen Produktion wird bestimmt von der Finanz. Was Engels d a g e g e n sagt und sogar beweisen will, ist der überzeugendste Beweis d a f ü r, daß die Finanz über die bürgerliche Produktion herrscht. Weil das so ist, haben Engels und Marx die Finanz, die gewaltigste Maschine der Revolution verglichen mit ihr ist die Komintern ein Kinderspielzeug ‑, nicht aufdecken und anklagen wollen. Im Gegenteil, unter Benutzung ihres wissenschaftlichen Talentes mußten sie noch einmal die Wahrheit im Interesse der Revolution „camouflieren“. Und das haben beide getan.

Kuz.: Die Geschichte ist nicht neu, so etwas, erinnere ich mich, hat Trotzkij schon vor zehn Jahren geschrieben …

Rak.: Sagen Sie mir …

Kuz.: … als er proklamierte, die Kominform sei eine konservative Organisation verglichen mit der Börse von New York, und die großen Bankiers seien die „Schmiede der Revolution“.

Rak.: Ja, das sagte er in einem kleinen Buch, in dem er den Zusammenbruch von England voraussagte. Ja, so sagte er und fügte hinzu: „Wer drängt England auf den Weg der Revolution?“ und er antwortete: „Nicht Moskau, sondern New York.“

Kuz.: Aber erinnern Sie sich, daß er auch behauptete, daß, wenn die Finanzmänner von New York die Revolution vorbereiteten, es unbewußt geschähe?

Rak.: Der Grund, den ich angegeben habe, warum Engels und Marx die Wahrheit camouflierten, gilt auch für Leon Trotzkij.

Kuz.: Ich schätze an Trotzkij nur eine Anschauung mit einem gewissen literarischen Stil, eine schon reichlich bekannte Anschauung, mit der er sich dann begnügt hat, nach der, wie Trotzkij selbst sagt, diese Bankiers „erfüllen unwiderstehlich, unbewußt ihre revolutionäre Mission“.

Rak.: Und Sie erfüllen ihre Mission, obwohl Trotzkij auf sie mit Fingern zeigt? Sonderbar, daß sie sie nicht ändern!

Kuz.: Die Finanzmänner sind unbewußte Revolutionäre, denn sie sind es nur objektiv wegen ihrer geistigen Unfähigkeit, die letzten Wirkungen zu sehen.

Rak.: Glauben Sie das wirklich? Glauben Sie, daß diese wirklichen Genies unbewußt handeln? Halten Sie die Leute, denen heute die ganze Welt gehorcht, für ein paar Idioten? Das wäre ein erschreckender Widerspruch.

Kuz.: Und was wollen Sie sagen?

Rak.: Ganz einfach, ich behaupte, es sind objektiv und subjektiv Revolutionäre, völlig bewußt.

Kuz.: Die Bankiers? Sind Sie verrückt geworden?

Rak.: Ich nicht. Und Sie? Denken Sie einmal nach. Diese Männer sind Männer wie Sie und ich. Daß sie Geld besitzen, daß sie Gläubiger sind, kann nicht das Ende ihres Ehrgeizes darstellen. Wenn etwas in den Männern im unmittelbaren Verhältnis zu seiner Befriedigung wächst, so ist es der Ehrgeiz nach Macht. Warum sollten sie nicht den Trieb zur Herrschaft, zur totalen Herrschaft empfinden, diese Bankiers? Genauso wie Sie und ich.

Kuz.: Aber wenn sie schon, wie Sie glauben ‑ und ich tue das auch ‑ schon die universelle Wirtschaftsmacht besitzen ‑ was können sie sich denn noch wünschen?

Rak.: Ich habe es schon gesagt: die totale Macht. Eine Macht wie diejenige Stalins über die Sowjetunion, aber universal.

Kuz.: Eine Macht wie diejenige Stalins? Aber mit umgekehrtem Ziel.

Rak.: Die Macht, wenn sie in Wirklichkeit absolut ist, kann nur eine sein. Der Gedanke des Absoluten schließt die Vielfalt aus. Insofern müssen die Macht, welche die „Kapintern“ und die, welche die „Komintern“ erstreben, um absolut und beide auf gleichem, nämlich politischem Gebiet wirksam zu werden, eine identische Macht sein. Absolute Macht ist Selbstzweck ‑ oder sie ist nicht absolut. Und bis heute hat man keine Maschine von totalerer Macht als den kommunistischen Staat erfunden. Die bürgerlich-­kapitalistische Macht, auch in ihrem höchsten Grade, dem cäsarischen, ist eine beschränkte Macht, denn als es sie theoretisch als Verkörperung der Gottheit bei Pharaonen und Caesaren im Altertum gab, da war das Wirtschaftsleben noch so primitiv und der technische Staatsapparat noch so rückständig, daß immer noch ein freier Raum für den Einzelmenschen verblieb. Begreifen Sie, daß diejenigen, die relativ schon über Völker und Regierungen der Erde herrschen, nun auch absolut herrschen wollen? Begreifen Sie, daß dies das einzige ist, was sie noch nicht erreicht haben …

Kuz.: Das ist interessant, mindestens als Fall von Verrücktheit.

Rak.: Weniger Verrückt jedenfalls als die Verrücktheit Lenins, der davon träumte, die Welt von einem Schweizer Dachzimmer aus zu beherrschen, oder von Stalin, der das Gleiche während seiner Verbannung in einer sibirischen Holzhütte geträumt hat. Mir erscheint ein solcher Ehrgeiz bei den Herren des Geldes von der Höhe eines New Yorker Wolkenkratzers aus viel natürlicher.

Kuz.: Kommen wir zum Schluß. Wer sind „Jene“?

Rak.: Glauben Sie denn, ich würde hier als Gefangener sein, wenn ich wüßte, wer sie sind?

Kuz.: Warum?

Rak.: Aus einem einfachen Grunde: wer „Jene“ kennt, den versetzen sie nicht in eine Lage, wo er verpflichtet sein könnte, sie zu nennen. Das ist eine Elementarregel jeder intelligenten Konspiration, wie Sie ja auch wissen.

Kuz.: Haben Sie nicht gesagt, daß sie Bankiers sind?

Rak.: Ich nicht. Erinnern Sie sich, daß ich immer „Internationale Finanz“ gesagt habe, und, wenn ich sie persönlich bezeichnen wollte, habe ich immer „Jene“ und nie mehr gesagt. Wenn ich Sie informieren soll, werde ich immer nur Tatsachen, keine Namen nennen, weil ich diese nicht kenne. Ich glaube Sie nicht zu täuschen, wenn ich sage, daß Jene“ keine von den Männern sind, die als Inhaber von Ämtern in der Politik oder im Bankwesen der Weit auftauchen. Soviel ich verstanden habe, verwenden sie seit der Ermordung von Rathenau ‑ dem Rathenau von Rapallo ‑ in Politik und Finanz nur noch Zwischenmänner. Natürlich Männer ihres vollen Vertrauens, von einer durch tausend Mittel garantierten Treue. So kann man sicher sein, daß die Bankiers und Politiker nur ihre „Strohmänner“ sind ‑ wie groß auch ihr Rang sein mag und wie sehr sie persönlich als Urheber der Ereignisse erscheinen.

Kuz.: Obwohl das zugleich verständlich und logisch ist ‑ könnte Ihre begründete Unkenntnis nicht vielleicht nur ein Versteckspielen von Ihnen sein? Nach meinem Eindruck und nach meinen Akten haben Sie eine zu große Rolle in dieser Verschwörung gespielt, um nicht mehr zu wissen. Ahnen Sie nicht vielleicht die Persönlichkeit von einem von „Jenen“?

Rak.: Ja, aber vielleicht glauben Sie mir nicht. Ich bin dazu gekommen anzunehmen, daß es sich um einen Mann oder Männer mit einer ‑ wie sage ich es? ‑ mystischen Persönlichkeit handelt, um eine Art Gandhi, aber ohne seine Auffälligkeit, Mystiker der reinen Macht, ohne alle groben Zutaten. Ich weiß nicht, ob Sie mich verstehen. Also Namen und Adresse von „Jenen“ weiß ich nicht. Stellen Sie sich vor, Stalin würde heute die Sowjetunion beherrschen, aber ohne Mauern und ohne seine Leibwache, mit nicht mehr Garantie für sein Leben als irgend ein Bürger. Was wäre sein Mittel, um sich vor Attentaten zu bewahren? Das Mittel jedes Konspirateurs, und wenn er noch so viel Macht hat: Anonymität!

Kuz.: Es ist Logik in allem, was Sie sagen. Aber ich glaube Ihnen nicht.

Rak.: Also glauben Sie mir, ich weiß nichts! Wenn ich es gewußt hätte, wie glücklich würde ich heute sein! Ich säße nicht hier, mein Leben zu verteidigen! Ich verstehe Ihre Zweifel völlig und auch die Notwendigkeit, die Sie auf Grund Ihres polizeilichen Berufes empfinden, etwas Greifbares herauszubekommen. Ihnen zu Gefallen und auch, weil es für das Ziel, das wir beide verfolgen, nötig ist, werde ich das Mögliche tun, um Sie zu orientieren.

Wissen Sie, daß die nicht geschriebene Geschichte, die nur wir kennen, uns als den Gründer der Ersten Internationale des Kommunismus natürlich geheim Adam Weishaupt angibt? Erinnern Sie sich seines Namens? Er war der Führer des als “ I 1 1 u m i n a t e n “ bekannten Freimaurerordens, dessen Namen er von der zweiten antichristlichen und kommunistischen Verschwörung des Zeitalters, der Gnostik, entlehnt hat. Als dieser große Revolutionär, Semit und Exjesuit, den Triumph der Französischen Revolution voraussah, entschloß er sich (oder wurde beauftragt ‑ man nennt als seinen Chef den großen Philosophen Mendelssohn) eine Organisation zu schaffen, die geheim sein und die Französische Revolution über ihre politischen Ziele hinaus weitertreiben sollte, um sie in eine soziale Revolution zur Aufrichtung des Kommunismus zu verwandeln. In jenen heldischen Zeiten war es eine ungeheuere Gefahr, den Kommunismus auch nur als Ziel zu erwähnen. Daher alle die Vorsichtsmaßnahmen, Prüfungen und Mysterien, mit denen er das Illuminatentum umgeben mußte. Noch fehlte ein Jahrhundert, bis man sich ohne Gefahr von Gefängnis oder Hinrichtung öffentlich als Kommunist bekennen konnte.

Was man nicht kennt, das ist die Verbindung von Weishaupt und seinen Anhängern zu dem ersten Rothschild. Das Geheimnis des ersten Ursprunges von dem Vermögen dieser berühmtesten Bankiers läßt sich damit erklären, daß sie die Schatzmeister der ersten Komintern waren. Es bestehen Anzeichen dafür, daß, als jene fünf Brüder sich in fünf Provinzen des Finanzreiches von Europa teilten, eine geheimnisvolle Macht ihnen half, dieses sagenhafte Vermögen anzusammeln. Es könnten jene ersten Kommunisten aus den Katakomben von Bayern gewesen sein, die über ganz Europa verstreut waren. Andere aber sagen, ich glaube mit größerem Recht, daß die Rothschild nicht die Schatzmeister, sondern die Führer jenes ersten geheimen Kommunisten waren. Diese Auffassung stützt sich auf die sichere Tatsache, daß Marx und die höchsten Führer der Ersten, nun schon öffentlichen Internationale, darunter Heine und Herzen, dem Baron Lionel Rothschild gehorchten, dessen revolutionäres Bild, von Disraeli, englischer Premier und ebenfalls eine seiner Kreaturen geschaffen, ihn uns in der Gestalt des Sidonia hinterließ, des Mannes, der als Multimillionär unzählige Spione, Carbonari, Freimaurer, Geheimjuden, Zigeuner, Revolutionäre usw. kannte und befehligte. Das erscheint alles phantastisch, aber es ist erwiesen, daß Sidonia das idealisierte Bild des Sohnes vom alten Nathan Rothschild darstellt, wie auch der Kampf beweist, den er gegen Zar Nikolai I. zugunsten von Herzen geführt hat ‑ einen Kampf, den er gewann. Wenn alles wie ich glaube, Wirklichkeit ist, was man im Licht dieser Tatsachen erschließen kann, so könnten wir jetzt schon den Erfinder der gewaltigen Maschine der Akkumulation und der Anarchie, die die Internationale Finanz darstellt, beim Namen nennen; es wäre der gleiche, der die revolutionäre Internationale geschaffen hat.

Etwas Geniales: mit dem Kapitalismus die Akkumulation des Kapitals in höchstem Maße zu schaffen, das Proletariat zur Arbeitseinstellung und in die Verzweiflung zu treiben, und zur gleichen Zeit die Organisation zu schaffen, die die Proletarier vereinigen sollte, um sie in die Revolution zu treiben. Das wäre das erhabenste Kapitel der Geschichte. Und mehr noch: Sie erinnern sich eines Satzes der Mutter der fünf Brüder Rothschild: „Wenn meine Söhne es nicht wollen, so gibt es keinen Krieg!“ Das heißt, sie waren Schiedsrichter und Herren über Krieg und Frieden, nicht die Kaiser. Können Sie sich eine Tatsache von derartig kosmischer Bedeutung vorstellen? Sehen Sie hier nicht schon den Krieg in seiner revolutionären Funktion? Krieg ‑ Kommune! Seit damals also war jeder Krieg ein Riesenschritt zum Kommunismus. Wie wenn eine geheimnisvolle Macht den Wunsch Lenins befriedigt hätte, den er zu Gorkij äußerte. Erinnern Sie sich ‑ 1905 ‑ 1914!

Erkennen Sie zum mindesten an, daß zwei von den drei Hebeln, die die Welt zum Kommunismus erheben, vom Proletariat weder bedient sind noch es sein können. Die Kriege wurden weder hervorgerufen noch geführt von der Dritten Internationale noch von der Sowjetunion , die es damals noch gar nicht gab. Auch jene kleinen in der Verbannung schmachtenden Gruppen von Bolschewisten konnten sie weder hervorrufen, so sehr sie sie herbeiwünschten, noch gar führen. Das ist sonnenklar. Und noch weniger konnte noch kann die Internationale oder die Sowjetunion diese ungeheuere Akkumulation des Kapitals und nationale oder internationale Anarchie der kapitalistischen Produktion erreichen, einer Anarchie, die fähig ist, ungeheuere Mengen Lebensmittel zu verbrennen, statt sie den hungernden Menschen zu geben, fähig, nach jenem malerischen Satz, den Rathenau ausspie, „zu bewirken, daß die halbe Welt Mist produziert, und die andere halbe Welt ihn kaufen muß“. Endlich kann es das Proletariat sich nicht gutschreiben, diese in geometrischer Progression fortschreitende Inflation, die Entwertung den dauernden Raub des Mehrwertes und des nichtfinanziellen Sparkapitals, des nicht wucherischen Kapitals, und damit das dauernde Absinken der Kaufkraft, was zur Proletarisierung des Mittelstandes, des eigentlichen Feindes der Revolution, führt … Es ist also nicht das Proletariat, das den Hebel des Krieges und den Wirtschaftshebel führt. Er ist gewiß der dritte Hebel, der einzig sichtbare und auffällige, der den endgültigen Angriff auf die Festung des kapitalistischen Staates macht und sie nimmt.

Gewiß, sie nimmt, wenn „Jene“ sie ihm ausliefern.

Kuz.: Ich sage wieder, daß alles dies, das Sie so literarisch darstellen, einen Namen hat, den wir schon zum Überdruß in unserer Unterhaltung, die zu keinem Ende kommt, erwähnt haben, nämlich „innerer Widerspruch des Kapitalismus“, und wenn, wie Sie behaupten, es einen Willen und eine Aktion gibt, die dem Proletariat fremd sind, fordere ich Sie auf, mir konkret einen persönlichen Fall zu nennen.

Rak.: Sind Sie mit einem einzigen zufrieden? ‑ Nun „Jene“ haben politisch den Zar für den russisch‑japanischen Krieg isoliert, und die Vereinigten Staaten haben Japan finanziert, genauer gesagt, Jakob Schiff, Chef des Bankhauses Kuhn, Loeb & Co., Nachfolger ‑ und größerer Nachfolger! ‑ des Hauses Rothschild, aus dem Schiff hervorging. So groß war seine Macht, daß er durchsetzte, daß die in Asien Kolonien besitzenden Völker den Aufstieg des fremdenfeindlichen japanischen Reiches stützten, dessen Fremdenfeindlichkeit jetzt Europa zu spüren bekommt. Aus den Gefangenenlagern kamen die besten Kämpfer nach Petrograd, ausgebildet durch die revolutionären Agenten, die aus Amerika zu ihnen geschickt worden waren, nachdem die Erlaubnis dazu durch die Männer, die Japan finanziert hatten, von Japan erlangt worden war. Der russisch‑japanische Krieg mit der organisierten Niederlage der Heere des Zaren, rief die Revolution von 1905 hervor, die, obwohl verfrüht, nahe daran war zu siegen. Wenn ihr auch der endgültige Triumph versagt war, so schuf sie doch die notwendigen politischen Voraussetzungen für den Sieg von 1917. Und mehr noch. Haben Sie die Biographie von Trotzkij gelesen? Erinnern Sie sich an seine erste Zeit als Revolutionär? Er ist noch ein Jüngelchen, war nach seiner Flucht aus Sibirien einige Zeit bei den Emigranten in London, Paris und der Schweiz; Lenin, Plechänow, Mártow sehen ihn nur als vielversprechenden Neuling an. Aber er wagt, schon bei der ersten Spaltung unabhängig zu bleiben, und möchte Schiedsrichter für die Einigung sein. Im Jahr 1905 zählt er erst 25 Jahre und kehrt allein nach Rußland zurück, ohne Partei und eigene Organisation. Lesen Sie die nicht „gesäuberten“ Berichte von Stalin über die Revolution von 1905, die Berichte von Lunatscharski, der kein Trotzkist ist. Trotzkij steht an der Spitze der Revolution in Petrograd ‑ das ist die Wahrheit. Nur er geht aus der Revolution mit Prestige und Volkstümlichkeit hervor. Weder Lenin, noch Martow, noch Plechanow gewinnen sie oder erhalten sie. Wie und warum steigt der unbekannte Trotzkij auf und gewinnt auf einmal Autorität über die ältesten und angesehensten Revolutionäre? Ganz einfach, er hat sich verheiratet. Mit ihm kommt nach Rußland seine Frau, die Sedowa. Wissen Sie, wer das ist? Das ist die Tochter von Jivotovsky, eng verbunden mit den Bankiers Warburg, den Teilhabern und Vettern von Jacob Schiff, der Finanzgruppe also, die Japan finanziert hat und durch Trotzkij nun auch die Revolution von 1905 finanziert. Hier haben Sie den Grund, warum Trotzkij auf einmal an die Spitze der revolutionären Stufenleiter kam. Und hier haben Sie den Schlüssel für seine wirkliche Persönlichkeit.

Machen wir einen Sprung nach 1914. Hinter dem Attentat auf den Erzherzog steht Trotzkij, und das Attentat löst den europäischen Krieg aus. Glauben Sie wirklich, daß das Attentat und der Krieg bloße Zufälle sind, wie es auf einem Zionistenkongreß Lord Melchett sagte? Analysieren Sie im Lichte der „Nicht­Zufälligkeit“ die Entwicklung des Feldzuges in Rußland. Das „Herbeiführen der Niederlage“ ist ein Meisterwerk. Die Hilfe der Alliierten für den Zaren wird so reguliert und dosiert, daß sie den alliierten Botschaftern als Argument dient, von der Dummheit Nikolais II. eine Massaker‑Offensive nach der anderen zu erreichen. Die Masse des russischen Fleisches war riesig, aber nebensächlich. Die organisierten Offensiven führten zur Revolution. Als sie von allen Seiten droht, ist das Heilmittel die Einrichtung der demokratischen Republik. Die Republik der Botschaften, wie Lenin sie nannte ‑ das heißt, man sichert den Revolutionären Straflosigkeit zu. Aber es fehlt noch etwas, Kerenskij muß eine weitere Massaker‑Offensive loslassen und führt sie durch, damit die demokratische Revolution sich überschlägt. Und mehr noch ‑ Kerenskij muß die totale Übergabe des Staates an die Kommunisten durchführen und vollendet sie, Trotzkij kann „unsichtbar“ den ganzen Staatsapparat übernehmen. Welch sonderbare Blindheit! Das ist die Wirklichkeit der so viel besungenen Oktober‑Revolution: Die Bolschewisten übernahmen die Macht, die „Jene“ ihnen auslieferten.

Kuz.: Sie wagen also zu behaupten, Kerenskij sei ein Komplize von Lenin gewesen?

Rak.: Von Lenin, nein, aber von Trotzkij, ja, besser gesagt: von „Jenen“!

Kuz.: Absurd!

Rak.: Können Sie nicht verstehen? Gerade Sie nicht? Das wundert mich. Wenn Sie, als Spion im Schutz des Geheimnisses um Ihre Persönlichkeit, es fertigbringen, Befehlshaber einer feindlichen Festung zu sein ‑ würden Sie nicht die Tore den Angreifern, denen Sie wirklich dienen, öffnen? Würden Sie nicht ein Besiegter und Gefangener mehr sein? Vielleicht würden Sie nicht die Gefahr laufen, beim Angriff auf die Festung zu sterben, wenn ein Angreifer, der nicht ahnt, daß Ihre Uniform nur eine Maske ist, Sie für einen Feind hält? Glauben Sie mir: ohne Denkmäler und Mausoleum verdankt der Kommunismus Kerenskij mehr als Lenin.

Kuz.: Wollen Sie damit sagen, daß Kerenskij sich bewußt und freiwillig besiegen ließ?

Rak.: Ja, das steht für mich fest. Verstehen Sie das bitte, da ich ja bei all dem persönlich dabei war. Aber ich werde Ihnen noch mehr sagen: Wissen Sie, wer die Oktober‑Revolution finanziert hat? „Jene“ haben sie finanziert, genau durch die gleichen Finanzleute, die Japan und die Revolution von 1905 finanziert haben. Jacob Schiff und die Brüder Warburg, das heißt der große Bund der Banken, eine von den fünf Federal‑Reserve‑Banken, die Bank Kuhn, Loeb & Co., wobei sich andere europäische und amerikanische Bankiers beteiligten, wie Guggenheim, Hanauer, Breitung, Aschberg von der „Nya Banken“ in Stockholm. Ich war „aus Zufall“ in Stockholm dabei und nahm Teil an der Übertragung der Gelder. Bis Trotzkij kam, war ich der einzige, der von der revolutionären Seite daran teilnahm. Aber Trotzkij kam endlich; ich muß betonen, daß die Alliierten ihn aus Frankreich wegen seiner Tätigkeit für die Niederlage ausgewiesen hatten und daß die gleichen Alliierten ihn freiließen, damit er im alliierten Rußland für die Niederlage wirken sollte. Wieder ein Zufall? Wer wird das geschafft haben? Die Gleichen, die es erreichten, daß man Lenin quer durch Deutschland fahren ließ! Wenn „Jene“ in England erreichen konnten, Trotzkij, den Wehrzersetzer, aus einem Lager in Canada herauszuholen und zu bewirken, daß er mit Freipaß durch alle alliierten Kontrollen nach Rußland fahren konntet so haben andere, darunter Rathenau, die Fahrt Lenins durch das feindliche Deutschland durchgesetzt. Wenn Sie einmal die Geschichte der Revolution und des Bürgerkrieges ohne Vorurteile studieren würden, mit dem Geist einer polizeilichen Untersuchung, wie Sie es in geringen Fragen mit weniger Beweismaterial tun, so werden Sie im gesamten Ablauf der Ereignisse wie in den Einzelheiten und sogar in manchen anekdotischen Zügen eine Reihe erschreckender „Zufälligkeiten“ finden.

Kuz.: Gut, nehmen wir als Hypothese an, daß das nicht alles Zufall sei. Was leiten Sie nun an praktischen Wirkungen davon her?

Rak.: Lassen Sie mich diese kleine Geschichte abschließen ‑ nachher wollen wir beide daraus die Schlüsse ziehen. Trotzkij wird seit seiner Ankunft in Petrograd ohne Vorbehalt von Lenin zugelassen. Wie Sie nur zu gut wissen, waren die Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden in der Zeit zwischen den beiden Revolutionen sehr tief. Alles ist vergessen, und Trotzkij ist der Meister des Triumphes der Revolution, ob Stalin das will oder nicht. Warum? Das Geheimnis davon bewahrt die Frau Lenins, die Krupskaja. Sie weiß, wer Trotzkij wirklich ist; sie hat auch Lenin überzeugt, Trotzkij aufzunehmen. Sonst wäre Lenin in der Schweiz blockiert geblieben, das war schon ein mächtiger Beweggrund für ihn. Und ebenso war es das Wissen darum, welche Hilfe Trotzkij der Revolution gebracht hat. Lenin wußte damals, daß Trotzkij das Geld und mächtige internationale Hilfe brachte; der plombierte Wagen war der Beweis dafür. Dann die Einheit des ganzen linken revolutionären Flügels, Sozialisten, Revolutionäre und Anarchisten statt der unbedeutenden bolschewistischen Partei ‑ auch das ist das Werk Trotzkijs, nicht der eisernen Unnachgiebigkeit von Lenin. Nicht umsonst ist der alte „Bund“ der jüdischen Proletarier, aus dem alle die Zweige der Revolution in Rußland stammen, denen er neunzig Prozent seiner Führer gegeben hat, die wahre Partei des „Parteilosen“ Trotzkij gewesen. Natürlich nicht der offizielle und öffentliche „Bund“, sondern der geheime „Bund“ der in alle sozialistischen Parteien verzweigt war und deren Führer alle unter seiner Leitung stehen.

Kuz.: Auch Kerenskij?

Rak.: Auch Kerenskij und einige nicht sozialistische Parteiführer, Führer der bürgerlichen Parteien.

Kuz.: Inwiefern das?

Rak.: Vergessen Sie die Rolle der Freimaurerei in der ersten bürgerlich­demokratischen Phase der Revolution?

Kuz.: Gehorchte Sie auch dem „Bund“?

Rak.: Als unmittelbare Stufe darüber, aber in Wahrheit gehorchte sie „Jenen“.

Kuz.: Trotz der marxistischen Welle, die sich erhob, die auch ihre Vorrechte und ihr Leben bedrohte?

Rak.: Trotz alledem! Natürlich sahen sie die Gefahr nicht. Berücksichtigen Sie, daß jeder Freimauerer mit seiner Einbildungskraft mehr gesehen hat und gesehen zu haben glaubt als das Wirkliche, denn er bildet sich ein, was er wünscht. Dazu ist die zunehmende Anwesenheit von Freimaurern in den Regierungen und Staatsführungen der bürgerlichen Nationen für sie ein Beweis der politischen Macht ihrer Gesellschaft. Berücksichtigen Sie, daß zu jener Zeit die Regierenden aller alliierten Nationen mit ganz wenigen Ausnahmen Freimaurer waren. Das war für sie ein sehr gewichtiges Argument. Sie hatten den absoluten Glauben, daß die Revolution in die bürgerliche Republik nach französischem Typ auslaufen werde.

Kuz.: Nach dem Bilde, das Sie mir von Rußland im Jahre 1917 gemalt haben, müssen sie sehr „schlau“ gewesen sein, wenn sie das glauben sollten …

Rak.: Das waren sie und das sind sie! Die Freimaurer haben jene erste deutliche Lektion nicht begriffen, nämlich die Große Revolution, in der sie eine bedeutsame revolutionäre Rolle gespielt haben und die die meisten Freimaurer verschlang, voran ihren Großmeister, den Herzog von Orleans, besser gesagt, den König, der auch Freimaurer war, und danach Girondisten, Hébertisten, Jakobiner … und wenn einige überlebten, so geschah es dank Napoleon Bonaparte und seinem Putsch im Brumaire.

Kuz.: Wollen Sie damit sagen, daß die Freimaurer bestimmt sind, durch die Hände der Revolution zu sterben, die von Ihnen selber herbeigeführt wird?

Rak.: Ganz richtig … Sie haben eine tief geheim gehaltene Wahrheit formuliert. Ich bin Freimaurer, Sie werden es gewußt haben, nein? Also gut. Ich werde Ihnen also das große Geheimnis sagen, das man immer dem Freimaurer zu enthüllen verspricht ‑ aber das man ihm weder im 25ten, noch im 33ten, noch im 93ten noch im höchsten Grade irgend eines der Riten enthüllt. Ich kenne es, selbstverständlich nicht weil ich Freimaurer bin, sondern weil ich zu „jenen“ gehöre.

Kuz.: Und was ist es?

Rak.: Die ganze Bildung des Freimaurers und das öffentliche Ziel der Freimaurerei geht dahin, alle notwendigen Voraussetzungen für die kommunistische Revolution zu schaffen und zur Verfügung zu stellen, natürlich unter verschiedenen Vorwänden, die sie unter ihrem bekannten Dreispruch verbergen. Und da die kommunistische Revolution die Liquidation der ganzen Bourgeoisie als Klasse und die physische Liquidation jedes politischen Führers der Bourgeoisie voraussetzt, ist das wirkliche Geheimnis der Freimaurerei der Selbstmord der Freimaurerei als Organisation und der physische Selbstmord jedes irgendwie bedeutenden Freimaurers. Nun verstehen Sie schon, warum, wenn dem Freimaurer ein solches Ende vorbehalten ist, man Mysterien, Theaterszenen und soundsoviel „Geheimnisse“ benötigt ‑ um das wirkliche Geheimnis zu verbergen. Lassen Sie sich, wenn Sie dazu Gelegenheit haben, nicht entgehen, sich in irgendeiner zukünftigen Revolution die Geste von Erschrecken und Blödheit zu betrachten, die auf dem Gesicht eines Freimaurers erscheint, wenn er kapiert, daß er von den Händen der Revolutionäre sterben soll. Wie er kreischt und sich auf seine Verdienste um die Revolution berufen will! Das wird ein Schauspiel, um auch zu sterben ‑ aber vor Lachen!

Kuz.: Und leugnen Sie noch die angeborene Dummheit der Bourgeoisie?

Rak.: Ich bestreite sie der Bourgeoisie als Klasse, nicht bestimmten Teilen von ihr. Das Bestehen von Irrenhäusern beweist noch nicht, daß der Irrsinn Allgemeingut sei. Die Freimaurerei kann auch ein Irrenhaus sein, aber in Freiheit.

Ich fahre fort: wenn die Revolution gesiegt hat, vollzieht sich die Machtergreifung. Es tritt das erste Problem auf: der Frieden und mit ihm die erste Spaltung innerhalb der Partei, woran die Kräfte der Koalition, die an der Macht ist, teilnehmen. Ich will nichts erzählen über den Kampf, der in Moskau zwischen Anhängern und Gegnern des Friedens von Brest‑Litowsk ausgefochten wurde, da es ja hinlänglich bekannt ist. Ich will lediglich darauf hinweisen, daß die später so benannte trotzkistische Opposition, die Liquidierten und diejenigen, die noch liquidiert werden sollen, sich dort schon abzeichnete. Alle waren gegen die Unterzeichnung des Friedensvertrages. Dieser Friede war ein Irrtum, ein unbewußter Verrat von Lenin an der internationalen Revolution. Stellen Sie sich vor, die Bolschewisten hätten in Versailles in der Friedenskonferenz und später im Völkerbund gesessen, mit der Roten Armee, verstärkt und ausgerüstet von den Alliierten, in Deutschland stehend. Man hätte mit Waffengewalt den Sowjetstaat an die deutsche Revolution geschmiedet. Ganz anders sähe heute die europäische Landkarte aus. Aber Lenin, trunken vor Macht, unterstützt von Stalin, der auch schon vom Alkohol des Befehlenkönnens getrunken hatte, gefolgt von dem national‑russischen Flügel der Partei, setzten sich mit materieller Gewalt durch. Und so wurde der „Sozialismus in einem Lande“ geboren, das heißt der Nationalkommunismus, der heute mit Stalin seinen Gipfel erreicht hat. Natürlich gab es Kampf, aber nur in einer Form und einem Umfang, daß er nicht den kommunistischen Staat zerstören konnte; das ist die für die Opposition bis heute geltende Voraussetzung. Das war auch der Grund unseres ersten Scheiterns und aller späteren Mißerfolge. Aber es gab einen wilden, wenn auch getarnten Kampf, um nicht unsere Teilnahme an der Macht zu gefährden. Trotzkij organisierte durch seine Verbindungen das Attentat der Kaplan gegen Lenin. Auf seinen Befehl tötete Blumkin den Botschafter v. Mirbach. Der Staatsstreich der Spiridonowa und ihrer Sozialrevolutionäre geschah in Übereinstimmung mit Trotzkij. Sein Mann für diese Dinge war unverdächtig, es war jener Rosenblum, ein litauischer Jude, der den Namen O’Reilly führte, bekannt als einer der besten Spione des britischen Intelligence Service. Der Grund für die Auswahl von Rosenblum war, daß er nur als englischer Spion bekannt war, also England, nicht Trotzkij oder wir im Falle eines Fehlschlages für Attentate oder Komplotte verantwortlich gemacht worden wären. So geschah es. Der Bürgerkrieg ließ uns die konspirative und terroristische Methode aufgeben, denn er bot uns die Möglichkeit, in unseren Händen wirkliche Staatsmacht zu haben, als Trotzkij Organisator und Führer der Roten Armee wurde. Das Sowjetheer, das unablässig vor den „Weißen“ zurückweicht und das Gebiet der Sowjetunion auf den Umfang des alten Großfürstentums Moskau zusammenschrupfen läßt, wird wie durch ein Wunder auf einmal siegreich. Wodurch glauben Sie wohl ‑ durch Wunder oder durch Zufall? Ich werde es Ihnen sagen: als Trotzkij den Oberbefehl über die Rote Armee übernimmt, hat er schon in seiner Hand die notwendige Gewalt, um die Macht zu ergreifen. Die Siege werden sein Prestige und seine Macht steigen lassen, die „Weißen“ können bereits besiegt werden. Glauben Sie wirklich die amtliche Darstellung, die alles am Wunder des sowjetischen Sieges der mittelmäßigen, schlecht bewaffneten und disziplinlosen Roten Armee zuschreibt?

Kuz.: Wem denn sonst?

Rak.: Zu neunzig Prozent ist er „Jenen“ zuzuschreiben. Sie dürfen nicht vergessen, daß die Weißen auf Ihre Art „demokratisch“ waren. Bei ihnen waren die Menschewisten und die Reste aller alten liberalen Parteien. Innerhalb dieser Kräfte haben „Jene“ immer sehr viel Kräfte, bewußt oder unbewußt, in ihren Diensten gehabt. Als Trotzkij das Kommando übernahm, bekamen sie Befehl, systematisch die Weißen zu verraten, und zugleich die Zusage, daß sie mehr oder weniger schnell an der Sowjetregierung beteiligt werden würden. Maiskij war einer dieser Männer, einer der wenigen, dem man das Versprechen gehalten hat, aber auch nur, weil er Stalin von seiner Treue überzeugen konnte. Als diese Sabotage zusammenwirkte mit der schrittweisen Verminderung der Hilfe für die weißen Generäle, da erlitten diese, die außerdem arme Idioten waren, eine Niederlage nach der anderen. Endlich nahm Wilson in seine berüchtigten 14 Punkte den Punkt 6 auf, der ausreichte, um für immer jedem Versuch der „Weißen“ gegen die Sowjetunion ein Ende zu setzen. Während des Bürgerkrieges faßte man Trotzkij für die Nachfolge Lenins ins Auge. Daran war gar nicht zu zweifeln. Der alte Revolutionär konnte schon in seinem Ruhm sterben. Wenn er lebend den Kugeln der Kaplan entging, so würde er wohl nicht lebend der getarnten Euthanasie entkommen, die man gegen ihn anwandte.

Kuz.: Hat Trotzkij sein Leben abgekürzt? Großer Clou für Ihren Prozeß? War es etwa Levin, der Lenin behandelte?

Rak.: Trotzkij? Vielleicht hat er eingegriffen. Daß er darum gewußt hat, ist ganz sicher. Also gut, die technische Durchführung, das Zusätzliche ‑ wer weiß das? „Jene“ haben soviel Kanäle, um zu ihrem Ziel zu kommen.

Kuz.: Wie es auch sei ‑ die raffinierte Ermordung Lenins ist etwas derartiges erster Ordnung, daß sie im nächsten Prozeß vorgebracht werden muß. Was meinen Sie, Rakowskij, erscheint Ihnen das als nebensächlich, der Urheber? Natürlich, wenn Sie in diesem Gespräch scheitern … Der technische Fall paßt zu Ihnen als Arzt gut.

Rak.: Ich rate Ihnen nicht dazu. Fassen Sie diese Sache lieber nicht an; sie ist zu gefährlich für Stalin selbst. Sie können mit Ihrer Propaganda machen was Sie wollen; aber „Jene“ haben auch ihre Propaganda und sie ist viel mächtiger und ein viel stärkerer Beweisgrund als alle Geständnisse, die man Levin, mir oder sonst jemand entreißen könnte. Das „cui prodest?“ läßt in Stalin den Mörder von Lenin sehen.

Kuz.: Was wollen Sie damit sagen?

Rak.: Daß die klassische, untrügliche Regel, um einen Mörder zu entdecken, heißt: herausbekommen, wem der Mord nützt. Und im Falle Lenins war derjenige, dem er zugute kam, Ihr Herr Chef, Stalin. Denken Sie daran und machen Sie nicht diese Einwürfe, die mich stören und nicht zum Schluß kommen lassen.

Rak.: Es ist offenes Geheimnis, daß, wenn Trotzkij nicht Lenins Nachfolger wurde, nicht Menschenkraft dem entgegengewirkt hat. Die Summe der Macht in der Hand Trotzkijs während Lenins letzter Krankheit war viel größer als er sie benötigte. Schon besaßen wir das Todesurteil gegen Stalin. Der Brief, den die Krüpskaja ihrem Gatten entriß, hätte gegen Ihren jetzigen Chef in den Händen eines Diktators Trotzkij ausgereicht, um ihn zu liquidieren. Aber ein dummer Zufall, wie Sie schon wissen werden, ließ all unsere Pläne scheitern: Trotzkij erkrankt an einem Leiden, das ihn zufällig befällt, und im entscheidenden Augenblick, als Lenin stirbt, ist er monatelang zu jeder Tätigkeit unfähig. Ein Nachteil neben all den Vorteilen, wenn alles auf eine Person konzentriert ist. Es ist natürlich, daß ein Trotzkij, der für die Durchführung seiner Aufgabe vorgebildet war, nicht plötzlich improvisiert werden kann. Keiner von uns, auch nicht Sinowjew oder Kamenew, hatten die Ausbildung oder die notwendigen Hebel in der Hand, was übrigens auch Trotzkij, eifersüchtig, er könnte ersetzt werden, niemand hatte gestatten wollen. Als wir also beim Tode Lenins Stalin gegenüberstanden, der im geheimen eine fieberhafte Tätigkeit entfaltet hatte, sahen wir eine Niederlage im Zentralkomité kommen. Wir mußten also eine Lösung improvisieren, und diejenige, die sich bot, hieß, sich Stalin anzuschließen, stalinistischer als er zu sein, zu übertreiben, also zu sabotieren. Den Rest kennen Sie ‑ unseren dauernden unterirdischen Kampf und dauerndes Scheitern gegenüber Stalin, der sich als ein beispielloses Genie der Polizeikunst erweist. Mehr noch: Stalin, vielleicht aus einem nationalistischen Atavismus, betont sein Russentum und ruft um sich eine Schicht ins Leben, die wir ausrotten müßten, den Nationalkommunismus im Gegensatz zum internationalen Kommunismus, den wir darstellen. Er stellt die Internationale in den Dienst der Sowjetunion, und da die Sowjetunion ihm dient, in seinen Dienst. Wenn wir eine geschichtliche Parallele finden wollen, müssen wir auf den Bonapartismus hinweisen, und wollen wir eine andere Persönlichkeit wie Stalin suchen, so finden wir keine geschichtlich vergleichbare. Aber ich glaube eine Parallele gefunden zu haben, wenn ich zwei zusammennehme: Fuché und Napoleon. Lassen wir bei letzterem seine zweite Lebenshälfte weg, das Nebensächliche, Uniform, militärische Hierarchie, Krone, alles Dinge, die Stalin nicht in Versuchung zu bringen scheinen und zusammen auch keinen Stalin ergeben, und nehmen wir das Hauptsächliche: die Erwürgung der Revolution, der er nicht dient, sondern deren er sich bedient, die Gleichsetzung mit dem ältesten russischen Imperialismus, wie bei Napoleon mit dem gallischen, die Schaffung einer Aristokratie, zwar keiner militärischen, da er noch keine Siege hat, sondern auf der bürokratisch-­polizeilichen Ebene …

Kuz.: Genug, Rakowskij, Sie sind ja nicht hier, um trotzkistische Propaganda zu machen. Werden Sie endlich zum Konkreten kommen?

Rak.: Natürlich komme ich dorthin. Aber wann erreiche ich es, daß Sie sich einen leichten Begriff von „Jenen“ machen, mit denen Sie im Praktischen und Konkreten zu rechnen haben? Vorher nicht. Daran liegt mir mehr als daran, bei Ihnen nicht zu scheitern, wie Sie verstehen werden.

Kuz.: Dann kürzen Sie möglichst bitte ab.

Rak.: Unser Scheitern, das von Jahr zu Jahr deutlicher wird, umfaßt auch die Tatsache, daß alles, was in der Nachkriegszeit von „Jenen“ für den neuen Angriff der Revolution getan wurde, ohne Ziel blieb. Der Vertrag von Versailles, der für Politiker und Wirtschaftler so unerklärlich ist, weil niemand seine wirkliche Zielrichtung ahnte, war die am meisten entscheidende Voraussetzung für die Revolution.

Kuz.: Die Theorie ist ganz kurios ‑ wie wollen Sie das erklären?

Rak.: Keines Volkes Interesse erforderte die Reparationen und wirtschaftlichen Einschränkungen von Versailles. Ihre absurde Berechnung lag so klar auf der Hand, daß sogar die bedeutendsten Wirtschaftler der Siegervölker sie sogleich angriffen. Nur Frankreich forderte als Reparationen eine Summe, die größer war als der Wert seines gesamten Nationalvermögens, so als wäre der ganze Boden Frankreichs in eine Sahara verwandelt worden. Schlimmer noch war das irrsinnige Abkommen, auf Grund dessen man Deutschland viel mehr zu zahlen auferlegte als es konnte, es so im Ganzen verkaufte und den Gesamtertrag seiner nationalen Arbeit auslieferte. Schließlich kam man zu dem Ergebnis, der Weimarer Republik ein phantastisches Dumping aufzuzwingen, wenn sie etwas von den Reparationen bezahlen wollte. Und was war das Dumping? Unterkonsum, Hunger in Deutschland, und im gleichen Maße Arbeitseinstellung in den Einfuhrländern. Und wenn sie nicht einführten, Arbeitslosigkeit in Deutschland, Hunger und Arbeitslosigkeit im einen oder im anderen Teil ‑ das ist die erste Folge von Versailles. War also der Versailler Vertrag nicht revolutionär?

Man tat sogar mehr. Man versuchte, eine gleichmäßige Leistungsreglementierung auf internationaler Ebene durchzusetzen. Das bedeutete, die widersinnige Anarchie zu zwingen, das Ausreichende und für jede Nationalwirtschaft Angemessene zu produzieren, wobei man jedoch so tat, als seien dafür Klima, nationaler Rohstoffreichtum und sogar die technische Ausbildung von Direktoren und Arbeitern bedeutungslos. Bislang lag für die naturgegebenen Ungleichheiten von Boden, Klima, Rohstoffen innerhalb der einzelnen Nationalwirtschaften ein Ausgleich immer darin, daß die ärmeren Länder mehr arbeiten mußten. Nur dadurch, daß ihre Leistungsfähigkeit stärker ausgeschöpft wurde, vermochten die ihren Mangel infolge der Armut des Bodens auszugleichen wie auch die Unterschiedlichkeit in den industriellen Möglichkeiten und anderen mehr. Ich will mich nicht weiter verbreiten, aber die vom Völkerbund auferlegte Reglementierung der Arbeit, die sich auf ein abstraktes Prinzip der Gleichheit des täglichen Leistungspensums berief, bedeutete in Wirklichkeit innerhalb eines unverändert gebliebenen kapitalistischen Produktions‑ und Tauschsystems die Aufzwingung einer ökonomischen Ungleichheit; sie hieß den Zweck der Arbeit mißachten, nämlich die ausreichende Produktion. Die sofortige Wirkung war eine unzureichende Produktion, ausgedrückt einerseits durch umfangreiche Einfuhren aus den rohstoff‑ und industriereichen und gesättigten Ländern, die mit Gold bezahlt wurden, solange Europa Gold hatte, andrerseits durch eine Scheinblüte in den USA, die ihre riesige Produktion in Gold und goldgedeckte Scheine einhandelten, in denen sie schwammen. Wie jede Anarchie der Produktion ‑ und eine solche wie damals hatte man überhaupt noch nicht erlebt! ‑ hat die Finanz, haben „Jene“, sie ausgebeutet, unter dem Vorwand, sie mit einer noch größeren Anarchie zu heilen, nämlich der Inflation des amtlichen Geldes und einer noch hundertmal größeren Inflation ihres eigenen Geldes, des Kreditgeldes, des falschen Geldes. Erinnern Sie sich der aufeinanderfolgenden Abwertungen bei vielen Völkern, der deutschen Abwertung, der amerikanischen Krise und ihrer trefflichen Wirkungen? Ein Rekord an Arbeitslosigkeit, mehr als dreißig Millionen Arbeitslose allein in Europa und USA, waren die Folge. Glauben Sie nun, daß der Versailler Vertrag und der Völkerbund Voraussetzungen für die Revolution waren?

Kuz.: Das mag sein, ohne daß es beabsichtigt war; Sie können mir nicht beweisen, warum sie vor der logischen Weiterentwicklunng der Revolution und dem Kommunismus zurückweichen und warum sie darüber hinaus eine Front mit dem Faschismus bilden, der in Italien und Europa triumphiert. Was antworten Sie nun?

Rak.: Wenn man die Existenz und das Ziel von „Jenen“ außer Betracht lassen wollte, hätten Sie ganz recht. Aber man darf ihre Existenz und ihre Zielsetzung nicht vergessen, genau so wenig wie die Tatsache, daß Joseph Stalin die Macht in der Sowjetunion innehat.

Kuz.: Ich sehe keine Verbindung dazwischen.

Rak.: Weil Sie nicht wollen! Hinweise und Anhaltspunkte sind doch reichlich da! Ich wiederhole noch einmal: Stalin ist für uns ein Bonapartist, kein Kommunist.

Kuz.: Aber der Faschismus ist doch wesenhafter Antikommunismus, sowohl gegen den stalinistischen als auch gegen den trotzkistischen Kommunismus! Und wenn die Macht „Jener“ so groß ist, warum haben sie ihn nicht verhindert?

Rak.: Weil jene es waren, die Hitler triumphieren ließen.

Kuz.: Jetzt übertreffen Sie alle Rekorde an Absurdität.

Rak.: Das Absurde und das Wunderbare verschmelzen bei bildungsmäßiger Unfähigkeit.

Hören Sie mich: Ich habe schon das Scheitern der Opposition anerkannt. „Jene“ erkannten am Ende, daß Stalin durch einen Staatsstreich nicht gestürzt werden konnte. Und ihre geschichtliche Erfahrung diktierte ihnen eine andere Lösung. Mit Stalin dasselbe zu machen wie einst mit dem Zaren. Eine Schwierigkeit bestand jedoch, die uns unüberwindlich schien: Es gab in ganz Europa kein Land, das die Invasion hätte durchführen können; keines besaß eine entsprechende geographische Lage oder ein ausreichendes Heer für einen Einmarsch in die Sowjetunion. Da es den Gegner nicht gab, mußten „Jene“ ihn schaffen. Nur Deutschland war bevölkerungsmäßig und strategisch in der Lage, um in Sowjetrußland einzufallen und Stalin Niederlagen zuzufügen. Aber, wie Sie verstehen werden, war die Republik von Weimar nicht so angelegt, daß sie andere hätten angreifen können, sondern so, daß andere sie angreifen konnten.

Und am Himmel des deutschen Hungers begann das flüchtige Gestirn Hitlers zu erglänzen. Ein scharfsinniges Auge richtete sich darauf. Die Welt hat seinen fulminanten Aufstieg bewundert. Ich will nicht sagen, daß das alles unser Werk gewesen wäre. Die revolutionär‑kommunistische Wirtschaft von Versailles führte ihm immer größere Massen zu. Auch wenn sie nicht eingerichtet worden wäre, um Hitlers Sieg herbeizuführen ‑ die Voraussetzung, die Versailles für Deutschland schuf, waren Verproletarisierung, Hunger und Arbeitslosigkeit, und die Folge davon hätte der Triumph der kommunistischen Revolution sein sollen. Weil jedoch diese durch Stalins Führung der Sowjetunion und der Internationale vereitelt worden war und man Deutschland nicht dem neuen Bonaparte überlassen wollte, milderten der Dawes‑ und Young‑Plan diese Voraussetzung etwas, in der Erwartung, daß in Rußland die Opposition siegen würde. Als dies nicht eintrat, mußten die Voraussetzungen, die man geschaffen hatte, ihre Folgen haben: Der wirtschaftliche Determinismus in Deutschland zwang seinem Proletariat die Revolution auf. Da durch Stalins Schuld die sozial­internationale Revolution verhindert worden war, stürzte sich das deutsche Proletariat in die nationalsozialistische Revolution. Das war ein dialektisches Faktum.

Aber trotz aller Voraussetzung und Begründung hätte die nationalsozialistische Revolution niemals siegen können. Es fehlte ihr dazu mehr. Es war nötig, daß auf Grund von Anweisungen die Trotzkisten und Sozialisten die Massen spalteten, die ein waches und intaktes Klassenbewußtsein hatten. Schon dabei haben wir eingegriffen.

Aber es war noch mehr nötig. Im Jahre 1929, als die Nationalsozialistische Partei an ihrer Wachstumskrise litt und ihr die Geldmittel ausgingen, sandten „Jene“ ihm einen Botschafter; ich kenne sogar seinen Namen, es war ein Warburg. In unmittelbaren Verhandlungen mit Hitler einigt man sich über die Finanzierung der Nationalsozialistischen Partei, und Hitler bekommt in ein paar Jahren Millionen von Dollars, die Wallstreet sendet, und Millionen von Mark, diese durch Schacht: die Erhaltung von SA und SS und die Finanzierung der folgenden Wahlen, die Hitler die Macht bringen, geschieht mit Dollars und Mark, die „Jene“ schicken.

Kuz.: Die nach Ihrer Darstellung einen vollkommenen Kommunismus erstreben und ausgerechnet einen Hitler bewaffnen, welcher schwört, das erste kommunistische Volk auszurotten. Wenn ich das glaube, ist schon allerlei „Logik“ bei den Finanzleuten!

Rak.: Sie vergessen wieder den Bonapartismus von Stalin. Erinnern Sie sich, daß gegenüber Napoleon, dem Erwürger der Französischen Revolution selbst ein Ludwig XVIII., ein Wellington, Metternich, ja sogar der autokratische Zar objektiv revolutionär waren. Das ist beste stalinistische Lehre. Sie werden seine Thesen über das Verhalten von Kolonien gegenüber den imperialistischen Mächten auswendig können. Danach sind objektiv der Emir von Afghanistan und König Faruk Kommunisten, weil Sie gegen Seine Britische Majestät kämpfen ‑ warum sollte denn nicht auch Hitler in seinem Kampfe gegen den autokratischen Zaren „Koba I.“ objektiv Kommunist sein?

Und endlich, ohne Abschweifungen: hier haben Sie Hitler mit wachsender militärischer Macht, der sein Drittes Reich ausdehnt, und was er noch hinzufügen wird ‑ bis er die notwendige Macht hat, um Stalin anzugreifen und völlig stürzen zu können. Sehen Sie nicht die allgemeine Zahmheit der Wölfe von Versailles, die sich auf schwaches Knurren beschränken? Ist das vielleicht auch Zufall? Hitler wird in der UdSSR einbrechen und so wie 1917 die Niederlagen des Zaren uns dazu dienten, diesen hinauszuwerfen, so werden die Niederlagen Stalins uns dienen, ihn hinauszuwerfen und zu ersetzen. Und die Stunde der Weltrevolution schlägt wieder. Denn die demokratischen Nationen, die heute eingeschläfert sind, werden, sobald Trotzkij wieder die Macht ergreift, wie einst im Bürgerkrieg einen allgemeinen Wechsel spüren. Dann wird Hitler vom Westen her angegriffen werden, seine Generale werden sich erheben und ihn liquidieren … Wird dann Hitler objektiv kommunistisch gehandelt haben oder nicht?

Kuz.: Ich glaube weder an Fabeln noch an Wunder!

Rak.: Also, wenn Sie nicht glauben wollen, daß „Jene“ fähig sind, zu verwirklichen, was sie verwirklicht haben, bereiten Sie sich vor, den Einmarsch in die Sowjetunion und das Ende Stalins noch vor einem Jahre zu erleben. Ob Sie es für ein Wunder oder einen Zufall halten, bereiten Sie sich vor, es zu erleben und zu erleiden. Aber sind Sie wirklich fähig, sich einfach zu weigern, das zu glauben, was ich Ihnen gesagt habe, sei es auch nur als Hypothese?

Kuz.: Gut, sprechen wir hypothetisch. Was regen Sie an?

Rak.: Sie haben zuerst auf unsere Übereinstimmung hingewiesen. Uns interessiert der Angriff auf die Sowjetunion nicht: denn der Sturz Stalins würde das Zusammenbrechen dieses Kommunismus bedeuten, der, selbst wenn er formal ist, uns doch angeht, denn wir sind überzeugt, daß es uns noch einmal gelingen wird, ihn zu stürzen und ihn in einen echten Kommunismus zu verwandeln. Ich glaube, genau die Synthese des gegenwärtigen Augenblicks gegeben zu haben?

Kuz.: Ausgezeichnet! ‑ Lösung?

Rak.: Vor allem müssen wir dafür sorgen, daß die potentielle Gefahr eines Angriffs durch Hitler verschwindet.

Kuz.: Wenn, wie Sie versichern, „Jene“ es gewesen sind, die ihn zum „Führer“ gemacht haben, müssen sie Macht über Hitler haben, daß er ihnen gehorcht.

Rak.: Da ich mich wegen der Eile nicht gut ausgedrückt habe, so haben Sie mich nicht gut verstanden. Wenn es auch stimmt, daß „Jene“ ihn finanziert haben, so haben sie doch weder seine Existenz noch sein Ziel entdeckt. Der Abgesandte Warburg kam zu ihm mit falschem Namen, es scheint nicht einmal, als ob Hitler seine Rassenzugehörigkeit erraten habe; außerdem log er über diejenigen, die er vertrat. Er sagte, er sei von einer Finanzgruppe der Wallstreet abgesandt, die daran interessiert sei, die nationalsozialistische Bewegung als eine Drohung gegen Frankreich zu finanzieren, dessen Regierung eine Finanzpolitik verfolge, die die Wirtschaftskrise in den USA hervorrufe.

Kuz.: Und glaubte Hitler das denn?

Rak.: Das wissen wir nicht. Es kam auch nicht darauf an, daß er die Gründe glaubte, unser Ziel war, daß er triumphieren sollte, ohne ihm irgendeine Bedingung aufzuerlegen. Das wirkliche Ziel, unser Ziel war, den Krieg zu provozieren ‑ und Hitler war der Krieg, begreifen Sie?

Kuz.: Ich verstehe. Danach aber sehe ich kein anderes Mittel, ihn zurückzuhalten, als ein Bündnis der Sowjetunion und der demokratischen Völker, das Hitler einschüchtern könnte. Wie ich glaube, ist er doch nicht stark genug sich zur gleichen Zeit gegen alle Staaten der Welt zu wenden, wohl dagegen durchaus stark genug, einen nach dem anderen …

Rak.: Kommt Ihnen das nicht als eine allzu einfache, fast möchte ich sagen, kontrarevolutionäre Lösung vor?

Kuz.: Um einen Krieg gegen die Sowjetunion zu vermeiden?

Rak.: Schneiden Sie diesen Satz in der Mitte entzwei: „einen Krieg zu vermeiden“, ist das nicht völlig kontrarevolutionär? Denken Sie nach: jeder echte Kommunist muß in Nachahmung seines Idols Lenin und der anderen großen revolutionären Strategen immer den Krieg wünschen. Nichts beschleunigt so den Sieg der Revolution wie der Krieg. Das ist ein marxistisch‑leninistisches Dogma, zu dem Sie sich bekennen müßten. Also ‑ dieser stalinistische Nationalkommunismus, dieser Bonapartismus ist fähig, den Verstand der reinsten Kommunisten derartig zu verdunkeln, daß sie die Umkehrung gar nicht mehr erkennen, der Stalin verfällt, nämlich die Revolution der Nation unterordnen, statt die Nation der Revolution!

Kuz.: Ihr Haß gegen Stalin verblendet Sie und verwickelt Sie in Widersprüche. Waren wir nicht darin einig geworden, daß ein Angriff auf die Sowjetunion nicht wünschenswert sei?

Rak.: Und warum muß der Krieg denn notwendigerweise gegen die Sowjetunion gerichtet sein?

Kuz.: Welches andere Volk könnte Hitler denn sonst angreifen? Es ist doch ganz klar, daß er seinen Angriff gegen die Sowjetunion richten wird, wie seine Reden es ankündigen. Was für Beweise wollen Sie noch dafür?

Rak.: Und wenn Sie und die Männer im Kreml das so fest und diskussionslos glauben, warum haben Sie dann eigentlich den Bürgerkrieg in Spanien provoziert? Sagen Sie mir nicht, das sei aus rein revolutionären Gründen geschehen. Stalin ist gar nicht fähig, irgendeine marxistische Theorie zu verwirklichen. Wäre es ein revolutionärer Grund gewesen, so wäre es nicht korrekt gewesen, in Spanien so und so viel ausgezeichnete internationale revolutionäre Kräfte zu verheizen. Es ist das Volk, das der Sowjetunion am fernsten lebt, und die elementarste, strategische Bildung konnte nicht raten, dort die Kräfte zu vertun. Im Konfliktsfall aber, wie hätte Stalin eine spanische Sowjetrepublik versorgen und militärisch stützen können?

Aber ich bleibe ernst: von einem anderen Gesichtspunkt aus waren Revolution und Krieg in Spanien richtig. Dort ist ein wichtiger strategischer Punkt, ein Kreuzweg der sich schneidenden Einflußlinien der kapitalistischen Mächte ‑ man hätte somit einen Krieg unter diesen provozieren können! Ich erkenne an: das war theoretisch richtig, aber nicht in der Praxis. Sie sehen bereits, daß der Krieg zwischen dem demokratischen und dem faschistischen Kapitalismus nicht ausbricht. Und ich sage Ihnen jetzt: wenn Stalin sich für fähig hielt, von sich aus ein Motiv zu schaffen, das geeignet wäre, den Krieg unter den kapitalistischen Nationen zu provozieren, warum sollte man nicht theoretisch annehmen dürfen, daß andere das auch erreichen könnten?

Kuz.: Läßt man die Voraussetzungen gelten, kann man hier auch die Hypothese zulassen.

Rak.: Also, das gibt einen weiteren Punkt, in dem wir übereinstimmen. Erstens, daß es keinen Krieg gegen die Sowjetunion geben soll, zweitens, daß man ihn unter den bürgerlichen Nationen hervorrufen muß.

Kuz.: Einverstanden. Sagen Sie das als persönliche Meinung oder als Meinung von „Jenen“?

Rak.: Als meine Meinung. Ich habe weder Auftrag noch Verbindung mit „Jenen“, aber ich kann versichern, daß sie in diesen beiden Punkten mit dem Kreml übereinstimmen.

Kuz.: Es ist wichtig, das von vorneherein festzulegen, denn es ist die Hauptsache. Dennoch möchte ich gern wissen, worauf Sie sich berufen, um die Sicherheit zu haben, daß „Jene“ zustimmen.

Rak.: Wenn ich Zeit genug gehabt hätte, ihren ganzen Plan darzustellen, wüßten Sie schon die Gründe, warum sie zustimmen. Heute will ich nur drei davon nennen.

Kuz.: Welche sind das?

Rak.: Einer ist, wie ich schon erwähnt habe, daß Hitler, dieser ungebildete Elementarmensch, aus natürlicher Intuition und sogar gegen die technische Opposition von Schacht, ein höchst gefährliches Wirtschaftssystem geschaffen hat. Als Analphabet in jeder Wirtschaftstheorie, nur der Notwendigkeit gehorchend, hat er, wie wir es in der Sowjetunion gemacht haben, die internationale wie die private Finanz ausgeschaltet. Das heißt, er hat sich selber wieder das Privileg, Geld zu machen, angeeignet, und zwar nicht nur physisches Geld, sondern auch Finanzgeld; er hat die intakte Maschine für Falschgeldherstellung an sich genommen und läßt sie nun für den Staat laufen. Er hat uns überholt, denn wir haben diese in Rußland unterdrückt und lediglich durch einen groben Apparat, genannt Staatskapitalismus ersetzt; das war ein sehr teurer Sieg für die notwendige vorrevolutionäre Demagogie. Das sind die beiden Wirklichkeiten, wenn man sie vergleicht. Das Schicksal hat Hitler sogar begünstigt; er besaß fast kein Gold und so konnte er gar nicht in Versuchung geraten, es zu seiner Währungsgrundlage zu machen. Da er als einzige Sicherheit für sein Geld nur über die technische Begabung und die machtvolle Arbeitskraft der Deutschen verfügte, wurden Technik und Arbeit sein Goldschatz, etwas so wesenhaft Gegenrevolutionäres, daß es, wie Sie wissen, radikal wie durch Zauberkunst jene Arbeitslosigkeit von mehr als sieben Millionen Technikern und Arbeitern beseitigte.

Kuz.: Durch die beschleunigte Aufrüstung.

Rak.: Ach, keine Spur! Wenn Hitler dazu gekommen ist, im Gegensatz zu allen bürgerlichen Wirtschaftlern, die ihn umgaben, könnte er sehr wohl fähig sein, ohne Kriegsgefahr sein System auf die Friedensproduktion anzuwenden. Können Sie sich ausmalen, was dieses System bedeuten würde, wenn es eine Anzahl Völker ansteckt, die einen wirtschaftlich autarken Kreis bilden? Etwa beispielsweise das Britische Commonwealth? Stellen Sie sich vor, es funktionierte in seiner kontrarevolutionären Art! Die Gefahr ist nicht drohend, noch nicht, denn wir haben das Glück gehabt, daß Hitler sein System nicht auf eine ihm vorausgegangene Theorie aufgebaut hat, sondern ganz empirisch, in keiner Weise wissenschaftlich formuliert. Das heißt, daß es keinen rational-deduktiven Prozeß durchlaufen hat, es gibt darüber keine wissenschaftliche These, man hat auch keine Lehre davon formuliert. Aber die Gefahr ist latent; jeden Augenblick kann auf dem Wege der Induktion sich eine Formel ergeben. Das ist sehr ernst, ernster als alles Theater und alle Grausamkeit beim Nationalsozialismus! Unsere Propaganda greift das auch nicht an ‑ denn aus der polemisierenden Kontroverse könnte die Formulierung und Systematisierung der gegenrevolutionären Wirtschaftslehre erwachsen. Da gibt es nur eine Rettung: den Krieg!

Kuz.: Und das zweite Motiv?

Rak.: Wenn der Thermidor der russischen Revolution gesiegt hat, so konnte das geschehen durch das vorherige Bestehen eines russischen Nationalismus. Ohne einen solchen Nationalismus wäre der Bonapartismus unmöglich gewesen. Und wenn das schon in Rußland geschah, wo der Nationalismus nur embrionär, persönlich, der Zar war ‑ was für ein Hindernis muß nicht der Marxismus in einem voll entwickelten Nationalismus Westeuropas finden! Marx ist hinsichtlich des Ortes des revolutionären Sieges einem Irrtum verfallen gewesen. Der Marxismus siegte nicht in der am meisten industrialisierten Nation, sondern in Rußland, das fast kein Proletariat hatte. Unser Sieg hier ist neben anderem der Tatsache zuzuschreiben, daß Rußland gar keinen wirklichen Nationalismus besaß, während er bei den übrigen Nationen auf der Höhe seiner Entwicklung stand. Sehen Sie, wie er sich bei ihnen mit dieser außergewöhnlichen Macht im Faschismus erhebt und wie er ansteckend wirkt! Sie werden verstehen, daß dieser gerade jetzt für Stalin von Nutzen ist, und daß uns darum die Erdrosselung des Nationalismus in Europa einen Krieg lohnend macht.

Kuz.: Zusammengefaßt also haben Sie, Rakowskij, einen wirtschaftlichen und einen politischen Grund angegeben. Und welches ist der dritte?

Rak.: Das ist leicht zu erraten. Wir haben noch einen religiösen Grund. Ohne das niederzuschlagen, was vom Christentum noch lebt, ist es unmöglich, den Kommunismus siegen zu lassen. Die Geschichte ist beredt ‑ es hat die Revolution sechzehn Jahrhunderte gekostet, ehe sie ihren ersten Teilerfolg erringen konnte, indem sie die erste Spaltung des Christentums hervorrief. In Wirklichkeit ist das Christentum unser einziger Feind, denn das Politische und Wirtschaftliche in den bürgerlichen Völkern ist nur seine Folge. Das Christentum, das das Individuum bestimmt, ist fähig, die revolutionäre Ausstrahlung des neutralen, laizistischen oder atheistischen Staates an Luftmangel zugrundegehen zu lassen, wie wir es in Rußland erleben, und schafft sogar diesen geistigen Nihilismus, der in den beherrschten, noch christlichen Massen lebt, ein Hindernis, das auch in zwanzig Jahren Marxismus noch nicht überwunden ist. Wir gestehen Stalin zu, daß er jedenfalls auf dem religiösen Sektor kein Bonapartist war. Auch wir hätten nicht mehr oder anderes getan als er. Ah! Wenn Stalin auch wie Napoleon wagen würde, den Rubikon des Christentums zu überschreiten, dann hätten sich sein Nationalismus und seine gegenrevolutionäre Wirkung um das Tausendfache vermehrt. Und vor allem, dann hätte eine radikale Unüberbrückbarkeit jede Übereinstimmung zwischen uns und ihm unmöglich machen müssen, auch wenn sie nur zeitlich und objektiv ist ‑ wie diejenige, welche sich schon zwischen uns abzeichnet, wie Sie erkennen werden.

Kuz.: Tatsächlich, es ist meine persönliche Meinung, daß Sie die drei Grundpunkte herausgearbeitet haben, über die man die Linie eines Planes ziehen kann. Soviel gebe ich Ihnen für den Augenblick zu. Aber ich mache meine geistigen Vorbehalte, im einzelnen meinen völligen Unglauben hinsichtlich dessen, was Sie auf dem Gebiet von Menschen, Organisationen und Tatsachen ausgeführt haben. Aber, legen Sie schon die Generallinien Ihres Planes dar.

Rak.: Ja, jetzt ja. Der Augenblick ist nun gekommen. Nur einen Vorbehalt: ich spreche unter meiner eigenen Verantwortung. Ich nehme die Verantwortung für die Auslegung der drei vorhergehenden Punkte als Gedanken von „Jenen“ auf mich, aber gebe zu, daß „Jene“ zur Erreichung der drei Zwecke einen teilweise völlig verschiedenen Plan für wirksamer halten können, als denjenigen, den ich nahelege. Stellen Sie das bitte in Rechnung.

Kuz.: Das tue ich. Sprechen Sie nur.

Rak.: Fassen wir es ganz einfach. Da für die deutsche Militärmacht nicht mehr das gleiche Ziel besteht, für das sie geschaffen wurde, nämlich uns, der Opposition, die Macht in der Sowjetunion zu verschaffen, müssen wir eine Umstellung der Fronten erreichen, den Angriff Hitlers von Osten nach Westen wenden.

Kuz.: Ausgezeichnet! Haben Sie an einen Plan zur praktischen Verwirklichung gedacht?

Rak.: Ich hatte genug Zeit dafür in Lubjanka. Ich habe nachgedacht. Sehen Sie: Wenn es ursprünglich so schwierig war, einen Punkt der Übereinstimmung zwischen uns beiden zu finden und sich dann doch alles ganz natürlich abwickelte, so beschränkt sich nun das Problem darauf, irgend etwas zu finden, in dem auch Stalin und Hitler übereinstimmen.

Kuz.: Ja, aber Sie werden zugeben, daß selbst das schon ein Problem ist.

Rak.: Aber kein so unlösbares, wie Sie glauben. In Wirklichkeit gibt es nur dann unlösbare Probleme, wenn sie einen subjektiven dialektischen Widerspruch einschließen. Hitler und Stalin aber können übereinstimmen, denn bei aller Verschiedenheit sind sie in ihrer Wurzel identisch; mag Hitler in pathologischem Grade ein Gefühlsmensch und Stalin normal sein, so sind sie doch beide Egoisten; keiner ist Idealist, darum sind sie beide Bonapartisten, das heißt klassische Imperialisten. Da das aber so ist, läßt sich eine Übereinstimmung der beiden leicht erzielen. Warum auch nicht, wenn dies sogar zwischen einer Zarin und einem preußischen König möglich war?

Kuz.: Rakowskij. Sie sind unverbesserlich …

Rak.: Erraten Sie es nicht? Wenn Polen bewirkte, daß Katharina II. und Friedrich II. sich verständigten ‑ jeder von beiden ein Muster für den jetzigen „Zar“ und den jetzigen „König“ in Rußland bzw. Preußen ‑ warum sollte Polen nicht auch die Ursache für eine Verständigung zwischen Hitler und Stalin sein? Die geschichtliche Linie von den Zaren zu den Bolschewisten und von den Monarchen zu den Nationalsozialisten ebenso wie alles Persönliche bei Hitler und Stalin könnten sich in Polen treffen. Ebenso unsere Linie, ebenso diejenigen von „Jenen“ übrigens ist das ein christliches Volk, und, ein weiterer erschwerender Umstand, ein katholisches Volk.

Kuz.: Und angenommen, sie stimmen in diesem Dritten überein … ?

Rak.: Wenn Willensübereinstimmung besteht, ist ein Vertrag möglich.

Kuz.: Zwischen Hitler und Stalin? Verrückt! Unmöglich!

Rak.: Es gibt nichts Verrücktes, noch weniger Unmögliches in der Politik.

Kuz.: Nehmen wir also als Hypothese an: Hitler und Stalin greifen Polen an.

Rak.: Darf ich unterbrechen: ihr Angriff kann lediglich die Alternative „Krieg oder Frieden“ hervorrufen ‑ das müssen Sie zugeben.

Kuz.: Ja, aber ‑ und was?

Rak.: Halten Sie England und Frankreich mit ihrer Unterlegenheit an Heer und Flugwaffe für fähig, Hitler und Stalin anzugreifen, wenn diese zusammenhalten?

Kuz.: In der Tat ‑ das scheint mir schwierig, wenn es Amerika nicht gäbe.

Rak.: Lassen Sie einen Augenblick die Vereinigten Staaten aus dem Spiel. Sie gestehen mir also zu, daß ein Angriff Hitlers und Stalins auf Polen keinen europäischen Krieg auslösen kann?

Kuz.: Logisch, das erscheint nicht sehr möglich.

Rak.: In diesem Falle wäre ein Angriff auf Polen fast sinnlos. Er würde nicht zur gegenseitigen Zerstörung der bürgerlichen Staaten führen, die Drohung Hitlers gegen die Sowjetunion würde nach Durchführung der Teilung Polens, weiterbestehen, wenn auch vorerst theoretisch. Deutschland und die Sowjetunion hätten sich gleichmäßig verstärkt, praktisch jedoch hätte sich Hitler mehr verstärkt; denn die Sowjetunion braucht weder Land noch Rohstoffe, um stärker zu werden, wohl aber braucht sie Deutschland.

Kuz.: Das ist richtig gesehen. Aber es scheint keine andere Lösung zu geben.

Rak.: Es gibt doch eine Lösung.

Kuz.: Welche?

Rak.: Daß die Demokratien den Aggressor angreifen und nicht angreifen.

Kuz.: Jetzt schweifen Sie ab. Angreifen und Nichtangreifen zugleich ist eine völlige Unmöglichkeit.

Rak.: Glauben Sie? Beruhigen Sie sich! Wären nicht beide Angreifer? Sind wir nicht einig darüber geworden, daß der Angriff nur durchgeführt wird, wenn ihn beide unternehmen? Gut, was wäre dabei undenkbar, daß die Demokratien nur einen der Aggressoren angreifen?

Kuz.: Was wollen Sie damit sagen?

Rak.: Einfach daß die Demokratien nur einem der Angreifer den Krieg erklären, genau gesagt, Hitler!

Kuz.: Das ist nur eine billige Hypothese.

Rak.: Hypothese ja, aber keineswegs billig. Überlegen Sie: jedes Volk, das gegen eine Koalition feindlicher Staaten kämpfen muß, hat als wichtigstes strategisches Ziel, sie getrennt, einen nach dem anderen, zu schlagen. Das ist eine so wohlbekannte und vernünftige Regel, daß man sie nicht erst beweisen muß. Also, Sie werden mit mir übereinstimmen, diese Gelegenheit zu schaffen wäre nicht falsch. Da Stalin sich durch einen Angriff der Demokratien auf Hitler selbst nicht angegriffen fühlt und ihm auch nicht beispringt, ergibt sich die Frage: Ist das nicht der richtige Weg? Außerdem legen die Geographie und vor allem auch die Strategie das nahe. Frankreich und England werden doch nicht so dumm sein, zu gleicher Zeit gegen zwei Mächte kämpfen zu wollen, von denen eine bereit ist, neutral zu bleiben, und die andere ohnehin schon für sie eine harte Nuß darstellt. Und von wo aus sollten sie denn einen Angriff auf die Sowjetunion durchführen? Sie haben mit ihr keine gemeinsame Grenze, es sei denn, sie griffen über den Himalaya hinweg an. Gewiß, es bleibt die Front in der Luft, aber womit und von wo aus sollten sie Rußland angreifen? In der Luft sind sie Hitler völlig unterlegen. Was ich da geltend mache, ist ja kein Geheimnis, es ist nur allzusehr bekannt. Wie Sie sehen, vereinfacht sich alles sehr.

Kuz.: Ja, wenn man den Konflikt auf die vier Mächte begrenzt, sind Ihre Schlüsse logisch. Aber es sind nicht vier ‑ es sind viele, und die Neutralität ist in einem Krieg von solchem Umfang nicht leicht aufrechtzuerhalten.

Rak.: Gewiß, aber auch das mögliche Eingreifen weiterer Nationen ändert das gegenseitige Verhältnis der Kräfte nicht. Machen Sie im Geist eine Bilanz und Sie werden sehen, daß das Gleichgewicht bleibt, auch wenn mehrere oder alle europäischen Nationen eingreifen sollten. Außerdem, und das ist wichtig, keine andere Nation, die an der Seite von England und Frankreich in den Krieg eintreten würde, könnte diesen die Führung abnehmen; damit aber bleiben die Gründe gültig, die diese an einem Angriff auf die Sowjetunion hindern.

Kuz.: Sie vergessen die Vereinigten Staaten.

Rak.: Sie werden gleich sehen, daß ich sie nicht vergesse. Ich beschränke mich darauf, ihre Position in dem uns vorliegenden Problem zu untersuchen, und sage Ihnen, daß Amerika nicht erwirken kann, daß Frankreich und England Hitler und Stalin gleichzeitig angreifen. Um das zu können, müßten die Vereinigten Staaten mit dem ersten Tage in den Krieg eintreten. Und das ist unmöglich. Erstens, weil die USA niemals in einen Krieg eingetreten sind noch eintreten werden, wenn sie nicht angegriffen werden, wann immer es ihnen paßt. Hat die Provokation keinen Erfolg und der Gegner hat sie eingesteckt, dann ist die Aggression einfach erfunden worden. In ihrem ersten internationalen Kriege, 1898 gegen Spanien, dessen Niederlage nicht zweifelhaft war, hat man die Aggression einfach fingiert, oder „Jene“ haben sie fingiert. 1914 hatte die Provokation Erfolg. Gewiß wird man darüber streiten, ob sie technisch stattgefunden hat, aber es ist eine Regel ohne Ausnahme, daß, wer eine Aggression begeht, ohne daß sie ihm hilft, sie begeht, weil er provoziert worden ist. Also: diese wunderschöne amerikanische Taktik, der ich meinen Beifall nicht versage, unterliegt immer einer Bedingung: daß die Aggression „richtig“ erfolgt, nämlich wenn es dem „Angegriffenen“ paßt, also den Vereinigten Staaten, d. h. wenn sie militärisch gerüstet sind. Ist das heute der Fall? Offensichtlich nein. Die USA haben heute kaum hunderttausend Mann unter Waffen und eine mittelmäßige Flugwaffe; respektabel ist nur die Schlachtflotte. Aber verstehen Sie, daß sie damit die Alliierten nicht für einen Angriff auf die Sowjetunion gewinnen können, zumal auch England und Frankreich nur eine Überlegenheit haben, nämlich in der Luft. Ich habe also wieder nachgewiesen, daß es von dieser aus jetzt keine Änderung im Verhältnis der Kräfte geben kann.

Kuz.: Auch wenn ich das zugebe, erklären Sie mir doch die technische Verwirklichung.

Rak.: Da, wie Sie gesehen haben, Stalins und Hitlers Interessen für ihren Angriff auf Polen zusammenfallen, bleibt nur noch übrig, diese Übereinstimmung zu formulieren und einen Vertrag über den Doppelangriff zu schließen.

Kuz.: Und das halten Sie für sehr leicht?

Rak.: Gewiß nicht. Man brauchte dazu eine erfahrenere Diplomatie als sie Stalin hat. Man müßte diejenige dafür im Dienst haben, die Stalin enthauptet hat oder die jetzt in der Lubjanka verfault. Litwinow wäre in früheren Zeiten dazu fähig gewesen, wenn auch mit gewissen Schwierigkeiten, weil seine Rassenzugehörigkeit ein großes Handicap für Verhandlungen mit Hitler gewesen wäre, aber heute ist er als Mensch fix und fertig, gejagt von einem panischen Schrecken, er hat eine tierische Angst, weniger vor Stalin als vor Molotow. All sein Talent ist festgelegt darin, daß man ihn nicht für einen Trotzkisten halte. Wenn er erfährt, daß er eine Annäherung an Hitler einfädeln soll, hieße dies für ihn ebensoviel wie wenn man ihm zumutete, er solle selber den Beweis seines Trotzkismus liefern. Ich sehe den geeigneten Mann nicht ‑ außerdem müßte er ein reinblütiger Russe sein. I c h würde mich für die erste Fühlungnahme anbieten. Und ich rege an, daß wer immer die Gespräche beginnt, die auf einer ganz vertraulichen Ebene stattfinden müßten, von Ehrlichkeit überfließen muß. Angesichts der Mauer von Vorurteilen kann man Hitler nur mittels der Wahrheit hereinlegen.

Kuz.: Ich verstehe wieder einmal Ihre Rede in Paradoxen nicht.

Rak.: Entschuldigen Sie, das ist sie nur scheinbar; die Notwendigkeit der Zusammenfassung zwingt mich dazu. Ich wollte sagen, daß man im Konkreten und Naheliegenden mit Hitler mit offenen Karten spielen muß. Man muß ihm zeigen, daß es sich um kein abgekartetes Spiel von Provokationen handelt, um ihn in einen Zweifrontenkrieg zu verwickeln. Zum Beispiel kann man ihm versprechen und im gegebenen Augenblick auch zeigen, daß unsere Mobilmachung sich nur auf die wenigen Kräfte beschränken wird, die für den Einmarsch in Polen nötig sein werden, was in der Tat wenig Truppen erfordert. Unsere wirkliche Disposition müßte dahin gehen, daß er seine verfügbaren Massen zur Abschlagung eines angenommenen englisch‑französischen Angriffes festlegt. Stalin müßte großzügig sein in den Lieferungen, um die Hitler ersucht, besonders was das Erdöl betrifft. Das ist es, was mir so im Augenblick in den Kopf kommt. Es werden tausend ähnliche Fragen sich erheben, alle der gleichen Art, die so gelöst werden müssen, daß sie Hitler die Sicherheit geben, daß wir nur unseren Teil von Polen nehmen wollen. Und weil es in der Praxis so gemacht werden wird, wird Hitler mit der Wahrheit getäuscht werden.

Kuz.: Aber, in diesem Fall ‑ wo soll da die Täuschung liegen?

Rak.: Ich lasse Ihnen einige Augenblicke, damit Sie selber entdecken, wo Hitlers Täuschung sich finden läßt. Vorher aber möchte ich betonen, und Sie müssen es notieren, daß ich bis zu diesem Augenblick einen logischen, normalen Plan entworfen habe, durch den man dazu kommen kann, daß sich die kapitalistischen Staaten gegenseitig zerstören, indem man ihre beiden Flügel den faschistischen gegen den bürgerlichen, aufeinander stoßen läßt. Aber, ich wiederhole, mein Plan ist logisch und normal. Wie Sie gesehen haben, kommen weder mysteriöse noch irgendwie fremdartige Faktoren dabei ins Spiel. Mit einem Wort, „Jene“ greifen nicht ein, damit seine Durchführung möglich wird. Und doch glaube ich Ihren Gedanken zu erraten ‑ Sie denken in diesem Augenblick, daß es dumm war, die Zeit damit zu vertrödeln, die unbeweisbare Existenz und die Macht von „Jenen“ nachweisen zu wollen … Nicht wahr?

Kuz.: Das stimmt.

Rak.: Seien Sie offen zu mir. Sehen Sie ihr Eingreifen wirklich nicht!? Ich sage Ihnen zu Ihrer Hilfe, daß ihr Eingreifen existiert und entscheidend ist. Auch wenn die Logik und Natürlichkeit des Planes reiner Schein ist. Erkennen Sie „Jene“ denn wirklich nicht?

Kuz.: Offen gesagt, nein!

Rak.: Und doch ist Logik und Natürlichkeit meines Planes reiner Schein. Das Natürliche und Logische wäre es, wenn sich Hitler und Stalin gegenseitig vernichten. Eine einfache und leichte Sache für die Demokratien, wenn ihr Ziel wirklich das wäre, das sie proklamieren, obwohl viele Demokraten das glauben; denn es wäre genug, wenn sie Hitler erlauben ‑ halten Sie das fest „erlauben“ ‑ würden, Stalin anzugreifen. Sagen Sie mir nicht, daß Deutschland siegen könnte. Wenn der russische Raum und die Verzweiflung Stalins und der Seinigen unter dem Beil Hitlers oder gegenüber der Rache ihrer Opfer nicht ausreichen sollten, die Militärmacht Deutschlands zu ersticken, so stände ja dem nichts im Wege, daß die Demokratien klug, methodisch Stalin unterstützten, wenn sie sehen, daß er schwach wird, und ihre Hilfe bis zur völligen Erschöpfung der beiden Heere fortsetzen. Das würde gewiß leicht, natürlich und logisch sein, wenn die Beweggründe und Absichten der Demokratien, die viele ihrer Menschen für wahr halten, Tatsachen wären, und nicht, was sie wirklich sind: Vorwände. Es gibt ein Ziel, ein einziges Ziel ‑ den Sieg des Kommunismus, den aber zwingt niemand den Demokratien auf als New York, nicht die „Komintern“, sondern die „Kapintern“ der Wallstreet. Wer außer ihr könnte Europa einen so offensichtlichen und völligen Widerspruch aufzwingen? Wer kann die Kraft sein, die es zum totalen Selbstmord treibt? Nur eine ist dazu fähig: das Geld. Das Geld ist Macht, die einzige Macht.

Kuz.: Ich will offen mit Ihnen sein Rakowskij. Ich gestehe Ihnen Gaben eines außergewöhnlichen Talentes zu. Sie haben eine brillante, aggressive, feine Dialektik, wenn diese Sie im Stich läßt, kann Ihre Phantasie immer noch einen bunten Vorhang, der wie leuchtende und klare Perspektiven aussieht, spinnen. Aber das alles, auch wenn es mir Freude macht, genügt mir nicht. Ich befrage Sie also, als ob ich alles glaubte, was Sie mir gesagt haben.

Rak.: Und ich gebe Ihnen die Antwort unter der einzigen Bedingung, daß Sie mir weder mehr noch weniger, als ich gesagt habe, unterlegen.

Kuz.: Zugesagt. Sie sagen also, daß „Jene“ den vom kapitalistischen Gesichtspunkt logischen Krieg zwischen Deutschland und der Sowjetunion hindern und hindern werden? Lege ich das richtig aus?

Rak.: Völlig richtig.

Kuz.: Aber die gegenwärtige Lage ist, daß sie die deutsche Ausdehnung und Wiederbewaffnung gestatten. Das ist eine Tatsache. Ich weiß schon, daß, nach Ihrer Auffassung, der heute durch die“ Reinigungen“ gescheiterte trotzkistische Plan der Beweggrund dafür war, ‑ insofern schon ohne Ziel! Gegenüber der neuen Lage regen Sie lediglich an, daß Hitler und Stalin einen Pakt schließen und sich Polen teilen sollen. Und ich frage Sie: was garantiert uns, daß mit und ohne Pakt, mit und ohne Teilung Polens, Hitler die Sowjetunion nicht angreifen wird?

Rak.: Da gibt es keine Garantie.

Kuz.: Warum also weitersprechen?

Rak.: Überstürzen Sie sich nicht; die furchtbare Drohung gegen die Sowjetunion ist praktisch und real. Es ist keine Hypothese oder Drohung mit Worten. Es ist eine Tatsache, eine zwingende Tatsache. „Jene“ haben schon eine Überlegenheit über Stalin, die sie nicht aufgeben dürfen. Stalin bietet sich nur eine Alternative, eine Option, keine volle Freiheit. Hitlers Angriff rollt ganz von selbst an, „Jene“ brauchen nichts zu tun, um ihn hervorzurufen, brauchen ihn nur handeln zu lassen. Das ist die entscheidende Grundtatsache, die Sie in Ihrer sehr vom Kreml geprägten Denkweise vergessen haben . . . Umdenken, mein Herr, umdenken!

Kuz.: Welche Option?

Rak.: Ich werde es noch einmal definieren: entweder wird Stalin zertreten oder er führt den Plan durch, wie ich ihn gezeichnet habe, damit sich die europäischen kapitalistischen Staaten gegenseitig vernichten. Ich habe das eine Alternative genannt, aber, wie Sie sehen, ist es nur eine theoretische Alternative. Stalin wird sich gezwungen sehen, wenn er überleben will, den von mir vorgeschlagenen Plan durchzuführen, sobald er von „Jenen“ gebilligt ist.

Kuz.: Und wenn er Nein sagt?

Rak.: Das wird unmöglich sein. Die deutsche Ausdehnung und Aufrüstung werden weitergehen. Wenn Stalin sich ihr gegenüber sieht, riesig, bedrohlich ‑ was soll er dann machen? Sein eigener Selbsterhaltungssinn wird ihm das sagen!

Kuz.: Es scheint, daß die Ereignisse sich nach der von „Jenen“ entworfenen Planung abwickeln müssen.

Rak.: Und so ist es. Natürlich in der Sowjetunion ist es heute noch nicht so, aber früh oder spät wird es sich ereignen. Es ist nicht schwer, vorauszusagen und zur Durchführung zu bringen, wenn etwas demjenigen paßt, der es durchführen soll, in diesem Falle Stalin, den ich nicht für einen Selbstmordkandidaten halte … Es ist viel schwerer vorauszusagen oder die Durchführung jemand aufzuerlegen, dem es nicht paßt, also in diesem Falle den Demokratien. Ich habe es für diesen Augenblick mir aufgehoben, die wirkliche Lage zu konkretisieren. Aber lösen Sie sich von dem Gedanken, daß Sie in der gegebenen Lage Schiedsrichter seien ‑ Schiedsrichter sind „Jene“.

Kuz.: Immer wieder „Jene“! Müssen wir mit Gespenstern umgehen?

Rak.: Sind Tatsachen Gespenster? Die internationale Lage wird voll Wunder, aber nicht gespenstisch sein; sie ist real und recht real. Es gibt kein Zauberstück, dort wird nämlich die zukünftige Politik bestimmt. Halten Sie das für das Werk von Gespenstern?

Kuz.: Wir wollen sehen. Nehmen wir also an, Ihr Plan würde angenommen. Etwas Greifbares, Persönliches müßten wir kennen, um zu verhandeln.

Rak.: Zum Beispiel?

Kuz.: Eine Person mit Vertretungsmacht, mit Vollmachten.

Rak.: Und warum? Um des Vergnügens willen, sie zu kennen und zu sprechen? ‑ Berücksichtigen Sie, daß die angenommene Person, falls sie sich einstellt, keine Beglaubigungsschreiben mit Siegel und Stempel mitbringen, keine Diplomatentracht tragen wird, am allerwenigsten von „Jenen“; was sie sagt oder verspricht, was sie an Verträgen abschließt, wird keinerlei juristischen oder Vertragswert haben. Verstehen Sie, daß „Jene“ kein Staat sind, sie sind, was die Internationale vor 1917 war, was sie offiziell heute noch ist ‑ zugleich Nichts und Alles, Stellen Sie sich vor, die Sowjetunion wollte mit der Freimaurerei, mit einer Spionage-Organisation, mit dem mazedonischen Komitadschi oder den kroatischen Ustascha verhandeln. Würde es da irgendetwas Amtliches, Geschriebenes, juristisch Vertragliches geben? Solche Verträge, wie diejenigen zwischen Lenin und dem deutschen Generalstab oder die von Trotzkij mit „Jenen“ vollziehen sich ohne Brief und Siegel. Die einzige Garantie für ihre Erfüllung beruht darin, daß es den Vertragschließenden nützlich ist, den Vertrag zu erfüllen ‑ und das ist die einzige wirkliche Garantie bei jedem Vertrag, auch wenn er mit noch soviel Feierlichkeit geschlossen wird.

Kuz.: In diesem Falle ‑ was würden Sie beginnen?

Rak.: Ehrlich gesagt, ich würde noch morgen anfangen, Berlin zu sondieren.

Kuz.: Um den Angriff auf Polen zu vereinbaren?

Rak.: Damit würde ich nicht anfangen. Ich würde mich entgegenkommender zeigen, etwas enttäuscht von den Demokratien, würde in Spanien etwas nachgeben … Das wäre eine Tatsache, die Mut macht; dann würde ich vage auf Polen anspielen. Wie Sie sehen ‑ keine Festlegungen, aber genug, damit die Elemente des OKW, die Männer der Bismarck‑Linie, wie sie sich nennen, Hitler gegenüber Argumente bekommen.

Kuz.: Nicht mehr.

Rak.: Im Augenblick nicht mehr. Das ist schon eine große diplomatische Aufgabe.

Kuz.: Offen gesagt, bei den heute im Kreml herrschenden Gedankengängen glaube ich nicht, daß gegenwärtig irgendjemand wagen wird, eine so radikale Wendung in der internationalen Politik anzuraten. Ich fordere Sie auf, Rakowskij, sich doch einmal im Geiste in den entscheidenden Mann im Kreml zu versetzen. Nur mit Ihren Enthüllungen, Ihren Gründen, Ihren Hypothesen und Anregungen ‑ da werden Sie mir zugeben, daß sich niemand überzeugen lassen kann. Ich selbst, der ich Sie gehört habe und ‑ ich darf das nicht leugnen ‑ einen starken Eindruck von Ihren Worten und Ihrer Person bekommen habe, habe mich doch nicht einen Augenblick versucht gefühlt, praktisch einen Vertrag zwischen der Sowjetunion und Deutschland ins Auge zu fassen.

Rak.: Die internationalen Ereignisse werden dazu mit unwiderstehlicher Gewalt zwingen.

Kuz.: Aber das hieße wertvolle Zeit verlieren. Sprechen Sie über etwas Greifbares, was ich als Beweis für die Glaubhaftigkeit vorlegen kann. Sonst getraue ich mich nicht, den Bericht über unsere Unterhaltung nach oben durchzugeben; ich werde ihn mit aller Wortgetreulichkeit abfassen, aber er wird in einem Archiv des Kreml schlummern.

Rak.: Würde es genügen, damit Sie ihn in Betracht ziehen, daß jemand, auch unamtlich, mit einer wichtigen Persönlichkeit spricht?

Kuz.: Das wäre, wie ich glaube, etwas Greifbares.

Rak.: Aber, mit wem?

Kuz.: Das ist meine persönliche Meinung, Rakowskij, Sie haben von konkreten Personen gesprochen, von großen Finanzmännern, wenn ich mich richtig erinnere, haben Sie einen gewissen Schiff angeführt, auch einen anderen, der als Verbindungsmann zu Hitler bei dessen Finanzierung gedient hat. Es wird auch Politiker oder Persönlichkeiten von Rang geben, die zu „Jenen“ gehören oder die „Jenen“ dienen. So einer könnte uns dienen, um etwas Praktisches einzuleiten. Kennen Sie da niemand?

Rak.: Ich sehe die Notwendigkeit nicht. Überlegen Sie ‑ worüber wollen Sie verhandeln? Gewiß über den Plan, den ich anregte, nicht wahr? Aber wozu? Bei diesem Plan haben „Jene“ im Augenblick nichts zu tun, ihre Aufgabe ist „Nicht handeln“. Also können Sie keine positive Aktion vereinbaren oder fordern. Erinnern Sie sich und überlegen Sie es gut.

Kuz.: Auch wenn dem so ist, erzwingt der Zustand unserer persönlichen Auffassung eine Realität, auch wenn sie unnötig ist . . . Einen Mann, dessen Persönlichkeit die Macht, die „Jene“ ausüben sollen, wahrscheinlich macht.

Rak.: Ich werden Ihnen den Gefallen tun, obwohl ich von der Nutzlosigkeit überzeugt bin. Ich sagte Ihnen schon, daß ich nicht weiß, wer „Jene“ sind. Zur Sicherheit hat mir das auch einer gesagt, der es wissen mußte.

Kuz.: Wer?

Rak.: Trotzkij. Weil Trotzkij es mir gesagt hat weiß ich nur, daß einer von „Jenen“ Walther Rathenau, der Mann von Rapallo, war. Da sehen Sie den letzten von „Jenen“, der öffentlich politische Macht ausübte, wie er es war, der die Wirtschaftsblockade um die Sowjetunion zerbrach, obwohl er einer der größten Millionäre war. Dann war es Lionel Rothschild. Mit Sicherheit kann ich jetzt nicht mehr Namen nennen. Gewiß, ich könnte jetzt mehr Namen nennen, deren Persönlichkeit und Taten sie mir völlig mit „Jenen“ übereinstimmend erscheinen lassen aber ob diese Männer dabei befehlen oder gehorchen, kann ich nicht sagen.

Kuz.: Nennen Sie mir einige.

Rak.: Als Einheit das Bankhaus Kuhn, Loeb & Co. in der Wallstreet; innerhalb dieses Bankhauses die Familie Schiff, Warburg, Loeb und Kahn; ich sage Familie trotz der verschiedenen Familiennamen, denn sie sind alle untereinander durch Ehen verbunden, Baruch, Frankfurter, Altschul, Cohen, Benjamin, Straus, Steinhardt, Blum, Rosenman, Lippman, Lehman, Dreyfus, Lamont, Rothschild, Lord, Mandel, Morgenthau, Ezechiel, Lasky … Ich nehme an, das sind genug Namen. Wenn ich mein Gedächtnis anstrenge, kann ich mich an noch mehr erinnern. Aber, ich wiederhole, daß ich nicht weiß, wer einer von „Jenen“ sein kann, noch daß ich versichern könnte, daß notwendigerweise einer es ist. Ich muß da alle Verantwortung ablehnen. Aber ich glaube fest, daß jeder einzelne der von mir Aufgeführten, auch wenn er selber es nicht ist, einen substantiierten Vorschlag an „Jene“ kommen lassen würde. Danach ‑ ob man nun die richtige Person getroffen hat oder nicht ‑ muß man nicht auf eine direkte Antwort warten. Die Antwort geben die Tatsachen. Das ist eine unveränderliche Technik, die sie beachten und deren Beachtung sie durchzusetzen wissen. Zum Beispiel, wenn Sie einen diplomatischen Schritt machen wollen, müssen Sie nicht die persönliche Form anwenden und sich an „Jene“ wenden; beschränken Sie sich darauf, eine Erwägung, eine vernunftgemäße Hypothese auszudrücken … Dann braucht man nur abzuwarten.

Kuz.: Sie werden verstehen, daß ich jetzt keinen Zettelkasten hier habe, um alle die Personen nachzusehen, die Sie erwähnt haben, aber ich nehme an, daß diese sehr weit weg sind. Wo sind sie?

Rak.: Zum größten Teil in den Vereinigten Staaten.

Kuz.: Sie werden verstehe, daß, wenn wir da eine Aktion einleiten, uns das viel Zeit kosten wird. Und wir haben es eilig. Nicht wir, sondern Sie, Rakowskij.

Rak.: Ich?

Kuz.: Ja, Sie, erinnern Sie sich, daß Ihr Prozeß sehr bald beginnen soll. Ich weiß es nicht, aber ich halte es für nicht allzu kühn, daß wenn der Vertrag hier den Kreml interessieren soll, er ihn interessieren müßte, bevor Sie vor dem Gericht erscheinen; das wäre für Sie eine sehr entscheidende Sache. Ich glaube, daß Sie in Ihrem eigenen Interesse uns sehr schnell etwas liefern müßten. Das Wesentliche wäre, eher in Tagen als in Wochen einen Beweis dafür zu bekommen, daß Sie die Wahrheit gesagt haben. Ich glaube, daß, wenn Sie uns den liefern könnten, ich Ihnen fast relativ große Sicherheiten geben könnte, Ihr Leben zu retten . . . Anderen Falles garantiere ich für nichts.

Rak.: Gut, ich werde es wagen. Wissen Sie, ob Davies in Moskau ist? Ja, der amerikanische Botschafter.

Kuz.: Ich glaube, ja. Er müßte zurückgekehrt sein.

Rak.: Das wäre ein Weg.

Kuz.: Ich glaube, wenn es so ist, müßten Sie mit ihm beginnen.

Rak.: Nur ein so außergewöhnlicher Fall, glaube ich, gibt mir das Recht, gegen die Regeln einen amtlichen Weg zu verwenden.

Kuz.: Können wir demnach annehmen, daß die amerikanische Regierung hinter all dem steht?

Rak.: Dahinter nicht, darunter …

Kuz.: Roosevelt?

Rak.: Soweit ich weiß. Ich kann nur daraus schließen. Folgen Sie mir mit Ihrer Manie für Spionageromane! Ich könnte Ihnen zu Gefallen eine ganze Geschichte fabrizieren: ich habe genug Erfindungsgabe, wahre Daten und Tatsachen, um einen Schein der Wahrheit zu schaffen, der an die Beweiskräftigkeit streift. Aber sind die öffentlich bekannten Tatsachen nicht viel augenfälliger? Sehen Sie selbst! Erinnern Sie sich jenes Morgens des 24. Oktobers 1929. Es wird eine Zeit kommen da er für die Geschichte der Revolution ein wichtigerer Tag sein wird als der 24. Oktober 1917 … Dieser 24te ist der Tag des Kraches an der Börse in New York, der Beginn der sogenannten Depression, der wirklichen Revolution ‑ zwölf bis fünfzehn Millionen Arbeitslose! Im Februar 1933 ist der letzte Schlag der Krise mit der Schließung der Banken. Mehr konnte die Finanz nicht tun, um den klassischen Amerikaner, der noch verschanzt im Reduit seiner Industrie saß, auf den Kopf zu schlagen und ihn wirtschaftlich der Wallstreet zu versklaven … Es ist bekannt, daß jede Verarmung der Wirtschaft ein Blühen des Parasitentums bedeutet ‑ und die Finanz ist der große Parasit. Aber diese amerikanische Revolution hatte nicht nur das wucherische Ziel, die Macht des Geldes zu steigern, sie wollte viel mehr. Die Macht des Geldes, obwohl sie eine politische Macht ist, war bisher immer nur auf indirekte Weise ausgeübt worden ‑ jetzt aber sollte sie sich in unmittelbare Macht verwandeln. Der Mann, durch den sie dies ausüben wollten, sollte Franklin Delano Roosevelt sein. Haben Sie verstanden? Notieren Sie das: in diesem Jahr 1929, dem ersten Jahr der amerikanischen Revolution, im Februar, fährt Trotzkij aus Rußland weg; der Krach ist im Oktober. Die Finanzierung Hitlers wird im Juli 1929 bewilligt. Glauben Sie, daß das rein zufällig ist? Die vier Jahre von Hoover werden dazu verwandt, um die Machtergreifung in den Vereinigten Staaten und in Rußland vorzubereiten, dort durch die finanzielle Revolution, hier durch den Krieg und die darauf folgende Herbeiführung der Niederlage … Wird ein guter Roman für Sie mehr Beweiskraft haben? Aber Sie werden verstehen, daß ein Plan von derartigem Umfang einen außergewöhnlichen Mann als Inhaber der Exekutivgewalt in den Vereinigten Staaten benötigte, dazu bestimmt, die organisierende und entscheidende Kraft zu werden: dieser Mann war Franklin Roosevelt und mit ihm Eleanor Roosevelt. Gestatten Sie mir zu bemerken, daß diese Bisexualität keinerlei Ironie ist, man mußte ungleiche Dalilas vermeiden.

Kuz.: Ist Roosevelt einer von „Jenen“?

Rak.: Ich weiß nicht, ob er einer von „Jenen“ ist oder ihnen nur gehorcht. Was bedeutet das auch schon? Ich glaube, er ist sich seines Auftrages bewußt, aber ich kann nicht bestimmt sagen, ob er durch Erpressung gehorsam gemacht ist oder ob er zur Leitung gehört, aber sicher ist, daß er seinen Auftrag erfüllt, seine Aktion durchführt, die ihm übertragen ist, und zwar mit aller Gewissenhaftigkeit. Fragen Sie mich nicht mehr, denn ich weiß nicht mehr.

Kuz.: Im Falle man sich entschließt, sich an Davies zu wenden, welche Form würden Sie empfehlen?

Rak.: Zuerst muß man die Personen richtig auswählen. Jemand wie der „Baron“ könnte zu gebrauchen sein. Lebt er noch?

Kuz.: Ich weißes nicht.

Rak.: Gut, die Auswahl der Person bleibt Ihre Sache. Ihr Abgesandter muß sich vertraulich und indiskret, am besten als getarnt oppositionell zeigen. Die Unterhaltung wird mit Geschick bis zu der widerspruchsvollen Lage vorgetrieben, in die die sogenannten europäischen Demokratien die Sowjetunion mit ihrer Allianz gegen den Nationalsozialismus versetzen. Das heißt, sich mit dem britischen und französischen Imperialismus, einem wirklichen Imperialismus, gegen einen potentiellen zu verbünden. Ein Glied im Gespräch wird dazu dienen, die falsche Stellung der Sowjetunion dabei mit der gleichfalls falschen Stellung der amerikanischen Demokratie zu vergleichen … Auch die amerikanische Demokratie sieht sich gedrängt, um eine innere Demokratie in Frankreich und England zu verteidigen, einen Kolonialimperialismus aufrechtzuerhalten … Wie Sie sehen, kann man die Frage auf eine sehr starke logische Grundlage stellen. Dann ist es kinderleicht, eine Hypothese für die Aktion zu formulieren. Erstens: wenn weder die Sowjetunion noch die USA ein Interesse am europäischen Imperialismus haben, dann schrumpft der Streit auf eine Frage der persönlichen Herrschaft zusam­men. Ideologisch, politisch und wirtschaftlich aber würde Rußland und Amerika die Zerstörung des europäischen Kolonialimperialismus nüt­zen, ganz gleich, ob direkt oder indirekt, aber noch mehr den Vereinig­ten Staaten. Wenn Europa in einem neuen Kriege alle seine Kraft ver­liert, würde England, das über keine eigene Kraft, sondern nur über solche als europäische Hegemonialmacht verfügt, sobald Europa als Machtpotenz verschwindet, mit seinem britischen Empire englischer Sprache sofort zu den Vereinigten Staaten gravitieren, wie es politisch und wirtschaftlich schicksalhaft ist. Ist man soweit gekommen, kann man eine Pause von einigen Tagen einschieben. Dann, wenn sich die Wirkung gezeigt hat, kann man weiter vorstoßen. Hitler hat eine Aggression begangen, irgendeine, er ist seinem Wesen nach Aggressor, darüber kann man sich nicht täuschen. Und man kann dann weiter fragen: Wel­che gemeinsame Haltung sollten die Vereinigten Staaten und die Sowjet­union gegenüber einem Kriege einnehmen, der immer ‑ ganz gleich unter welchem Beweggrund! ‑ ein Krieg ist unter Imperialisten, die besitzen, und Imperialisten, die den Besitz erstreben; aber neutral zu sein hängt nicht nur vom eigenen Willen, sondern auch vom Aggressor ab. Die Sicherheit, neutral bleiben zu können, besteht immer nur, wenn der Aggressor im Angriff keinen Vorteil sieht oder ihn nicht ausführen kann. In diesem Fall ist es klar, daß der Aggressor eine andere Nation angreift, natürlich auch eine imperialistische. Dann weiterzugehen und aus Gründen der Sicherheit und Moral nahezulegen, daß, wenn der Zusammenstoß unter den Imperialisten nicht von selber ausbricht, er hervorgerufen werden muß, muß dann ganz leicht fallen. Und, wenn man einmal die Theorie angenommen hat ‑ wie man sie annehmen wird! ‑ dann die praktischen Aktionen zu vereinbaren, ist eine rein mechanische Angelegenheit. Hier ist der Fahrplan: 1) Abkommen mit Hitler, um die Tschechoslowakei oder Polen zu teilen. Am besten dieses. 2) Hitler wird annehmen. Wenn er in seinem Eroberungsspiel des Bluffs fähig ist, etwas zusammen mit der Sowjetunion zu nehmen, wird er das für die untrügliche Garantie hatten, daß die Demokratien verhandeln werden. Er kann gar nicht an ihre Drohworte glauben, da er ja weiß, daß die am meisten kriegerischen zugleich für die Abrüstung sind, und daß ihre Abrüstung echt ist. 3) Die Demokratien werden Hitler und nicht Stalin angreifen; man wird den Leuten sagen, daß zwar beide gleichmäßig der Aggression und Teilung schuldig sind, strategische und Nachschubgründe aber es veranlassen, sie getrennt zu schlagen. Erst Hitler, dann Stalin.

Kuz.: Und sie würden uns nicht mittels der Wahrheit betrügen?

Rak.: Und wie denn? Behält nicht Stalin die Freiheit, im notwendigen Maße Hitler zu unterstützen? Lassen wir es nicht in seiner Hand, den Krieg unter den Kapitalisten bis zum letzten Mann und letzten Pfund in die Länge zu ziehen? Womit sollen sie ihn denn angreifen? Schon mit der kommunistischen Revolution im Inneren, die siegen wird, werden die kapitalistischen Staaten genug zu tun haben.

Kuz.: Aber wenn Hitler schnell siegt? Wenn er, wie Napoleon, ganz Europa gegen die Sowjetunion mobilisiert?

Rak.: Das ist unglaublich! Sie vergessen den wichtigsten Faktor, die Existenz der USA. Ist es dann nicht natürlich, daß die USA Stalin nachahmen und ihrerseits die demokratischen Völker unterstützen? Wenn man „gegen die Uhr“ diese beiden Hilfeleistungen für die beiden kämpfenden Lager zusammenwirken läßt, so sichert das unfehlbar die endlose Dauer des Krieges.

Kuz.: Und Japan?

Rak.: Hat es nicht schon genug mit China zu tun? Stalin mag ihm seine „Nichtintervention“ garantieren. Die Japaner haben ja eine Neigung zum Selbstmord, aber doch nicht so sehr, daß sie zugleich die Sowjetunion und die USA angreifen. Noch mehr Einwände?

Kuz.: Nein, wenn es von mir abhinge, wäre es Beweis genug. Aber glauben Sie, daß der Botschafter … ?

Rak.: Es glauben wird? Man hat mich nicht mit ihm reden lassen. Aber beachten Sie eine Einzelheit ‑ die Ernennung von Davies wurde im November 1936 veröffentlicht; wir müssen annehmen, daß Roosevelt seine Entsendung schon früher plante und betrieb; alle kennen ja die Umständlichkeiten und die Zeit, die es erfordert, amtlich die Ernennung eines Botschafters durchzuführen. Man muß also etwa im August sich über seine Ernennung geeinigt haben. Und was geschah im August? Damals wurden Sinowiew und Kamenew erschossen. Ich möchte schwören, daß seine Ernennung den einzigen Zweck hat, aufs neue die Politik von „Jenen“ gegenüber Stalin festzulegen. Ja, das glaube ich fest. Mit welcher Besorgnis hat er einen nach dem anderen der Führer der Opposition in den auf einander folgenden Parteireinigungen fallen sehen müssen. Wissen Sie, daß er bei dem Prozeß von Radek anwesend war?

Kuz.: Ja!

Rak.: Sie sehen ihn! Sprechen Sie mit ihm. Er wartet seit vielen Monaten.

Kuz.: Für diese Nacht müssen wir schließen. Aber bevor wir uns trennen, will ich etwas mehr wissen. Nehmen wir an, daß alles Wahrheit ist, sich mit vollem Erfolg verwirklichen läßt. Dann werden „Jene“ gewisse Bedingungen stellen. Können Sie erraten, welche das sein werden?

Rak.: Es ist nicht schwer, das zu unterstellen. Die erste wird sein, daß die Hinrichtungen von Kommunisten, d. h. von Trotzkisten, wie sie uns nennen, aufhören. Dann wird man einige Einflußzonen festlegen wie soll ich sagen? ‑ die Grenzen, die den formalen vom wirklichen Kommunismus trennen. Im wesentlichen wird es nicht mehr sein. Dann wird es sich um Versprechen gegenseitiger Hilfe handeln für die Zeit der Dauer des Planes. Sie werden dann z. B. das Paradox erleben, daß eine Menge von Menschen, Feinde Stalins, ihn fördern, und das werden weder Proletarier noch Berufsspione sein. In allen Rängen der Gesellschaft, auch in den höchsten, werden mutige Männer sich erheben, um diesen Formalkommunismus Stalins zu unterstützen, wenn er dazu übergeht, nicht zwar Realkommunismus, aber doch objektiver Kommunismus zu sein. Haben Sie mich verstanden?

Kuz.: Ein wenig. Aber Sie verhüllen die Sache in einem so dunklen Kasuismus …

Rak.: Da wir abschließen müssen, kann ich mich nur so ausdrücken. Wir wollen sehen, ob ich Ihnen noch helfen kann zu verstehen. Es ist bekannt, daß man den Marxismus auch Hegelianertum genannt hat. So wurde die Frage vulgär dargestellt. Der Idealismus Hegels ist die vulgäre Anpassung an das grobe westliche Verständnis des naturalistischen Mystizismus von Baruch Spinoza. „Jene“ sind Spinozisten, vielleicht gilt auch das Umgekehrte und der Spinozismus sind „Jene“, wobei jener nur die der Epoche angepaßte Version für die eigene, viel ältere und höhere Philosophie „Jener“ ist . . . Also Marx als Hegelianer und darum als Spinozist, wurde seinem Glauben untreu, aber nur zeitweilig und aus taktischen Gründen. Es ist nicht, wie es der Marxismus verficht, daß durch die Vernichtung eines Gegensatzes eine Synthese entsteht. Durch die überwindende Integration von These und Antithese als Synthese entsteht eine Wirklichkeit, eine Wahrheit in einem Schlußakkord von Subjektiv und Objektiv. Sehen Sie es nicht? . . . In Moskau Kommunismus ‑ in New York Kapitalismus, These und Antithese. Analysieren Sie beide. Moskau: subjektiver Kommunismus und objektiver Kapitalismus, Staatskapitalismus. New York: subjektiver Kapitalismus und objektiver Kommunismus. Persönliche, wirkliche Synthese, Wahrheit: Internationale Finanz, Kapitalismus ‑ Kommunismus ‑ eben „Jene“ . . .

ENDE

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Rakowski-Protokolle (2)

Während des Ostfeldzuges, dem Unternehmen Barbarossa im Zweiten Welt­krieg, war neben den Streitkräften der Deutschen Wehrmacht unter den Truppenverbündeten‑Mächten auch der Freiwilligenverband aus Spanien, die „Blaue Division“, unter ihrem Kommandanten General Munoz Grande, eingesetzt. Diese Division aus 20.000 Mann kam am 13. Juli 1941 nur wenige Wochen nach Ausbruch des Rußlandfeldzuges mit dem deutschen Präventiv-­ und Abwehrschlag gegen Stalins erneuten militärischen Riesenaufmarsch ge­gen Europa zum Einsatz.

4.000 Spanier waren im antibolschewistischen Kampf an der Ostfront gefallen, aus sowjetischer Gefangenschaft kehrten am 2. April 1954 286 Spanier zurück. Der strategische Wert einer so kleinen Kampfeinheit wie der spanischen Blauen Division war sicher nicht sehr groß, jedoch war die Treue dieser heldenhaften europäischen Spanier im taktischen Einsatz nicht hoch genug einzuschätzen, und ihr Kampf für Europa wird für immer im Andenken der Gerechten bleiben.

Die größte Tat, welche die Geschichte der Völker und Menschen oft rein zufällig ausführen läßt, gelang einem einfachen Freiwilligen der spanischen Division, als dieser vor dem Kampfabschnitt der Division die Leiche eines gefallenen Sowjetrussen in einer Bauernkate fand. Eine Überprüfung der Papiere und des Tascheninhalts dieses Offiziers brachte zunächst nichts Besonderes zutage, der Tote war einer der vielen NKWD-­Ärzte in Stalins Gulagreich gewesen. Sein Name war Dr. Josef Landowski und, was die Überraschung ausmachte, er hatte eine Menge beschriebenes Papier bei sich, darunter einige eng beschriebene Hefte. Es war eigentlich ein Fund von weltgeschichtlicher Bedeutung von so brisantem Inhalt, daß, ginge es auf der Welt mit rechten Dingen zu, würde alles nach Wahrheit und Völkerrecht zugehen und nicht nach Geld, Waffen, Rohstoffen und Erdöl, sofort eine Weltgeschichtsrevision hätte stattfinden müssen. Die Rollen hätten in Nürnberg sofort vertauscht werden müssen ‑ das bewiesen die Papiere bei dem Toten, deren Inhalt nun ans Licht der Geschichte kam ‑, wo 1945 die eigentlichen Kriegsbrandstifter sich anmaßten, zugleich als Ankläger und Richter aufzutreten und einen Akt noch nie dagewesener Rechtsbeugung zu vollziehen. Die papiernen Aufzeichnungen bei dem toten Landowski waren Vernehmungsprotokolle eines einst hohen Mitglieds der sowjetischen Normenklatura; er heiß Christjan Gurjewitzsch Rakowski, war nach der Oktoberrevolution von 1917 Ratsvorsitzender des Ukraine‑Sowjets gewesen, dann sowjetischer Geschäftsträger in London, anschließend Sowjet‑Botschafter in Paris. Als Weggefährte Lenins und vor allem Trotzkis geriet Rakowski nach Lenins Tod mehrmals in Stalins Schußlinie und letztlich in das Räderwerk von Stalins mörderischer Justizmaschine, die ihn 1938 erneut in die Lubjanka brachte, wo er von dem GPU-Offizier Gabriel G. Kuzmin verhört und vernommen wurde.

Da Rakowski in den führenden diplomatischen Kreisen in London und Paris verkehrte, als Bonvivant auch in den von hochgradigen Freimaurern durchsetzten Pariser High‑society‑Salons seine Kontakte pflegte, waren ihm, – besonders nach Entsendung von Roosevelts Botschafter J. E. Davies nach Moskau ‑ die Pläne der Führungseliten in den westlichen bolschewistisch korrumpierten und unterwühlten Einkreisungsmächten nicht nur gut, sondern besser als Stalin selbst bekannt.

Rakowski war nämlich Trotzkist geblieben, was ihm letztendlich auch zum Verhängnis wurde

Der sowjetische prominente Rakowski wurde von dem ebenfalls prominenten GPU‑Vernehmungsoffizier Kuzmin nun nach allen Regeln dieses berüchtigten Dserschinski‑Hauses abgeschöpft und Kuzmin, der bei Stalin im Kreml Zugang hatte, versprach ihm bei kooperativem Verhalten zu versuchen, seinen Kopf zu retten. In diesem Bestreben bestärkt, versuchte Rakowski nun, angesichts der sich durch die Einkreisungspolitik der Westmächte gegen Deutschland mehr und mehr verschärfenden Lage, sich dadurch aus der Schlinge zu ziehen, daß er dem Kreml die Kriegsplanungsvorstellungen der Westmächte gegen das Deutsche Reich zu Protokoll gab.

In dem Schauprozeß 1938 wurde Rakowski zusammen mit Kral Radek und anderen Sowjetgrößen zu 20 Jahren Haft verurteilt. Er war zu diesem Zeitpunkt 66 Jahre alt. Stalin schonte zunächst sein Leben, und das wohl nur wegen des großen Sachwissens dieses Genies, das zu nutzen Stalin vielleicht noch gehofft haben mochte. Doch kam es anders; als die Deutsche Wehrmacht im Sommer 1941 sich dem Ort der Haftverwahrung Rakowskis näherte, erhielt Rakowski mit vielen anderen Sowjetprominenten den Genickschuß. Bevor der GPU‑Gefängnisarzt Landowski die Flucht ergriff, nahm er die brisanten Papiere des Toten an sich und als er fiel, kamen sie in spanische Hand und damit endlich nach vielen Irrwegen und Unterdrückungen in die Öffentlichkeit.

Die Offenlegung der Kriegsplanung durch die wissenden und eingeweihten überstaatlichen Hintergrundmächte der westlichen Kriegstreiberstaaten war zunächst so verblüffend, daß man nicht wagen konnte, sie für bare Münze zu nehmen und zunächst glaubte, es könne sich um Hirngespinste überkandidelter Biertischstrategen handeln. Erst als man begann, sich auf die Suche in den Spuren des Lebensweges des Rakowski zu machen und nach seinen diplomatischen Korrespondenzen aus den 20er und 30er Jahren suchte und fündig wurde, erkannte man die Brisanz seiner Aussagen vor Stalins GPU­-Häschern, die unter Fachleuten als Rakowski-Protokoll geführt werden. Mauricio Carlavilla hat das Protokollarische Dokument 1950 in Madrid in der Fassung „Sinfonia EN ROJO MAYOR“ aus dem Russischen übersetzt.

Rakowskis tatsächlicher Lebensweg, bisher nicht bekannt, wird erst jetzt offenbar

Dem toten Rakowski verdanken wir nun die Wahrheit über die Planung der Westmächte zur Auslösung des Zweiten Weltkrieges. Einer seiner letzten Sätze vor dem Tod waren seine Worte: „Eines Tages werden die Toten zu reden beginnen.“ Und tatsächlich, Rakowski gibt als Toter preis, wie die Menschheit in den Zweiten Weltkrieg getrieben wurde, nicht von Hitler, sondern von Roosevelt, Churchill, Daladier und Stalin.

Die ganze Vita Rakowskis ist deshalb für die Nachwelt und die Geschichtsforschung so wichtig, weil er das Zeugnis abgegeben hat, daß die beiden Hegemonialideologien Kapitalismus und Kommunismus/Bolschewismus einer gemeinsamen Quelle entstammen. Um alle ethnisch begründeten nationalstaatlichen Regionalsysteme zu zerstören und eine Eine-Welt-Herrschaft erstehen zu lassen, war es notwendig, langfristige Pläne zu entwickeln. Die seitherigen Regionalmächte mußten zunächst zerstört werden, in Chaos versinken, um dem darauf folgenden Ruf der Massen nach Law and Order die Notwendigkeit einer einzigen Weltherrschaft plausibel zu machen.

Quelle: Gerold Bernert, Hintergasse 2, 64367 Mühltal, in „DER SCHLESIER“ vom 13. Dezember 2002

Anmerkung: Der in die deutsche Sprache übersetzte Originaltext der weltgeschichtlich höchst bedeutsamen Rakowski-Protokolle folgt auf dieser Homepage. Die Authentizität der Rakowski-Protokolle ist – soweit ersichtlich – in der Fachwissenschaft unbestritten. Es verwundert um so mehr, daß seit der ersten Veröffentlichung 1950 nicht ein internationaler – zumindest ein deutscher – Aufschrei durch Presse und Zeitgeschichtsforschung geht. Nun wird einem auch der Hintersinn eines Eintrags des kürzlich verunglückten Generals und Provinzgouverneurs Alexander Lebed in ein Gedenkbuch eines deutschen Konzentrationslagers bewußt: „Wer mit Pistolen in die Geschichte schießt, muß sich nicht wundern, wenn Kanonenkugeln zurückfliegen!“

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Rakowski-Protokolle (3)

Der Kommunismus

An dieser Stelle ist es unumgänglich, sich nochmals des bemerkenswerten Umstands zu erinnern, daß auf der Ein‑Dollar‑Note nicht bloß das Illuminatensiegel, sondern auch ‑ freilich weit unauffälliger ‑ ein aus Pentagrammen zusammengesetzter Judenstern prangt, was doch jedenfalls Anlaß zu der Frage gibt, inwieweit Illuminaten und zionistisches Judentum miteinander zusammenhängen. Die Beantwortung dieser Frage wird uns zugleich zu den Uranfängen des Kommunismus führen. Douglas Reed konnte noch 1952 die These vertreten, das Illuminatentum sei «eine deutsche, nicht eine jüdische Erfindung. Im Jahre 1793 bemerkte das „Journal de Vienne“ ironisch: „Es sind nicht die Franzosen, welche das große Projekt, das Antlitz der Erde zu ändern, ausgearbeitet haben; diese Ehre gebührt den Deutschen.“» Erst nach dem Wiener Kongreß von 1815, meint Reed, «machte sich zum erstenmal starke jüdische Einflüsse in dieser Bewegung geltend. Bisher war sie vorwiegend deutsch gewesen.» (Reed 1952, S. 322f)

Zum damaligen Zeitpunkt kannte Reed noch nicht das außerordentlich aufschlußreiche wörtliche Protokoll des Verhörs, dem der nach eigenem Bekunden hochgradig in die Pläne und Machenschaften der Geheimen Oberen eingeweihte und verstrickte Hochgradfreimaurer und Trotzkist Christian C. Rakowskij 1938 unter Stalin unterzogen worden war. D. Griffin hat das erstmals 1950 in Spanien veröffentlichte Dokument in den siebziger Jahren in Amerika und 1980 auch in Deutschland publiziert (D. Griffin, Die Herrscher. Luzifers 5. Kolonne, Vaduz 1980, S. 273-324). In Spanien erregte die Veröffentlichung damals großes Aufsehen, so daß interessierte Kräfte das Buch aufkauften, um es aus dem Verkehr zu ziehen. An der Echtheit des Dokuments wird von niemandem gezweifelt, zumal die Details seiner Entstehung bestens bekannt sind (vgl. ebd. S. 273‑277). Rakowskij war zusammen mit sechs anderen führenden Trotzkisten von Stalin bereits zum Tod verurteilt worden; ihnen stand aber noch der Schauprozeß bevor, als Rakowskij sich entschloß, Stalin wertvollste Informationen anzubieten, um sein Leben zu retten. Das mehrstündige Verhör, das von einem Vertrauten Stalins, Gavril G. Kuzmin (alias René Duval), einem überzeugten Kommunisten, geführt wurde, zog sich bis tief in die Nacht hinein, weil es Rakowskij ersichtlich größte Mühe kostete, den ahnungslosen kommunistischen Funktionär Kuzmin innerhalb weniger Stunden von der wahren Natur des Kommunismus zu überzeugen. Der offenbar außerordentlich intelligente Rakowskij kam schließlich noch rechtzeitig ans Ziel; sein dringender Hinweis darauf, daß die Geheimen Oberen von Stalin unbedingt einen Pakt mit Hitler wünschten, um einen kräftemäßig annähernd austarierten, möglichst lange anhaltenden und möglichst zerstörerischen Krieg ‑ den späteren zweiten Weltkrieg! ‑ inszenieren zu können, sorgte dafür, daß Rakowskij als einziger der sieben prominenten Trotzkisten nicht hingerichtet sondern zu zwanzigjähriger Haft begnadigt wurde.

Rakowskij enthüllte dem völlig verblüfften und fast ratlosen Kuzmin unter anderem folgendes: «Wissen Sie, daß die nicht geschriebene Geschichte, die nur wir kennen, uns als den Gründer der Ersten Internationale des Kommunismus ‑ natürlich geheim ‑ Adam Weishaupt angibt? Erinnern Sie sich seines Namens? Er war der Führer des als „Illuminaten“ bekannten Freimaurerordens, dessen Namen er von der zweiten antichristlichen und kommunistischen Verschwörung des Zeitalters, der Gnostik, entlehnt hat. Als dieser große Revolutionär, Semit und Exjesuit den Triumph der Französischen Revolution voraussah, entschloß er sich (oder wurde beauftragt ‑ man nennt als seinen Chef den großen Philosophen Mendelsohn) eine Organisation zu schaffen, die geheim sein und die Französische Revolution über ihre politischen Ziele hinaus weitertreiben sollte, um sie in eine soziale Revolution zur Aufrichtung des Kommunismus zu verwandeln. In jenen heldischen Zeiten war es eine ungeheuere Gefahr, den Kommunismus auch nur als Ziel zu erwähnen. Daher alle die Vorsichtsmaßnahmen, Prüfungen und Mysterien, mit denen er das Illuminatentum umgeben mußte. Noch fehlte ein Jahrhundert, bis man sich ohne Gefahr von Gefängnis oder Hinrichtung öffentlich als Kommunist bekennen konnte.» (Zit. n. Griffin 1980, S. 295). Rakowskij nennt hier Weishaupt mit Bestimmtheit einen «Semiten» und bezeichnet als seinen wahrscheinlichen Auftraggeber den jüdischen Gelehrten Mendelsohn; wenn er damit recht hat, war Weishaupt wohl jüdischer Abstammung, hatte aber (wie vielleicht schon seine Eltern) die katholische Taufe empfangen. Doch folgen wir Rakowskijs ungewöhnlichen Darlegungen noch ein Stück weiter.

«Was man nicht kennt», fährt Rakowskij fort, «das ist die Verbindung von Weishaupt und seinen Anhängern zu dem ersten Rothschild. Das Geheimnis des Ursprunges von dem Vermögen dieser berühmtesten Bankiers läßt sich damit erklären, daß sie die Schatzmeister der ersten Komintern (sc. Kommunistischen Internationale!) waren. Es bestehen Anzeichen dafür, daß, als jene fünf Brüder sich in fünf Provinzen des Finanzreiches von Europa teilten, eine geheimnisvolle Macht ihnen half, dieses sagenhafte Vermögen anzusammeln. Es könnten jene ersten Kommunisten aus den Katakomben Bayerns gewesen sein, die über ganz Europa verstreut waren. Andere aber sagen, ich glaube mit größerem Recht, daß die Rothschilds nicht die Schatzmeister, sondern die Führer jenes ersten geheimen Kommunismus waren. Diese Auffassung stützt sich auf die sichere Tatsache, daß Marx und die höchsten Führer der Ersten, nun schon öffentlichen Internationale, darunter Heine und Herzen, dem Baron Rothschild gehorchten, dessen revolutionäres Bild, von Disraeli, englischer Premier und ebenfalls eine seiner Kreaturen, geschaffen, ihn uns in der Gestalt des Sidonia hinterließ, des Mannes, der als Multimillionär unzählige Spione, Carbonari, Freimaurer, Geheimjuden, Zigeuner, Revolutionäre usw. kannte und befehligte. Das erscheint alles phantastisch, aber es ist erwiesen, daß Sidonia das idealisierte Bild des Sohnes vom alten Nathan Rothschild darstellt …» (Zit. n. ebd.) Rakowskij spielt hier auf eine von Benjamin Disraelis Romanfiguren an. Bekanntlich hat der zwar getaufte aber sein Judentum nie verleugnende Hochgradmaurer und Rothschildschützling Disraeli einige mehrbändige Romane geschrieben, die teils autobiographischer Natur waren, teils nur wenig verschlüsselt die Hintergründe der zeitgenössischen Politik ausleuchteten. Wieso Disraeli das unbehelligt tun konnte, ist bis heute nicht geklärt. Tatsache ist aber, daß Disraeli die erste kommunistische Revolution, nämlich die von 1848, prophezeit hat.

«Schon vier Jahre früher, im Jahre 1844», schreibt Reed (1952, S, 323ff), «wußte Disraeli genau, was geschehen würde! Er legte seinem jüdischen Helden in „Coningsby“ folgende Worte in den Mund: „Die mächtige Revolution, die sich zur Stunde in Deutschland vorbereitet … und von der bis jetzt noch so wenig in England bekannt ist, reift ausschließlich unter der Lenkung von Juden heran, die heute fast ein Monopol auf alle Lehrstühle in Deutschland besitzen … Siehst du also, mein lieber Coningsby, daß die Welt von recht verschiedenen Personen regiert wird, als diejenigen glauben, die nicht hinter die Kulissen sehen.“ … Acht Jahre später, nach dem Versuch der Revolution von 1848, schrieb Disraeli außerordentlich aufschlußreiche Worte. Wenn der schon zitierte Passus ein blitzartiges Aufleuchten der Wahrheit bedeutet, dann dauert der nachfolgende (Blitz) doppelt so lang und ist doppelt so hell. Er beleuchtet die ganze dunkle Landschaft unserer Zeiten und durch seine Lichtstrahlen sind die lauernden Verschwörer, deren Existenz immer geleugnet wird, ganz deutlich zu sehen: „Der Einfluß der Juden kann im letzthin erfolgten Ausbruch des zerstörerischen Prinzips in Europa aufgezeigt werden. Da findet eine Erhebung statt, die sich gegen die Tradition und die Aristokratie, gegen die Religion und das Privateigentum richtet. Zerstörung der semitischen Grundsätze, Ausrottung der jüdischen Religion in der mosaischen oder in der christlichen Form, die natürliche Gleichheit der Menschen und die Aufhebung des Besitzes: diese Grundsätze werden von den geheimen Gesellschaften proklamiert, die provisorische Regierungen bilden, an deren Spitze überall Männer der jüdischen Rasse stehen. Das Volk Gottes arbeitet mit den Atheisten zusammen; Männer, die im Zusammenraffen von Geld äußerstes Geschick gezeigt haben, verbünden sich mit den Kommunisten; die besondere und auserwählte Rasse reicht ihre Hand allen verworfenen und niederen Schichten in Europa! …“ (Das Leben von Lord George Bentinck, 1852)>> Diesem Bekenntnis eines jüdischen Eingeweihten ist nichts hinzuzufügen.

Es stimmt also: «Der erste Illuminat Prof. Adam Weishaupt war zugleich der erste Kommunist.» (Homuth 1986, S. 61) Die von den Illuminaten in Zusammenarbeit mit den ihnen einverleibten Freimaurern planmäßig organisierte Französische Revolution von 1789 war die erste kommunistische Revolution im strikten Sinn. Ihre Parole «Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit» entspricht exakt den bis heute stereotyp immer wieder proklamierten Zielen des vermeintlichen «Klassenkampfs» der (zu 99 Prozent nicht‑eingeweihten) Marxisten aller Schattierungen und aller Länder. Daß diese Forderungen von den Drahtziehern im Hintergrund in keiner Weise ernstgemeint sind sondern die Masse der gläubigen Kommunisten letztendlich jedesmal grausam verhöhnen, hat die Geschichte seit 1789 zigmal bewiesen. Die Dummen werden deshalb nicht weniger, und gerade unter den sogenannten Intellektuellen macht die verbrecherische, mittlerweile um den Junior‑Partner Rockefeller erweiterte Rothschild‑Hochfinanz mit den Ideen ihrer Marionetten Weishaupt, Marx, Engels, Lenin, Trotzki, Mao etc. weltweit überreiche Beute.

Lassen wir hier noch eine Reihe weiterer hochinteressanter Beobachtungen folgen, die sämtlich beweisen, daß Hochgradmaurerei, jüdische (und Rockefellersche) Hochfinanz und kommunistische Revolutionäre bzw. Spitzenfunktionäre hinter den Kulissen der Bühne des großen Welttheaters, auf der sie sich zum Schein heftigst bekämpfen, einträchtig an ein und demselben Ziel arbeiten, das ihnen freilich auf unterschiedliche Art und Weise gemeinsam ist. Freimaurerei und Kommunismus sind nur die Werkzeuge zur Schaffung der Einen Welt; herrschen wird der aus den Reihen der Geheimen Oberen hervorgehende Antichrist.

Daß Karl Marx in enger Verbindung mit den europäischen Rothschilds stand, haben wir oben aus dem Mund des seinerzeitigen Spitzenagenten Rakowskij selber gehört. Es wird oft vergessen, daß Marx auch jüdischer Abstammung war. Etwas später als zur Zeit, da Mazzini die geheime Leitung der Illuminaten übernahm, «trat ein obskurer Intellektueller mit Namen Mordechai Marx Levy alias Karl Marx einer der Zweigorganisationen der Illuminatenverschwörung bei, dem Bund der Gerechten. 1847 erhielt er den Auftrag, ein Werk zu schreiben, das später unter dem Titel „Das Kommunistische Manifest“ bekannt wurde. Im Grunde handelt es sich dabei um eine politische Niederlegung der Gesamtplanung für die Zukunft. Marx spielte eine so untergeordnete Rolle, daß sein Name zwanzig Jahre lang nicht auf dem Manifest erschien. Er war lediglich ein Bauer in dem Schach“spiel“, das die wirklichen Mächte hinter den Kulissen spielten. Unvoreingenommene Historiker haben längst festgestellt, daß das Kommunistische Manifest nichts „Neues“ oder „Ursprüngliches“ enthielt. Es ist weiter nichts als ein wiederaufgewärmtes Plagiat der Schriften Adam Weishaupts und seines Schülers Clinton Roosevelt.» (Griffin 1986, S. 45) In dieser Beurteilung trifft sich Griffin mit Reed, der schon früher festgestellt hat: «Nach dem Zusammenbruch der 1848er Revolution war der nächste Erbe von Weishaupts Illuminismus und seiner Organisation Karl Marx, dessen „Kommunistisches Manifest“ (1847) nur Weishaupts Lehren wiederholte: Aufhebung des Erbrechts, der Ehe und der Familie, des Patriotismus, jeglicher Religion und Gemeinschaftserziehung der Kinder durch den Staat. Das „Kommunistische Manifest“ ist als Bibel eines neuen politischen Glaubens, des „Marxismus“, geschildert worden. In Wirklichkeit ist es nur ein Consommé (sc. Zusammenfassung) der Lehren der früheren Geheimgesellschaften, angefangen mit Weishaupt … » (Reed 1952, S. 326f)

Noch kaum ein Historiker hat sich für den Ursprung der roten Farbe als Symbol der Hochgradfreimaurerei und des Kommunismus gleichermaßen interessiert. Dabei stößt man im Verlauf einer diesbezüglichen Untersuchung auf sehr bedeutsame Zusammenhänge. Nach Des Griffin (und die «Encyclopaedia Judaica» bestätigt nahezu alle diese Angaben unter dem Art. «Rothschild») ließ sich im Jahr 1743 in der Frankfurter Judengasse ein aus dem Osten stammender jüdischer Geldwechsler und Goldschmied namens Moses Amchel Bauer nieder. Sein hochintelligenter Sohn Mayer Amchel Bauer wurde beim jüdischen Bankhaus Oppenheimer angestellt und avancierte aufgrund seiner herausragenden Geschäftstüchtigkeit schnell zum Teilhaber. Über dem 1750 eingerichteten Kontor in der Judengasse hatte sein inzwischen verstorbener Vater einst ein großes rotes Schild angebracht. Mayer Amchel Bauer kaufte nun das nach dem Tod des Vaters veräußerte Geschäft wieder zurück. «Das große rote Schild hing noch immer darüber. Die wahre Bedeutung des roten Schildes (sein Vater hatte es zu seinem Wappen aufgrund der roten Flagge erhoben, die das Siegeszeichen für die revolutionsbewußten Juden in Osteuropa war) erkennend, änderte Mayer Amchel Bauer seinen Namen um in Rothschild: auf diese Weise wurde das Haus Rothschild gegründet.» (Griffin 1986, S. 73f) Um Mißverständnissen vorzubeugen: schon vorher gab es Juden, die sich vielleicht aus ganz ähnlichen Gründen ‑ für den Namen Rothschild entschieden hatten, so beispielsweise jener Rothschild, der bereits 1723 Mitglied einer Londoner Loge war (s.o.); auch heute gibt es allein in Deutschland hunderte von Personen, die den Namen Rothschild führen und doch in den meisten Fällen mit der uns allein interessierenden weltbekannten Großbankiers‑ und Rohstoffmagnaten‑Dynastie überhaupt nichts zu tun haben. ‑ Der erste Rothschild eröffnete später mithilfe einer großen Summe auf zweifelhafte Weise von Wilhelm von Hanau erworbenen Geldes eine eigene Bank; seine nicht weniger geschäftstüchtigen, ja skrupellosen fünf Söhne erweiterten diese Bank bereits um die Wende zum 19. Jahrhundert zu einem einzig dastehenden europäischen Finanzimperium, indem sie Auslandsfilialen gründeten und sich auf die außerordentlich gewinnträchtige Finanzierung der napoleonischen und aller nachfolgenden Kriege verlegten. Ihre «marktbeherrschende» Stellung erlaubte es ihnen schon bald, die jeweiligen kriegsführenden Parteien zu ihren eigenen Gunsten gegeneinander auszuspielen bzw. zu erpressen. Doch die Einzelheiten dieser Geschichte sind bei Griffin und anderswo nachzulesen.

Ohne eine schriftliche Quelle für diese Behauptung anzugeben, schreibt Griffin: «Wie der ehemalige Commandeur William Guy Carr, Nachrichtenoffizier in der Königlich Kanadischen Marine, der weltweit über ausgezeichnete Verbindungen mit Nachrichtendiensten verfügte, berichtet, entwarf der Begründer des Hauses Rothschild die Pläne zur Gründung der Illuminaten und beauftragte anschließend Adam Weishaupt mit deren Aufbau und Weiterentwicklung. » (Griffin 1986, S. 75) Es ist durchaus möglich, daß hinter dem von Rakowskij genannten Mendelsohn (Griffin kannte Rakowskijs Aussagen noch nicht, als er die erste amerikanische Ausgabe von «Wer regiert die Welt?» schrieb; vgl. Griffin 1980, S. 273) als «Anstifter» Weishaupts in Wirklichkeit der erste Rothschild steckte, das stünde in schönster Übereinstimmung mit der jahrhundertelang ‑ bis auf den heutigen Tag beibehaltenen Taktik des Hauses Rothschild, möglichst alle «Geschäfte» durch Strohmänner erledigen zu lassen und selbst nicht in Erscheinung zu treten. Aber sei dem, wie es sei, unbestritten ist die Tatsache, daß just im Verlauf der von den Illuminaten gelenkten Französischen Revolution «zum erstenmal die rote Fahne auf(tauchte); eine, die echt sein soll, wird jetzt in Moskau aufbewahrt und das Lied zu ihren Ehren ist bei den sozialistischen Ministern und Politikern im England des Jahres 1947 recht beliebt», sagte der Engländer Reed im Jahr 1948 (Datum der englischen Originalausgabe; Reed 1952, S. 321f), womit er natürlich nicht im geringsten bestreiten wollte, daß Lieder auf die rote Fahne auch in anderen Ländern unter Sozialisten und Kommunisten sehr beliebt waren und sind.

Lenin nannte seinen revolutionären Haufen «Rote Armee», und diesen Namen tragen bekanntlich die Streitkräfte der UdSSR noch heute. Auch die rote Flagge ist 1917 nach Osteuropa zurückgekehrt, von wo sie ausgegangen war; in Moskau weht sie über dem «Roten Platz». Der Zwei‑Millionen Völkermord der siebziger Jahre in Kambodscha wurde von den kommunistischen «Roten Khmer» angerichtet; auch sie nennen sich heute noch so. Internationales Symbol der Sozialisten ist die rote Rose, und sozialistische bzw. kommunistische Parteien oder Regierungen lassen sich anstandslos als «die Roten» bezeichnen. Daß die Hochgradmaurerei auch Rote Freimaurerei heißt, ist etwas weniger bekannt, ebenso ihre konsequent bis militant kommunistisch‑revolutionäre Ausrichtung. Die aber ist nur zu gut begreiflich, wenn man erst einmal zur Kenntnis genommen hat, daß die Französische Revolution die erste kommunistische Revolution war. Daß diese Revolution von der Freimaurerei (bzw. dem Illuminatentum) angezettelt wurde, wird in der einschlägigen Literatur allgemein als Binsenweisheit vertreten, so auch von Rakowskij, der sich selbst im gleichen Atemzug gegenüber Kuzmin als Freimaurer des 33. Grads ausweist (vgl. Griffin 1980, S. 300), von Ploncard d’Assac (vgl. ders. 1989, S. 47‑5 1) oder von R. Prantner (1989, S. 28), der sich nicht scheut, die Revolution von 1789 «eine Frucht der Freimaurerei und ein persönliches Werk von Freimaurern» zu nennen.

Natürlich muß die Hochgradmaurerei als bereits beträchtlich in die letzten Ziele der Geheimen Oberen eingeweihtes Organ rot, links, kommunistisch sein. So schrieb denn auch K. Lerich 1937 (S. 42f): «In Sowjetrußland ist die Freimaurerei gegenwärtig zum Scheine verboten. … Vielfach wurde über den Tatbestand, daß die Sowjets gegen die Freimaurer feindselig aufgetreten sind, unter dem Bilde gesprochen, daß die Söhne morddrohend vor die Väter hingetreten sind: denn im Grunde genommen ist der Bolschewismus ein echtes geistiges Kind der liberalen Humanität der Loge, ist der große geistesgeschichtliche Zusammenhang von freimaurerischem Liberalismus über Marxismus zum Bolschewismus hin ein unverkennbarer. Tatsächlich war auch die russische Freimaurerei von ihrem Anfange an bis zu dem Verbote durch die Sowjets eine ständige Wegbereiterin der Revolutionierung der Massen gewesen: Sie schuf die Aufklärung in Rußland, unter ihrer Führung stand die erste gegen die Zarenherrschaft gerichtete Revolution, der Aufstand der sogenannten Dekabristen. … Die verschiedenen Regierungen nach dem Sturz des Zarentums im Jahre 1917 waren von Freimaurern durchsetzt, vor allem die Regierung des Bruders Kerensky.» Diese Angaben werden in schönster Weise durch die davon gänzlich unabhängigen Aussagen des ebenso wie Lerich im 33. Grad stehenden, allerdings noch erheblich tiefer eingeweihten Freimaurers Rakowskij ergänzt, der Kuzmin gegenüber freimütig erklärte, Kerensky, der Anführer der «Weißen Armee» im Kampf gegen die zahlenmäßig und ausrüstungsmäßig weit unterlegene «Rote Armee» habe als Wissender dafür gesorgt, daß die Weißen eine Niederlage nach der anderen erlitten, und sich zum Schluß den Roten ergeben mußten, deren Revolution damit «gesiegt» hatte (vgl. Griffin 1980, S. 298). Bekanntlich blieb der Verräter Kerensky anders als der Zar unbehelligt und ist erst 1970 friedlich gestorben.

Da auch nach Lerichs allerdings sehr unvollständigem Einblick Freimaurerei und Kommunismus identisch sind, muß man wohl oder übel nach einer plausiblen Antwort auf die Frage suchen, was die Sowjets nach 1917 dazu trieb, die Freimaurerei so vehement zu bekämpfen. Wäre es denn nicht weitaus klüger gewesen, ihre Existenz zu verschweigen, wie es ja auch im (noch) nicht kommunistischen Westen mit leidlichem Erfolg praktiziert wurde und wird? Nun, die Freimaurerei hatte in Rußland ihre Mission erfüllt; der Mohr hatte seine Schuldigkeit getan, er konnte gehen. Allerdings betrachteten die Geheimen Oberen auf der einen und Lenin sowie sein Nachfolger Stalin auf der anderen Seite die Lage nach 1917 mit durchaus unterschiedlichen Augen. Wie Rakowskij Kuzmin auseinandersetzte, hatte Lenin, der in direkter Verbindung mit hochrangigen Rothschildagenten stand, seinen Auftrag 1917 nur teilweise erfüllt; eigentlich hätte er die Revolution sofort auf das Baltikum und das Deutsche Reich ausdehnen sollen; geplant war ja die Weltrevolution. Aber Lenin fand Gefallen an der soeben erlangten Macht und war bestrebt, sie zunächst einmal abzusichern, bevor er sich auf weitere unsichere Abenteuer einließ. Deshalb schuf er seine Theorie vom «Sozialismus in einem Land». Stalin kein Eingeweihter wie Lenin und Trotzki, aber ein äußerst schlauer und brutaler Machtmensch ‑, der den den Geheimen Oberen gehorsamen Trotzki nach Lenins Tod ausschalten konnte und alle Trotzkisten sofort unerbittlich verfolgen und ausrotten ließ, folgte dieser Linie. Beiden Diktatoren («Bonapartisten» nannte Rakowskij sie verächtlich) mußte daran liegen, jede «trotzkistische» Verschwörung gegen ihre Person zu unterbinden. Da sie das verschwörerische Potential der Freimaurerei ‑ zumindest im Fall Lenins, der nach M. Adler (Die antichristliche Revolution der Freimaurerei, 3. Aufl. Jestetten 1983, S. 47) Freimaurer im 33. Grad war ‑ aus eigener Erfahrung kannten und mithin fürchten mußten, gab es für sie Grund genug, gegen die Freimaurerei vorzugehen. Allerdings war Lenin darin nicht konsequent genug; er glaubte, Trotzki und dessen Genossen unter Kontrolle zu haben, die ihn aber ‑ nach Rakowskijs Eingeständnis ‑ allmählich vergifteten (vgl. Griffin 1980, S. 302f). Stalin hingegen dezimierte die Trotzkisten, also die Führung der tatsächlich im Auftrag der Geheimen Oberen gegen ihn konspirierenden Logen (auch Trotzki selber war, wie Lenin und Rakowskij, Freimaurer im 33. Grad; vgl. Adler 1983 a.a.O.), so sehr, daß nicht mehr viel davon übrig blieb. Dennoch ist die Verbindung zwischen den Rockefellers und Rothschilds auf der einen und ihren kommunistischen Statthaltern auf der anderen Seite nie ganz abgerissen, vielmehr in der letzten Zeit wieder enger geknüpft worden als je zuvor. Doch dazu später (siehe Band 2!) mehr.

Der ehemalige französische Großmeister Jacques Mitterand (zit. n. Ploncard d’Assac 1989, S. 148) hat den Zusammenhang von (illuminierter) Freimaurerei und Kommunismus auf den Punkt gebracht: «Auf Weltebene schenkte ein Freimaurer ‑ Rouget de l’Isle ‑ allen Völkern die Marseillaise (sc. das Kampf‑Lied der Französischen Revolution, heute die französische Nationalhymne!) gegen alle Tyrannen und der Freimaurer Eugéne Potier allen Proletariern die Internationale.» «Gegen alle kapitalistischen Ausbeuter», hätte er um der Satz ­Symmetrie willen noch hinzufügen müssen, aber dieser Zusatz ist unterblieben ‑ Mitterand selbst wird am besten wissen, warum!

R. Prantner, der die weltpolitischen Aktivitäten der Logen nur in knappster Form streift, spricht immerhin von einem «auf gewissen Sektoren der Politik und Kultur tatsächlich bestehende(n) Zusammenspiel von Freimaurerei und totalitärem Sozialismus», also Sowjetkommunismus, rotchinesischem Kommunismus etc. Und er fährt fort: «Die Kooperation führender Repräsentanten europäischer Logen mit den Institutionen des demokratischen Sozialismus, wie etwa in Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland. der Republik Österreich, in Schweden, Norwegen, Dänemark, aber auch in Italien, Spanien und Portugal kommt am sinnfälligsten durch die Logenzugehörigkeit führender sozialdemokratischer Staatsmänner, Politiker, Medienmachthaber, Künstler, Journalisten, Erzieher und Verwaltungsbeamten vor allem in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zum Ausdruck.» (Prantner 1989, S. 27)

Natürlich macht es keinen Sinn, nur von sozialdemokratischen Logenmitgliedern zu reden. «Übrigens ist es für die Partei seit Oktober 1945 kein Problem mehr, wenn Kommunisten in die Freimaurerei eintreten», bekennt wiederum Jacques Mitterand (Ploncard d’Assac 1989, S. 148). Demnach war der Kommunismus für die Freimaurerei überhaupt noch nie ein Problem! Man kann sich auch nicht auf die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg versteifen, denn über die englischen, weit links stehenden «Sozialisten» berichtete Lerich schon 1937: «Die führenden Politiker der „Labour Party“ gehören einer speziellen Londoner Loge an, der „New Welcome Lodge 5193“ (sc. die Quersumme dieser Zahl ergibt 18 = 3 x 6 oder 666!). Sie ist die Parlamentsloge der Unterhausmitglieder der Arbeiterpartei. Ihre Gründung erfolgte 1929 und erregte großes Aufsehen, da der Kongreß der Trade Unions (sc. der mit der Sozialistischen Partei verfilzten Gewerkschaften) den Gewerkschaftsführern ursprünglich den Beitritt zur Freimaurerei untersagt hatte.» (S. 47)

Die Weltrevolution

Bedarf es noch weiterer Beweise für die Identität von Rothschild‑kontrollierter Freimaurerei und Kommunismus? Hier sind sie! Adam Weishaupts «Logenname Spartacus wird noch heute von den Kommunisten verwendet (sc, man denke nur an den „MSB Spartakus“ [Maoistischer Studenten‑Bund Spartakus, „Spartakisten“]) und am 1. Mai, dem Gründungstag des Illuminatenordens, feiern die Kommunisten unter der Roten Fahne, rot deswegen, weil die Rothschilds, die ein rotes Schild als Familienwappen haben (siehe Rothschild‑Haus in Frankfurt) fast die ganze kommunistische Revolution finanziert haben. Laut dem „New York Journal American“ vom 3.2. 1949 hat Rothschild durch seinen Agenten Jacob Schiff ca. 20 000 000 Dollar für den endgültigen Sieg der Bolschewisten in Rußland investiert.» (Homuth 1986, S. 61)

Letzteres hat auch Rakowskij bestätigt: «Aber ich werde Ihnen noch mehr sagen: Wissen Sie, wer die Oktober‑Revolution finanziert hat? Jene (sc. so nennt Rakowskij durchgehend die Geheimen Oberen, die er angeblich nicht genau kennt, obwohl er vermutet, wer sie sind) haben sie finanziert, genau durch die gleichen Finanzleute, die Japan und die Revolution von 1905 finanziert haben, Jacob Schiff und die Brüder Warburg, das heißt der große Bund der Banken, eine von den fünf Federal‑Reserve‑Banken (sc. den Banken des amerikanischen Zentral‑ oder Notenbanksystems), die Bank Kuhn, Loeb & Co. (sc. heute Chase Manhattan Bank!), wobei sich andere europäische und amerikanische Bankiers beteiligten, wie Guggenheim, Hanauer, Breitung, Aschberg von der „Nya Banken“ in Stockholm. Ich war „aus Zufall“ in Stockholm dabei und nahm Teil an der Übertragung der Gelder. Bis Trotzkij kam, war ich der einzige, der von der revolutionären Seite daran teilnahm.» (Griffin 1980, S. 298)

Wie bei Griffin und anderen in allen Einzelheiten nachzulesen ist, gelangten die international gefürchteten und polizeilich gesuchten Berufsrevolutionäre Lenin und Trotzki samt ihrem Anhang nur aufgrund von Interventionen von höchster Stelle (in Deutschland Max Warburg, der Bruder des New Yorker Rothschild‑Bankiers Paul Warburg und während des ersten Weltkriegs Chef des deutschen Geheimdienstes) 1917 ungeschoren ins zaristische Rußland. Griffin zitiert wörtlich aus der oben angegebenen New Yorker Zeitung vom 3. Februar 1949, in der es hieß: «Jacobs Enkel John Schiff schätzt heute, daß sein Großvater ungefähr 20 Millionen Dollar für den endgültigen Triumph des Bolschewismus in Rußland aufwandte.» (Griffin 1986, S. 66) Aufgrund von Rakowskijs Angaben muß man wohl davon ausgehen, daß die anderen von ihm genannten Banken noch über die 20‑Millionen‑Summe hinaus an der Finanzierung der Oktoberrevolution von 1917 beteiligt waren. Daß Jacob Schiff zu Beginn des 20. Jahrhunderts der haupte Mann der Rothschilds in Amerika war, wurde weiter oben bereits erwähnt.

Werden noch weitere Beweise gewünscht? Nun, es herrscht kein Mangel daran. «Am 4. September, nachmittags», berichtet Griffin über die Neuauflage der Französischen Revolution in den Jahren 1870/71, «stürmte ein „Volkshaufe“ den Sitzungssaal der gesetzgebenden Körperschaft, der Senat löste sich auf und man verkündete die Volksregierung. Die Ziele der Illuminaten waren allerdings erheblich weiter gesteckt. Frankreich sollte dem Bolschewismus ausgeliefert werden, der unter dem Namen Commune nach einigen mißglückten Versuchen vom 19. März bis zum 29. Mai 1871 in Paris mordete und brandschatzte, und nur an den 145 Häusern von Alfred Rothschild ehrfurchtsvoll vorüber ging. Denkmäler französischer Größen wurden mit Sachkenntnis zerstört, Bürger und Geistliche ermordet. Wer mochte aber dem Pöbel beigebracht haben, daß es sich schickt, Häuser reicher Illuminaten bei solcher Gelegenheit zu schonen? Vielleicht können die Mitglieder des Rates der Dreihundert darüber Auskunft erteilen?» (Griffin 1986, S. 248)

Die offenbar sorgfältig instruierte revolutionäre Meute von 1871 wandelte getreu in den Fußstapfen ihres offiziellen geistigen Stammvaters Marx. Zu diesem Thema müssen wir noch einmal dem Top‑Illuminaten Rakowskij das Wort erteilen. Er verweist den verwirrten Kuzmin auf die Tatsache, daß Marx in seiner dickleibigen Studie «Das Kapital» zwar das Unternehmertum schärfstens als die Ausbeuterklasse geißelt, die Hochfinanz jedoch paradoxerweise völlig ausklammert. «Erinnern Sie sich an die Mäßigung von Marx und seine bürgerliche Bravheit, wenn er die Währungsfrage darstellt. Im Gelde erscheinen seine berühmten inneren Widersprüche nicht. Die Finanz, als Einheit in sich, besteht für ihn nicht, und der Handel und Geldumlauf sind für ihn Folge des bösen kapitalistischen Produktionssystems, dem sie völlig untergeordnet und von dem sie bestimmt sind. In der Geldfrage erscheint Marx als Reaktionär, und das war er, zur größten Überraschung, obwohl er jenen fünfzackigen Stern ‑ gleich dem Sowjetstern ‑ vor Augen hatte, der ganz Europa mit seinem Glanz erfüllte: die fünf Brüder Rothschild mit ihren Banken, die Herren über die größte Akkumulation des Kapitals, die die Welt bisher gesehen hatte. An dieser ungeheueren Tatsache, die die Einbildungskraft jener Zeit blendete, geht Marx unbemerkt vorüber. Das ist doch sonderbar ‑ nicht? Vielleicht ergibt sich aus dieser besonderen Blindheit von Marx ein gemeinsames Phänomen in den Revolutionen der letzten Zeit. Wir alle können beweisen, daß, wenn die Massen sich einer Stadt oder Nation bemächtigen, sie immer eine fast abergläubische Furcht vor Banken und Bankiers zeigen. Sie haben Könige, Generale, Bischöfe, Polizisten und andere Vertreter der gehaßten Vorrechte umgebracht, haben Kirchen, Paläste und sogar Stätten der Wissenschaft geplündert und in Brand gesetzt, aber als wirtschaftlich‑soziale Revolutionäre haben sie das Leben der Bankiers respektiert und die prächtigen Bankgebäude unverletzt gelassen. Nach meinen Aufzeichnungen bis zu meiner Verhaftung wiederholt sich heute das Gleiche … »

Auf Kuzmins ungläubige Frage «Wo?» antwortet Rakowskij: «In Spanien. Wissen Sie das nicht?» (Griffin 1980, S. 288f) Auch im von den Kommunisten 1936 entfachten spanischen Bürgerkrieg, der in Wahrheit eine auf unerwartet harten Widerstand gestoßene kommunistische (also illuminierte) Revolution war, wurden viele tausend verhaßte Bürgerliche, darunter zig Bischöfe und mehr als tausend Priester und Ordensleute, bestialisch ermordet, zahllose Kirchen, Klöster und bürgerliche Häuser gesprengt oder niedergebrannt, während man die Hochfinanz und ihre palastartigen Niederlassungen ‑ nach Rakowskijs zynischen Worten «Tempel, die ihre heidnischen Säulenfassaden an jeder Ecke der modernen Städte emporrecken und zu welchen die Menge eilt, besessen von einem Glauben, den nicht einmal die Himmlischen einzuflößen vermögen, um begeistert alle Reichtümer der Gottheit „Geld“ darzubringen, von der sie meinen, sie throne im Stahlschrank der Bankiers, ihrer göttlichen Aufgabe hingegeben, sich bis ins Unendliche zu vermehren» (ebd. S. 292) ‑ völlig unangetastet ließ!

Vom offiziellen Gründer und bis heute Dauermitglied der Trilateralen Kommission wie auch der Bilderberger‑Gruppe, dem Rockefeller‑Vertrauten und «Sicherheitsberater» (will sagen der Grauen Eminenz) der Carter‑Regierung Zbigniew Brzezinski kennt man einige äußerst erhellende Aussprüche. Als «Bibel der Trilateralen» wird ‑ nach Griffin (1986, S. 221) ‑ das allerdings schon 1970 erschienene Buch Brzezinskis «Between two Ages ‑ Zwischen zwei Zeitaltern» betrachtet. In diesem Buch erklärt sein Verfasser das Christentum und die Religion überhaupt für endgültig überholt und behauptet, daß der Marxismus «eine weitere entscheidende und kreative Phase der Ausreifung des menschlichen Universalbildes darstellt. Gleichzeitig bedeutet der Marxismus einen Sieg des äußeren aktiven Menschen über den inneren, passiven Menschen und einen Sieg des Denkens über den Glauben … »Außerdem stellt Brzezinski die These auf, daß «der Marxismus … ein einmaliges intellektuelles Instrument war, um die grundlegenden Kräfte unserer Zeit zu verstehen und zu harmonisieren; er hat die Fahne der Internationalen aufgezogen». Schließlich bekräftigt Brzezinski im Hinblick auf die west‑östlichen ideologisch‑militärischen Spannungen, daß «das letztendliche Ergebnis des Wettkampfes, aufgrund der historischen Überlegenheit des kommunistischen Systems, schon im vorhinein feststeht» (zit. n. Griffin 1986, S. 222). Als Illuminat muß er die «Vorzüge» des Sowjetsystems ja bestens kennen.

Im amerikanischen Magazin «Time» behauptete derselbe Brzezinski einmal: «Antikommunisten können sich als größere Gefahr entpuppen als die Kommunisten.» (Blackwood 1986, S. 367) Vom Standpunkt eines Illuminaten aus trifft das den Nagel auf den Kopf! Als Präsident Jimmy Carters (der übrigens auch im CFR und in der Trilateralen saß, bevor er zum «mächtigsten Mann der westlichen Welt» ‑ wie Zyniker und Simpel zu sagen pflegen ‑ wurde) Sicherheitsberater hat Brzezinski einmal bezüglich der osteuropäischen Satellitenstaaten erklärt: „Die fraglichen Länder (vor allem Polen) zur Abkoppelung von der UdSSR zu ermutigen würde nicht der Sache des Friedens dienen.“ (Zit. n. Camman 1985, S. 6) Man darf ihm getrost abnehmen, daß er das bitterernst meinte.

Daß die vordergründig mit dem Großuntemehmertum und den Großkapitalisten im (Klassen)Kampf liegenden englischen Sozialisten seit 1929 eine eigene Loge besitzen, die selbstverständlich der («kapitalistischen») Londoner Mutter‑Großloge unterstellt ist, haben wir bereits erfahren. Aber nicht bloß in England sondern auf der ganzen Welt stecken Sozialisten und Kommunisten auf geheimer Logenebene mit den öffentlich bei jeder sich bietenden Gelegenheit angefeindeten kapitalistischen Ausbeutern, die ja in den Logen fast vollzählig versammelt sind, unter einer Decke ‑ als getreue Erfüllungsgehilfen ihrer angeblichen Klassenfeinde. «Ich weiß nicht», sagt Rakowski, «ob Sie die sonderbare Ähnlichkeit von Internationaler Finanz und Internationalem Proletariat bemerkt haben. Man könnte sagen, daß das eine ein Spiegelbild des anderen ist, und wenn es ein Spiegelbild ist, dann ist es das Proletariat, denn es ist moderner als die Finanz. … Objektiv gesehen sind sie identisch. Ja, wie ich gezeigt habe, ist es die Komintern, unterstützt von den Reformisten und dem ganzen Gewerkschaftswesen, die die Anarchie der Produktion (sc. durch immer wiederholte Streiks, wie Rakowski schon vorher erkärt hat!), die Inflation, das Elend und die Verzweiflung der Massen hervorruft, und die Internationale Finanz, bewußt oder unbewußt von der Privatfinanz unterstützt, schafft die gleichen Bedingungen, nur vervielfacht.» (Griffin 1980, S. 289)

Außerdem verweist Rakowski auf eine seltsame Übereinstimmung des Datums: «Sehen Sie selbst! Erinnern Sie sich jenes Morgens des 24. Oktobers 1929. Es wird eine Zeit kommen, da er für die Geschichte der Revolution ein wichtigerer Tag sein wird als der 24. Oktober 1917 … Dieser 24te ist der Tag des Kraches an der Börse von New York, der Beginn der sogenannten Depression, der wirklichen Revolution. Die vier Jahre unter Hoover (sc. Herbert Hoover, damals US‑Präsident und als CFR‑Mitglied williges Werkzeug der Hochfinanz) sind der Vormarsch der Revolution ‑ zwölf bis fünfzehn Millionen Arbeitslose! Im Februar 1933 ist der letzte Schlag der Krise mit der Schließung der Banken. Mehr konnte die Finanz nicht tun, um den klassischen Amerikaner, der noch verschanzt im Reduit (sc. Zufluchtsort) seiner Industrie saß, auf den Kopf zu schlagen und ihn wirtschaftlich der Wallstreet (sc. also der New Yorker Börse) zu versklaven … Es ist bekannt, daß jede Verarmung der Wirtschaft ein Blühen des Parasitentums bedeutet ‑ und die Finanz ist der große Parasit.» (Griffin 1980, S. 320) …

Quelle: Johannes Rothkranz, „Die kommende ‚Diktatur der Humanität‘ oder Die Herrschaft des Antichristen“, Band 1: Die geplante Weltdemokratie in der „City of Man“, Durach 1993, ISBN 3-929170-09-4 (sehr empfehlenswert!)

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Rakowski-Protokolle (4)

Der zweite Anlauf …

Der erste Weltkrieg war lediglich die erste der drei großen Etappen des langen Wegs zur kommunistischen Welt«demokratie» gewesen. Da der Satan und seine Synagoge keine Zeit zu verlieren haben und jede neue Generation der Geheimen Oberen mit wachsender Ungeduld den Tag herbeisehnt, an dem sie endlich von der durch ihre Vorfahren jahrhundertelang vorbereiteten Weltherrschaft Besitz ergreifen kann, mußten am Ausgang des ersten Weltkriegs bereits die Weichen für den zweiten Weltkrieg gestellt werden ‑ auf dem Stellwerk von Versailles 1918/19. Sogar H. Gordon, der nur die Vorderansicht der weltpolitischen Bühne kennt, stellt unumwunden fest (Gordon 1985, S. 165): «Der Friede, der zu Versailles unterzeichnet wurde, war kein Friede, sondern nur ein Waffenstillstand. Die Unterschrift wurde den Deutschen mit vorgehaltener Pistole abgezwungen, was sie im internationalen Recht wie auch im Privatrecht wertlos und ungültig macht. Wenn heute noch deutsche Politiker und Historiker vom „Bruch des Versailler Vertrages“ durch Hitler sprechen, muß man sich fragen, ob man es hier mit reiner Dummheit oder hundsföttischer Gesinnung oder beidem zu tun hat. Der Versailler Vertrag mußte gebrochen werden, eben weil es kein Vertrag war.»

Die Deutschland auferlegten «Reparationsleistungen» waren absolut überzogen‑, weder entsprachen sie dem, was in den alliierten Nationen zu «reparieren» war, noch dem, was das deutsche Volk nach dem zerstörerischen Krieg wirtschaftlich auch nur annähernd hätte aufbringen können. «Der endgültige „Vertrag“, den man mit stillschweigendem Einverständnis der internationalen Bankers geschlossen hatte, ist von vielen Beobachtern als grausame Farce erkannt worden. Philip Snowden, der später ein Mitglied des englischen Parlaments war, hat eine zutreffende Bewertung geliefert: „Der Vertrag dürfte Briganten, Imperialisten und Militaristen zufriedenstellen. Er ist ein Todesstoß für alle diejenigen, die gehofft hatten, das Ende des Krieges werde den Frieden bringen. Es ist kein Friedensvertrag, sondern eine Erklärung für einen weiteren Krieg.“» (Griffin 1986, S. 131)

Als die Deutschen sehr schnell in definitiven Zahlungsverzug gerieten, der ja von vorneherein abzusehen gewesen war, trat der «Dawes‑Plan», nach dessen „Scheitern“ der «Young‑Plan» in Kraft. Sowohl Dawes als auch Young waren Agenten von J.P. Morgan, einem der einflußreichsten Rothschild‑Bankiers in den USA neben Jacob Schiff und Bernard Baruch, und ihre «Pläne» dienten dem doppelten Zweck, die Rothschildbanken zu bereichern und Deutschland die für den geplanten zweiten Weltkrieg erforderliche Wiederaufrüstung zu ermöglichen. Das System hat der Insider Caroll Quigley am Beispiel des Dawes‑Plans illustriert: «Mit Hilfe dieser amerikanischen Kredite wurde die deutsche Industrie weitgehend mit den neuesten technischen Einrichtungen ausgerüstet. Mit diesen amerikanischen Krediten konnte Deutschland seine Industrie wieder aufbauen und sie mit Abstand zur zweitbesten der Welt entwickeln. Damit konnten Wohlstand und Lebensstandard beibehalten werden, trotz Niederlage und Reparationen, und die Reparationen bezahlt werden, ohne die Übel eines defizitären Haushaltes und einer negativen Handelsbilanz. Mit Hilfe dieser Kredite konnten die deutschen Schuldner ihre Kriegsschuld an England und die USA zurückzahlen, ohne Waren und Dienstleistungen zu exportieren. Devisen, die in Form von Krediten an Deutschland gingen, flossen an Italien, Belgien, Frankreich und England in Form von Reparationen zurück sowie schließlich an die Vereinigten Staaten in Form von Rückzahlung der Kriegsschulden. Was allein an diesem System schlecht war, war, daß es einfallen würde, sobald die Vereinigten Staaten kein Geld mehr liehen, und zweitens, daß in der Zwischenzeit die Schulden lediglich von einem Konto auf ein anderes verschoben wurden und niemand der Zahlungsfähigkeit auch nur einen Schritt näher kam. In der Zeit von 1924 bis 1931 bezahlte Deutschland 10,5 Milliarden Mark an Reparationen, borgte sich aber insgesamt 18,6 Milliarden Mark. Somit war rein gar nichts gelöst, aber die internationalen Bankers saßen im Himmel, wo es von Gebühren und Provisionen nur so regnete.» (Zit. n. Griffin, S. 135f)

Die wahren Motive hinter dem Versailler Vertrag waren noch weit hinterlistiger und teuflischer, wie Rakowskij 1938 im Verhör dem Stalin‑Agenten Kuzmin erläuterte: «Der Vertrag von Versailles, der für Politiker und Wirtschaftler so unerklärlich ist, weil niemand seine wirkliche Zielrichtung ahnte, war die am meisten entscheidende Voraussetzung für die Revolution (Anm.: Rakowskij meint hier die über Rußland hinausgehende Revolution, die nach und nach die ganze Weit erfassen und versklaven soll). … Keines Volkes Interesse erforderte die Reparationen und wirtschaftlichen Einschränkungen von Versailles. Ihre absurde Berechnung lag so klar auf der Hand, daß sogar die bedeutendsten Wirtschaftler der Siegervölker sie sogleich angriffen. Nur Frankreich forderte als Reparationen eine Summe, die größer war als der Wert seines gesamten Nationalvermögens, so als wäre der ganze Boden Frankreichs in eine Sahara verwandelt worden. Schlimmer noch war das irrsinnige Abkommen, auf Grund dessen man Deutschland viel mehr zu zahlen auferlegte als es konnte, es so im Ganzen verkaufte und den Gesamtertrag seiner nationalen Arbeit auslieferte. Schließlich kam man zu dem Ergebnis, der Weimarer Republik ein phantastisches Dumping aufzuzwingen, wenn sie etwas von den Reparationen bezahlen wollte. Und was war das Dumping? Unterkonsum, Hunger in Deutschland, und im gleichen Maß Arbeitseinstellung in den Einfuhrländern. Und wenn sie nicht einführten, Arbeitslosigkeit in Deutschland, Hunger und Arbeitslosigkeit im einen oder anderen Teil (Europas) ‑ das ist die erste Folge von Versailles. War also der Versailler Vertrag nicht revolutionär? … Wie jede Anarchie der Produktion ‑ und eine solche wie damals hatte man überhaupt noch nicht erlebt! ‑ hat die Finanz, haben „Jene“ sie ausgebeutet, unter dem Vorwand, sie mit einer noch größeren Anarchie zu heilen, nämlich der Inflation des amtlichen Geldes und einer noch hundertmal größeren Inflation ihres eigenen Geldes, des Kreditgeldes, des falschen Geldes (Anm.: das nämlich die privat geführte amerikanische Notenbank in beliebiger Höhe aus dem Nichts heraus schaffen konnte und heute noch kann!). Erinnern Sie sich der aufeinanderfolgenden Abwertungen bei vielen Völkern, der deutschen Abwertung, der amerikanischen Krise und ihrer vortrefflichen Wirkungen? Ein Rekord an Arbeitslosigkeit, mehr als dreißig Millionen Arbeitslose allein in Europa und USA, waren die Folge. Glauben Sie nun, daß der Versailler Vertrag und der Völkerbund Voraussetzungen für die Revolution waren?» (Griffin, S. 304f) Das amerikanische Organ «The Jewish World» («Die jüdische Welt») wagte es am 16. Januar 1919 sogar, zuzugeben: «Das internationale Judentum zwang Europa zu diesem Kriege, nicht nur, um zu großem Geldbesitz zu kommen, sondern um vermittels dieses einen neuen jüdischen Weltkrieg zu beginnen.» (Zit. n. Fleischhauer 1935, S. 110) Dieser neue Weltkrieg hatte ‑ wie schon der erste ‑ wieder mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erfüllen.

Wie Rakowskij schon früher erläutert hat, waren Lenin und erst recht Stalin ihren revolutionären «Verpflichtungen» nicht mehr weiter nachgekommen, nachdem sie Rußland in ihre Hand bekommen hatten. Lenin hatte es mit der Ausweitung der russischen Revolution auf Deutschland nicht mehr eilig, sobald er fest im Sattel saß. «Wenn wir für den Sieg der deutschen Revolution umkommen müßten», sagte er, «wir wären verpflichtet, es zu tun. Die deutsche Revolution ist unermeßlich wichtiger als die unsrige. Aber wann wird sie kommen? Unbekannt! Augenblicklich gibt es deshalb auf der Welt nichts Wichtigeres als unsere Revolution. Man muß sie sichern um jeden Preis.» (Zit. n. Müller 1982, S. 310) Lenin meinte nicht die Revolution, sondern seine eigene Macht; die galt es mit allen Mitteln zu sichern! Dieser unvorhergesehene Umstand machte den Geheimen Oberen zunächst einen Strich durch die Rechnung, die also umgehend neu aufgestellt werden mußte. Es gelang ihnen (siehe Band 1!) zwar, Lenin unauffällig vergiften zu lassen, aber alle Versuche der Trotzkisten als unmittelbarer Werkzeuge der Schatten‑Weltregierung, den daraufhin statt Trotzki an die Spitze gelangten Stalin zu stürzen, schlugen fehl, weil Stalins perfekt durchorganisiertes Spitzelsystem ihnen keine Chance ließ. «“Jene“ erkannten am Ende», berichtet Rakowskij weiter, «daß Stalin durch einen Staatsstreich nicht gestürzt werden konnte. Und ihre geschichtliche Erfahrung diktierte ihnen eine andere Lösung: Mit Stalin dasselbe zu machen wie einst mit dem Zaren. … Nur Deutschland war bevölkerungsmäßig und strategisch in der Lage, um in Sowjetrußland einzufallen und Stalin Niederlagen zuzufügen. Aber, wie Sie verstehen werden, war die Republik von Weimar nicht so angelegt, daß sie andere hätte angreifen können, sondern so, daß andere sie angreifen konnten.

Und am Himmel des deutschen Hungers begann das flüchtige Gestirn Hitlers zu erglänzen. Ein scharfsinniges Auge richtete sich darauf. Die Welt hat seinen fulminanten Aufstieg bewundert. Ich will nicht sagen, daß das alles unser Werk gewesen wäre. Die revolutionär­kommunistische Wirtschaft von Versailles führte ihm immer größere Massen zu. Auch wenn sie nicht eingerichtet worden wäre, um Hitlers Sieg herbeizuführen ‑ die Voraussetzung, die Versailles für Deutschland schuf, waren Verproletarisierung, Hunger und Arbeitslosigkeit, und die Folge davon hätte der Triumph der kommunistischen Revolution sein sollen. Weil jedoch diese durch Stalins Führung der Sowjetunion und der Internationale vereitelt worden war und man Deutschland nicht dem neuen Bonaparte überlassen wollte, milderten der Dawes‑ und Young‑Plan diese Voraussetzungen etwas, in der Erwartung, daß in Rußland die (Anm.: trotzkistische, also illuminierte) Opposition siegen würde. Als das nicht eintrat, mußten die Voraussetzungen, die man geschaffen hatte, ihre Folgen haben: Der wirtschaftliche Determinismus (Anm.: die Zwangslage) in Deutschland zwang seinem Proletariat die Revolution auf. Da durch Stalins Schuld die sozial‑internationale Revolution verhindert worden war, stürzte sich das deutsche Proletariat in die nationalsozialistische Revolution. Das war ein dialektisches (Anm.: widersprüchliches) Faktum.

Aber trotz aller Voraussetzung und Begründung hätte die nationalsozialistische Revolution niemals siegen können. Es fehlte ihr dazu mehr. Es war nötig, daß auf Grund von Anweisungen die Trotzkisten und Sozialisten die Massen spalteten, die ein waches und intaktes Klassenbewußtsein hatten. Schon dabei haben wir eingegriffen. Aber es war noch mehr nötig. Im Jahre 1929, als die Nationalsozialistische Partei an ihrer Wachstumskrise litt und ihr die Geldmittel ausgingen, sandten „Jene“ ihm einen Botschafter; ich kenne sogar seinen Namen, es war ein Warburg. In unmittelbaren Verhandlungen mit Hitler einigte man sich über die Finanzierung der Nationalsozialistischen Partei, und Hitler bekommt in ein paar Jahren Millionen von Dollars, die Wallstreet sendet, und Millionen von Mark, diese durch Schacht; die Erhaltung von SA und SS und die Finanzierung der folgenden Wahlen, die Hitler die Macht bringen, geschieht mit Dollars und Mark, die „Jene“ schicken.» (Griffin, S. 305f)

Auf eine entsprechende Rückfrage des perplexen Kuzmin, der nur mühsam die Fassung wahrte und sich immer noch ungläubig stellte, als seien Rakowskijs Geständnisse Fabeleien, präzisierte Rakowskij: «Wenn es auch stimmt, daß „Jene“ ihn (Anm.: Hitler) finanziert haben, so haben sie doch weder ihre Existenz noch ihr Ziel entdeckt. Der Abgesandte Warburg kam zu ihm mit falschem Namen, es scheint nicht einmal, als ob Hitler seine Rassenzugehörigkeit (Anm.: die Warburgs waren Juden!) erraten habe; außerdem log er über diejenigen, die er vertrat. Er sagte, er sei von einer Finanzgruppe der Wallstreet abgesandt, die daran interessiert sei, die nationalsozialistische Bewegung als eine Drohung gegen Frankreich zu finanzieren, dessen Regierung eine Finanzpolltik verfolge, die die Wirtschaftskrise in den USA hervorrufe.» Kuzmin fragte interessiert: «Und glaubte Hitler das denn?» «Das», antwortete Rakowskij, «wissen wir nicht. Es kam auch nicht darauf an, daß er die Gründe glaubte, unser Ziel war, daß er triumphieren sollte, ohne ihm irgendeine Bedingung aufzuerlegen. Das wirkliche Ziel, unser Ziel, war, den Krieg zu provozieren ‑ und Hitler war der Krieg, begreifen Sie?» (Griffin, S. 307f) Nach Müller (1982, S. 181) ließ die internationale Hochfinanz Hitler rund 200 Millionen Reichsmark zukommen, wovon mehr als drei Fünftel durch Warburg von der New Yorker Wallstreet vermittelt wurden, nämlich 128 Millionen Reichsmark! Laut «Nation Europa» Nr. 2/1984, S. 21 soll diese Information auf bereits 1933 aufgetauchten, aber nachweislich gefälschten Dokumenten beruhen. Ganz so falsch kann sie aber nicht sein, jedenfalls nicht, was die Rolle des Bankhauses Warburg angeht; die wird von Rakowskij bekräftigt, der allerdings nicht die Höhe der vermittelten Summen nennt.

Sicherlich ungewollt, aber dafür umso glaubwürdiger bestätigen die Verfasser des 1940 kurzzeitig aufgetauchten (siehe Band 1) Programms für die Eine Welt (Herbert Agar, Frank Aydelotte u. a., The City of Man. A Declaration on World Democracy, 3. Aufl. New York 1941, im folgenden abgekürzt als CoM, hier S. 16f) Rakowskijs Aussagen über die wahren Kriegstreiber, auch wenn sie scheinheilig und mit Krokodilstränen in den Augen das alles als «Irrtümer» bejammern: «Auch dieses Land (Amerika) war einen langen Weg in Richtung Beschwichtigung und Verwirrung gegangen. Es hatte zwischen Faschismus und Nationalsozialismus unterschieden und so den faschistischen Geier (Anm.: gemeint ist Mussolini bzw. Italien) ermuntert, sich für seinen Herabstoß auf das Schlachtfeld der Nazis bereitzumachen. Es hatte Japan mit Waffen und Munition unterstützt, während es das Schicksal Chinas beklagte (Anm.: das durch diesen Krieg erfolgreich revolutionsreif geschossen wurde, genau wie zuvor das zaristische Rußland!). Es hatte das republikanische (Anm.: das heißt, das freimaurerisch‑kommunistische) Spanien im Stich gelassen und Neutralität in ein Gewährenlassen des Angreifers (Anm.: gemeint ist General Franco, der mit großer Mühe den kommunistischen Umsturzversuch vereitelte) pervertiert. Auf diese Weise hatte es seine Hand zur Einkreisung Frankreichs und zum Wachsen militärischer Drohungen gegen uns selbst an Europas Küsten und Inseln geliehen (Anm.: Sehr wahr!). Das waren tragische Irrtümer.» Der letzte Satz ist selbstverständlich eine faustdicke Heuchelei zum Zweck der Vertuschung des Wirkens der Satanshierachie hinter den Kulissen.

Wie der ursprüngliche Plan der Rothschilds und Rockefellers für den zweiten Weltkrieg ausgesehen hatte, läßt sich gleichfalls bei Rakowskij nachlesen: «Sehen Sie nicht die allgemeine Zahmheit der Wölfe von Versailles, die sich auf ein schwaches Knurren beschränken? Ist das vielleicht auch Zufall? Hitler wird in die UdSSR einbrechen, und so wie 1917 die Niederlagen des Zaren uns dazu dienten, diesen hinauszuwerfen, so werden die Niederlagen Stalins uns dienen, diesen hinauszuwerfen und zu ersetzen. Und die Stunde der Weltrevolution schlägt wieder. Denn die demokratischen Nationen, die heute eingeschläfert sind, werden, sobald Trotzkij wieder die Macht ergreift (Anm.: damals, 1938, lebte Trotzki noch, wurde aber 1940 von Stalins Agenten in Mexiko aufgespürt und ermordet), wie einst im Bürgerkrieg einen allgemeinen Wechsel spüren. Dann wird Hitler vom Westen her angegriffen werden, seine Generale werden sich erheben und ihn liquidieren … Wird dann Hitler objektiv kommunistisch gehandelt haben oder nicht?» (Griffin 1980,S.307)

Allerdings konnte der Plan infolge der fast völligen Ausrottung der trotzkistischen Opposition in der Sowjetunion in dieser Form nicht mehr ausgeführt werden. Schon zu Eingang des Verhörs hatte Rakowskij Kuzmin erklärt und wiederholte es jetzt erneut, daß es gegenwärtig zwecklos wäre, Stalin zu stürzen, weil niemand anderes an seine Stelle treten und den Kommunismus aufrechterhalten könnte. Der infolgedessen geänderte Plan der Geheimen Oberen sah vor, daß Hitler mit Stalin, seinem ideologischen Todfeind, einen Pakt schließen sollte, um den Rücken für seinen Angriffskrieg gegen die Westmächte frei zu haben, die von Amerika zum Schein unterstützt würden, damit ein möglichst lange anhaltender und grausamer Krieg alle europäischen Nationen für die kommunistische Revolution nach dem russischen Muster von 1917 reif machen würde. Die Initiative zum Hitler‑Stalin-Pakt sollte von der Sowjetunion ausgehen. Es besteht kein Zweifel daran, daß Rakowskij der eigentliche Inspirator des scheinbar paradoxen Zweckbündnisses zwischen dem faschistischen und dem kommunistischen Diktator war, das 1939 Wirklichkeit wurde; er beauftragte am Ende des langen Verhörs Kuzmin damit, sofort Verbindung zum amerikanischen Botschafter in Moskau aufzunehmen, der genügend eingeweiht sei, um die inoffizielle Bestätigung der Geheimen Oberen, zu denen Rakowskij keinen Kontakt mehr besaß, deren Gedankengänge er aber bestens kannte, für Rakowskijs Vorschlag einzuholen. Die Geschichtsbücher lehren uns, daß der Vorschlag tatsächlich ein Jahr später in die Tat umgesetzt wurde; wie schon früher gesagt, belohnte Stalin den wertvollen Dienst, den Rakowskij ihm damit erwiesen hatte, durch die Begnadigung zu zwanzigjähriger Haft.

Nachdem Stalin sich also mit den Geheimen Oberen ins Benehmen gesetzt hatte, konnte der Krieg in seiner geänderten Version beginnen. Zunächst wurde Polen geteilt, was aber von den erstens eingeweihten und zweitens von Rußland zu weit entfernt liegenden Westmächten nur als Kriegsgrund gegen Hitler, nicht jedoch gegen Stalin geltend gemacht wurde. Man weiß heute, daß Stalin das Abkommen mit Hitler genausowenig zu halten bereit war wie Hitler selbst (vgl. dazu beispielsweise Herbert Gersner, Hitler in Stalins Kalkül, in: CODE Nr. 6/89, 8‑13); womöglich hatte er es inzwischen vorgezogen, sich den Plänen der Geheimen Oberen unterzuordnen, um seine Macht nicht unnötig zu gefährden, und hatte nun den Auftrag erhalten, die Revolution weit nach Westeuropa zu tragen, das durch Hitlers Krieg revolutionsreif gemacht würde. Hitlers überraschender Angriff auf die Sowjetunion ‑ nach Gersner, der sich auf ein neues Buch eines hohen russischen Militärs unter Stalin beruft, der Versuch, Stalins drohendem Angriff zuvorzukommen ‑ konnte den Plan der Geheimen Oberen zwar verzögern, aber nicht vereiteln, jedenfalls was die eine Hälfte dieses Plans betraf. In den west‑ und südeuropäischen Ländern einschließlich Deutschlands selbst wollte es nicht gelingen, eine revolutionäre Stimmung in der Bevölkerung hervorzurufen, aber Ost‑ und Südosteuropa wurde Stalins kommunistischem Imperium einverleibt. Daß das mit voller Billigung der Westmächte geschah, wird im Hinblick auf die Konferenz von Jalta im Februar 1945 sogar allgemein zugegeben.

In welcher Weise aber Stalin dazu verholfen wurde, das ihm zugeschanzte europäische Territorium auch wirklich für die Geheimen Oberen in Besitz zu nehmen, das steht in keinem offiziellen Geschichtsbuch. Im September 1943 hatte die erfolgreiche Eroberung des italienischen Festlands durch die Alliierten begonnen. Nun wäre es «taktisch logisch gewesen», stellt Griffin fest, «von Italien aus einen entscheidenden Vorstoß in das Herz des Hitlerreiches zu machen. Die Entscheidung, eine derartige Offensive zu unterlassen, war politischer Natur, nicht militärischer.» (Griffin 1986, S. 183) Es ging darum, der nur sehr langsam gegen die Deutschen vorankommenden Roten Armee genügend Zeit zu lassen, um auf dem ganzen Balkan westwärts und in Deutschland bis nach Berlin vorzurücken. Deshalb wurde auf amerikanische Initiative ‑ gegen den Willen Churchills, der scheinbar trotz seiner notorischen Logenmitgliedschaft nicht völlig eingeweiht war ‑ oder aber für die Öffentlichkeit den Widerpart zu spielen hatte? ‑ eine Offensive in Frankreich beschlossen, die militärisch unklug war und «den Krieg um viele Monate verlängert» hat (ebd.).

Um ihr diabolisches Unternehmen der Bolschewisierung ganz Osteuropas unter Dach und Fach zu bringen, beförderten die Wissenden einen der Ihrigen auf den Posten des alliierten Oberbefehlshabers in Europa, Dwight D. Eisenhower. «Was war das „Geheimnis“ hinter der Tatsache, daß Eisenhower über die Köpfe von wenigstens 50 seiner Dienstältesten hinweggeschoben und auf das oberste Kommando der alliierten Streitkräfte in Europa gestellt wurde, insbesondere angesichts der Tatsache, daß er keine Kampferfahrung beziehungsweise keine Erfahrung im Umgang mit einer großen Truppenzahl im Feld hatte? Diese Frage wurde einige Jahre später beantwortet, als Eisenhower Präsident geworden war. Zu dieser Zeit unterbrach er einen seiner zahlreichen Urlaube, um einen Park in New York einzuweihen, den Bernhard Baruch zu Ehren seines Vaters angelegt hatte. In seiner Rede machte Eisenhower ein beachtenswertes Geständnis: „Vor 25 Jahren, als ein junger und unbekannter Major, habe ich den klügsten Schritt meines Lebens getan ‑ ich habe Mr. Baruch konsultiert.“» (S. 184)

Eisenhower sorgte auftragsgemäß dafür, daß die Absichten anderer nicht eingeweihter Armeeführer der Alliierten nicht realisiert wurden. So wurde General Montgomery mit seinem Vorschlag, schon Ende 1944 einen geballten Angriff auf Berlin zu unternehmen, mit fadenscheinigen Vorwänden abgewiesen. Statt dessen geschah folgendes: «Angeheizt von amerikanischen Hilfeleistungen in Milliardenhöhe konnte die Rote Armee langsam die Deutschen entlang der Ostfront zurückdrängen, die sich über 1000 Kilometer von den Karpaten bis zur Ostsee erstreckte. Da die amerikanische Armee in Norditalien unter dem strikten Befehl von Marshall und Eisenhower zum Stillhalten gezwungen war, mußten sich die Alliierten die Zeit vertreiben, bis sie Europa im Sturm nehmen konnten. … In den folgenden Monaten rückten die alliierten Streitkräfte auf Anweisung von Eisenhower ganz gemütlich auf einer weit auseinander gezogenen Front gegen Deutschland vor. An der Ostfront marschierte die Rote Armee 1944 in Ostpolen ein. Rumänien, Finnland und Bulgarien ergaben sich den Sowjets im August und September. Anfang 1945 marschierten die Russen in Ostpreußen ein und dehnten schließlich ihren Einflußbereich auf die Tschechoslowakei und Ungarn aus. … Das alliierte Oberkommando hat das Feuer auf die deutschen Hauptangriffsziele ernsthaft erst „nach dem September 1944“ eröffnet, nachdem feststand, daß die Sowjets den Durchbruch nach Deutschland im folgenden Frühjahr schaffen würden.» (Griffin, S. 190‑194) «Wir wissen heute», sagte auch Ramsay bereits 1954 (1989), S. 70), «daß die britische und amerikanische Armee tatsächlich von General Dwight D, Eisenhower durch Mr. Roosevelts Entscheid bei der Konferenz in Jalta gestoppt wurde, damit die Rote Armee halb Europa überschwemmen und Berlin besetzen konnte.»

Auf welche Weise die kleinen Staaten Osteuropas am Ende des zweiten Weltkriegs mutwillig dem Sowjetkommunismus preisgegeben wurden, schildert Jean Vaquié am Beispiel der Tschechoslowakei. «Man kennt die allgemeinen Umstände des „Coups von Prag“. Einige Wochen vor der deutschen Kapitulation vom 8. Mai 1945 verlangsamte die amerikanische Armee ihren Vormarsch nach Osten, um den Russen Zeit zu lassen, als erste in Prag einzumarschieren. Die Sowjets ergriffen Besitz von der Tschechoslowakei, die Roosevelt ihnen zugeteilt hatte. Sie setzten dort eine Koalitionsregierung ein, in deren Schoß der Einfluß und das Gewicht der kommunistischen Beteiligung unaufhörlich wuchsen. Als man im Februar 1948 diese Beteiligung an der Regierung als ausreichend erachtete, näherten sich die sowjetischen Besatzungseinheiten erneut Prag. Zur gleichen Zeit organisierten die Sowjets in der Hauptstadt eine Reihe von Gewerkschaftsdemonstrationen, die ein «örtliches Aktionskomitee» ins Leben riefen, um damit Bénès unter Druck zu setzen. Am 23. Februar marschieren mehrere große Demonstrationszüge aus verschiedenen Richtungen auf das Zentrum Prags. Am 24. Februar werden die Zeitungen von den Kommunisten zensiert, die de facto die Pressefreiheit abschaffen. Am 25. kapituliert Bénès. Am 26. Februar etabliert sich ein neues, rein kommunistisches Regime und die „Säuberungen“ beginnen. So wurde Prag unter der Bedrohung durch die Rote Armee innerhalb weniger Tage eine „Volksdemokratie“. Mit Abweichungen in den Einzelheiten ist das dieselbe Vorgangsweise, die man in Polen, Ungarn, Rumänien und Bulgarien angewendet hat.» (Jean Vaquié, Réflexions sur les ennemis et la manoeuvre [Lecture et Tradition Nr. 126], Vouillé 1987, S.39)

Nicht nur die schon genannten Länder, sondern auch der Großteil Deutschlands fiel plangemäß in die Hände des von den Illuminaten gesteuerten Sowjetkommunismus; außerdem siegte kriegsbedingt in Albanien und Jugoslawien die «Revolution». Die Geheimen Oberen konnten sich befriedigt die Hände reiben.

Quelle: Johannes Rothkranz, „Die kommende ‚Diktatur der Humanität‘ oder Die Herrschaft des Antichristen“ Band 2: Die Weltherrscher der Finsternis in Aktion, 3. Auflage, Durach 1996, ISBN 3-929170-10-8 (ein sehr empfehlenswertes Buch!)

Anmerkung: Zur Auslandsfinanzierung Hitlers werden wir auf dieser Homepage noch ausführlich Stellung nehmen. Danach besteht nicht der geringste Zweifel daran, daß Hitler und seine NSDAP durch jeweils dreistellige Millionen Reichsmark-Beträge (teilweise in US-Dollar-Valuta) aus Groß Britannien (Sir Henri Deterding – Generaldirektor des Royal-Dutch-Shell-Konzerns) und den USA (Wallstreet unter Federführung jüdischer Banker) an die Macht gekauft wurde. Die Versuche der Warburgs, unbequeme Tatsachen zu unterdrücken, sind sehr wohl bekannt. Lohnschreiber, die es um den Preis einer glänzenden wissenschaftlichen Karriere mit der historischen Wahrheit nicht so genau nehmen, gibt es überall, auch in der Schweiz (wegen des sog. Abegg-Archivs) und in der Bundesrepublik (Vierteljahreshefte …). Diese Hinweise erfolgen im Hinblick auf die von Rothkranz zitierte Notiz aus „Nation Europa“ („…nachweislich gefälschte Dokumente…“). Die Geschichte des Dritten Reiches gemäß der „Siegerliteratur“ muß allein schon wegen dieser Auslandsfinanzierung und im weiteren wegen des „ethnischen Hintergrundes“ des NS-Führungszirkels nach den Morden anläßlich der sog. Röhm-Affäre (vgl. dazu u.a. „Adolf Hitler – Begründer Israels“ von Hennecke Kardel – auf dieser Homepage) völlig neu geschrieben werden, was zu einer weitgehenden Entlastung des deutschen Volkes (nicht ihrer machtausübenden Nazi-Verbrecher) und einer völlig anders gearteten Schuldzuweisung führen muß. Soweit die Warburgs es versucht haben, die „Beichte eines ‚Sydney‘ Warburg“ („De Geldbronnen van het Nationaal-Socialisme“) als Falsifikat erscheinen zu lassen, sind sie spätestens durch die unstreitig „echten“ Rakowski-Protokolle Lügen gestraft.

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Rakowski – Protokolle (5)

Ein wenig fundierter ist das Buch von Hans Werner Woltersdorf ‚Die Ideologie der neuen Weltordnung‘ mit dem Untertitel ‚Rakowski und die Protokolle der Weisen von Zion‘. Dabei scheint mir der Untertitel eine besondere Bedeutung zu haben, denn er macht verständlich, worauf der Verfasser herauswill. Dazu einige Erklärungen. Woltersdorf meint, daß die bereits erwähnten ‚Protokolle der Weisen von Zion‘ entgegen der vorherrschenden Meinung der Wissenschaftler echt sei, dieses jedoch verschwiegen und verheimlicht werde. Er schreibt, daß ein zweites Dokument diesen Beweis enthalte, das sogenannte ‚Rakowski-Protokoll‘, die Vernehmung eines Sowjet‑Botschafters, der 1938 als Trotzki-Anhänger zum Tode verurteilt werden sollte, und das im 2. Weltkrieg bei einem toten NKWD‑Arzt aufgefunden wurde. Der eingeweihte Rakowski offenbart laut Woltersdorf die Umsetzung der ‚Protokolle‘ in praktische Politik. „Damit erfährt die Weltgeschichte einen Navigator, dessen Wirkung bisher unbekannt war, oder unterdrückt wurde“ (S. 7).

Nach Woltersdorf sind es nun nicht mehr nur die Juden, sondern zusätzlich die Freimaurer, die nach einem teuflischen Plan die Welt in ihrem Sinne verändert haben und weiterhin verändern wollen. Die Ideologie der neuen ‚Weltordnung‘, der ‚Oneworld‘, belegt mit Zitaten aus den Protokollen, wird in seinem Buch dargelegt. Johannes Rogalla von Biberstein schreibt zu diesem Thema:

„Als die wichtigste neuzeitliche Ausprägung der Verschwörerthese müssen die sogenannten ‚Protokolle der Weisen von Zion‘ angesehen werden, in denen von einer diabolischen jüdisch‑freimaurerischen Verschwörung die Rede ist“.

Die hier vorliegende neuzeitliche Ausprägung der Verschwörungsthese findet begeisterte Unterstützung bei etlichen unserer Angreifer, z.B. im Buch Des Griffins „Wer regiert die Weit?“ Auch hier wird wieder deutlich, wie die freimaurerische Antithese durch gegenseitiges Abschreiben vertieft wird. Genutzt wurden neben anderen Autoren: Johannes Rotkranz, ‚Die kommende Diktatur der Humanität,‘ Des Griffins, ‚Die Herrscher‘, Konrad Lehrichs, ‚Der Tempel der Freimaurer‘. Woltersdorf schreibt:

„Zu Beginn unseres Jahrhunderts erschienen in der Europäischen Öffentlichkeit die ‚Protokolle der Weisen von Zion‘. Sie waren von Anfang an umstritten, wurden zeitweilig verboten und es fanden sogar Prozesse für die Glaubwürdigkeit in den 30er Jahren in der Schweiz statt. Überblickt man die politische und gesellschaftliche Entwicklung der letzten 100 Jahre, so ist man erschüttert über den hohen Grad des Eintreffens der Voraussagen und über die weltweite Anwendung der in diesen Protokollen empfohlenen Methoden der Zerstörung der Europäischen Staats‑ und Volkskulturen. Dieses Buch vergleicht die Kernaussagen der Protokolle mit der Wirklichkeit und dem Gang der politischen Umwälzungen, wobei immer wieder der Bezug zur Gegenwart hergestellt wird. Als Ergänzung werden die im 2. Weltkrieg in Rußland gefundenen Aussagen des ‚eingeweihten‘ Rakowski zu den Hintermännern der Politik und Drahtziehern der großen Kriege unserer Zeit vorgestellt und in ihren wichtigsten Aussagen abgehandelt. Dieses Buch zieht somit den Vorhang vor den Kulissen der Macht beiseite und verweist auf die wirklichen Zentren der Macht: Eine überzeugende Enthüllung eines der großen Geheimnsisse unserer Zeit“ (Klappentext).

Das neueste Buch von Hans W. Woltersdorf trägt den Titel ‚Hinter den Kulissen der Macht‘. Auf dem Schutzumschlag sind folgende Behauptungen zu lesen, die auch den Inhalt des Buches darstellen. Die Deutschen sollen demnach nicht wissen,

„… daß die Deutschen durch eine noch nie dagewesene Geschichtsfälschung zu einem Verbrechervolk abgestempelt und zu büßenden Vasallen gemacht werden,

… daß alle deutschen Tugenden, Traditionen und Sitten, Idealsmen und Nationalismen durch die Unkultur eines menschenfeindlichen Materialismus ersetzt werden,

… daß wir durch eine immer dreister werdende und wachsende Kriminalität in Angst und Schrecken versetzt werden,

… daß die Grenzen für Asylbetrüger geöffnet werden, um das Chaos einer Multikultur zu schaffen,

… daß die Regierung unzähliche Milliarden an ehemalige Feinde verschleudert, um das von ihr selbst und von den Medien immer wieder verteufelte deutsche Ansehen zu verbessern,

… daß unsere Souveränität, Nationalität und unsere Währung an ein anonymes Paneuropa abgetreten werden sollen,

… daß unsere Wirtschaft durch die Welthandelsorganisation der internationalen Hochfinanz ausgeliefert wird…“.

Das Fazit dieser Anschuldigungen lautet dann folgendermaßen:

„… das und noch vieles mehr sind keineswegs Fehlleistungen einer unfähigen Politik. Es ist die konsequente Fortsetzung eines langfristigen Planes, der mit der Inszenierung der beiden Weltkriege einen Höhepunkt erreicht hatte und nunmehr zielstrebig die als ‚Neue Weltordnung‘ getarnte Weltherrschaft ansteuert. Grundlage der heutigen deutschen Politik ist die Fälschung und Verteufelung der deutschen Vergangenheit. Die Wahrheit würde ihr den Boden entziehen.“

Durch das gesamte Buch zieht sich daraufhin die These, daß es nur wenige, im Hintergrund arbeitende Organisationen und Personen sind, die das Weltgeschehen mit der Macht des Geldes und über Fehl und Falschinformationen leiten:

„So wurde und wird eine ganze Ära verteufelt“, schreibt Woltersdorf, „und die Verteufelung wurde amtlich historisiert, und um alle Besserwisser mundtot zu machen, wurde die offizielle Geschichtsschreibung durch eine Reihe von Straf‑ bzw. Maulkorbgesetzen als Darstellung offenkundiger Tatsachen gesetzlich geschützt. Die so wundersam koordinierten Massenmedien der ganzen Welt unterdrücken einheitlich jeden Versuch der Revision.

Es bedarf nicht einmal eines besonderen Scharfblicks, um zu erkennen, daß unter dem Schutz dieses Sperrfeuers eine Weltpolitik heranreift, welche schon seit der Französischen Revolution auf den Fahnen des Kommunismus und Kapitalismus festgeschrieben war: die Internationale, die einheitliche Welt, die keine nationalen Kulturen und Interessen, keine Volksgrenzen, keine unterschiedlichen Völker und Rassen, keine Volkswirtschaften, keine staatseigenen Währungen und keine unterschiedlichen Religionen mehr gelten lassen wird.“ (S. 8).

Woltersdorf fährt dann fort: „Vom Sinn und Zweck der beiden Weltkriege, von der Verteufelung des Nationalsozialismus und aller Nationalismen und Idealismen zieht sich eine Blutspur als roter Faden über die Lichterkette gegen Rassismus, über die Verträge von Maastricht zur Währungsunion und GATT, über UNO und NATO zielstrebig hin zu der Neuen Weltordnung, hinter der sich nichts anderes verbirgt als eine Weltherrschaft. Coudenhove‑Kalergi forderte damals schon für Paneuropa: „Die Führer sollen die Juden stellen; denn eine gültige Vorsehung hat Europa eine neue Adelsrasse von Geistesgnaden geschenkt!“ (S. 9).

Natürlich stellt Woltersdorf in einem eigenen Kapitel die ‚Protokolle der Weisen von Zion‘ vor und bestätigt ‑ indem er sich auf sich selbst beruft ‑ deren Echtheit. Hauptstoßrichtung Woltersdorfs sind also die Juden. Die Freimaurerei wird von ihm dementsprechend erst an zweiter Stelle als Verschwörergruppe genannt. Hierzu schreibt er im Kapitel ‚Die Unterwanderung durch die Zionisten‘:

„Es wären die Steinmetze, die Kirchenbauer, die sich schon im Mittelalter international in den ‚Straßburger Bauhütten‘ zusammengeschlossen hatten, um gemeinsame bauhandwerkliche Muster zu erarbeiten. Hieraus bildeten sich 1717 In England und 1737 in Deutschland Logen mit geheimen Bräuchen, Zeichen und mystizistischen Ritualen. Es war der erstmals internationale Charakter einer Vereinigung, welcher die ebenfalls internationalen Zionisten anlockte, um sie zu unterwandern und damit eine weltweite Vernetzung zu betreiben. Auch hier wurden ‚Ethik, Humanität, Duldsamkeit und Gehorsam übernommen, während ‑ wie in den Protokollen der Weisen von Zion nachzulesen ist ‑ in Wahrheit die geheimen Führer über diese internationale Organisation ‚alle Geheimnisse dieser Welt erfahren‘. Heute kann man davon ausgehen, daß maßgebliche ‑ und auch unmaßgebliche ‑ Politiker der demokratischen Internationale einer der vielen Freimaurerlogen angehören und dort einen Gehorsams‑ und Geheimhaltungseid schwören, von dem sie auch dann nicht entbunden werden, wenn sie die Loge verlassen sollen.“ (S.13).

Auch in diesem Buch versucht Woltersdorf, auch in den weiteren Kapiteln, eine Widerlegung des ’nationalistischen Weltbildes‘, dessen Irrlehen« er den „Hintergrundmächten“ zuschreibt, die damit sowohl im „staatskapitalistischen Osten“ wie im „privatkapitalistischen Westen“ „die Methodik der Wissenschaft“ und „unsere Politik und Gesellschaft“ bestimmen (Bucheinlage).

Quelle: Angriffe gegen die deutsche Freimaurerei 1970 – 1995″ von Wolfgang Bittner, im Selbstverlag der freimaurerischen Forschungsgesellschaft QUATUOR CORONATI e. V., Bayreuth 1996, S. 171 ff

Anmerkungen: Bittner ist Freimaurer. Er schreibt aus dem eingeengten Horizont seines Logendaseins. Wer tatsächlich wissen will, was mit den Logenbrüdern los ist, wie sie umdeuten und verdrehen; niedermachen, wo ihnen die Argumente fehlen, der mag Bittners Buch lesen. Selbst ihren eigenen Brüdern präsentieren sie kritische Literatur nur scheibchenweise und dann auch noch mit häufig fehlerhaften Quellenangaben, so daß weitergehende Nachforschungen erschwert oder unmöglich werden (z.B. „Sigrist“ statt „Siegerist“, wenn es um den Autor geht, der behautet, Uwe Barschel sei Freimaurer gewesen und von ihnen umgebracht worden, weil er auspacken wollte).

Im übrigen wird hingewiesen auf die Beiträge „Freimaurer-Kritik“, „Rakowski-Protokolle (1) + (2) + (3)“, „Rakowski-Protokolle (Text)“ und „Zion-Protokolle“, alle auf dieser Homepage.

Das von Bittner zitierte Buch „Die These der Verschwörung 1776 – 1945“ von Johannes Rogalla von Bieberstein und das ähnliche Werk „Der antisemitische-antifreimaurerische Verschwörungsmythos in der Weimarer Republik und im NS-Staat“, von Armin Pfahl-Traughber, Wien 1993, sind zwar Kompendien mit unbestreitbar wissenschaftlichem Anspruch und umfangreichen Literaturverzeichnissen, können gleichwohl dem kritischen Leser nur unvollständig das Auftragsmotiv ihrer literarischen Tätigkeit verbergen. Die Tatsache, das der Nationalsozialismus von einer Verbrecherclique okkupiert wurde und der Umstand, daß die Eheleute Ludendorff auch so manches krudes Zeug geschrieben haben, führt nicht an der Tatsache vorbei, daß es zumindest seit Moses Mendelssohn und Adam Weishaupt eine im Kern kontinuierliche Verschwörung mit weltweiten Ambitionen gibt, an der auch Juden und Freimaurer beteiligt sind und waren. Wenn Logenbruder Bittner das nicht wahr haben will, mag er sich beispielsweise mit dem Hochgradfreimaurer auseinandersetzen, der Billy Clinton an der Universität im Fach „Geschichte“ unterrichtet hat (Prof. Carroll Quigley: „Tragedy and Hope“).

Wie gefährlich es allerdings sein kann, sich mit solchen Themen publizistisch zu befassen, bezeugt der nachfolgende Artikel von Herrn Woltersdorf:

Prozeß gegen das Buch

„Hinter den Kulissen der Macht ‑

Was die Deutschen nicht wissen sollen“

H. W. Woltersdorf

Das Buch wurde vom Kölner Verfassungsschutz aufgegriffen und mit dem Bemerken an die Koblenzer Staatsanwaltschaft weitergeleitet, daß es sich um ein antisemitisches Buch handele. Man zitierte als Beispiel das Kapitel „Die Macht des Kapitals“. Die Staatsanwaltschaft wurde aufgefordert zu prüfen, ob das Buch strafbare Tatbestände enthält. Man hat dieses Kapitel nicht zum Gegenstand der Anklage gemacht, weil darin enthaltene Prognosen sich inzwischen deutlich realisiert haben. Man zitierte dafür einige Passagen aus dem Kapitel „Was ist nun mit dem Holocaust“ und andere, um mir Volksverhetzung vorzuwerfen.

Eine mir bekannte Anwältin hat sich spontan für das Mandat der Verteidigung erboten. 8 Tage vor Prozeßbeginn (3. u. 8. Sept.) legte sie das Mandat nieder. Man hatte sie unter Druck gesetzt. 24 Stunden vor Beginn schickte man mir einen Pflichtverteidiger, der natürlich zur Sache gar keine Meinung hatte und nur bedeutungslose Phrasen für das Plädoyer aufsagte.

5 Monate vorher wurde vor dem gleichen Gericht Dr. Koll zu 10 Monaten ohne Bewährung verurteilt.

Ich habe dem Gericht meine umfangreiche Korrespondenz mit den Justizministern, dem Petitionsausschuß, mit v. Weizsäcker, Prof. Nolte, Frau Däubler‑Gmelin, Prof. Benz und anderen vorgelegt (Benz hatte im Fernsehen dafür plädiert, nicht mehr von Vergasungen zu sprechen). Immer wieder die Frage: Was ist offenkundig, und wo finde ich die Beweise oder Dokumente. Ich legte den Brief Genschers vor, in dem er nach einer Besichtigung in Ausschwitz erklärt hatte: „Auch ich weiß, daß es in Auschwitz keine Gaskammern gegeben hat.“ Außerdem ein Dokument des Internationalen Roten Kreuzes darüber, daß bei den Inspektionen in Auschwitz und anderen KZs keine Gaskammern festgestellt wurden. Man hörte sich alles an, nahm es aber nicht zur Kenntnis. Auch der von mir vorgelegte Freispruch des Amberger Landgerichts v. 23. 4. 1977 wurde als hier nicht anwendbar abgelehnt, weil der Beklagte sich nur an einen begrenzten Personenkreis gerichtet hatte.

Man mußte wegen der Offenkundigkeit verurteilen. Unter Berücksichtigung der Strafe wegen des Buches „Die Ideologie der neuen Weltordnung“ zog man beides zu einer Gesamtstrafe von 9 Monaten auf Bewährung und DM 5.000 Buße zusammen.

Die längst widerlegte ‑ und auch von den Gerichten gar nicht verteidigte Offenkundigkeit zwingt die Gerichte immer noch zu einer Verurteilung, selbst wenn der Text trotz Manipulation weder eine Auschwitzlüge noch eine Volksverhetzung im einzelnen ausweist.

Anmerkung: Die Rechtslage gebietet es, darauf hinzuweisen, daß während der Naziherrschaft etwa 5 – 6 Millionen Juden (allerdings auch – was oft vergessen wird – über 20 Millionen Sowjetbürger) einen gewaltsamen, oft grausamen Tod gestorben sind. In dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau sind etwa eine Millionen Juden umgekommen, überwiegend durch Vergasung. Die ursprünglich innerhalb der Gedenkstätte Auschwitz angeschlagene Opferzahl hat sich als erheblich zu hoch herausgestellt. Nach Freigabe der Sterbebücher durch Rußland haben insbesondere auch polnische Wissenschaftler zur Aufklärung der Schicksale beigetragen. Im übrigen: ein einziger ermorderter Jude, Pole, Zigeuner oder Russe wäre schon einer zuviel gewesen.

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Rakowski-Protokolle (6)

Red Symphony

Two Accounts

In Spain in the 1960’s one of the most enigmatic books about worldwide revolution, The Red Symphony, went through dozens of editions. The book was based on the notes of one Dr. Landovsky, an NKVD doctor at the trials of the 1930’s. The author, a narcotics specialist, was „mobilized“ into the state security organs, where his inventions were used to „loosen the tongues“ of important suspects. Landovsky’s notebooks reveal the secret of why so many of the absurd confessions of the accused in these trials seemed so „sincere“ even to foreign observers (Feichtwanger and others): The suspects were under the influence of drugs.

But the main value of these notes are those bits of evidence which never came out in the trials. Landovsky was present at the interrogations of the well-known Bolshevik Christian Rakovsky and helped record and translate the court stenograms. (In the interests of security the interrogations were carried out in French, a language unintelligible to the majority of Chekists.)

The accused was a colorful and significant figure in the worldwide Communist movement. His true nationality remains unknown: According to official record he was born in Northern Dobruge, a part of Bulgaria before the First World War which later went over to Romania. According to other sources he came into the world as Chaim Rakover in a Jewish village in Bessarabia where he lived until the age of 18, later fleeing to Romania to avoid Tsarist military service. Rakovsky was the very model of a revolutionary-cosmopolite: He started out as an activist in the Bulgarian Social-Democrats and later became a leader of the Romanian anarchists. (Together with his comrade-in-arms Anna Pauker he planned and carried out terrorist acts against government officials.) Later he gadded about Europe until the revolutionary storm struck in Russia, carrying him away to the Ukraine where he ended up in the post of representative of the Soviet People’s Commissariat. He found the time to work in the Comintern and finished his career as Soviet ambassador in Paris.

Rakovsky recounted stunning facts to Stalin’s investigators. The Bolsheviks and the Comintern worked hand in hand with the international bankers. The latter, just like the Marxists, sought to destroy all national borders and establish a worldwide dictatorship — not a proletarian one, true, but a financial oligarchy. At the given moment, however, the goals of the two groups coincided. (It was with this aim that the bankers, among them Jewish ones, supported Hitler.) Russia, with its conservative-monarchical regime presented itself as a certain obstacle to their plans, on the one hand, and an enormous social testing ground, on the other. Trotsky enjoyed the confidence of the masters of the „interest spiderweb“, the Schiffs, Warburgs and other international super-financiers, who placed at his disposal enormous sums. Kerensky, according to Rakovsky, was also one of the bankers‘ agents who yielded power to his „higher-ups“ when they requested him to. Therefore „Red Leon“ became from the start practically the complete master of Russia and the Bolshevik Party.

Any attempts on the part of anyone else to occupy that role were decisively cut short. When Lenin began to exhibit excessive independence and make claims to real power Trotsky organized (through the Cheka) the Left Social-Revolutionary putsch and then the Fanny Kaplan assassination attempt, as a result of which Vladimir Ilyich was once again put in his place. But the main achievement of the „permanent revolutionary“ was the formation of the Red Army. As soon as he took charge of the War Commissariat and the Revolutionary War Soviet, uniforms and ammunition appeared as if by magic, and the Reds began to prevail over the Whites. The secret depositions of the former Paris ambassador confirmed that this breakthrough was the result not only of financing on the part of Lev Davidovich’s international friends, but also the activities of agents of those very same friends within the ranks of the Whites.

Rakovsky’s testimony, though it differs from most of the well-known historical versions of events, is nonetheless confirmed by a whole series of sources. For example, the fact that the White government was formed of „allies“ from among the Masons was accepted as fact by the well-known writer Roman Gul. The support given by Wall Street magnates to Hitler was confirmed later, after the end of the Second World War. Other details are also worthy of attention: for example the fleeting reference in the text of The Red Symphony to „your acquaintance Navachin“, a garbled translation from Spanish of Dmitry Navashin (with whom Rakovsky was indeed acquainted), the director of the Franco-Soviet Bank, the safekeeper of Trotsky’s funds and a leading Mason. (He was killed in 1935 near Paris in unexplained circumstances. The spouse of the deceased declared in a „Paris-Soir“ interview: „They killed my husband because he knew too much. He was the victim of powerful, worldwide occult forces.“)

As far as Trotsky’s ties to the world financial elite are concerned, they were well-known long before the publication of The Red Symphony. In 1919 the French government received from its informer in Washington a detailed report (1618-6 No. 912), where „Red Leon’s“ New York banker-sponsors were listed. It was noted that Trotsky established his connections with the financiers after his marriage to the daughter of banker Abram Zhivotovsky. One of the main financiers of the Revolution Felix Warburg compromised himself to such a degree by his connections with the Bolsheviks that it was decided to remove him from the US Federal Reserve Board, in order to „cover the traces“ of American bankers‘ ties to the Russian Revolution.

According to French intelligence sources Trotsky entered the inner family circle of the banking world. It’s also no secret that the Jewish financial group which aided the Revolution was in fact a tighly-knit family clan, to which not only Christians but simple Jews were barred access. The Dreyfuses, Lazards, Schiffs and Warburgs arranged marriages only among themselves, creating a privileged group within Jewry which even bore specific ethnic characteristics. And over the course of two centuries the Rothschild dynasty perpetuated itself exclusively through close-relative marriages. Regarding this the Israeli writer Hannah Arendt wrote: „Jewish banking capital became international, united through intersecting marriages, and turned into a real international caste… What could be a more convincing illustration of the fantastic conception of a worldwide Jewish government than the Rothschild family, uniting citizens of five different governments the separate conflicts of which didn’t affect the interests of their respective state banks even for a moment!“

Rakovsky’s seemingly paradoxical explanation of the bankers‘ desire to control world revolution „by unflinching will and complete control, which is impossible under capitalist democracy“ finds confirmation in the works of many philosophers and psychologists. They assert that those individuals who’ve achieved world financial dominance possess not only superhuman stubbornness, but dangerous and destructive complexes as well. By the way, the American founding father Benjamin Franklin noted long ago: „There are two passions which have a powerful influence on human affairs: love of power and love of money . . .. When they are united . . . they produce the most frightful outcomes.“ (I can’t avoid illustrating these words with a quote from the Roman newspaper Tempo, which characterizes Roberto Calvi, the financial genius of the Italian „P-2“ lodge: „They called him ‚the banker with the frozen eyes‘. He possessed a cold, algebraic mind and an unfeeling heart incapable of emotion. He was a bookkeeper of millions, dispassionate and unsmiling. He thirsted only for power. For more than three decades he cultivated this feeling in himself with maniacal stubbornness.“

Other investigators (and I cite Alexander Dugin) „portray the participants in the ‚bankers‘ conspiracy‘ as more than simply vicious individuals, concentrations of perversions and passions, but assert that the ‚worldwide banking brotherhood‘ consists of a special type of being, referred to in the Old Testament as ’sheddim‘, the result of an extraordinary mutation.“ However, let’s not delve too deeply into biology and psychopathology. The main thing is that Rakovsky was not alone in his conclusions.

„Communism is simply a front for something deeper“, wrote the American Ralph Epperson. „Communism is not the revolt of the poor, but the secret conspiracy of the rich. The international conspiracy arises not in Moscow but in New York.“ (See: Ralph Epperson. The Hidden Hand. St. Petersburg, 1996, p.103)

The same assertion appears in his book Where England is Going (1927, England). After stating that the Comintern is a conservative organization compared to the stock exchange in New York, he asks: „Who’s driving England toward revolution? Not Moscow, but New York“.

It’s interesting that the West tried to save the most important suspects in the Moscow trials of 1936-1938. It was with this end that Leon Feichtwanger, writer and leading „B’nai B’rith“ member, came to Moscow to have a visit with Stalin. The American ambassador Davis was present at the Rakovsky trial and made enigmatic Masonic gestures to the accused. Finally, on the eve of the verdict a mysterious powerful radio station in the West transmitted the following phrase several times in a row: „Pardon, or else the Nazi threat will increase.“ Pardon was not forthcoming. And on the last day of the trial (March 12, 1938) Hitler’s forces entered Austria, effecting the Anschluss.

Nonetheless, a certain „consensus“ must have been achieved: Feichtwanger, upon returning to the West, wrote a book where he expressed approval of the Moscow trials, and entered his own verdict: justice had been served. According to certain sources Radek and Rakovsky were never executed, unlike the others, and lived out their years under assumed names after serving short sentences. However, we may never know the truth…

The nature of the „bankers‘ Internationale“ darkly hinted at by Rakovsky was clarified by later investigations (more than ten books which came out in the 60’s and 70’s) of American professor Anthony Sutton. By complete accident a sheet of paper fell into his hands containing a list of members of a certain secret organization who occupied key positions in the American establishment. Over the course of several years Sutton gradually uncovered the structure of the organization (which he called the Order), and discovered that it exerted enormous influence on American political and economic life. What’s more, it turned out that the Order controls the US educational system, by means of which the worldview of the youth is formed, many cultural establishments and even the church. Even more important are the international activities of the secret union: It financed the two major political movements of the 20th Century – the Bolsheviks and the Nazis – helped them attain and hold power, and then brought them into conflict. During the course of the war the major corporations represented by the Order made astronomical profits, weakened the governmental institutions of the major European powers and drew nearer to their ultimate goal: the creation of a „new world order“, where the Order will play the leading role.

The wealthiest American families are Order members: the Rockefellers, Davidsons, Paynes and Harrimans, who control major financial centers and leading fields of industry. The Order created its own funds and think tanks, its own research, consultative and power structures. In his book The Secret Cult of the Order, Sutton traced the occult traditions of an organization arising (as Rakovsky also asserted) from the Illuminati. It’s curious that the symbolism of the „skull and bones“, with its connotations of death and destruction, appeared simultaneously on the uniforms of the Nazi SS and in the name of the Order’s affiliate at Yale University from which George Bush, future head of the CIA and US President, emerged. The „philosophical“ strategy: to bring „thesis“ and „antithesis“ into conflict to achieve the desired „synthesis“, was based on the ancient methodology of secret societies „enriched“ by the Hegelian dialectic of the Order’s founder, J.P. Morgan. (By the way, this „dialectic“ was discussed in The Red Symphony.)

Sutton’s hypotheses are in accord not only with Rakovsky’s testimony, but also with the investigations of a certain secret American-Nazi organization which existed during the Second World War. (More about that later.) The existence of a secret Order striving for world dominion was confirmed in an interview conducted by conspirologist A. Dugin with a high-placed Mason, Brother Marcion, who named the „Memphis-Mizraim“ society, about which little is known (for example, that it contains 90 or 99 degrees of initiation).

Maybe the two organizations are one and the same, maybe not. Rakovsky speaks of a conspiracy composed primarily of Jewish bankers. The „Memphis-Mizraim“ order was also founded (in the middle of the 19th Century in France) by the rich Jewish brothers Bedarid.

Membership in this organization has been ascribed to various people of the most various nationalities, from the founder of theosophy Helena Blavatsky to Trotsky.

Christian G. Rakovsky, a founding member of Communism in the U.S.S.R., and who later was the Soviet Ambassador to Paris, became a victim of Stalin’s purges and the show-trials of 1938. His importance in world events was described by Leon Trotzky, Lenin’s comrade and Minister of Defense in the Bolshevik government, in My Life, An Attempt at an Autobiography (Pengui Books, Ltd., c. 1928):

„Christian G. Rakovsky is, internationally, one of the best known figures in the European Sodalist involvement. A Bulgarian by birth, . . . he is a Roumanian subject by dint of the Balkan map, a French physician by education, a Russian by connections, by sympathies and literary work. He speaks all the Bal kan and four European languages; he has at various times played an active part in the inner workings of four Socialist parties – the Bulgarian, Russian, French and Romanian — to become eventually one of the leaders of the Soviet Federation, a founder of the Communist Intemational, President of the Ukrainian Soviet of People’s Commissaries, and the diplomatic Soviet representative in England and France — only to share finally the fate of all the ‚left‘ opposition. Rakovsky’s personal traits, his broad international outlook, his profound nobility of character, have made him particularly odious to Stalin, who personifies the exact opposite.“

While in prison, Rakovsky was interviewed by Stalin’s foreign agent, Gavriil G. Kusmin (known as Gabriel). During the interview, Rakovsky revealed an astounding and convincing plan for starting World War II, which Stalin accepted. Based on this information, Stalin freed Rakovsky. The interview was witnessed by Dr. Joseé Landowsky, a Russianized Pole who lived in Moscow. The questioning took place in French and Dr. Landowsky was asked to translate it into Russian. Besides a copy he made for himself, the original document will be found in the Russian Archives. The interview was taken from a Spanish book La Lucha Por El Poder Mundial and was translated into English by George Knupffe. The English translation can be found in the book Red Symphony by J. Landowsky, (London: The Plain Speaker Publishing Co., 43 Bath Road, W6). The following summary is based on the excerpts in Toward World Government, New World Order, by Deirdre Manifold and edited by Cornelia R. Ferreira, Toronto: Canisius Books, 1993, pp. 26-52. In the paragraphs below, statements in double quotes are made by Rakovsky except otherwise indicated.

The plan proposed by Rakovsky was made in 1938 before the World War II started in 1939 and was literally accomplished. The plan reveals that:

1. 1. The First Communist International was Adam Weishaupt who was connected to the House of Rothschild.

2. 2. Karl Marx and the highest chiefs of that First Communist International were controlled by Baron Lionel Rothschild.

3. 3. The House of Rothschild was among the Financial International (henceforth, FI) which created the Revolutionary International: „to create with the help of Capitalism, acumulation of the highest degree, to push the proletariat towards strikes, to sow hopelessness, and at the same time to create an organization which must unite proletarians with the purpose of driving them into revolution. This is to write the most majestic chapter of history.“ The mother of five Rothschild brothers remarked: „If my sons want it, then there will be no war.“ In Rakovsky’s words: „This means that they were the arbiters of peace and war, but not emperors . . . . Is not war already revolutionary function? War — the Commune. Since that time every war was a giant step towards Communism . . . .“

4. 4. The Financial International through Jacob Schiff, an agent of the House of Rothschild, financed Japan in the Russo-Japanese War in which Russia was defeated. This defeat called forth the revolution in 1905 which laid political conditions for the Bolshevik victory in 1917.

5. 5. Trotzky was among the people behind the assassination of Austrian Archduke Ferdinand which provoked the First World War. The defeats of the Tsar’s army was organized by the FI. Trotzky, more than Lenin, was collaborator of the FI which ordered Kerensky to surrender the State to Communism. The Bolsheviks took that which the FI gave them. Communism was indebted to Kerensky much more than to Lenin.

6. 6. The FI financed the October Revolution, Rakovsky said, „in particular through those same bankers who had financed Japan in 1905, i.e., Jacob Schiff and the brothers Warburg; that means through the great banking constellations, through one of the five banks who are members of the Federal Reserve, through the bank of Kuhn, Loeb and Co. . . . also other American and European bankers, such as Guggenheim, Hanquer, Breitung, Aschber, the ‚Nye-Banken‘ of Stockholm. I was there „by chance,“ there in Stockholm, and participated in the transmission of funds. Until Trotzky arrived, I was the only person who was an intermediary from the revolutionary side.“

7. 7. The FI arranged for Lenin and Trotzky to pass freely through all the Allied control.

8. 8. Masonry was involved in the Bolshevik Revolution.

9. 9. The Versaills Treaty and The League of Nations served as a revolutionary pre-condition. The Versailles Treaty was designed to create preconditions for the proletariatization of Germany, for unemployment and hunger, as the result of which the Communist Revolution in Germany should have triumphed.

10. 10. The FI wanted Trotzky to be the dictator of U.S.S.R. instead of Stalin so that the FI would be the chiefs of International Communism. The absolute dictatorship of Stalin was too much for the FI to bear. They considered he had become another Tsar. His main sin was to subject the revolution to the State instead of the State to the Revolution. But the FI was afraid that if Stalin was destroyed, Communism could be destroyed with him.

11. 11. To destroy the Bourgeois States, war is necessary. But war should not be waged against U.S.S.R.

12. 12. So the solution to this problem was for the FI to finance Hitler rise to power. The Warburgs were sent as Ambassadors to Hitler and agreed to finance the National Socialist Party, and the latter received in a couple of years millions of dollars, sent to it from Wall Street, and millions of marks from German financiers through Schacht. However, Hitler violated the rule: he took over for himself the privilege of manufacturing money, and not only physical monies, but also financial ones. Thus Hitler was slated for destruction together with the Bourgeois States.

13. 13. The other two reasons for war are nationalism and Christianity. Rakovsky stated, „In reality, Christianity is our only real enemy.“

14. 14. „Every sincere Communist imitating his idol Lenin, and the greatest revolutionary strategists must always wish for war. Nothing is so effective in bringing nearer the victory of revolution as war. This is a Marxist-Leninist dogma.“

15. 15. The aim is to force Hitler to advance westward against the Allied all of whom were Christian countries instead of eastward. The FI will make sure that the Allied declares only on Hitler and not the U.S.S.R. On the contrary, the U.S.S.R ought to be helped. The U.S. will not enter the war if it is not attacked. „But U.S. rulers can arrange that they will be attacked. The aggression against America can be invented. The Capitalistic States will destroy each other if one brings about a clash of their two wings: the fascist and the bourgeois.“

16. 16. „There is only one aim, one single aim: the triumph of Communism. It is not Moscow which will impose its will on the democratic States, but New York; not the ‚Comintern,‘ but the ‚Capintern‘ on Wall Street.“ In the war, the democratic states and the fascist state will be exhausted but U.S.S.R. will gain strength. „Who other than he could have been able to impose on Europe such an obvious and absolute contradiction? What force can lead it towards complete suicide?Only one force is able to do this: money. Money is power and the sole power.“

17. 17. „The stock market crash on October 24, 1929 was more important for the revolution than the October Revolution. It was called a real revolution“ since it started the great depression. Rakovsky says: „The four years of the government of Hoover are years of revolutionary progress: twelve and fifteen million on strike. In February, 1933, there takes place the last stroke of the crisis with the closing of the banks. It is difficult to do more than Capital did in order to break the „classical American,“ who was still on his industrial bases, and in the economic respect, enslaved by Wall Street…. the four years of the rule of Hoover were used for the preparation of the seizure of power in the United States and the U.S.S.R.; there, by means of a financial revolution, and here, with the help of war and the defeat which was to follow . . . . You can understand that the execution of the plan on such a scale requires a special man, who can direct the executive power in the United States, who has been predetermined to be the organizing and deciding force. That man was Franklin and Eleanor Roosevelt. And permit me to say that this two-sexed being is not simply irony. He had to avoid any possible Delilah.“

18. 18. You will see for example the paradoxical pnenomenon that a whole crowd of people, enemies of Stalin, will help him — no, they will not necessarily be proletarians, nor will they be professional spies. There will appear influential persons at all levels of society, even very high ones, who will help the Stalinist formal Communism when it becomes, if not real, then at least objective Communism. . . . In Moscow there is Communism, in New York, Capitalism. It is all the same as a thesis and anti-thesis. Analyze both. Moscow is subjective Communism, but (objective State) Capitalism. New York: Capitalisem subjective, but Communism objective. A personal synthesis, truth: the Financial International, the Capitalist-Communist one – „They.“

19. 19. Before the trial of Rakovsky on March 11, 1938, U.S. Ambassador Davis hinted that much would be gained in the public opinion in America if an amnesty for Rakovsky was effected. The Ambassador attended the trial which the court in the end declared that Rakovsky did not involve in any plot against the State. After he was released, Rakovsky confessed that he made a secret sign of Masonic greeting to Davis.

All events that followed after this interview in 1938 occurred as though they were acted out of a movie script. Professor Antony C. Sutton in his book Wall Street and the Rise of Hitler (Seal Beach, CA: ’76 Press, 1976) proves conclusively that the American financiers provided the money and mateériel to Hitler to launch World War II. That the international bankers participated in the financing of the Bolshevik revolution as documented by his book Wall Street and The Bolshevik Revolution (Rochelle, NY: Arlington House, 1981) together with other data provided by other authors cannot be questioned. In addition, Sutton in his monumental 3 volumes Western Technology and Soviet Economic Development 1917-1965 (Stanford, California: Hoover Institution Press, 1973) demonstrates beyond a reasonable doubt that all the technology, the know-how, much of the raw material and most of the funds to build the industrial and military machine with which the U.S.S.R. threatened the free world came from the U.S. That menacing military machine could well have been stamped: „Made in the U.S.A.“

Quelle: http://www.acts1711/red_symphony.htm (farbliche Hervorhebungen wurden entfernt)

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