Napoléon und die Pocken

Napoléon und die Pocken

von Xavier Riaud

http://www.histoire-medecine.fr/napoleon-et-la-medecine-article-napoleon-et-la-variole.php

Entgegen der allgemein verbreiteten Meinung, hat Napoleon, trotz seiner Begeisterung für Impfungen, niemals versucht Zwangsimpfungen durchzusetzen.

Am 11. Mai 1800 wird das zentrale Impfkomitee gegründet.

Bereits 1804 gründet Napoléon die Gesellschaft zur Ausrottung der Pocken durch Verbreitung von Impfungen.

Sofort wird ein Komitee von 16 Mitgliedern zusammengesetzt (Lemaire, 1992 & 2003).

Diese Institution setzt sich zum Ziel, lokale Standorte zu begründen und in jedem Département Infrastrukturen einzurichten, in denen die Bevölkerung geimpft werden sollte.

Regelmäßige Berichte müssen dem Innenministerium übermittelt werden. Präsident ist Guillotin, Sekretär ist Husson. Die übrigen Mitglieder sind Pinel, Corvisart, Thouret, Leroux, Hallé, Fourcroy, Bertholet, Chaptal, Delessert, Cuvier, Frochot, Lacépède und La Rochefoucault-Liancourt. Trotz solider Unterstützungen verfügt dieses Komitee über wenig Mittel. (Lemaire, 1992 & 2003). Dennoch wird 1809 die erste Impfanordnung erlassen. Dem Komitee wird ein jährliches Budgetfür die Organisation der Impfprogramme auf Departementebene, die Remuneration der Impfbeauftragten (meist „Gesundheitsoffiziere“ (1), den Erwerb des notwendigen Materials und die Einrichtung von 25 Lagerungs- und Konservierungsstellen des Impfstoffes zugesprochen.

Doch widerspricht diese Maßnahme der religiösen Überzeugung des Klerus und stößt auf die Ablehnung der Verwaltung der Pariser Hospizen. (Lemaire, 1992 & 2003).

In der Armee impft Desgenettes selbst seinen eigenen Sohn. Zu diesem Anlaß betreibt Napoléon einen regelrechten Medienrummel. 1806, verfassen Coste und Percy einen Bericht, der sämtlichen Militärstäben übermittelt wird. Doch da er von keinen besondere Bestimmungen begleitet wurde, blieb dieser Schritt wirkungslos.

Anfang 1806 wurden 2066 Soldaten geimpft. Die Wirkung zeigt sich nur bei 755 von ihnen. Nach der Abdankung (1814) verdreifacht sich zwar diese Zahl, doch im Hinblick auf die riesigen Effektivbestände der Grande Armée, war sie immer noch bedeutungslos. (Lemaire, 1992 & 2003).

Der König von Rom

(Napoléon II, Sohn Napoléons u. Marie-Louise von Österreich)

Am 11. Mai 1811 lässtNapoléon seinen eigenen Sohn, den König von Rom, von Husson in seiner Anwesenheit impfen. Die Präfekten nutzten diese Geste als Werbung und erzielten sehr überzeugende Ergebnisse. In den letzten 5 Jahren des Empire, war in der Hälfte der Départements Frankreichs jedes zweite Kind geimpft. Die Ergebnisse sind so gut, dass die Krankheit deutlich zurückweicht und die Zahl der Erkrankten, im Vergleich zum Jahr 1789, stark sinkt. (Lemaire, 1992 & 2003).

Joseph Ignace Guillotin

(Erfinder der guillotine)

Ab 1799 setzt sich Joseph Ignace Guillotin (1738-1814) [Erfinder der Guillotine A.d.Ü] aktiv für systematische Impfkampagnen ein.

Auf der ständigen Suche, übernimmt er 1800 das Präsidium des Zentralen Impfkomitees und erlangt in diesen Belangen 1804 die Unterstützung des damaligen Papstes Pius VII.

Im Vorfeld hatte Guillotin durch Joséphine de Beauharnais (2) eine Audienz bei Bonaparte erhalten, den er auf die Wohltat der Pockenimpfung angesprochen hatte. Lt Gourdol (b) 2010): „Mai 1805 erhält Guillotin die Unterstützung von Parmentier (3), der die Pockenimpflicht, sowohl bei der Zivilbevölkerung als auchden Soldaten der Grande Armée bis 1813 aufzwingt. Dr. Larreyy bewerkstelligte voller Hingabe die breit angelegte Impfung des Kaisers Soldaten. Napoléon ließ seinen Sohn am 11. Mai 1811 impfen“.

Nicolas Heurteloup (1750-1812) veröffentlichte einen Bericht über das Impfprogramm im Krankenhaus von Mailand im Jahre 1801 (Dupont 1999).

Jean-Noel Hallé (1754-1822) setzt sich aktiv für eine Präventivmedizin ein. Er veröffentlicht 1800 einen Bericht über die Impfung im Institut (4), der einen Überblick über die Einrichtung bildet, dem ein zweiter Bericht über die realisierten Kampagnen auf französischem Boden folgt (Autor unbekannt, 1823). 1827 wird er dann nach Italien bestellt um eine Impfkampagne in der Region von Lucca (Toskana) zu organisieren.

Antoine Augustin Parmentier

Ab 1802, führt Antoine Augustin Parmentier, erster Pharmazeut der Grande Armée (1737-1813), die ersten Impfexperimente in seiner Wohnung durch. Er setzt sich dafür ein, dass die sozial Benachteiligsten die Impfung bekommen können und dass Impfzentren in jedem Département eingerichtet werden (Meylemans, 2010). Von 1805 bis 1813 beteiligt er sich aktiv, zusammen mit den Ärzten Pinel und Guillotin an den Pockenimpfkampagnen, die bereits ab 1799 mit Unterstützung von

Bonaparte unternommen wurden (Gourdol (a), 2010).

Auf Empfehlung von Berthier, ernennt Bonaparte Jean-François Coste zum Chefarzt der Grande Armée. Coste arbeitet an der Front: Austerlitz (1805), Iéna (1806) und Eylau (1807), wo er sich verausgabt um seine Ansichten zu verteidigen. Im Lager von Boulogne, zwingt er den Soldaten die Pockenimpfung auf, unter Beachtung größter Vorsicht, indem er die Einhaltung strikter Hygienemaßnahmen mit Nachdruck empfiehlt. Dennoch, aufgrund der notdürftig eingerichteten Krankenlager, der behördlich angeordneten Rationierungen und der stets tödlicheren Schlachten, geraten seine Ratschläge in Vergessenheit. (Lemaire 1992, 1997, 2003).

Nicolas Deyeux, (1747-1837), erster Pharmazeut des Kaisers, kümmert sich am 31. Mai 1811 aktiv um den König von Rom, der am 11. desselben Monates geimpft worden war (Coquillard, 2009).

Edme Joachim Bourdois de la Motte (1754-1835), enger Freund von Bonaparte und erster Arzt des Königs von Rome hatte immer größtes Interesse an den Pockenimpfungsversuchen gezeigt. 1818 tritt er einer neu entstandenen Gesellschaft bei, der Gesellschaft für die Ausrottung der Pocken durch Verbreitung der Impfung bei undwird Präsident des Zentralen Impfkomitees. Er schafft es sogar 1831 von seinem Freund Talleyrand, der inzwischen Botschafter in London war, einige Muster der Impfung zu bekommen, an welchen esFrankreich schmerzlich mangelte (Coquillard, 2009).

Bourdois de la Motte setzte das Werk von Napoléon fort, der nicht mehr dazu kam, das Gesetz zur Zwangsimpfung zu erlassen (Lemaire 1992 & 2003).

http://www.histoire-medecine.fr/napoleon-et-la-medecine-article-napoleon-et-la-variole.php

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Bibliographie: (Lässt sich aus dem Original nicht kopieren – A.d.Ü)

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Fußnoten:

1. „Gesundheitsoffiziere“. Als „officier de santé“ bezeichnete man in Frankreich ab dem 10. März 1803 eine Person, die den Beruf der Medizin ohne den Titel des Doktors der Medizin ausübte. (Dieser Titel beizeichnete auch die Militärärzte).

Diese Personen bekamen ein lokales Diplom, der ihre bereits vorhandene Praxis approbierte. Diese „Gesundheitsoffiziere“ spendeten im Auftrag des Staates kostenlose, jährliche medizinische Dienste (Hausbesuche) an Kinder, Greise, und die Armen (2 Anordnungen 1793). Sie durften weder in Krankenhäusern noch als Experten tätig sein.

Diese sehr „moderne“ Lösung sorgte für Verwirrung in der Bevölkerung und löste Scharlatanismus aus).

Die „Gesundheitsoffiziere“ wurden 1892 aufgelassen. Die Bezeichnung wurde für Militärärzte beibehalten.

2. Joséphine de Beauharnais war die erste Frau von Napoléon.

https://de.wikipedia.org/wiki/Jos%C3%A9phine_de_Beauharnais

3. Antoine Augustin Parmentier

https://de.wikipedia.org/wiki/Antoine_Parmentier

4. Damit ist das Institut National bzw. „Institut de France“ gemeint.

https://de.wikipedia.org/wiki/Institut_de_France

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Übersetzung Christine Côte

Korrekturlesen Claudia Millwisch

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Danke Gunst für diese Ergänzung,

in welcher ich die Geschichte zu Edward Jenners Sohn bemerkenswert finde, sowie seine eigene Aussage zum Thema Impfen:

Ich weiß nicht, ob ich nicht doch einen furchtbaren Fehler gemacht habe und etwas Ungeheures geschaffen habe.“

https://www.regenbogenkreis.de/blog/ganzheitliches-leben/die-geschichte-der-impfungen-die-erfinder-und-entdecker-teil-2

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