Woher kommt der Begriff Kirche?

Kirche Etymologisch umstrittener Begriff:

kirche, f. ecclesia, alem. kilche, chilche; mhd. kirche (kilche), ahd. chirihhâ, chilihhâ, dann chircha, chilecha, chilcha; alts. kirika, kerika, mnd. mnl. kerke, nnl. kerk, nnd. kerke (Schambach), meist karke, kark, wie auch md. volksm. kerche und karche (vgl. unter kellnermeister); ags. cyrice, cirice, cyrce, circe, altengl. chirche, chyrche, cherche, churche, engl. church, schott. und nordengl. noch kirk, kerk; altfries. szereke, szurke, tziurk, tzierka, karka; altn. kirkia, altschw. isl. kyrkia, kirkia, schwed. kyrka, dän. kirke; auch finn. kirkko, ehstn. kirrik, kirk, kerk, preusz. kîrkis, und altsl. cr“ky f., russ. cerkov‘, poln. cerkiew (nur von der griech. kirche), böhm. církev, oberwend. cyrkwja, niederwend. zerkwja, slov. cerkva.
I.Herkunft und formen.

1)die herkunft ist viel bestritten, fremd ist es jedenfalls, zu uns gebracht mit dem christenthum. J. Grimm gramm. 3, 156 war für entstehung aus lat. circus (wie schon J. Lipsius u. a.), das früh bei uns auftritt als chirih, chirch u. ä.; sachlich sprach dafür eine glosse bei Kero ‚ûʒʒana chirih foris oratorio‚, die ist aber berichtigt von Hattemer 1, 94 in ûʒʒana chirihhûn.

2)jetzt ist man ziemlich allgemein entschieden für die alte ableitung von einem griech. worte in der kirchensprache, κυριακόν (eig. haus des herrn, wie βασιλική, basilica, königshaus), im 4. jh. schon geläufig für die christlichen kirchengebäude, wie κύριος nach biblischem vorgang für gott und Christus, κυριακή dominica für sonntag. s. besonders die untersuchung von H. S. Jacobson kirchenrechtliche versuche 1, 58 ff. und Weigand wörterb. der d. synon. 2. ausg. nr. 1068. das gr. wort stimmt mit seinem inhalt und, von ein paar unbedeutenden anstöszen abgesehen, auch mit seiner form so trefflich zu dem deutschen worte, dasz alle andern versuche davor zurücktreten müssen. kirche ist so gewiss von κυριακόν, wie das später selbständig entlehnte slav. wort.

3)die anstösze in der form sind zuerst der wechsel des geschlechtes. R. v. Raumer in Haupts zeitschr. 6, 412 erklärte ihn – [Bd. 11, Sp. 791] aus dem gothischen, wo zwar das fragliche wort nicht bezeugt ist, nur aikklêsjô (ἐκκλησία), aber auch diesz sicher nur von der versammlung; wenn dagegen κυριακόν daneben für das gotteshaus aufgenommen war, wäre es wol ein schwaches fem. geworden, wie εὐαγγέλιον aivaggêljô wurde. Weigand a. a. o. weist aber denselben wechsel zwischen dem lat. (gr.) und deutschen nach, dasz neutra ahd. fem. werden, z. b. organum ahd. organâ, orgel, martyrium ahd. martyra, marter. übrigens wird auch κυριακή als kirche gefunden, nur zu spät. Der andere anstosz ist die frage nach dem verbleiben des gr. α. das gr. wort muszte in deutschem munde zunächst zu kírjakâ werden, das a aber sich schwächen zu i, wie z. b. in munister aus urspr. monaster monasterium Graff 2, 805 (s. auch kirsche); vielleicht meint das ‚chiriihha‘ im Isidor 9, 4 u. ö. chirjihhâ, nicht chirîhhâ? das rj muszte aber auch zu rr werden, kann das kyrrica unter 5 ein rest davon sein? und läszt das merkw. î in ‚chîlicha‘ sich als rückwirkung des schwindenden j fassen? als ersatzdehnung, wie im griech.?

4)schwieriger und wichtiger ist aber die sachliche frage, wie kamen die Deutschen zu dem gr. worte? d. h. wie kamen sie dazu, in dem einen wichtigen stücke sich dem griechischen kirchenthum anzuschlieszen und von dem römischen kirchenthum, das sie selbst umfieng, so übereinstimmend abzuweichen? von Rom aus muszten sie ecclesia erhalten (allenfalls basilica), wie es alle Romanen haben, it. chiesa, frz. église, sp. iglesia, prov. gleisa, port. igreja; nur churwelsch baselgia, walach. bisérik‘, d. i. basilica. aber noch mehr, das fremde wort muszte bei den Alemannen, Franken, Angelsachsen u. s. w. auch schon ganz fest sein, als sie unter die gewalt der lat. kirchensprache kamen, sonst wäre es doch noch durch ecclesia verdrängt worden; ja es muszte volksthümlich eingewurzelt sein, so ungefähr wie das heimische ostern, das durch das pascha der röm. kirche nicht mehr zu verdrängen war. die beantwortung dieser philologischen frage ist uns die kirchengeschichte schuldig, ich kann hier nur winke und bedenken geben, die ich zum theil theologischem u. a. beirat verdanke.

a)Jacobson a. a. o. 1, 94 rät auf einführung des wortes bei uns durch die britischen missionare; also entweder durch den Angelsachsen Winfried, der freilich zugleich das römische kirchenthum ins land brachte, oder durch die bekehrer die vor ihm von Britannien herüberkamen, die aber Kelten waren. allein so gut auch das y des ags. cyrice (und altn. kyrkia) zu dem υ des gr. wortes stimmt mit seiner diesem wahrscheinlich gleichen aussprache: die Angelsachsen kamen nie in unmittelbare berührung mit der griechischen kirche. nur eine mittelbare berührung wäre möglich durch die Kelten Britanniens, die ihr erstes christenthum sehr früh unmittelbar von Kleinasien aus erhalten haben müssen, oder von Gallien aus, wo die gemeinden Lugdunum und Vienna urkundlich von Kleinasien her gegründet waren (Euseb. kirchengesch. 5, 1. 2). Aber beide wege werden durch folg. thatsachen abgeschnitten. die Kelten haben selbst vielmehr lat. wörter, die kirche heiszt irisch teampall, kymr. teml, d. i. templum, gaelisch eaglais, kymrisch eglwys, bretagn. ilis, Ilis, d. i. ecclesia (auch bask. eleiza), und schon in den kymr. gesetzen des 10. jh. ecluys, altcornisch eglos Zeusz gr. celt. 1119. Aber die einführung erst durch Bonifacius ist auch unmöglich, da schon vor seiner thätigkeit in Deutschland ortsnamen damit zusammengesetzt erscheinen, die noch älteren bestand andeuten, z. b. im Elsasz i. j. 718 Chiricunuillare Förstemann ahd. namenbuch 2, 883 (Zeusz tradit. Wizenb. s. 218), vgl. aus dem 8. jh. weitverbreitet Kiricheim das. 880 fg. umgekehrt also, dem Bonifaz musz sogar für seinen bekehrungsbezirk in Hessen, Thüringen das wort unumgänglich gewesen sein, wie ers am Rhein schon vorfand; in Thüringen finden sich aber auch schon vor ihm angelsächsische bekehrer (Rettberg deutsche kirchengesch. 1, 318).

b)so kann denn der merkwürdige griechische einflusz nur von süden her gekommen sein, und zwar geraume zeit vor dem einflusz des lat. kirchenthums. die kirchengeschichte weisz aber von einem solchen durchgreifenden gr. einflusz nichts; und doch wird sie ihn nachweisen müssen, und wird da mit aufhellung eines wortes zugleich das dunkel des ersten christenthums auf deutschem boden wesentlich aufhellen. Möglich war solcher gr. einflusz von drei seiten her, von der Donau seit dem 3. jh. (Rettberg 1, 224. 236). oder von der Rhone her über den Oberrhein; der Grieche Irenaeus, bischof von Lyon im 2. jh., spricht schon von αἱ ἐν Γερμανίαις ἱδρυμέναι ἐκκλησίαι (adv. haereses 1, 10, 2). oder aber durch die Arianer, die in bitterer feindschaft mit Rom standen; zu ihnen aber gehörten an der südl. grenze die Gothen (mit polit. einflusz weit nach Deutschland herein) und die Langobarden, an der südwestl. grenze die Burgunder (Rettberg 1, 255), schon früh an der südöstlichen die deutschen stämme Pannoniens, von denen

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die arianischen Rugier selbst ins heutige deutsche Donauland herein reichten (228. 230). wie kam das wort aber zu den Angelsachsen?

5)das griech. wort war übrigens noch dem 15. jh. bekannt in seiner beziehung zu kirche. mehrere vocabularien bei Diefenbach 122c führen kyrica oder kirrika auf, als domus regalis, der voc. th. 1482 r 6b gibt ‚kunigeshause, kyrrica, est domus regalis‚. drei vocc. bei Dief. aber erklären es auch mit kirche, besonders merkwürdig Melbers voc. variloquus: kirchia, grece, est domus dominica, a kyrios grece, dominus latine, die kirch, et sic illud vulgare kirch a greco kirchia habemus. n 8a. das klingt wie mündlich überliefert, schon im 9. jh. bringt Walafrid Strabo, 842 ff. abt von Reichenau, dieselbe angabe (de exordiis et incrementis rerum eccles. cap. 7), das deutsche wort sei von dem griech. kyrica (so die drucke des 16. jh.) gekommen, und zwar hauptsächlich von den arianischen Gothen aus. das könnte wol noch ununterbrochene überlieferung von der thatsache selbst her sein.

6)die alemannische nebenform.

a)für das alem. chilihhâ zog J. Grimm gramm. 2, 1000, gesch. d. d. spr. 318, vorrede zu Schulzes goth. gloss. das goth. kêlikn heran, πύργος, ἀνώγαιον, saal (als stätte des abendmahls Marc. 14, 15), wie schon Wachter 838 that, beide mit der annahme, dasz das r in kirche aus diesem l entstanden sein könne (vgl. auch Diefenbach goth. wb. 2, 450). allein es bleibt da zu viel lücke durch vermutung auszufüllen, die alem. form findet, wie Grimm gesch. d. d. spr. 318 selbst beibringt, ein seitenstück in schweiz. bilacha, 15. jh. bilch für birke (ahd. piricha) Tobler 52b, s. auch Weinhold al. gr. 162, vgl.Herche und Helche in der heldensage, pilgrim, it. pellegrino aus peregrinus u. a. (s. gesch. d. d. spr. 318 ff. Diez gramm. 12, 207).
b)die alem. form hat übrigens bis ins 17. jh. in der Schweiz im schriftdeutsch gegolten, im 15. 16. jh. noch im ganzen alem. gebiete, auch in Schwaben (Weinhold a. a. o.), doch nicht ausschlieszlich:

by den die hund inn (in’n, in den) kylchen schrygen.
Brant narr. 44, 2, auch zeile 17. 30,

in der überschr. des cap. aber in der kirchen und inn kyrchen. so bei Keisersberg brös. 13a kilchthach, aber kirche, bei J. Lenz Schwabenkrieg 78a beisammen kilchen und kirchen, ebenso 66b. 124b. 125a; kirchlin 75b. 76b, Feldkilch 38a. 39a, kilspel kirchspiel 23b, kilchhof 66a, kilchherr 84b.

stnd es als by anfang der kilchen,
ich (der bischof) trg villicht grob tch und zwilchen.
N. Manuel 343;

ja mit dem jarmark in der kilchen!
ich sprach zu mengem ‚bis gott wilchen‘. 373;

die killichen wettens rüten (wollten sie ausrotten). Solothurner lied von 1533,
Soltau 2, 144;

so wend wir die büchsen für die killichen thn.

Zwingli schreibt kilch: und habend (die wiedertäufer) demnach ein eigne kilchen anghebt. von dem touf a 1b und oft; vor der ganzen kilchen. von d. predigampt B 4a. Maaler (1561) nennt zwar kilch, kilchgang, kilchgnoszen 243b, verweist aber doch auf kirch, unter dem er das wort dann abhandelt mit zugehör. doch noch in amtlichen schriftstücken des 17. jh. ist die hochd. form fern, z. b. die Zürcher mandat und ordnungen von 1636 handeln vom gemeinen kilchgang, von den kilchengtern, von offenlich verrfen laszen in den kilchen, von geziemendem rechtem kilchenkleid. jetzt im dialekt chilche, chille, chile, chili, appenz. chülcha und recht alterthümlich chilacha, aber häufig auch chiercha, und fast nur chierchgnöszig, chierchapfleger Tobler 102. auch im südwestlichen Schwarzwald, bei Hebel chilche, chille, chilspel, chilchelueger kirchenaufseher.
7) wie das wort ahd. und mhd. vorwiegend schwachformig war, so meist noch im 15. 16. jh. und länger, auch md., z. b.: ob wol in unserer kirchen die geistlichkeit nicht in solchem reichthum .. stehet wie der clerus in der röm. kirchen. Chr. Gerber sünden der welt Dresd. 1701 s. 506. in südlichen und rheinischen mundarten noch heute und in gewissen wendungen auch bei schriftstellern. daher auch als nom. kirchen, wie schon im voc. inc. teut. n 2b kirchen ecclesia:

gar weit von hinn ain kirchen leit.
Schwarzenberg 132b.

noch in einem soldatenliede um 1700:

die hochzeit ist schon angestellt,
die kirchen der soldaten zelt,
das bettlein ist die erde. neuverm. bergliederbüchl. o. o. u. j. 142.

in Nürnberg in körring entstellt (Grübel).

8)die ahd. form klingt noch im 15. 16. jh. nach in kiriche fastn. sp. 994, 25, killiche, chilacha unter 6, b.

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II.Bedeutung und gebrauch.
1)das kirchengebäude.
a)in die kirche, zur kirche gehn, oder nach alter weise, die sich da erhielt, ohne art. und dann noch mit schwacher form, zu kirchen gehn Stieler 960, mhd. ze kirche gân Nib. 298, 3. 770, 4, ze kirchen sîn 1042, 4 (aber auch zuo der kirchen 1789, 3, zer kirchen Berthold 268, 39. 273, 1): meine frau hatte ihre röcke und mützen bereits versetzt, wir konnten nicht zu gottes kirchen gehn. Möser patr. ph. (1778) 2, 34. auch von kirchen, von der kirche:

(sie) wird bald hieher von kirchen gehn (kommen).
H. Sachs 3 (1588), 2, 42d;

wenn sie jetzund von kirchen trit. 43d.

das erste heiszt landsch. auch blosz kirchen gehn, so in der Heanzenmundart Fromm. 6, 333, kärnt. Lexer 158, tirol. Schöpf 317 (kirchengehn, beim Wolkensteiner kirchengan), vgl. unter f ‚kirchen tragen‘. auch zu kirchen sein, wie mhd. vorhin:

dieweil du warest ze kirchen. Ambr. liederb. 299;

wan mein muter ze kirichen was. fastn. sp. 994, 25.

b) diesz zur kirche gehn hat unter umständen besondere bedeutung. so vom ersten kirchgang (s. d.) nach der niederkunft:

dô sî ze kirchen solde gân.
Hartmann Greg. 682;

das heiszt, in Thüringen z. b., noch heute zu kirchen gehn, unterschieden von in die kirche gehn, dem gewöhnlichen kirchgange.
c) ebenso zur trauung oder einsegnung (s. kirchgang 2, c):

darumb thu all dein freund laden
und das wir zu der kirchen gen. fastn. sp. 513, 20;

wo zwei menschen bi einander sitzend (zusammenwohnen) und nit zu kilchen gangen sind nach ordnunge der heiligen kilchen, denen sol man dristunt nacheinander gebieten den kilchgang zu tund. weisth. 1, 352; künftigen sonntag wollen wir in der kirche stehen. kunst über alle künste 82, 6, bei Shaksp. wie will be married o‘ sunday; do er mit ir z kirchen gangen was. Wickram rollw. 44, 20; mit einem (einer) ‚zer kirchen gan‘ niederrh. Frommann 4, 261;

dirnen die liesz er (im lager) gar nicht passieren,
muszten sie gleich zur kirche führen.
Schiller 322b.

d) so besonders verbunden zu kirchen und straszen gehn u. ä., zusammen erscheinen vor gott und vor den leuten, der gemeinde. selbst erbrechtliche bedeutung hatte dieser gang (der früher erst nach geschlossener ehe gethan wurde). so im stadtrecht von Orlamünde aus dem 14. jh.: unsir stad gewonheit ist ouch, wan sich zwei mit einandir in unsir stad vorelichin, nemlich ein knecht (junggeselle) und eine juncfrawe, und die dirne wirt ingefurt zu kirchen und zu straszen, was sie guds zusamen brengin, das sal ir bede sin u. s. w. Walch verm. beitr. zu dem d. recht 2, 73, vgl. rechtsalt. 435, Michelsen thür. rechtsdenkmäler 152 ff.; er ist zu kirchen und straszen, wie man spricht, mit ir gegangen. Rivander exempelbuch 2, 116b. in den flämischen dörfern in der Goldnen aue hieng an diesem kirchgang nach der trauung bis in neueste zeit das volle erbrecht, man muszte darum seine güter zur rechten zeit verkirchgängen, worüber ein kirchgangsbrief ausgestellt ward, s. Michelsen a. a. o. 147 ff., vgl. Frisch 1, 516a unter kirchgang. man muszte nämlich dazu öffentlich zu fusze über die strasze gehn, wie die sitte hier und da noch ist als feierlichste form: (bezeugt wird) das sich M. Kaltenhover und Margreta sein eliche hausfrau .. hievor zu vergangen jaren eelich zusamen verpflicht, offenlich zu kirche und strasze gangen. ratszeugnis v. j. 1516, Haltaus 1086. in Hamburg hiesz das reimend to kark un markt (mark) fören, zur trauung führen. Richey 110, vgl. kirchgang 1 a. e.
e) aber überhaupt galt diesz zu kirchen und straszen gehn als zeichen und beweis ungestörter bürgerlicher rechte u. a., z. b. in einer urk. der gemeinde zu Oberwesel v. 1301 ist die theilnahme am gemeindeleben bezeichnet als bit (mit) uns zu kirchen und zu strâʒin gain. Höfer auswahl 65. es galt als gerichtlicher beweis der gesundheit, s. Haltaus 1087, rechtsalt. 97. überhaupt werden kirche und strasze so verbunden, um die öffentlichkeit zu bezeichnen, z. b. wird den frauen u. a. die lehre gegeben:

verdecke dich ze mâʒe
ze kirchen und zer strâʒe.
Zarncke deutscher Cato s. 134;

stêt in iuwer huote dâ ze kirchen und ze strâʒe.
Neidhart 83, 22;

diu müet uns ze kirchen und ze gaʒʒen. 38, 5.

ein mann, der einer frau bekanntschaft machen will, begegnet ir z kirchen und straszen. Wickram rollw. 74, 21. Gretchen bedauert von dem schmucke, Fausts geschenke:

[Bd. 11, Sp. 794]

darf mich leider nicht auf der gassen
noch in der kirche mit sehen lassen.
Göthe 12, 149.

f) ein andrer kirchgang ist der letzte: du wirst nicht ehe ablassen, du gehest denn auf dem rücken zu kirchen. Agricola sprichw. nr. 530, in der erklärung ‚auf dem rücken zu kirchen gehn ist sterben‘ das.; einen bestatten und z kirchen tragen Maaler 244a;

nun hebt sie auf, tragt sie (die leichen) aufwerts
gen kirchen in der procession.
H. Sachs 3, 2, 152b (1588);

das man zu Genf kein todten zu kirchen trägt. Fischart bienenk. 1588 214b. in Tirol an der Etsch heiszt auch das kurz kirchn tragn (vgl. unter a zuletzt) Schöpf 317, in Vorarlberg zer kilka tue, begraben, zur geweihten erde bestattet, s. Fromm. 5, 482. ein andres vorarlb. in die kirchen thun s. unter dem zeitwort kirchen.
g) vor der kirche dagegen musz der bleiben, der gebannt ist oder kirchenbusze thut:

ich muoʒ vrâgen, solt ich drumbe ein jâr vor kilchen stân.
Hardegger MS. 2, 121a, MSH. 2, 135b;

das fehlen des artikels bezeugt die häufigkeit und das alter der redensart, sie wird auch nhd. zu finden sein;

der nîder schar …
daʒ die vor kilchen lægen!
Benecke beitr. 82. MSH. 1, 75a,

in der kirchenbusze, oderauf ungeweihtem boden begrabenGrimm myth. 1177, wo ‚vor kilchon‘ als beiname nachgewiesen ist, eig. wol von gebannten, z. b. Hartmannus dictus vor kilchon v. j. 1260.
h) kirchen nennt die ältere zeit auch die groszen kathedralen, z. b. unser frawen kirch (zu Ulm). S. Frank German. chron. Augsb. 1538 313a, pfarrkirch 313b, der heutige dom (aber unser frawen münster zu Straszburg 281b). liebfrauenkirche, frauenkirche, Marienkirche, kirche zu St. Peter, Peterskirche, kirche zu St. Nicolai, Nicolaikirche, Paulskirche, Cyriaxkirche, Margarethenkirche u. s. w., oder nach dem orden dem sie früher gehörte, Augustinerkirche, Franciskanerkirche, Schottenkirche, Paulinerkirche u. s. w., dann klosterkirche, stiftkirche, domkirche, stadtkirche, schloszkirche, hofkirche, hauskirche, dorfkirche, pfarrkirche, hauptkirche, filialkirche (beikirche), leutkirche u. a.; ferner emporkirche, vorkirche, als theile der kirche, vgl. i a. e.
i) formelhaft verbunden kirchen und kapellen, kirchen und klöster (klausen), und innerhalb der kirche kirche und chor, mit stabreim: als in diesem jare in den heil. weihnachtfeiertagen der schulmeister zu St. Sebald etlich gesäng auf werntlicher (weltlicher) lieder weise in den kirchen und zu kore gesungen hat, dasz solches in dem künftigen jare fürkomen (verhindert) werde. Nürnb. ratserlasz von 1463, anz. des germ. mus. 1857 248;

vil stant in kirchen und im chor,
die schwetzen (nur).
Brant narr. 91, 1;

selden mach men se (die hohen geistlichen) schouwen
in kerken efte in koren. Claws bûr 125;

mancher pfaf ein evangelium singt,
das (es) in der kirchen und chor erklingt.
Pauli sch. u. ernst 1555 cap. 118;

da ist denn zugleich kirche in der bed. schiff der kirche zu erkennen, als laienkirche gegenüber dem chor, der urspr. den pfaffen vorbehalten war: der (wenn einer) in dem kôre sünde tuot, diu ist gote áber (noch) leider wan in der kirchen …. dar umbe sol man den kôr in der kirchen áber flîʒeclîcher êren danne die kirchen, wanne dâ wonet diu heilikeit aller heiligen (heilikeit?) inne. Berthold 446, 35. 447, 3.
k) die ältere zeit nannte arglos kirchen auch die gottesgebäude andrer religionen, was uns jetzt auffällt, wie sie umgekehrt tempel auch schon von christl. kirchen braucht (s. z. b. aus dem 14. jh. unter kirchweihe 1): die kirch des friedes, von keiser Vespasiano gebauwet. Aventin chron. 208b, templum Pacis; ein rufer, so auf der kirchen zu stehen pflegen. Olearius pers. rosenth. 4, 13, von einer moschee, gebetausrufer, vgl. u. kirchenstaat 2;

ihn bergen, der die zier der kirchen zu versehren
und allen ihren schmuck in brand zu stecken kam?
Opitz 1, 173,

von einem griech. tempel, in der übers. der Antigone;

hat der Dianen kirch (zu Ephesus) auch ewig mögen tauren? 3, 283,

bald darauf steht tempel. so brauchte Luther in der bibel kirche für heidnische tempel im gegensatz des tempels des Jehovah: Israel vergisset seines schepfers und bawet kirchen. Hosea 8, 14; ire altar sollen zubrochen und ire kirchen sollen verstöret werden. 10, 2; und Jehu gieng in die kirchen Baal. 2 kön. 10, 23; und zubrachen die seule Baal sampt der kirchen Baal.

[Bd. 11, Sp. 795]

27. 11, 18 (LXX οἶκος); das er den tempel zu Jerusalem solt verunreinigen und in (den Juden) heiszen des Jovis Olimpii kirchen und den tempel zu Garizim, des Jovis Xenii kirchen. 2 Macc. 6, 2; so wil ich dis gotteshaus schleifen .. und dem Bacho eine schöne kirche an die stat setzen. 14, 33. ebenso Jes. 16, 12. Ez. 7, 24. Joel 3, 10. Amos 7, 9. 8, 3. Baruch 6, 42. 2 Macc. 1, 15. 9, 2. 10, 2. einmal aber auch vom Jehovahtempel: und Jeremias erzelet inen auch, wie Salomo geopfert hatte, da die kirche geweihet und der tempel fertig ward. 2 Macc. 2, 9, nach ‚kirchweihe‘ 1, 9; so schon ahd., s. Raumer einwirkung des christ. auf die ahd. sprache 289. mhd. werden z. b. in Konrads Silvester 2275 ff. christl. kirchen und heidnische tempel ohne weitern zusatz unterschieden, wie jetzt.
l) sprichwörter zahlreich, s. Simrock 5663 ff.: alte kirchen haben dunkle fenster, bei Schottel 1113b alte kirchen dunkle gläser, vgl. Fischart die kirchen seind jetzt gar liecht und hell worden und die herzen tunkel, vorzeiten waren die kirchen tunkel und der menschen herzen liecht. bien. 1588 151b, vgl. unter kelch 1, c; goldene kirchen hölzerne herzen; alte kirchen haben gut geläute; grosze kirchen kleine heilige; je näher der kirche je weiter von gott; es beten nicht alle, die in die kirche gehn; wo gott eine kirche baut, stellt der teufel eine kapelle daneben; wo die kirche ist, ist der krug nicht weit (vgl. kirchenkrug); neue kirchen und neue wirtshäuser stehen selten leer; wenn die kirche voll ist, singt der pfaff was er kann; und ist die kirche noch so grosz, der pfaff singt nur was er weisz; wer die kirche hat, der hat auch den kirchhof; wer in der kirche stirbt, wird umsonst begraben. Frommann 2, 409.
m) redensarten: er trägt die kirche ums dorf, macht einen groszen umweg, grosze umschweife; lasz die kirch im dorf stehen, kehr die dinge nicht um; die (deine frau) muszt du nicht meister werden lassen, sonst bleibt die kirche nicht mitten im dorfe. Gotthelf 3, 253. von einem der nicht weisz was er thun soll vor lauter freier zeit, sagt man in Leipzig er jagt die hunde aus der kirche (vgl. kirchenknecht); um einen als besonders verschlagen zu bezeichnen mit dem kann man eine kirche bestehlen (wie ein pferd stehlen). in dem wald war es so still wie in einer kirche. Grimm hausmärchen 1857 2, 104, vgl. kirchenstill. jenes merkwürdige tragen der kirche auch in einer sächs. redensart: der kann kirchen (auch kirchthürme) feil tragen, von einem groszen und starken menschen.
2) Gottesdienst, kirche für das dem die kirche dient, wie bei schule u. a.: die glocken läuten zur kirche, in die kirche, zum gebäude und zum gottesdienst; kirche halten, die kirche versäumen; auch in der woche ist täglich kirche; die kirche ist aus; da einige jungen während der kirche hier auszen herum nach spatzennestern stiegen. Fr. Müller 1, 303. das alles ist so der ausdruck des lebens (schriftlich, amtlich nur gottesdienst). es ist gewiss alt: das man in der kirchen und versamlung, die zu dem dienst gottes geschicht, kein unbekant sprach gebrauchen soll. Fisch. bien. 1588 13b. vgl. frühkirche.
3) Die kirchengemeinde,
a) als gesamtheit der gemeindeglieder und aller im dienste der kirchengemeinde stehenden, der bürgerlichen gemeinde gegenüber: darumb heist ein yede kilchhöre ein kilch, das ist die gemeind, die versamlung. Zwingli antwort an Val. Compar Zür. 1525 C 4a; diese wiesen gehören der kirche zu St. Peter; die kirche und die stadtgemeinde sind im streit um das eigenthumsrecht über diesz grundstück; er ist diaconus an, bei der Thomaskirche. ein mann bei der kirche, der einen kirchendienst hat, wie ein mann bei der stadt, doch meist nur von niederen diensten, obwol mit einer gewissen würde gesagt: vater Märten. weiszt du was ein schulmeister auf sich hat? ein mann bei der kirche! mutter Anne. wenns weiter nichts ist! Matz der blasebalgtreter ist auch einer! J. B. Michaelis 4, 67. 97. mutterkirche, tochterkirche.
b) selten für versammlung, gemeinde: meine seele kome nicht in iren rat und meine ehre sei nicht in irer kirchen. 1 Mos. 49, 6 seit 1545, früher stand bund, samlung (wie ahd. samanunga für ἐκκλησία), das hebr. wort bedeutet versammlung (LXX σύστασις). anklingend ist folg. wendung aus Vorarlberg, die zugleich zeigt, wie man die in der kirche versammelte gemeinde als maszstab und vertreter der dorfgemeinde denkt: es sind eine ganze kirche voll mädchen im dorf, und alle wollen (heiraten). Felder Nümmamüllers 102. vgl. kirchfahrt 3.
4) Das geistliche ganze einer glaubensgenossenschaft in seiner dem staate ähnlichen gliederung und verfassung, gegenüber dem weltlichen ganzen des staates.

[Bd. 11, Sp. 796]

a) die christliche kirche, die allgemeine kirche, die allgemeine und generalkirche gottes Fischart bienenk. 1588 42a, gemeine christliche kirche reichsabschied 1518 im eingang, ohne art., titelmäszig (es folgt als verb. im pl. benöthigen, collectiv); die katholische, evangelische, reformierte kirche u. s. w., die römische, griechische, die englische kirche u. s. w., staatskirche, landeskirche, nationalkirche. je nach umständen tritt darin in den vordergrund der persönliche begriff der nächsten vertreter der kirche, der geistlichkeit in ihrer gliederung, oder der begriff der unterscheidenden glaubenslehren, des bekenntnisses, oder der begriff ihrer erscheinung und geltung nach auszen (z. b. den secten gegenüber, vgl. beikirche). die alleinseligmachende kirche, die streitende kirche (ecclesia militans), die sichtbare und die unsichtbare kirche (ecclesia visibilis, invisibilis). reformation der kirche an haupt und gliedern, bei Luther auch die besserung der kirchen an den adel C 2a. das verhältnis von kirche und staat, kirche und schule, kirche und wissenschaft, kirche und religion.
b) zeugnisse. der gebrauch ist schon ahd., im Isidor ‚dhera christinheidi chiriihha‘ als übers. von ecclesia (vgl. Raumer einwirkung 289 fg.). mhd. z. b.:

die selben brechent uns diu reht und stœrent unser ê.
nû sehet wie diu krône lige und wie diu kirche stê.
Walther 83, 26,

das stên zeigt dasz er das kirchenthum eben unter dem bilde des kirchengebäudes faszt, s. das gleich gebrauchte goteshûs pl. 10, 35, kôr, alter frôn 33, 9. 10;

alsam diu kirche tuon sol,
si sol ir kint dwingen wol.
Thomasin welsch. g. 12667.

darumb das warlich narren sind …
die nit gehorsamkeit erzeigen
der kirchen, in demt ir neigen,
die doch ein meisterin ist allein,
ein einzig gspons on flecken rein,
ein einzig rock on not und felt (naht u. falten),
ein mter, houbt der ganzen welt. nüw schiff von Narragonia Straszb. 1494, bei
Zarncke 107b (das felt ein beisp. zu falt m.);

dann die heilg kirch mag irren nit,
ob schon ein babst irret z zit. das.;

es ist auch zu viel das man so hoch im geistlichen recht hebt der geistlichen freiheit, leib und guter, gerad als weren die leien nit auch so geistlich gute christen als sie oder als gehorten sie nichts zur kirchen. Luther an den adel B 3a; fromme fürsten, üwer fromm volk das uns von herzen lieb ist .. ja das éin volk und éin kilch mit uns ist. Zwingli in Wack. leseb. 3, 1, 266;

gott schuf die welt, gott baut die kirche durch das wort.
Logau 2, 5, 13, im alten bilde;

es ergaben sich gar mancherlei absonderungen von der gesetzlichen kirche. Göthe ….;

die kirche ists, die heilige, die hohe,
die zu dem himmel uns die leiter baut.
Schiller 442b;

versagt ist mir der priester meiner kirche …
im glauben meiner kirche will ich sterben. 442a;

wie der griechische staat keine kirche kannte, wenn man nicht die mysterien dafür rechnen will. Schelling vorles. über d. meth. des akad. st. 230. sprichw. der tod und die kirche geben nichts zurück. Simrock 10382; die kirche hat in allen dingen den vorrang. 5685.
c) diese gemeinschaft übersetzt in das jenseits, die ewige kirche (wie das himmlische Jerusalem): dieweil aber sie beide (fürst Georg zu Anhalt und Luther) also in wenig jaren nacheinander aus diesem schwachen leben in die ewige kirchen zu sichtbarer anschawung gottes .. erfordert sind. Melanchthon vorr. zum 7. th. von Luthers schriften Wittenb. 1572 ija.
d) übertragen auf andere ähnliche verhältnisse, wie auch gemeinde, orthodox, sünde u. a. (vgl. DWB ketzer 4): in allen ländern wird die anzahl der denkenden menschen, der wahren gläubigen (in sachen des geschmacks und der kunst) immer eine unsichtbare kirche bleiben. Göthe 33, 12, v. j. 1772, er übertrug besonders in jenen jahren ausdrücke und begriffe aus kirche und christenthum mit vorliebe auf kunst und welt; die eigentlichen lebemenschen wollen geschwinder gefördert sein .. die ernsten müssen deshalb eine stille fast gedrückte kirche bilden, da es vergebens wäre der breiten tagesfluth sich entgegen zu setzen. 49, 135 (ferneres über weltlit.), ecclesia pressa im gegensatz der ecclesia militans, triumphans.

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http://www.whale.to/b/maxwell_h.html
http://www.whale.to/c/circe.html

Circe (Diana/Artemis/Medusa/Isis)

See: Church

Quotes
Circe was an ancient Greek goddess who could hypnotize men, bring them into her house, and turn them into animals — taking their minds away, so that they could support and feed her. She was known as „Mother Circe,“ and her worship was brought to medieval Scotland, in whose language Circe became „Kirk.“ The Scottish word „Kirk“ becomes Church in English. Where else have we seen the word „Kirk?“  Ah yes, we have „Captain Kirk“ taking mankind where it has never gone before …… with the U.S.S. Enterprise:

We know that churches are money-making corporations / „enterprises.“  Is this why churches and money are both divided into „denominations?“Jordan Maxwell http://www.jordanmaxwell.com/articles/religion/religion18.html

Spot on here
Circe was an ancient Greek goddess who could hypnotize men, bring them into her house, and turn them into animals — taking their minds away, so that they could support and feed her. She was known as „Mother Circe,“ and her worship was brought to medieval Scotland, in whose language Circe became „Kirk.“ The Scottish word „Kirk“ becomes Church in English. Where else have we seen the word „Kirk?“  Ah yes, we have „Captain Kirk“ taking mankind where it has never gone before …… with the U.S.S. Enterprise:

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Ein Kommentar

  1. Hat dies auf Treue und Ehre rebloggt.

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