Prof. Christian Lehmann: Was ist eine Definition? – wissenschaftliche Auslegung

Christian Lehmann

Professor emeritus für Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft

http://www.christianlehmann.eu/index.html

*

Was ist eine Definition?

Definieren kommt vom lateinischen Wort für “abgrenzen”.

Wie alle menschlichen Handlungen ist das Definieren in erster Linie zweckbestimmt: Man definiert einen Begriff oder einen Ausdruck, um deren Verwendung zu klären. Aus der Definition sollen sich Kriterien ergeben, anhand deren man entscheiden kann, ob etwas unter den Begriff fällt. Definieren ist also eine metasprachliche Operation, deren Zweck es ist, die Verständigung zu verbessern. Sie ist oft ausgelöst durch die Wahrnehmung einer Mehrdeutigkeit oder Vagheit, die für die weitere Verständigung schädlich wäre und folglich vorab beseitigt werden muß.

Eine schwierige Frage am Anfang ist bereits, was eigentlich definiert wird, Wörter, Begriffe oder Gegenstände. Wenn ich z.B. definiere:

Ein Herd ist ein Gerät oder eine Feuerstelle, wo Speisen gekocht werden,

habe ich dann den Herd (Gegenstand) oder Herd (Wort) oder ‘Herd’ (Begriff) definiert?

Die erste Alternative wäre zu explizieren als Definition eines Individuums oder einer Menge von Gegenständen. Ein Individuum kann man nicht definieren (man kann es z.B. identifizieren oder beschreiben). Eine heterogene Menge von Gegenständen kann man ebenfalls nicht definieren; man kann nur ihre Elemente aufzählen. Eine homogene Menge von Gegenständen, also eine Klasse, scheint Gegenstand einer Definition wie der folgenden zu sein

Sandaletten sind offene Damenschuhe mit höherem Absatz.

Dies ist zwar so formuliert, als wäre eine Klasse von Gegenständen das Subjekt der Definition; gemeint ist aber

Eine Sandalette ist ein offener Damenschuh mit höherem Absatz.

Das heißt, das Subjekts-Nominalsyntagma ist generisch determiniert, wie es eben nötig ist, wenn man von Begriffen spricht. Fazit: Es werden nicht Gegenstände definiert.

Dann bleibt die Frage, ob man Begriffe oder Wörter definiert (s. dazu den Abschnitt über Begriff und Ausdruck). Tatsächlich ist beides möglich. Man unterscheidet seit der Scholastik zwei Arten von Definitionen, die Nominaldefinition und die Realdefinition.

  • Eine Nominaldefinition ist die Definition eines Ausdrucks.
  • Eine Realdefinition ist die Definition eines Begriffs.

Damit ist folgendes gemeint: Angenommen, in einer Vorlesung kommt der Ausdruck Hypothese vor. Das Wort ist dem Studenten Erwin geläufig, aber der Dozent verwendet es in einer Weise, die Erwin nicht versteht. Erwin ersucht folglich den Dozenten, ‘Hypothese’ zu definieren. Daraufhin definiert der Dozent:

  • Eine Hypothese ist eine Annahme über einen Sachverhalt in einem empirischen Bereich; sie hat den Status einer Hypothese, solange sie nicht bewiesen, insbesondere nicht aus einer Theorie deduziert, und auch nicht widerlegt ist.

Hier hat der Dozent eine Realdefinition gegeben, d.h. er hat einen Begriff erklärt.

Angenommen andererseits, Wissenschaftler W systematisiert die lexikalischen Relationen zwischen Begriffen. Er stößt auf Paare von Verben wie öffnen – schließen, bedecken – aufdecken, bewaffnen – entwaffnen. Er bringt das Phänomen auf den Begriff, indem er formuliert: Es handelt sich um eine lexikalische Relation zwischen zwei Verben, von denen das eine die Überführung eines Gegenstands von Zustand Z1 in Z2 und das andere die Überführung des Gegenstands von Zustand Z2 in Z1 bedeutet. Nun fehlt ihm nur noch ein geeigneter Terminus für den so gefaßten Begriff. W definiert daher:

  • Gegeben eine Bedeutung B1, die die Überführung eines Gegenstands von Zustand Z1 in Zustand Z2 impliziert, und eine Bedeutung B2, die die Überführung des Gegenstands von Z2 nach Z1 impliziert, so heißen B1 und B2 reversiv zueinander.

W hat jetzt dem Begriff einen Terminus zugewiesen, d.h. er hat von ‘reversiv’ eine Nominaldefinition gegeben.

Zusammengefaßt:

  • Eine Realdefinition ist die Erklärung eines Begriffs, die zum Ziel hat festzustellen, wie der Begriff verwendet wird.
  • Eine Nominaldefinition ist die explizite Einführung eines Terminus, die zum Ziel hat, für einen Begriff einen Terminus festzusetzen, ihn also durch Kopplung an ein Wort handhabbar zu machen.

Nominaldefinitionen kommen fast nur in der Wissenschaft vor, Realdefinitionen dagegen auch in der täglichen Praxis. Die letzteren sind daher ungleich lebenswichtiger als die ersteren.

Nunmehr können wir eine Realdefinition von ‘Definition’ geben (vgl. Wikipedia s.v. definition):

  • Die Definition eines Begriffs oder (eines bestimmten Sinns) eines Ausdrucks ist eine Beschreibung seiner Intension.

Hier schneide ich die 12 seitige wissenschaftliche Erklärung ab – alles weitere dazu unter folgendem LINK: http://www.christianlehmann.eu/ling/epistemology/concepts/index.html?http://www.christianlehmann.eu/ling/epistemology/concepts/Definition.html

Zu obiger Erklärung gehören auch noch 15 weitere Seiten der Querverweise!

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Liebe Freunde von w3000

In Wikipedia oder auf anderen Seiten sind mitunter leichter zu verstehende Erklärungen für den Alltag zu finden.

Manchmal habe ich den Eindruck, dass wissenschaftliche Gebiete zum Selbstzweck geworden sind und daher keinen allgemeinen Nutzen bringen.

Bei der Sprachwissenschaft der deutschen Sprache frage ich mich auch, ob die Einführung der Grammatik über Latein, der deutschen Sprache jemals nützlich war, oder diese durch die Vermischung mit der lateinischen Sprache einen Schaden erlitten hatte?

Nicht zu vergessen ist, dass die lateinische Basis der Grammatik in fast allen Sprachen angewendet wird, daher diesen damit ein Stempel aufgedrückt wurde, wodurch vermutlich die Eigenheiten der verschiedenen Sprachen und deren Ursprung verlorengegangen sind.

In letzter Zeit ist jedoch eine neue Welle der „Wurzelforschung“, wie ich es nenne, zu erkennen und einige aus dem Herzen Interessierte haben begonnen, sich mit Althochdeutsch auseinander zu setzen. Wenn man das tut wird das Latein nicht von Nutzen sein, sondern sogar ein Hindernis darstellen, will einer die ursprünglichen Bedeutungen, der Werte, der Worte und Begriffe sowie der Aussagen finden.

Ich bedauere, dass uns der Ursprung unserer Sprache immer weiter zu entgleiten droht, daher möchte ich im kommenden Herbst eine Studiengruppe ins Leben rufen, welche eine neue Erforschung unserer Sprache betreibt. Da ich in Wien zuhause bin, rufe ich alle Interessierten in Wien und Umgebung auf, sich daran zu beteiligen.

Teile mir bitte dein Interesse im Kommentar oder im Kontaktformular mit – ich werde dann per Email oder Telefon mit dir Kontakt aufnehmen – DANKE ❤

Ich freue mich schon jetzt auf dich und zahlreich Interessierte!

ich bin dir
du bist mir

AnNijaTbé

Foto von AnNijaTbé

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