Antipsychiatriebewegung – unfreiwillig in der Psychiatrie | Das Thema Krankheit, Kriminalität und Psychiatrie als ein Gesamt-Thema ganz neu aufrollen!

Danke für diesen wichtigen Beitrag von Gitta Düperthal, dem man unbedingt Beachtung schenken sollte!

Den Begriff „Krankheit“ ganz abzulehnen sollte auch diskutiert werden, denn was ist wenn einer, ganz simpel mal die Grippe hat? Ist er da nicht krank? Wenn er nicht krank ist, was ist dann mit ihm geschehen? Andererseits muss man sich auch fragen ob ein Krimineller nicht einfach auch nur krank ist?

zwangspsychiatrie

Krankheit kann sich ja auf drei Ebenen abspielen, auf der physischen, der psychischen und der geistigen.

Ich habe mich lange auch mit diesem Begriff rumgeschlagen, wie definiert man Krankheit richtig? Laotse hatte die letztendlich beste Erklärung für mich: „Die Wahrheit erkennen und sie nicht befolgen können, wird Krankheit genannt“

Was ist aber angesichts dieser Definition einer, der die Wahrheit nicht erkennen kann und daher auch nicht in der Lage ist sie zu befolgen? Ist dieser dann einfach nur geistesgestört, hat er einen seelischen Schaden erlitten oder nur ein Entwicklungsdefizit? Oder geht es um etwas ganz anderes?

Die Forderung, dass Verwandte und Vertrauensleute, wie auch Freunde zu stationär Aufgenommenen, ein offener Zugang gewährt werden muss, sollte mit ganz großem Interesse und in breiten Kreise aufgenommen werden. Es kann nicht sein, dass Pharma, Politik und Wirtschaft über Menschen, nach deren Gutdünken verfügen dürfen, unter der Voraussetzung, dass man Menschen wegsperrt und vollkommen isoliert!!!

Diese Tatsache alleine, dass es tausende solcher Fälle gibt, ist als Verbrechen anzusehen. Die Psychiatrie, auch Gefängnisse oder Konzentrationslager (FEMA) zeigen damit Handlungen, welche in den Nürnberger Prozessen, unter schwerste Strafe gestellt wurden.

Im Zweifelsfall kann sofort der Nürnberger Kodex herangezogen, welcher jegliches Experiment am Menschen, ohne dessen freiwilliger Zustimmung, verbietet: https://wissenschaft3000.wordpress.com/2015/05/31/httpwp-mep1nmic-gln/

Auch eine psychiatrische Behandlung, deren Ausgang ungewiss ist, was ja fast immer der Fall ist, darf und kann jederzeit abgelehnt und unterbunden, auch als kriminelle Handlung angeklagt werden, so es nicht eine Zustimmung gibt, welche der zu behandelnde ohne Zwang und bei klarem Verstand vor neutralen Zeugen gegeben hat. Kann er selber nicht zustimmen, darf man ihm auch keinerlei Medikation geben. Die Verabreichung von reinstem Wasser und wirklich guter Nahrung, sowie Körperpflege mit täglichem Duschen sollen zunächst die einzigen Maßnahmen sein – so meine vordergründigen Überlegungen dazu.

Lässt man der Natur genügend Raum, regeneriert sie sich ganz von selber!

Ist ein Mensch nicht bei klarem Verstand und obendrein eine Bedrohung für seine Mitmenschen, muss man ihn natürlich zunächst isolieren, er darf aber deswegen nicht mit Drogen und Medikamenten vollgepumpt werden. Im Gegenteil ist ja davon auszugehen, dass irgendeine unnatürliche Beeinflussung ihn zur Gefahr für die Mitmenschen machte, er daher dieser Beeinflussung durch Isolation entzogen werden soll. Das bedeutet auch nicht, dass die Isolation in einer Zelle stattfinden soll, das kann auch an einem Ort in der Natur stattfinden, was viel eher eine Gesundung herbeiführen würde.

Wenn man Menschen, die ihr inneres und äußeres Gleichgewicht verloren haben, in Ruhe lässt, pendeln diese sich häufig von selber wieder ein, so sie nicht weiterhin von außen beeinflusst oder sie einer Zwangsmedikation unterzogen werden.

Durch diesen Beitrag ist mir bewusst geworden, dass das Thema Kriminalität, Krankheit, Geisteskrankheit – generell – komplett neu zu überdenken ist.

In den 70er Jahren kamen wir  zu dem Schluss, dass man Kriminelle als krank ansehen muss, da sie bei voller Befriedigung ihrer Bedürfnisse nicht „kriminell“ geworden wären, das kriminelle Verhalten also eine Art Mangelverhalten ist. Vergewaltiger oder Massenmörder haben extreme Mängel auf allen Ebenen des Daseins aufzuweisen, man kann aber a priori deshalb auch nicht sagen, dass sie daran selber schuld sind. Die Umstände, welche sie zu dem haben werden lassen, sind meistens mannigfaltige und auch häufig solche, dass sie schon von Kindheit an selber Opfer waren.

Wir, die ganze Gesellschaft muss lernen mit diesen Dingen ganz anders umzugehen und auch die wahren Hintergründe der Handlungen von Menschen erkennen lernen.

Hier ist auch heute für mich der richtige Ansatz, es muss ganz klar erkannt werden, welche Bedürfnisse ein Mensch hat und welcher Schaden entsteht, wenn diese nicht erfüllt werden, bzw. welches die wahren Hintergründe von ausartenden Handlungen sind und wie diese geheilt werden können.

AnNijaTbé am 3.12.2015

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Tausende sind in Psychiatrien unfreiwillig weggesperrt

https://www.jungewelt.de/2016/01-02/036.php

Antipsychiatriebewegung und andere Themen ­außerhalb des Mainstreams haben es schwer.
Ein Gespräch mit Jörg Bergstedt

Interview: Gitta Düperthal
Schwarzfahren.jpg

Jörg Bergstedt lebt in der Projektwerkstatt in Reiskirchen/Saasen, die sich als Aktionstreff für Linke und Umweltgruppen versteht.

Herr Bergstedt, wie bilanzieren Sie, als aktiver Anarchist, das Jahr 2015?Denkt man in klassischen Kriterien des Erfolgs, war 2015 nicht besonders toll. Ich habe mich mit Themen beschäftigt, die außerhalb des politischen Mainstreams liegen; etwa mit der Unterstützung von Gefangenen und Psychiatrisierten. Mit der Besetzung von Feldern, um gegen Gentechnik zu protestieren, war in vergangenen Jahren mehr Zustimmung zu erfahren. Die anarchistische Organisation von selbstbestimmten Aktionen und Projekten stagniert eher.

Wie gestaltete sich Ihre politische Praxis?

Seit Jahren bin ich in der Antipsychiatriebewegung aktiv. Ich will aber keinen Apparat von Hauptamtlichen aufbauen; schon gar nicht selber Teil eines solchen werden. Es geht darum, dass Menschen mit Erfahrungen in der Psychiatrie sich neben notwendigem Selbstschutz und Selbsthilfe in den Kliniken organisieren, um Missstände anzuprangern und politischen Protest auf die Straße zu bringen. In Berlin, Bayern und Nordrhein-Westfalen habe ich Aktionstrainings für Straßentheater, Kommunikationsguerilla und Sabotagegruppen unterstützt. Wer die Zwangsverhältnisse von innen kennt, kann sie besser thematisieren. Viele lehnen den Begriff Krankheit grundsätzlich ab. Damit sympathisiere ich: Solche Kategorien stellen eine Herrschaftsform dar.

junge Welt - Halt deine Presse

Wie meinen Sie das?

Die Definition, in der Psychiatrie festgehaltene Menschen seien verrückt, ist keine wissenschaftliche Erklärung, sondern eine politische. Tausende sind in Kliniken unfreiwillig weggesperrt. Sie werden fixiert, zwangsweise mit Medikamenten vollgestopft, Kontakt nach außen wird verwehrt. Letzteres habe ich persönlich erlebt, als ich isolierte Menschen besuchen wollte. Zu Recht sagen sie, der Zwangscharakter der Institution rufe die skandalösen Verhältnisse dort hervor. Es darf keine Räume geben, wo für die Öffentlichkeit nichts transparent ist. Keine Orte, wo nicht kontrollierbar ist, was Ärzte, die damit Geld verdienen, mit Menschen machen, wenn sich hinter denen die Türen schließen .

Sie sind zudem begeisterter Schwarzfahrer …

Ja, im Frühjahr des vergangenen Jahres hatten wir eine Lücke im Strafrecht entdeckt, wonach man straffrei schwarzfahren kann, wenn man es offen kennzeichnet. Man trägt beispielsweise ein Schild mit der Aufschrift »Hallo, ich fahre schwarz ohne Fahrkarte«, verteilt Flyer mit der Forderung nach kostenlosem Nahverkehr, Entkriminalisierung des Schwarzfahrens und gerechterer Verteilung des Reichtums. Viele wollen ein Selfie mit einem Aktivisten. Du kommst ins Gespräch. Leider ist es nicht gelungen, Leute massenhaft dafür zu begeistern. Es gab Prozesse wegen Aktionsschwarzfahrens, um uns einzuschüchtern. Ich selber wurde aber dreimal in Gießen freigesprochen. Einmal explizit mit der Begründung: Demonstratives Schwarzfahren ist keine Beförderungserschleichung.

Für Ihre Kampagnen holen Sie sich keine Unterstützung von Nichtregierungsorganisationen.

Aufgeblähte Apparate mit Hauptamtlichen kreieren im Widerstand Massendemonstrationen und Spendeneinkommen, entpolitisieren aber Debatten. Positiv ist zwar, dass Empörung herrscht und den Regierenden keiner glaubt – viele rennen aber Rattenfängern hinterher, etwa Pegida. Verflachung gibt es leider auch bei den wichtigen Protesten gegen das sogenannte Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA, TTIP, wenn die Parole ausgegeben ist, »EU-Standards zu retten«. Vor Jahren hätten viele das noch als neoliberalen Schwachsinn bezeichnet.

https://gesundbleibenblog.wordpress.com/2016/01/03/tausende-sind-in-psychiatrien-unfreiwillig-weggesperrt/

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2 Kommentare

  1. Gedanken für und wider : | gesundbleibenblog
  2. Antipsychiatriebewegung – unfreiwillig in der Psychiatrie | Das Thema Krankheit, Kriminalität und Psychiatrie als ein Gesamt-Thema ganz neu aufrollen! | Wissenschaft3000 ~ science3000 | behindertvertriebentessarzblog

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