Das Russland, was sie verloren haben – knallharte Abrechnung mit Amerika

Danke Karl!

Übersetzung von РОССИЯ, КОТОРУЮ ОНИ ПОТЕРЯЛИ.

Ein Artikel, der etwas aus dem Rahmen fällt, weniger analytisch, aber er hat halt was in mir selbst angesprochen, weil meine Entwicklung, wenn auch in vieler Hinsicht anders, so doch auch in vielem vergleichbar ist.


Wir haben Amerika geliebt, echt. Ich kann mich genau erinnern, wir liebten Amerika. Als wir Anfang der 90-er Jahre ins Erwachsenenleben traten, gab es für die Mehrheit meiner Altersgenossen nicht mal die Frage, wie man sich zur westlichen Zivilisation verhält. Natürlich gut, wie denn sonst?

Im Unterschied zu unseren Großvätern und sogar Vätern betrachteten wir die “größte geopolitische Katastrophe des XX. Jahrhunderts” überhaupt nicht als Katastrophe. Das war für uns der Beginn eines weiten Weges. Endlich ausbrechen, raus aus der sowjetischen Nußschale in die große Welt – die wilde und wirkliche. Endlich können wir unseren Hunger nach Erlebnissen befriedigen. Wir waren vielleicht nicht am besten Platz geboren worden, aber auf jeden Fall zur richtigen Zeit – so dachten wir. Heute ist das schwer zu glauben, aber sogar die von der kommunistischen Aufsicht befreite Kirche stand damals in einer Reihe mit dem Triumph westlicher Werte. Die 1000-Jahr-Feiern der Taufe Russlands und das erste Konzert der Scorpions mit ihrem “Wind of Change” – das waren für uns Sachen ein und derselben Natur.

Der Irakkrieg und sogar Jugoslawien ging irgendwie an uns vorbei. Und das nicht deshalb, weil wir noch zu jung und übermütig waren. Ich arbeitete schon in der “Komsomolka”, in der internationalen Abteilung, saß am englischen Band von Reuters, voll von Izetbegović, Mladic und Karadžić, gab aber all diesen Ereignissen keine ernsthafte Aufmerksamkeit. Das war irgendwo dort, weit weg und nicht in unserem Gebiet. Und, natürlich, ein Krieg im Balkan passte nicht in irgendeine antiwestliche Logik. Was hat Amerika damit zu tun?

In den 1990-er Jahren stimmten wir für “Jabloko”, gingen zum Weißen Haus auf der Seite der demokratischen Kräfte, sahen das neugegründete NTV und hörten “Echo Mosky”. In unseren ersten journalistischen Artikeln bezogen wir uns in allen Fragen auf irgendeine “zivilisierte Welt” und glaubten fest, dass sie auch wirklich zivilisiert sei. Mitte der 1990-er gab es in unseren Reihen schon die ersten Euroskeptiker, aber die liefen eher in der Kategorie Außenseiter. Ich selbst lebte im Internat mit dem Kommunisten Petja und dem Monarchisten Arseni in einem Zimmer. Meine Kumpel aus anderen Zimmern verabschiedeten mich jeden Tag voller Mitleid: “Ok, geh schon in deine Irrenanstalt”.

Dieser Artikel ist es wert zuende gelesen zu werden: http://www.vineyardsaker.de/russland/das-russland-was-sie-verloren-haben/

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