2003: 30 Gefäße mit Yersinia pestis – wo sind die inzwischen geblieben – was hat man damit gemacht?

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Student presentation on Yersinia pestis


Zerstreuter Professor oder krimineller Biowaffenexperte?

Jenny Eltermann 09.09.2003

US-Wissenschaftler befürchten, dass ihnen die Notstandsgesetzgebung unnötig Fesseln anlegt. Zwei heikle Fälle sind zur Zeit in der Diskussion

Das Institute of Medicine und die National Academies forderten im August ihre 1500 Mitglieder auf, in öffentlichen Briefen die Anklage gegen Thomas C. Butler zu geißeln. Dem 62jährigen Wissenschaftler, ein Experte auf dem Gebiet der Pest, werden Diebstahl, Unterschlagung und Betrug in 54 Fällen vorgeworfen. Nach der Vorverhandlung am 3.September kam er gegen Bürgschaft bis zum Gerichtstermin im November frei.

Die Sache beginnt als Thomas C. Butler seine Vorgesetzten an der Texas Tech University im Januar mit der Meldung schockt, ihm seien 30 Gefäße mit Yersinia pestis entwendet worden. Die Universitätsverwaltung folgt den Vorschriften des Patriot Act und informiert unverzüglich die staatlichen Behörden. Die Verantwortlichen von Homeland Security befürchten einen Anschlag mit den entwendeten Pestbakterien und mobilisieren 60 Spezialisten der Antiterror-Einheit. Fehlalarm. Butler wird von FBI-Agenten befragt, stürzt sich in Widersprüche und gesteht nach nächtlichem Verhör am Vormittag ein, er vermisse die Gefäße nicht wirklich, sondern habe sie irrtümlich vernichtet.

Diese falsche Einschätzung, so sollen die wissenschaftlichen Kollegen in offenen Briefen erklären, sei nicht kriminell, sondern die Schwäche des sprichwörtlich zerstreuten Professors. Mit diesem Argument wollen die Forscher vergessen machen, dass es sehr wohl ein Motiv für den vorgetäuschten Diebstahl gibt. Nach Sicherheitsbestimmungen, die seit Ende 2001 gelten, muss der Verbleib gefährlichen Materials dokumentiert, die Vernichtung zuvor angekündigt und dann unter Zeugen vorgenommen werden. Warum hat Thomas C. Butler nicht von vorneherein zugegeben, dass er das Material vernichtete? Nach eigenen Angaben hoffte er, mit der Verlustmeldung sei dem Papierkram Genüge getan.

Seine naive Einstellung führt zur Kettenreaktion. Thomas C. Butler muss zugeben, dass er seine Pestbakterien 1994 und nochmals 2002 aus Tansania heimlich mitbrachte. Nichts Ungewöhnliches, erklären seine wissenschaftlichen Freunde. Der persönliche Transport sei unter Mikrobiologen üblich und heiße VIP für „vials in pocket“. Für die Öffentlichkeit eine erschreckende Vorstellung: auf dem Nachbarsitz ein Mikrobiologe, der Pestbakterien, Ebolaviren oder, wie Donald A. Henderson aus eigenem Tun zugibt, Pockenviren mal gerade so mitnimmt.

Wofür er die Pestbakterien gebraucht habe? Für Untersuchungen zur Sepsis, der generalsisierten lebensgefährlichen Bakterieninfektion, erklärt Thomas C. Butler. Die Antiterrorspezialisten bohren weiter und stoßen bei Durchsicht der Prüfunterlagen auf die Geldgeber, nämlich zwei Pharmafirmen ,Pharmacia, inzwischen zu Pfizer gehörig, und Chiron. Beide haben Butlers Studien mit über 300.000 US Dollar offiziell gesponsert. Allerdings kommen Aufzeichnungen zu Tage, wonach beide Arzneimittelhersteller dem Wissenschaftler weitere Beträge, „separate from and above the payments“, zuschoben. Ärger und Suspendierung seitens der Universität, weil Butler die Zugaben nirgendwo in seinen Erklärungen über finanzielle Abhängigkeiten erwähnt. Ärger auch bei Vater Staat, denn der zerstreute Professor vergaß, die Zuwendungen zu versteuern.

Sollte die Staatsanwaltschaft mit der Meinung durchdringen, es handele sich nicht um Kavaliersdelikte, stehen Thomas C. Butler lebenslange Haft bevor, sowie Geldbuße und sonstige Forderungen in Höhe von 2-3 Millionen US Dollar.

Das Problem des militanten Forschers

Steven Hatfill ist der zweite Stein des Anstoßes, für den sich nach The Scientist die US-Wissenschaftler einsetzen sollen. Sein Name kam als „person of interest“ nach dem amerikanischen Anthrax-Anschlag in die Schlagzeilen. Das FBI bemüht sich bisher vergeblich, Steven Hatfill die Verteilung der Anthraxsporen nachzuweisen. Seit einem Jahr wird er von FBI-Agenten auf Schritt und Tritt verfolgt. Steven Hatfill reagierte dagegen kürzlich mit einer Anklage gegen den Generalstaatsanwalt (vgl. Killerprotein gegen Milzbrand und Hatfill v. Ashcroft, August 26, 2003).

weiterlesen:  http://www.heise.de/tp/artikel/15/15585/1.html


Ich habe voreinigen Jahren auch noch Meldungen aus Australien bekommen, dass Yersinia pestis (2 Ratten, welche damit kontaminiert waren) aus Labors entwendet wurden – ich bitte darum die englischsprachige Presse zu filtern!


China 22-7-2014 – verhängt Ausgangssperre wegen Beulenpest

 

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