Reichskanzler Treugott Rechtschaffen

Danke Frau Herrmann,

eine Vision ganz nach meinem Geschmack, bis auf einige schwerwiegende Dinge.

So z. B. bedarf es eines Kaisers nicht, sondern eines aufgeklärten Deutschen Volkes.

Das nimmermehr auf 25 Millionen schwinden darf um endlich in Freiheit leben zu können.

Somit war es letztendlich eine wohltuende Erbauung am Nachmittag des 4., Advents.

Ich hoffe alle anderen Deutschen , die es schon gelesen haben oder noch lesen werden, empfinden gleich.

Olaf Thomas Opelt

Staatsrechtlicher Bürger der DDR

Reichs- und Staatsangehöriger

Mitglied im Bund Volk für Deutschland

~

 http://www2.q-x.ch/~michaelw/Pranger/Reichskanzler.html

Reichskanzler Treugott Rechtschaffen

Ich habe ihn schon erwähnt, den Reichskanzler, dessen Aufgabe es ist, das neue Reich aufzubauen, das Deutsche Reich, das wir uns alle erhoffen. Wir befinden uns in Phase 9 des Phasenzählers, Hungersnot und Bürgerkrieg, russische Besetzung und vernichtende Naturkatastrophen liegen hinter uns. 25 Millionen Deutsche haben überlebt, die erste Ordnung wurde wiederhergestellt. Die Zeit der Feudalherren, die als lokale Machthaber das Überleben organisiert hatten, ist zu Ende, der Kaiser hat die Macht auf sich vereinigt. Noch funktioniert wenig, erste Kohlezechen werden wieder angefahren, ein paar alte Dampflokomotiven fahren auf den Überresten des Schienennetzes, hauptsächlich links des Rheins, in der Umgebung der kaiserlichen Hauptstadt Köln.

Audienz

Treugott Rechtschaffen fühlt sich unwohl. Er hat mit dem alten Regime genügend Ärger erlebt, um jeder Form von staatlichen Eingriffen zu mißtrauen. Er hatte es begrüßt, daß jetzt ein Kaiser das neue Reich regiert, so, wie er es erhofft hatte. Doch das Schicksal hatte ihm noch nie das gegeben, was es scheinbar versprochen und er sich erhofft hatte, folglich geht er auch jetzt davon aus, daß ein anderes Reich entstehen wird, als er so lange beschrieben hatte.

Geh zu deinem Fürsten nicht, wenn du nicht gerufen wirst. Treugott hätte diese Weisheit bereitwillig beachtet, doch der Fürst hatte ihn gerufen. Ein berittener Bote war in Würzburg erschienen und hatte eine Vorladung überbracht, für einen kleinen Beamten des Grafen. Mit einer Pferdekutsche waren sie auf der alten Reichsstraße 8 nach Frankfurt gefahren, hatten mehrmals auf Fähren den Main überquert, denn fast alle Brücken sind immer noch zerstört. In Frankfurt hatte der kaiserliche Herold dafür gesorgt, daß sie von einem Versorgungs-Lkw mit Holzvergaser mitgenommen wurden bis Wiesbaden. Wieder mußten sie eine Fähre benutzen, von Mainz verkehrte täglich ein Güterzug nach Köln, der einen einzelnen Wagen mit Dienstabteil mitführte. Was früher mit dem eigenen Auto drei, bestenfalls vier Stunden gedauert hatte, ist heute eine Reise von einer Woche.

Treugott weiß, daß er im kaiserlichen Palast sitzt. Die Räume sind kahl, zweckmäßig eingerichtet. Kein Vergleich zu den Schlössern, die Treugott früher besichtigt hatte. Auf seiner Vorladung hat ein Dr. Menges unterschrieben, kaiserlicher Ministerialrat. Herr Treugott Rechtschaffen, Würzburg, habe sich unverzüglich nach Köln zu begeben und im Regierungsgebäude vorzusprechen. Treugott fühlt sich zu alt, um noch eine Regierung zu bekämpfen, er ist bereit, sich mit dieser Regierung abzufinden. Er hat genug gesehen und erlebt, junge Leute mit Tatkraft und Idealismus sollten an seiner Stelle die Welt verbessern. Ein alter Mann muß sich irgendwann zurücknehmen, den Jungen die Welt überlassen, damit sie diese so gestalten, wie sie selbst leben wollen.

„Herr Rechtschaffen?“

Treugott hatte sich ablenken lassen und seiner Umgebung keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt. Er erhebt sich und antwortet: „Ja?“

„Majestät lassen bitten!“

Majestät??? Treugott taumelt, schreitet, schwebt auf die geöffnete Tür zu. Der Raum dahinter ist kleiner als das Arbeitszimmer des Grafen von Würzburg, steht diesem doch die Festung der einstigen Fürstbischöfe zur Verfügung. Und es sieht viel mehr nach Arbeit aus, denn überall lagern Akten auf Büroschränken an den Wänden. Hinter dem wuchtigen Schreibtisch steht ein stattlicher Mann mittleren Alters, bekleidet mit einem preußisch-blauen Uniformrock ohne Rangabzeichen. Treugott erfaßt die Szene mit einem Blick, ihm fällt das Buch auf, das zentral auf dem Schreibtisch liegt.

„Sie sind der Treugott Rechtschaffen, der dieses Buch geschrieben hat?“

Treugott spielt mehrere Verhaltensweisen durch, von der Grundstellung über der tiefen Verbeugung bis hin zum Kniefall. Er verwirft alles und antwortet möglichst unbefangen: „Ja, Majestät.“

„Sehr gut.“ Der Kaiser hält ihm die Hand hin. Einen kurzen Augenblick wirkt der Händedruck schraubstockartig, dann nimmt sich der Kaiser zurück, immer noch hart und fest, doch nicht mehr schmerzhaft. „Ein wenig anders sehen Sie schon aus, verglichen mit ihrem früheren Bild. Aber die Jahre haben uns alle verändert. Bitte, setzen Sie sich!“

Der Kaiser nimmt selbst Platz und betrachtet Treugott lange schweigend. Schließlich nickt er und deutet auf das Buch. „Stehen Sie zu dem, was Sie da geschrieben haben?“

„Jawohl, Majestät.“

Der Kaiser nickt und lächelt das erste Mal. „Dann setzen Sie es um!“

Treugott zuckt zusammen. „Majestät?“

„Ich brauche einen Reichskanzler, und wenn Sie das hier immer noch ernst meinen, dann habe ich ihn gefunden.“

„Majestät, ich bin ein alter Mann“, widerspricht Treugott. „Diese Aufgabe erfordert einen jungen, tatkräftigen Mann. Ganz davon abgesehen, ich würde in Dinge eingreifen, die noch über Menschen bestimmen, wenn ich schon nicht mehr lebe.“

„Das, Herr Rechtschaffen, tun wir doch alle“, erwidert der Kaiser. „Mit 61 sind Sie noch nicht zu alt, um dieses Amt auszufüllen. Allerdings, und das gebe ich zu, habe ich einen Hintergedanken.“

„Majestät?“

Der Kaiser lächelt breiter. „Ich gebe Ihnen drei, vielleicht auch fünf Jahre, um sich unbeliebt zu machen. Dazu ist es gut, schon ein wenig älter zu sein. Nehmen Sie Ihr Buch und reformieren Sie. Ich ernenne Sie zum Reichskanzler, nicht in Anerkennung Ihres Lebenswerks, sondern um die Pfeile auf sich zu ziehen, die auf die neue Regierung unweigerlich abgeschossen werden. Sie sind ständig angefeindet worden, Sie sind das gewohnt. Eines ist jedoch anders: Ab jetzt haben Sie es in der Hand, Herr Reichskanzler! Das heißt, eine Frage müssen Sie noch beantworten: Haben Sie den Mut dazu, der Sündenbock der neuen Regierung zu werden?“

Treugott überlegt einige Minuten, ohne daß ihn der Kaiser stört. „Sie vertrauen mir also dieses Land an, damit ich es in Ihrem Sinne aufbaue?“

„Nein, genau das tue ich nicht.“ Der Kaiser blickt Treugott tief in die Augen. „Ich vertraue darauf, daß Sie das Land im Sinne des Landes aufbauen werden.“

Treugott weicht dem Blick nicht aus und nickt langsam. „Ich bin einverstanden, Majestät.“

Im MITA, Abteilung für Wirtschaftsplanung

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©Michael Winkler

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