euronews reporter – Bulgarien im Clinch mit der Mafia

Veröffentlicht am 25.09.2012

http://de.euronews.com/ Niemand kennt das Gesicht dieser Männer: SOBT. Hinter dieser Abkürzung versteckt sich Bulgariens Geheimwaffe gegen Gangster. Es dauerte Monate, bevor Euronews die Genehmigung erhielt auf diesem Trainingsgelände zu filmen. Die besten Undercover-Polizisten Bulgariens werden hier ausgebildet.

Bulgarien hat ein Problem mit der organisierten Kriminalität. Die Europäische Kommission meint sogar: so schlimm wie in hier, ist es sonst nirgends in der Europäischen Union. Entführungen, Frauenhandel, Auftragsmorde, Wirtschaftskriminalität, bulgarische Verbrecherbanden sind perfekt vernetzt und haben hervorragende Beziehungen zu bulgarischen Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft.

Wenn es gefährlich wird, dann übernehmen die harten Burschen von SOBT. Kiro Kirov hat seine ganz eigene Erfahrung mit Bulgariens Mafia gemacht. Eine Gangstergruppe entführte den Baumaschinen-Unternehmer und hielt ihn 17 Tage lang gefangen. Zehn Entführungen gehen auf ihr Konto. Kirov verdankt sein Leben seinem Sohn: der zahlte eine halbe Million Euro Lösegeld. „Die Banditen hatten ein großes, geländegängiges Auto, einen Jeep. Sie waren maskiert und sind unglaublich brutal vorgegangen: während der eine Gangster den Jeep steuerte, schlug ein anderer wie wild auf mich ein. Ich wollte fliehen, irgendwie raus aus dem Auto, versuchte mit den Füßen die Scheibe zu zertrümmern, aber ich hab es nicht geschafft. Ich wurde in ein winziges Verlies verschleppt, Zimmer kann man so was nicht nennen, zwei Meter lang, 1 Meter 50 breit, ein Meter zwanzig niedrig. Da lag eine Matratze. Ich wurde mit Handschellen an der Wand festgekettet.“

Fühlen Sie sich heute sicher? Gedankenverloren spielt Kirov mit Koko. Nun ja, die Elitepolizisten von SOBT, die seien schon gut. Doch um der organisierten Kriminalität den Garaus zu bereiten, müsse woanders angesetzt werden: „Das klappt hinten und vorne nicht, es werden Fehler über Fehler begangen. Oft genug werden die Verbrecher zwar von der Polizei geschnappt, doch dann setzen Anwälte und Richter die Gangster schon am nächsten Tag wieder auf freien Fuß. Anschließend bringen die sich gegenseitig um oder begehen gleich ihr nächstes Verbrechen. Der Staat sollte seine Bürger besser schützen.“

Kirovs Vorschlag: Polizei, Untersuchungsrichter, Ermittlungs- und Anklagebehörden sollten endlich lernen, gemeinsam zu arbeiten, als Team, eine Empfehlung, die genau so von Experten geteilt wird.

Wir treffen den sozialistischen Oppositionsführer und früheren Premierminister Bulgariens. Der beschuldigt die Mitte-Rechts-Regierung, mit der vorgeblich „harten Tour“ nur so eine Art Stunt-Show für’s Wahlvolk zu inszenieren.

Sergey Stanishev: „Der Innenminister verkündet stolz die Zerschlagung von 660 Verbrecherbanden, doch das sind nur die kleinen Fische. Und was geschieht am nächsten Tag? Die Europäische Kommission veröffentlicht ihren Bulgarien-Bericht und da steht, dass Bulgarien in der Hand von zwölf großen Gangster-Syndikaten ist mit einem Jahresumsatz der in die Milliarden geht. Wenn die Regierung was kann, dann das: mit ´Action´ herumprotzen, spannende Verhaftungen in Szene setzen, doch wenn dann vor Gericht nichts dabei herauskommt, wenn die Ermittlungsbehörden schlampig arbeiten und keine Beweismittel sichern, dann ist das alles andere als effizient. Das ist dann nur eine Werbe-Show. Der Regierung geht es in erster Linie darum, dass es gut aussieht.“

Über eine schmale Stiege gelangen wir zu dem früheren Chef von Bulgariens Anti-Mafia Kommission. Knapp ein Jahr war Kolarov im Amt und beschlagnahmte Vermögen im Wert von fünf Millionen Euro. Dann trat er zurück, protestierte gegen fehlende Rückendeckung durch die Regierung. Viel mehr Mafia-Geld sollte beschlagnahmt werden. „Beschlagnahmungen sind ein ganz hervorragendes Instrument zur Verbrechensvorbeugung. Vor allem dann, wenn man versucht, die ganz dicken Fische an die Angel zu bekommen, denn wie die geschnappt sind, dann werden es sich die kleinen Fische zweimal überlegen. Doch wenn man sich um das organisierte Verbrechen einfach nicht kümmert, glaubt, dass es von alleine verschwindet und sich Schwarzgeld auf wundersame Weise in ein Geschäft mit blütenweißer Weste verwandelt, wird man sein blaues Wunder erleben. Und wenn man sich zu spät entschließt, organisiertes Verbrechen ernsthaft zu bekämpfen, dann könnte das letztendlich bis zum Bürgerkrieg führen.“

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