Die Maßlosigkeit

Danke Lygia, für diesen Beitrag zur Maßlosigkeit!

Endo Anaconda

Der charismatische Sänger und Texter der Band Stiller Has ärgert sich über die heutige Reizüberflutung. Und er sehnt sich nach einem authentischeren Leben.

BeobachterNatur: Endo Anaconda, Sie beschreiben Ihr Leben wie folgt: «zu viel essen, zu viel trinken, zu viel rauchen, zu viel Stress – und zu wenig Schlaf.» Zelebrieren Sie den Exzess?
Endo Anaconda: Das hat mit meinem Beruf zu tun. Ich bin als Musiker viel unterwegs, esse zweifelhaftes Zeug. Privat bin ich anders, da achte ich sehr darauf, was ich esse. Ich kaufe nur Lokales aus Bioproduktion.

BeobachterNatur: Dann sind Sie also gar nicht der Bohemien, den Sie auf der Bühne geben?
Anaconda: Doch, doch. Ich bin der Meinung, dass es viel zu wenig Bohemiens in diesem Land gibt.

BeobachterNatur: Sie erwecken den Eindruck, als seien Sie mit den Jahren introvertierter, ernster geworden.
Anaconda: Mag sein. Vor allem aber bin ich trotziger geworden.

BeobachterNatur: Weshalb?
Anaconda: Weil sich die Gesellschaft in eine falsche Richtung entwickelt. Einerseits lieben wir die Schweiz mit all den Vorteilen, die sie bietet, anderseits gibt es hier eine grosse Trostlosigkeit und einen verdammten Stress. Die Leute sitzen nur noch vor dem Laptop, haben Hunderte von Facebook-Freunden und sind trotzdem einsam. Aldous Huxley hat das in «Brave New World» ja vorhergesehen: die Maschinenmusik, die künstliche Befruchtung, die totale Überwachung. Ich versuche, mich zu foutieren, gehe möglichst wenig ins Netz. Steve Jobs wünsche ich die analoge Hölle.

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