Alchemie 3 ~ Der Stein der Weisen

Max Retschlag: Die Alchimie und ihr großes Meisterwerk der Stein der Weisen

aus:  http://www.levity.com/alchemy/retschla.html

Transcribed by Johann Plattner, 1997.
Back to alchemical texts in German.

Die Alchimie und ihr großes Meisterwerk der Stein der Weisen

Von Max Retschlag 1934

Richard Hummel Verlag, Leipzignhaltsverzeichnis

Vorwort

Meine im Jahre 1921 im Richard Hummel Verlag, Leipzig, erschienene Broschüre mit dem Titel „Das Gold der Alchimie“, die den gleichen Stoff behandelte, ist vergriffen und sollte in neuer Auflage erscheinen. Dies gab die Veranlassung zu einer Durchsicht, um gegebenenfalls Änderungen und Ergänzungen vorzunehmen.

   Das seit Erscheinen dieser Broschüre weiter fortgesetzte Studium des behandelten Stoffes führte mich in Verbindung mit praktischen Versuchen zu einer von der ersten abweichenden Auffassung, konnte mir eine besseres Verständnis besonders auch des großen Meisterwerkes vermitteln, so daß an Stelle der durchgesehenen und ergänzten früheren Arbeit etwas Neues entstand, die vorliegende Schrift.
Es ist ein gedrängter Überblick über die Alchimie, der zeigen soll, daß sie nicht die Mißachtung verdient, mit der sie Unverständnis ablehnt. Besonders gilt dies vom eigentlichen Kern der Alchimie, ihrem großen Werk, dem geheimnisvollen „Stein der Weisen“. Unter Anführung von Belegen aus den Werken wahrer Kenner habe ich versucht, dieses Werk in seinen verschiedenen Aspekten verständlich zu machen, soweit es nach alter Tradition erlaubt ist. Des Leser möge entscheiden, ob dieser Versuch gelungen ist.
Wie aber der Leser mit Recht vom Verfasser Sorgfalt und Mühe fordert, so kann auch der Verfasser eine Forderung stellen: der ernsthafte Leser möge für eine kurze Zeit die von anderen übernommenen Vorurteile ablegen, die Bürde der bejahenden und verneinenden Begriffe, mit denen ihn eine moderne Erziehung belastete, wir werden uns dann besser verstehen können.    Leipzig, im Sommer 1932.
Der Verfasser.

Einleitung

Alchimie – verrufenes Wort, und doch umwoben von geheimnisvollem Schimmer, nichtssagend für die einen, ein leerer Klang, oder mit überlegenem Lächeln abgetan, weckt es anderen im Geiste die Vorstellung versteckter Gewölbe, wo im aufzuckenden Feuerschein seltsamer Öfen dunkle Gestalten mit absonderlichem Gerät hantieren, wo Adepten im Schein des kümmerlichen Öllämpchens über schwere Folianten brütend die mystisch verschleierten Anweisungen suchen für ihr heimliches Tun, für die Lösung des Welträtsels, für die Ergründung des großen Geheimnisses vom Leben.

Längst schon glaubte man sie verschwunden, die Alchimie, jene Kunst, die sich als Wissenschaft gebärdete, die den Menschen alle so heißbegehrten Schätze irdischer Glückseligkeit gewähren wollte, ein langes Leben in steter Jugendfrische und unerschütterlicher Gesundheit, unerschöpflichen Reichtum mit Ansehen und Macht, und den sanften, unmerklichen Übergang in das andere Dasein.
Das Zeitalter der Aufklärung hatte sie von der Weltbühne verdrängt, von der Wissenschaft verachtet, verbannte man sie in die Rumpelkammer der Menschheit, dorthin, wo sich in buntem Durcheinander alle die überwundenen Torheiten häufen, Gespensterspuk und Dämonenglaube, Hexenwahn und Teufelskult.

Was ist Alchimie, was sind Alchimisten ?

Sucht man die Beantwortung dieser Frage in einem Lexikon, das als Niederschlag derzeitigen Wissens gelten kann, wo wird man dem Sinne nach kurz das folgende finden: Alchimisten waren Leute, deren Bestreben darauf gerichtet war, den Stein der Weisen zu erzeugen. Diese geheimnisvolle Substanz sollte die Eigenschaft haben, die sogenannten unedlen Metalle in edle, das heißt Gold und Silber zu verwandeln, indem davon eine kleine Menge auf ein in Fluß stehendes geringes Metall geworfen wurde. Weiter wurde dieser Substanz die Fähigkeit zugeschrieben, eine Universalpanazee für die menschlichen Krankheiten zu sein, auf den Organismus heilend, stärkend und verjüngend einzuwirken. In der Hauptsache bedeutet Alchimie die Kunst der Metallverwandlung, doch ist den Alchimisten eine derartige Umwandlung niemals gelungen. Die Alchimie ist ebenso, wie ihr Stein der Weisen gleichbedeutend mit Aberglaube, Unwissenheit und Betrug.

Es ist ein vernichtendes Urteil, das damit von berufener Seite über die Alchimie gefällt wird, und es ist maßgebend für die Allgemeinheit.

Und doch ist es ein Fehlurteil, das auf Oberflächlichkeit und Unkenntnis beruht. Einmal sind Beweise für gelungene Metallumwandlungen auf Grund geschichtlicher Berichte und einwandfreier Zeugnisse genügend vorhanden. Sie ableugnen, hieße alle beglaubigten geschichtlichen Geschehnisse ableugnen, weil Augenzeugen dafür nicht mehr am Leben sind. Zum anderen aber ist das, was damit verurteilt wird, das, was von der Öffentlichkeit verschwinden mußte, nicht die eigentliche, die wahre Alchimie, sondern deren Zerrbild, eine Afteralchimie, die sich den Namen Alchimie anmaßte und unter ihm ihr Unwesen trieb.

Für diese falsche Alchimie gibt es nur ein Ziel, die Metallumwandlung, sie führt weiter ein heimliches Dasein in den Versuchen von Phantasten, und sie ist es, die von Betrügern zu deren Gaunereien benutzt wird.

Heute ist man überall wieder eifrig am Werk, das heißersehnte Ziel der Metallumwandlung zu erreichen. Unter Berücksichtigung moderner Theorien, nach denen radioelektrische Phänomene die Ursache für eine spontane Änderung im Aufbau der Atome und damit auch für die Metallumwandlung sind, glaubt man den Weg gefunden zu haben, der zum Ziele führt, hofft man, der Alchimie ihr großes Geheimnis vom Stein der Weisen entreißen zu können.

Die wahre Alchimie kennt weder Rückschritt noch Fortschritt, stets sich gleichbleibend ist sie, die sie war, die sie sein wird.
Alchimistische Schriften und damit die Alchimie wurden im Abendland erst zur Zeit des frühen Mittelalters bekannt. Es waren lateinische Übersetzungen griechisch-arabischer Werke, die das große Meisterwerk der Alchimie behandelten, dessen Beschreibung von theosophischen und philosophischen Betrachtungen umrahmt wurde.In diesen Schriften finden sich nun auch Hinweise auf die Möglichkeit der Metallumwandlung mit Hilfe einer Substanz, die durch das große Werk zu erlangen ist.

Bald entstanden Gerüchte von Umwandlungen geringer Metalle in Gold und Silber, die einzelnen geheimnisvollen Adepten gelungen sein sollten. Solche Gerüchte mehrten sich, sie wurden begierig aufgenommen und weiterverbreitet, und sie wurden der Anlaß, daß sich seuchenartig ein allgemeines Goldfieber ausbreitete, welches das ganze Mittelalter hindurch anhielt, und das auch heute noch nicht völlig zum Erlöschen kam. Durch eifriges Experimentieren mit allen möglichen und unmöglichen Stoffen, auf die scheinbar in den Schriften der Adepten hingewiesen wurde, suchte man hinter das Geheimnis des in Gold verwandelnden Stoffes zu kommen. Bescheidenere hofften durch ihre Arbeiten wenigstens ein sogenanntes Partikular auffinden zu können, das nur für einige Metalle diese wertvolle Eigenschaft aufweisen sollte, oder ein wirksames Elixier gegen Krankheiten zu entdecken, da nach den Angaben der Adepten das metallumwandelnde Elixier zugleich ein unübertreffliches Heilmittel sein sollte. Viele der Großen des Reiches, durch Kriege, Prunkliebe und andere kostspielige Gewohnheiten gezwungen, nach immer neuen und ergiebigen Einnahmequellen Ausschau zu halten, widmeten sich mit Eifer dieser vielversprechenden Kunst. Ihnen nach tat es das Volk, Edelmann, Bürger und Bauer, von denen viele durch die kostspieligen Versuche verarmten und auch völlig an den Bettelstab gebracht wurden.

Auch in der damaligen Zeit gab es unternehmende Leute, spekulative Köpfe mit elastischem Gewissen, die es verstanden, „die Konjunktur auszunutzen“. Sie gaben sich den Anschein erfahrener Alchimisten, und wußten durch geheimnisvolles Gebaren, durch phantasiereiche Erzählungen mit allerlei mystisch scheinendem Unsinn Aberglaube, Unkenntnis und Goldgier ihrer Zeitgenossen auszubeuten. Anfangs waren sie vereinzelt, bald aber tauchten überall derartige „Alchimisten“ auf. Sie verkauften unfehlbare Rezepte für die golderzeugende Tinktur, die sie auf die sonderbarste und geheimnisvollste Weise erlangt haben wollten, die selbst auszuarbeiten sie aus allen möglichen Gründen verhindert waren, oder deren Wert die Geschickteren von ihnen wohl auch mit Hilfe von Taschenspielerkünsten erwiesen. Andere ließen sich von größeren und kleineren Herren in Sold nehmen, wobei sie es meisterhaft verstanden, ein angenehmes Leben zu führen, einen nicht zu geringen Teil des angeblich zu ihren Arbeiten nötigen Goldes und Silbers in ihre Tasche fließen zu lassen, und die nach Erfolg Begierigen durch immer neue und verblüffende Ausreden und Schwindeleien hinzuhalten. Das planlose Experimentieren nannte man ebenso, wie die betrügerischen Manipulationen fälschlicherweise Alchimie, die Betrüger hießen Alchimisten, ihre Gehilfen Laboranten, und der unberechtigten Benennung ist es zu danken, daß man noch heute unter Alchimie jene angebliche Goldmacherkunst versteht, der das Odium der Gaukelei und des Betruges anhaftet.

Wohl wehrten sich die wahren Eingeweihten in die hohe Kunst der Alchimie, die Adepten, gegen solchen Mißbrauch des Namens Alchimie (Adept, vom lateinischen adipisci, ist einer, der das höchste Ziel der Alchimie erreichte). So schrieb Alexander von Suchten: „Derowegen sind wir nicht Goldmacher, sondern Arzt, so wir Alchymiam brauchen, den armen Krancken umb der Barmherzigkeit willen, damit zu dienen von GOTT verordnet, daß wir deren große Noth betrachten, und und angelegen seyn lassen. Daß die göttliche Kunst der Alchymey von bösen Buben, deren jetzt die Welt voll ist, Betrug und Arglistigkeit wegen, damit sie hoch und niedriges standes Personen ansetzen, in großen Verachtung gerathen ist, als were diese GOTTES Gab allein Triegerei, was gehet das uns an ? Es ist uns leid, daß man das mißbraucht, was uns zur Wiederbringung und Erhaltung des Menschen Gesundheit von GOTT geoffenbahret worden.“

Die Erfindung der Buchdruckerkunst ermöglichte es, Werke über die Alchimie, die vordern als Handschriften sehr kostbar waren, verhältnismäßig wohlfeil und in größeren Mengen zu verbreiten. Die Werke fanden überall sehr guten Absatz, und so entstand bald eine umfangreiche alchimistische Literatur, die hauptsächlich den Kern der Alchimie, das große Werk, zum Inhalt hatte.
Das eingehende Studium dieser Werke, soweit sie noch vorhanden  sind, läßt erkennen, daß ihre Verfasser zum großen Teil Eingeweihte gewesen sind, und daß vom sechszehnten bis achtzehnten Jahrhundert eine beträchtliche Anzahl solcher Kenner gelebt haben muß.

Während aber die frühen alchimistischen Schriften bei allen gebotenen Umschreibungen in ihrer Ausdrucksweise verhältnismäßig einfach sind, werden die späteren immer verworrener und schwerverständlicher; obwohl auch bei diesen vielfach ein wahrer Kern erkennbar ist. Man kann wohl nicht mit Unrecht daraus schließen, daß diese Schreibweise eine absichtliche war, ebenso wie auch die zunehmende Menge solcher Schriften nicht allein in dem guten Absatz ihre Erklärung findet. Auffallend ist weiter, daß in allen den einschlägigen Schriften die Metallverwandlung als das Wesentliche erscheint, und dies sollte wohl auf eine falsche Fährte führen, während das andere die Menge vom vergeblichen Experimentieren abschrecken sollte, um dem Mißbrauch der Alchimie und ihres Namens eine Ende zu machen.

Alchimie und hermetische Philosophie

 
Auf der Grundlage uralter Erkenntnis, die sich im Orient als hermetische oder okkulte Wissenschaft erhalten hatte, entwickelte sich die Alchimie zu einem besonderen Zweig. Sie kann die Technik dieser Erkenntnis genannt werden, sie ist die praktische Anwendung der Lehren dieses philosophischen Systems als Heilkunst für Geist, Seele und Körper des Menschen. Mit ihren Zweigen Astrologie und Magie ist die Alchimie die hohe, die königliche Kunst, in derem Gefolge sich zu allen Zeiten die Geistesgrößen der Menschheit finden.

Über die Herkunft und Bedeutung des Namens Alchimie gehen die Meinungen auseinander. Einige halten ihn für eine Ableitung vom griechischen cheo, ich gieße, mit dem arabischen Artikel al in der Bedeutung der Gießkunst. Andere wieder glauben in dem Namen eine Verwandtschaft mit der hebräischen Wurzel Khams, Idee der Wärme, zu finden, die identisch mit dem Kam des Sanskrit und mit dem griechischen kamno ist. Glauber erklärt den Namen in seiner Abhandlung: De natura salium als aus Hal-chimia entstanden, Salzkochung, und diese Erklärung wird von vielen Alchimisten angenommen als ein Hinweis auf das große Werk. Die beste Erklärung ist wohl die von Plutarch angegebene, daß der Name Alchimie aus al-Kemia, al-Chemie entstanden ist, ein arabisches Wort mit seinem Artikel, das schwarze Erde bedeutet, der Name des alten Ägypten, im übertragenen Sinne die geheime Wissenschaft der ägyptischen Weisen.
Paracelsus gebrauchte zuerst für Alchimie den Namen Spagyrik. In seinem Paramirum I, 3 findet sich die Angabe: „Disce ergo Alchimiam quae alias Spagyrica dicitur.“ 1)

 Die geheime Bedeutung der Zahlen und Buchstaben 

    In den Schriften der Adepten wird bei der Beschreibung des großen Werkes öfter auf die verborgene Bedeutung der Zahlen und Buchstaben Bezug genommen. Diese Buchstaben- und Zahlensymbolik wird in der Gematria der Kabbala behandelt, sie ist in der islamitischen Esoterik als Djebr zu finden, auch in der indischen Geheimlehre und im chinesischen Tschen-pey enthalten.

Die zweiundzwanzig Buchstaben des hebräischen Alphabets heißen die zweiundzwanzig großen Arkanen, sie sind der Schlüssel zur geheimen Weisheit, die Quelle des Lichts oder das Licht des Lebens, Al-pha-vita oder Al-eph-beth.

Von den zehn ersten Zahlen, die alles enthalten, bedeutet eins den Anfang alles Seins, die vom Schöpfer ausgehende Schöpfungsidee, das schöpferische Prinzip, die aktive, positive, männliche Kraft. Es ist dieselbe Einheit, aus der die Zahl zwei entsteht, dieselbe, die ebenso in der Triade, wie in der Dekade enthalten ist, denn zehn ist nicht nur die Summe der zehn Einheiten, sondern auch die Einheit dieser Summe.

Zwei bedeutet die Linie, das feste, negative, weibliche, empfangende Prinzip.

Drei ist als Zahl des Dreiecks die Fläche, die Essenz aller physischen Dinge, sie ist die vollkommene Zahl als erste ungerade, denn sie hat Anfang, Mitte und Ende, das Abbild des Alls. Sie ist die feste Zahl, denn alle materiellen Dinge sind durch sie begrenzt, sind dreidimensional. Als Produkt von 1 + 2 bedeutet sie die ausführende schöpferische Tätigkeit.

Vier galt als heilige Zahl, mit ihr endet die Progression der ersten Zahlen, deren Summe die vollkommene Dekade ergibt. Vier schließt alle Kräfte der erzeugenden und erzeugten Zahlen in sich ein, sie wurde als einzige Zahl der Dekade von einer Zahl gezeugt, und zeugt selbst eine andere. Vier ist als 2 x 2 oder 2 + 2 die Vollendung in der materiellen Welt, des kosmischen Aufbaues. In der Gleichung 3 + 1, bei der die molekulare Bildung Aktivität und Fortschritt anzeigt, gilt sie nach Pythagoras als Symbol der Göttlichkeit.

Fünf ist als Summe der ersten Geraden und der ersten Ungeraden der Dekade das Abbild des Naturkörpers, und gibt den Dingen die äußere, wahrnehmbare Form, Eigenschaft und Farbe. Alle materiellen Wesenheiten bestehen aus vier Elementen und einem fünften Wesen, der Quintessenz, Aura oder Äther.

Für die hermetische Auffassung ist die Zahl nicht eine Ziffer, deren Bedeutung sich immer gleich bleibt, sondern deren Eigenschaften, deren Wertigkeiten oder Valenzen nach der Chemie, sich ändern je nach ihrer Struktur. So enthält die Fünf zwei Aufbaumöglichkeiten, 2 + 3 und 4 + 1, von denen die erste passiven Widerstand, Leblosigkeit anzeigt, Hemmung der Evolution, die zweite dagegen die Bereitschaft des Quaternär, die Impulsion einer neuen Einheit aufzunehmen. Hier ist es die vollendete Materie, 4 als 3 + 1, die zur Fruchtbarkeit fähig wird, zur Entwicklung der Sinne, und daher ist fünf  das Symbol für die Sinnesempfindungen, für die empfindende Seele.

Sechs ist die Zahl des lebenden menschlichen Körpers, sie fügt zu den fünf Elementareigenschaften die menschliche Seele mit deren höheren Funktionen hinzu.

Sechs enthält vier isomorphe Formen, 1 + 5, 2 + 4, 3 + 3, 2 x 3. Von diesen Formen zeigen die erste, dritte und vierte das Vorherrschen des ungeraden, aktiven Elements, bereit, die Einwirkung einer neuen Einheit anzunehmen. Die zweite Form zeigt eine sterile Sechs, die sich der Einwirkung der neuen Einheit widersetzt.

Sieben gilt als Ausdruck für die Gesundheit, für das Lichte, für die Vernunft, sie ist die jungfräuliche Zahl, denn sie wurde von keiner Zahl der Dekade gezeugt, und zeugt auch keine andere. Sieben ist die Zahl des großen Werkes der Alchimie, wie auch der Weltschöpfung, denn in der Zahl der sieben Tage ist die ganze Schöpfung eingeschlossen. Doch sind auch die Eigenschaften der Sieben verschieden je nach ihrer Struktur, denn sie enthält drei Gleichungen, 1 + 6, 2 + 5, 3 + 4, von denen nur die erste einen Fortschritt anzeigt. 1 + 6 ist das Gleichgewicht, das von der hinzutretenden Einheit von neuem Bewegung und Leben erhält, 3 + 4 dagegen ist die Involution der unbereiteten Materie, und 2 + 5 ist die rückwärtsführende Empfindung, die Sinnlichkeit.

Acht ist die kubische Zahl und deshalb das Abbild der Erde. Sie enthält fünf Gleichungen, 1 + 7,   2 + 6, 3 + 5, 4 + 4, 23, von denen die erste, 1 + 7, die fortschrittliche ist. Diese zeigt ein unbeständiges, schnellen Änderungen geneigtes Gleichgewicht als die Grundlage des materiellen Lebens, günstig für die Einwirkung einer neuen, höheren aktiven Kraft. sie deutet auf den sich vorbereitenden geistigen Fortschritt, sie ist das Gefäß, die Gebärmutter, in der sich der Keim des neuen Menschen entwickeln wird. 2 + 6 zeigt das im Materiellen harmonische Gleichgewicht, 3 + 5 ist ein unbeständiges Gleichgewicht, die Entwicklung der Empfindungen nach unten, nach der niederen Sinnlichkeit. 4 + 4 ist Stillstand, und 23 ist das für eine aufwärtsführende Verwirklichung völlig unfähige Gleichgewicht.

Wenn Acht das Gefäß ist, in dem sich der Embryo des neuen, geistig höheren Menschen entwickelt, so ist neun die Entwicklung selbst, die Schwangerschaft, wie auch der physische Mensch innerhalb von neun Monaten entsteht.

Neun enthält fünf Gleichungen, 1 + 8, 2 + 7, 3 + 6, 4 + 5, 32, von denen allein 1 + 8 die Entwicklungsfähigkeit anzeigt. Bei dieser Gleichung belebt die neue, aktive Einheit den Keim und führt ihn zur Reife bis zur Geburt. 2 + 7 ist die im Materiellen befangene Intelligenz, die Wissenschaft, 3 + 6 zeigt das Ästhetische im Materiellen an, 4 + 5 ist das Vorherrschen der niederen Sinnlichkeit, und 32 bedeutet wohl einen Fortschritt des geistigen Menschen, es ist aber ein Fortschritt im Irrtum.

Zehn ist eine gerade Zahl, aber ungerade, aktiv in ihrer Wurzel 9 + 1. Hier wirkt die neue Einheit, und so ist Zehn die zweite, geistige Geburt des Menschen als eines „Zweimalgeborenen“, mit der er ein neues, geistig höheres Leben beginnt, ohne die Art und Weise seiner gegenwärtigen Existenz zu ändern.

Zehn enthält die Natur aller Dinge, das Gerade und das Ungerade, das Bewegliche und das Feste, das Gute und das Böse. Zehn ist die Zahl de Attribute Gottes, der Sephirot nach der Kabbala, als der Entwicklung der ersten drei Prinzipien in allen ihren Eigenschaften. Zehn Namen des Höchsten nennt die Kabbala, deren erste Dreiheit der Geist Gottes ist, Cochmah, Kether und Binah.

Im Sepher Jezirah der Kabbala heißt es mit Hinweis auf die Weltschöpfung und auf das große Werk der Alchimie:
„Schließe deine Lippen, halte ein mit Nachdenken, und wenn dein Herz schwach wird, so kehre zum Anfang zurück. Darum steht es geschrieben: Weggehen und Wiederkommen, deswegen der Bund gemacht wurde: zehn Sephirot außer der Unaussprechlichen.
Die erste Sephirot, eins, ist der Geist des lebendigen Gottes, sie ist der gesegnete und abermals gesegnete Name des ewig lebendigen Gottes, Stimme, Geist und Wort ist der heilige Geist.

Zwei ist der Hauch des Geistes, mit ihm sind eingeprägt und eingegraben die zweiundzwanzig Buchstaben, die drei Mütter, die sieben doppelten und die zwölf einfachen, und in jedem von ihnen ist Geist.

Drei ist das Wasser, das aus dem Hauche entsteht, mit ihm grub Er ein und prägte die erste leere, unbelebte Materie, Tohu, die Linie, die um die Welt gezogen ist, und Bohu, die verborgenen Steine, vergraben in der Tiefe, von wo die Wasser ausgehen.
Vier ist  das Feuer, das aus dem Wasser kommt, mit ihm schuf Er den Ehrenthron, die himmlischen Räder, die Ophanim, die Seraphim, die heiligen Tiere und die dienenden Engel, aus ihrer Oberherrschaft machte Er seine Wohnung, wie der Text sagt: Er ist es, der seine Engel machte und sine dienenden Geister durch Bewegen des Feuers“, usw.

Jeder der zweiundzwanzig Buchstaben des hebräischen Alphabets hat seine besondere esoterische Bedeutung, seinen Zahlenwert, und stellt für den Wissenden eine geheime Kraft dar. Auch der esoterische Islam kennt die geheime Bedeutung der Buchstaben, weiß von der in ihnen verborgenen Macht, von ihrer Beziehung zum großen Werk.

Seyidi Mohy-iddin erwähnt in seinem El-Futu-hattul-Mekkiyah die esoterische Bedeutung der achtundzwanzig Buchstaben des arabischen Alphabets, er vergleicht das Weltall mit einem Buch, in dem jeder der Buchstaben eine göttliche Idee darstellt und zugleich eine Zahl. Es ist das gleiche Buch, wie das Liber mundi der Rosenkreuzer, oder das Buch des Lebens in der Offenbarung Johannis, es ist verwandt mit dem Lebensbaum, mit dem Baum der Erkenntnis im Paradies, und mit der germanischen Weltesche Ygdrasill.

Bei der Analogie zwischen dem Makrokosmos, arabisch el-Kawnul-Kebir, und dem Mikrokosmos, el-Kawnul-seghir, entspricht jeder der achtundzwanzig Buchstaben einen bestimmten Teil des Organismus. Diese Entsprechungen ermöglichen es, die geheime Wissenschaft von den in den Buchstaben verborgenen Kräften therapeutisch anzuwenden.

Den drei Daseinsebenen oder Welten entsprechend ist die geheime Wissenschaft von den Buchstaben eine dreifache. Im höchsten Sinne ist sie die Erkenntnis der Ur-Prinzipien, im mittleren Sinne ist sie die Kenntnis der Kosmogenie, das Wissen vom Entstehen der wahrnehmbaren Welt, und im unteren Sinne ist sie die Kenntnis der Eigenschaften der aus Buchstaben gebildeten Wörter und Namen, sowie der Zahlen. In den  Buchstaben eines Namens verrät sich die Natur jedes geschaffenen Wesens, daher vermag die Kenntnis eines Namens über das betreffende Wesen eine gewisse Macht zu verleihen. Die Anwendung der arabischen Geheimwissenschaft von den Buchstaben ist der untere Grad dieser esoterischen Kenntnis. Der höchste Grad, der nur von wenigen erklommen wird, verleiht die Macht, auf allen drei Daseinsebenen wirken zu können. Wer diese Erkenntnistiefe erreichte, der kennt das große Magisterium, das Meisterwerk der Alchimie, den Stein der Weisen oder den „roten Schwefel der Weisen“, arabisch el-Kebritul-ahmar, denn die Wissenschaft von der geheimen Kraft der Buchstaben und vom großen Werk ist die gleiche. Seyidi Mohy-iddin erhielt deshalb als Adept den Beinamen Es-Sheikul-akbar wa el-Kebritul-ahmar.

Die Geheimwissenschaft von den Buchstaben ist dem Devanagari oder Sanskrit ebenfalls bekannt. Nach dieser tantrischen Geheimlehre ist jeder Buchstabe eine individuelle astrale Macht, die ihn befähigt, an der Formung der Materie teilzunehmen, und diese im gesprochenen Wort wirkende Kraft  heißt Mantra. Jeder Buchstabe, varna 1), des Sanskritalphabets, der durch die Vereinigung mit anderen Buchstaben einen Mantra bildet, ist eine Offenbarung der übersinnlichen Ebene. Auch nach tantrischer Lehre wird der menschliche Organismus durch den Mantra stark beeinflußt, denn jedes Organ hat eine besondere Grundschwingung, eine Farbtönung, die derjenigen eines bestimmten Buchstaben entspricht. Die anderen Buchstaben eines Mantra bilden Nebenschwingungen gleich der
Dominante und den Nebentönen eines Akkords. In der Zeremonie des Kushandika homa vermag der dabei gesprochene Mantra Feuer anzuzünden ohne  irgend welche physischen Mittel.
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1) varna heißt ebenso die Farbe.

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   Die hermetische Philosophie, die Überlieferung dessen, was als das Verborgenste nur durch Intuition meditativ zu erfahren ist, umschließt eine Theosophie, das Wissen über Gott, eine Mystik, das Wissen über das Geistige, und eine Metaphysik, das Wissen über das sinnlich Nicht-Wahr- nehmbare in der Natur; Gott, Geist, Seele und Stoff umfaßt das weite Gebiet der Erkenntnis.
Dieser Philosophie entsprechend ist das Arbeitsgebiet der Alchimie ein dreifaches. Es ist Theologie, wenn sie die unermeßliche Größe des Schöpfers erkennen lehrt, es ist geistig, wenn sie von der Selbsterkenntnis ausgehend zur psychischen Läuterung führt, die Herrschaft des Körpers, der sinnlichen Triebe durch diejenige der geistigen Prinzipien ersetzt, es ist materiell, wenn sie den von  der Natur eingeschlagenen Wegen folgend es  unternimmt, den armen und leidenden Mitmenschen zu helfen.
Alchimie ist die Wissenschaft vom Leben, und als solche ist sie Heilkunst.

Die Alchimie als Heilkunst in der Geschichte

Die Alchimie ist als Heilkunst auf hermetischer Erkenntnis aufgebaut, und ruht durch alle Zeiten auf diesem festen und sicheren Fundament, unabhängig von den jeweiligen medizinischen Tagesmeinungen.
Ihre Geschichte reicht bis in das entfernteste Altertum, in dem sie allmählich als geheime Wissenschaft erkennbar wird, nur dem besonders Begabten und Erwählten zugängig, gepflegt von Priestern und Initiierten. Noch viel später wird sie in griechischen Manuskripten eine epiVthmh iera genannt, eine geheime Wissenschaft, die von den Priestern Ägyptens ausgehend sich auf die Kulturvölker des Morgenlandes ausbreitete, nach China, Indien, Griechenland.
Um das Jahr 200 n. Chr. ließ Diokletian alle erreichbaren, von den ägyptischen Eingeweihten stammenden Werke übe die alchimistische Heilkunst verbrennen, so daß nur wenige Bruchstücke dieser Kenntnisse, soweit sie überhaupt schriftlich niedergelegt wurden, erhalten geblieben  sind. Clement von Alexandrien erwähnt noch 42 Bücher, die von Hermes herrühren, von denen die letzten den Körper des Menschen, seine Konstitution, seine Krankheiten, deren Heilmittel und ähnliches behandeln. Galenus erwähnt das elfte Buch eines umfangreichen ägyptischen Werkes über die Heilkunst, das der Pharao Nechepsos, 667 – 661 v. Chr., schreiben ließ.

Für das Abendland übernahmen die Griechen dasjenige, was von der hermetischen Wissenschaft der Ägypter und ihrer Heilkunst vorhanden war.

Der berühmteste Heiler des alten Griechenland war Hippokrates, dessen Lehren diejenigen der Alchimie sind, doch lehnt er den übertriebenen Gebrauch der Medikamente ab, und weist auf die Selbstheilkraft des Organismus. Er lehrte, daß der menschliche Organismus durch vier Flüssigkeiten sein Gepräge erhält, Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle, zu denen ein sie alle durchdringender Geist, Enormon, tritt. Man nannte ihn deshalb fälschlich den Begründer der Humoralpathologie. Hippokrates wurde um das Jahr 460 zu Cos geboren und starb 370.

Nach ihm ist Athenaeos zu nennen, der Begründer der sogenannten pneumatischen Schule. Auch er fußte auf der hermetischen Lehre, indem er annahm, daß im menschlichen Organismus vier Elementareigenschaften vorhanden sind, warm, kalt, feucht und trocken, und als das Fünfte ein Geist, der die anderen vier durchdringt, Pneuma, eine doppeltpolarisierte Emanation des Weltäthers.

Die hermetische Erkenntnis ist die Wissenschaft vom Weltall, und ein Schlüssel zu ihrem Verständnis liegt in der Lehre von den Zahlen. Die Zahlenlehre wurde von den Griechen übernommen und durch Pythagoras und seine Schule zu hoher Vollendung geführt. Hier finden wir die noch heute bekannten Namen eines Philolaos, Architas, Sokrates, Plato und anderer.

Die ägyptischen Kenntnisse wurden der griechischen Heilkunst hauptsächlich durch die alexandrinische Schule vermittelt, die im dritten Jahrhundert gegründet wurde. Obwohl die Griechen die Idee des Universalelixiers übernahmen, blieb dessen Kenntnis auf wenige beschränkt. Ebenso wurden von ihnen die psychischen Heilweisen der Ägypter, Magnetismus, Suggestion und Hypnose, wie auch die Wissenschaft von der Kraft der Buchstaben vernachlässigt. diese Zweige des hermetischen Wissens fanden bei den Indern und später bei den Arabern Beachtung. Über das große Meisterwerk der Alchimie hinterließ Dioscorides ein Werk unter dem Titel Ouroboros, und das Universalelixier erwähnte Ostanes, genannt der Magier.

Die griechische Heilkunst ging dann auf die Römer über, deren bekanntester Heiler Galenus war. In Pergamon geboren, wurde er Schüler der Alexandriner, und legte die Lehren des Hippokrates in Lehrsätzen fest, dabei aber vieles Wesentliche willkürlich ändernd.

Zu hoher Blüte gelangte die Heilkunst der Alchimie durch die Araber. Sie erhielten sie wohl zum Teil durch die Griechen Alexandriens, doch von größerer Bedeutung war wohl für sie die mündliche Überlieferung durch direkte Berührung mit den Ägyptern.

Gegen Ende des sechsten Jahrhunderts lebte zu Alexandrien der Philosoph Adfar, dessen Ruf als Heiler und Alchimist einen jungen Römer, Morienus, veranlaßte, seine Heimat zu verlassen, nach Alexandrien zu ziehen und dort Schüler des Adfar zu werden. Morienus war dann Lehrer des Calid, eines Statthalters von Ägypten, von dem Ibn-Kallikan berichtet, daß er in Alchimie und Medizin hervorragende Kenntnisse besessen hätte. Calid lebte 668-704, von ihm sind mehrere Werke erhalten: „Das Paradies der Weisheit“, „Das Geheimnis der Geheimnisse“ und „Gespräche mit Morienus“.

Als der Kalif Monovia seine Residenz nach Syrien verlegte, entstanden in Bagdad und Damaskus Schulen, die jene von Alexandrien überflügelten. Sie gelangten im neunten und zehnten Jahrhundert zur Zeit der Abessiden, besonders Harun-al-Raschids, zur höchsten Blüte.

Von 669-765 lebte Djafar-es-Sadik, der als Lehrer des Geber zu erwähnen ist. Geber starb 776, sein Werk „Kitab-el-Khalis“, das in lateinischer Übersetzung unter dem Titel: „Summa Perfectionis“ bekannt und sehr geschätzt wurde, enthält Gedanken über die Metallumwandlungsmöglichkeit. Schüler des Geber waren El Karquy, Ebn Aiadh und Ikhmimy.

In der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts wurde Mohammed ben Zacharia mit dem Beinamen Rhasis geboren, der verschiedene Werke hinterließ, als hauptsächliches „Über die Gewißheit der Alchimie“. Zur gleichen Zeit lebte in Bagdad ein anderer berühmter Alchimist, Alfarabi. Als Nachfolger des Rhasis ist Abu Ali El-Hussein ben Abdallah ben El-Hussein ben Ali el Cheikh el Beis Ibn sina, kurz genannt Avicenna, zu erwähnen.

Durch die arabischen Mauren wurde die hermetische Tradition nach Spanien gebracht. Hier entstanden dann später die lateinischen Übersetzungen arabischer Werke über die Alchimie, die dem Abendland die ägyptischen Kenntnisse, allerdings verändert auf ihrem Weg über Griechen und Araber, vermittelten.

Von den maurischen Alchimisten sind die bekanntesten Abulkasis, Averrhoes, Picatrix und Avenzoar. Dieser letztere, Abu Mervan Abd el Malik Ibn Zohr, lebte in Sevilla und war Lehrer eines anderen berühmten Hermetikers, des Maymonides. Eine maurische Medizinschule bestand in Cordoba.

Wie die Araber in Spanien Übermittler der hermetischen Erkenntnisse waren, so auch in Byzanz, das später durch Kaiser Konstantin den Namen Konstantinopel erhielt. Hier wirkten Aktuarius und Psellus in den Jahren 1020-1110. Von Byzanz brachten dann römische Mönche die medizinischen Lehren nach Italien, wo 1150 die Medizinschulen von Salerno und vom Monte Cassino gegründet wurden. Als Lehrer an diesen Schulen sind erwähnenswert Gerbert und Rosinus, der eine Abhandlung über den Stein der Weisen hinterließ.

In Deutschland lebte Ende des zwölften Jahrhunderts der Dominikaner Albertus Magnus (1193 bis 1280), von dem verschiedene, teilweise jedoch untergeschobene Werke in der alchimistischen Literatur vorhanden sind. Sein Schüler war Thomas von Aquino, dessen Name als Verfasser alchimistischer Schriften ebenfalls öfter mißbraucht wurde. Berühmte Alchimisten des dreizehnten Jahrhunderts waren Roger Baco, 1214 in England geboren und 1294 in Oxford gestorben, der ein „Opus Major“ hinterließ; Arnald Bachuone, genannt Arnald von Villanova nach seinem Geburtsort (1235 bis 1312) und Pietro de Abano, von dem das Werk „Conciliator Differentiarum“ herrührt.

Die Werke Arnalds von Villanova bestehen aus einer ganzen Anzahl medizinisch-alchimistischer Schriften, von denen „Thesaurus Thesaurorum“ und „Rosarium Philosophorum“ die wichtigsten sind. Von ihm schrieb Johannes Andreas, ein berühmter Rechtsgelehrter seiner Zeit in den Zusätzen zum Speculum Juris des Durandus, Paris 1522: „Zu unserer Zeit sah man den Meister Arnald de Villanova am Hofe zu Rom, ein großer Theologe und Arzt, der auch ein tüchtiger Alchimist war und Goldstangen erzeugte, die man jeder Prüfung unterwerfen konnte.“ Auch Raimundus Lullius erwähnt in seinem Lapidarium, daß Arnald in seiner Gegenwart Blei in vortreffliches Gold verwandelt habe.

Um das Jahr 1400 lebte Bernard de Treves, der öfter mit einem anderen bekannten Alchimisten, Bernard, Comte De La Marche Trevisane verwwechselt wird. Dieser letztere, geb. 1406 zu Padua, gest. 1490, schrieb eine sehr gute Abhandlung über den Stein der Weisen unter dem Namen „Das verlorene Wort“.

1462-1494 lebte Giovanni Pico von Mirandula, ein namhafter Hermetiker, der als erster die Kabbala durch Übersetzung zugängig machte. Sein Zeitgenosse war in Deutschland der berühmte Trithemus, Abt von Sponheim, 1462-1516.

Nun folgen die drei bekanntesten Alchimisten des Mittelalters, Basilius Valentinus, Agrippa von Nettesheim und Paracelsus.
Basilius Valentinus soll um 1400 geboren worden sein, und war angeblich Benediktinermönch in Erfurt. Wahrscheinlich ist aber dieser Name ein Deckname, unter dem ein unbekannter Alchimist seine in den damaligen Zeiten großes Aufsehen erregenden Schriften herausgab. Sicher war er ein hervorragender Alchimist und wohl auch Adept. Er empfiehlt in seinem „Currus Triumphalis Antimonii“ das Antimon als Heilstoff von vielseitiger Wirksamkeit, und äußert sich in seinen „Elf Schlüsseln“ über dessen verschiedenerlei Präparationen, wobei er in versteckter Weise die Materie zum großen Werk und deren Bereitung durchblicken läßt.

Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim wurde 1466 zu Köln geboren und war Schüler des Johannes Trithemus von Sponheim. Das Hauptwerk von Agrippa ist die „Philosophia Occulta“, das umfassendste und hervorragendste Werk über die hermetische Philosophie und Alchimie.

Aureolus Philippus Bombastus Theophrastus Paracelsus von Hohenheim wurde 1493 in der Nähe von Zürich geboren, und starb 1541 zu Salzburg. Durch ihn gelangte die Alchimie als Heilkunst zu neuer Blüte, er erweiterte den Heilschatz der Alchimie bedeutend durch Wiederaufnahme der Mineralien in die Therapie und wird deshalb, von der Medizin als einer der ihrigen reklamiert, Schöpfer der chemischen Pharmazie genannt.

Paracelsus betont ebenfalls ganz im Sinne der alten Weisen, daß die erste Voraussetzung für die Ausübung der Heilkunst die besondere Begabung ist, die Intuition, die nicht durch schulmäßiges Erlernen dersetzt werden kann. so sagt er unter anderem in seiner Chirurgia Magna: „Also hat die Erden den Menschen aus angebohrnen Liebe in ihren Gewächs zubrauchen sein Geschicklichkeit vom Firmament, und dieselbige dem Menschen zunutz. Also ist der Arzt geschaffen, daß err bebohren wird, so werden ihm Künste genug, und findet alle tage was noth ist, also ist der Vorsprung eines Artztes.“

Über die Alchimie äußert er sich in den Fragmenta Medica: „Viel haben sich in der Alchimey geeußert, sagen es mach Silber und Gold, so ist doch solches hie nit das fürnemmen, sondern allein die bereitung zu tractieren, was tugend und krafft in der Artzney sey.“ Im Paragranum Tract. III heißt es: „Die Natur gibt nichts an Tag, das auff sein stadt vollendet sey, sondern der Mensch muß es vollenden: diese Vollendung heißt Alchymia. Dann ein Alchimist ist der Beck in dem, so er Brodt backt, der Rebmann in dem, so er Wein macht, der Weber in dem, so er Tuch macht. Was macht die Byrnen zeitig, was bringt die Trauben? nichts als die natürliche Alchimey. Also lehrne, was Alchymia sey, zu erkennen, daß sie allein das ist, das da bereit durch das Fewer das das unrein und zum reinen macht. Nicht als die sagen, Alchymia mache Gold und Silber. Hie ist das fürnemmen, mach Arcana und richt dieselben gegen die Kranckheiten.“

Über die große Universalpanazee sagt er im Schlußkapitel seiner Schrift: „De Tinctura Physica“: „Das ist die Tinctur, dadurch etliche von den ersten Physicis in Egypten, wie dann auch  noch auff diese Zeit 150 Jahr gelebet. Vieler vita hat sich auff etliche saecula erstrecket, wie die Historien öffentlich ausweisen und doch sonst niemandem glaubwürdig gedaucht: dann ihre Krafft ist so wunderbarlich, daß sie den Leib höher, weder die angebohrne Complexion erzeiget, bringet und in demselbigen Grad standhafftig erhält, daß er vor allen Kranckheiten frey bewahret, und ob er mit Alter behafftet, scheinet er gleichsam seiner vorigen Jugendt zugestellet.“. „Also Tinctura Physicorum ist ein Universal, welches verzehret alle Kranckheiten gleich einem Fewer, so die Höltzer verzehret. Sein Dosis ist gar klein, aber seine Würkung mächtig groß.“

In libro X Archidoxorum schrieb er weiter von diesem größten Arkanum: „Also ex lapide Philosophorum, der ist der also das hertz reiniget und alle Hauptglieder, darzu das Gedärme, das Marck und was darmit begriffen wird, und das ist also, daß kein mangel in ihnen erfunden wird von keiner Ungesundtheyt, da weichet Podagra, Hydropisis, Icteritia, Colica, Passio, all ungeschicklichkeyt der vier humores läutert es, als ob sie gleich seyn der ersten Geburt, denn da weichen alle die Dinge, so sich unterstehen die Natur zu verderben, wie die Würme das Fewer fliehen, also fliehet die Kranckheit und Ungesundtheydt diese Ernewerung.“

Es wird Paracelsus vorgeworfen, daß er sich in seinen Angaben über den Stein der Weisen und dessen Metallumwandlungsfähigkeit öfter zu widersprechen scheint. Diese Widersprüche klären sich, wenn man in Betracht zieht, daß er einmal die Afteralchimie und deren vergebliche Versuche meint, das anderermal die wahre Alchimie, für beide aber dieselbe Bezeichnung gebraucht. Wegen seiner Angaben über das große Universalelixier und dessen Wirksamkeit wird Paracelsus für einen Phantasten gehalten, obwohl man ihn sonst hochschätzt.

Man konnte das Universal bisher nicht auffinden, und hält daher alle Berichte über dessen Wirkung für unglaubwürdig. Als Beweis gegen das Vorhandensein eines Universals wird angeführt, daß Paracelsus trotz der angeblichen Kenntnis dieses sagenhaften Mittels verhältnismäßig früh verstorben sei. Es ist richtig, daß er bereits mit achtundvierzig Jahren starb, doch ist dies eine der dunklen Stellen in der deutschen Geschichte, er endete gleich anderen großen Deutschen durch Meuchelmord. Crollius und van Helmont gaben an, er sei vergiftet worden, nach Berichten seiner Zeitgenossen ist er durch, von neidischen Ärzten gedungene, Mörder von einem Felsen herabgestürtz worden. Man brachte ihn noch lebend in das Gasthaus zum weißen Roß in Salzburg am Kai, wo er verschied.

Als Nachfolger des Paracelsus sind zu nennen Oswald Crollius oder Kroll, sein Schüler, der eine geschätzte Abhandlung über die Signaturen und Entsprechungen, sowie ein Werk über die „Königliche Chemie“ hinterließ, weiter Martin Ruland, Leibarzt des Pfalzgrafen Ludwig; dessen Sohn, Leibarzt Kaiser Rudolph des Zweiten; Michael Hayeck; Leonhardt Thurneysser in Basel; Ellinger; Joh. Winter von Andernach; Dorn; B. Carrichter; Alexander von Suchten; Michael Toxites; I.P. Rumelius; J. Hester in England; Roch de Baillif in Frankreich, ebenso Mathieu Morin; Joubert; Bernat Pénot und David de Planis Campy, Chirurg Ludwig des Dreizehnten. Der dänische Arzt Petrus Severinus verfaßte eine Schrift über die alchimistische Medizin nach Paracelsus, worin er besonders die Anwendung des Antimons empfahl, über die dann in medizinischen Kreisen ein heftiger Streit entbrannte.
Um 1600 wirkte Libavius, von dem verschiedene Werke über die Alchimie herausgegeben worden waren; seine gesamten Schriften erschienen unter dem Titel „Opera Medico-Chimica“ in Frankfurt a. M. 1606. In Bologna war ungefähr um dieselbe Zeit Fioravanti als spagyrischer Arzt tätig, der vor allem die alchimistisch bereiteten Pflanzentinkturen gebrauchte.

Zu Beginn des siebzehnten Jahrhunderts wirkte van Helmont, der als anfänglicher heftiger Gegner der Alchimie durch einen unbekannt gebliebenen Adepten zum begeisterten Anhänger bekehrt wurde. Die in seinen Schriften niedergelegten Theorien sind nicht völlig aus hermetischer Erkenntnis geschöpft, doch folgte er in seinen Kuren der paracelsischen Alchimie, und sie gelangen ihm derart, daß er wegen Ausübung von Teufelswerk angeklagt wurde.

1594-1668 lebte als Alchimist und Heiler Johann Rudolph Glauber, einer der Wegbereiter für die Chemie. Glauber empfahl für die Bereitung der Quintessenzen den Hefezusatz zur Gärung, gebrauchte eine Kalilauge, um mit ihr aus Mineralien, Vegetabilien und Animalien die „Essenz“ auszuziehen, fand das „Sal mirabile“, das Glaubersalz und war überzeugt, ein Universalheilmittel aus dem Antimon herstellen zu können. Er war ein guter Deutscher und befähigter Chemiker, doch kein Adept.

weiterlesen:  http://www.levity.com/alchemy/retschla.html

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